Elsa kümmert sich liebevoll um Ewald, der immer häufiger im Bett liegen bleibt. © Claudia Thoelen

Nach wie vor leben die meisten Demenzkranken in privaten Haushalten und werden zumeist von nahen Angehörigen (vor allem von ihren Ehepartnern, Töchtern oder Schwiegertöchtern) betreut und gepflegt. Dies verlangt von den Angehörigen viel Engagement, Verzicht auf Freizeit und die Bereitschaft, gegebenenfalls "rund-um-die-Uhr" zu begleiten und zu unterstützen.
Pflegende Angehörige stehen daher häufig unter hohem psychischen, physischen und sozialen Druck. Viele Angehörige berichten,

  • dass sich während der Pflege ihre körperliche Gesundheit verschlechtert und sie häufiger Medikamente benötigen,
  • dass Freunde, Bekannte und/oder Familienmitglieder den Kontakt meiden,
  • dass sie ihren Beruf und ihre Hobbies aufgeben.

Als besonders belastend wird es empfunden, wenn problematische Verhaltensweisen wie Aggressivität, Schreien oder Wahnvorstellungen bei dem Erkrankten hinzukommen.

Niemand kann und muss diese schweren Aufgaben auf Dauer und ganz alleine erfüllen. Auch im Interesse des Kranken ist es wichtig und ratsam, mit den eigenen Kräften hauszuhalten und sich frühzeitig nach Möglichkeiten der Beratung und Entlastung umzusehen.

Eine Reihe von Entlastungsangeboten sind im Folgenden beschrieben. Adressen von Anbietern erhalten Sie von einer Alzheimer-Gesellschaft in Ihrer Nähe, bei einem Pflegestützpunkt oder von Ihrer Kranken- bzw. Pflegekasse.

Viele Angebote können zumindest teilweise aus Leistungen der Pflegeversicherung finanziert werden. Nähere Informationen dazu enthält das Infoblatt Die Pflegeversicherung.

Ambulante Pflegedienste

Die sozial- und gesundheitspflegerischen Dienste der ambulanten Pflegestationen leisten einen oft unverzichtbaren Beitrag dazu, dass die Erkrankten weiterhin zu Hause leben können.
Die "Hauspflege" umfasst Hilfen im Haushalt sowie die Grundpflege (Körperpflege, Hilfe beim Essen). Kostenträger hierfür ist in erster Linie die Pflegekasse, je nach Umfang des Pflegebedarfs ist eine Zuzahlung notwendig.
Die "häusliche Krankenpflege" (Behandlungspflege) wird von examinierten Pflegefachkräften durchgeführt. Grundlage hierfür ist eine ärztliche Verordnung; die Kosten trägt die Krankenkasse (ggf. ist eine Zuzahlung erfoderlich). Die häusliche Krankenpflege umfasst Tätigkeiten wie das Verabreichen von Medikamenten und Injektionen oder die Versorgung von Wunden.
Alle Pflegedienste betreuen auch demenzkranke Patienten. Einige beschäftigen deshalb Fachkräfte mit gerontopsychiatrischen Zusatzqualifikationen oder setzen Hauspflegekräfte ein, die eine gerontopsychiatrische Fortbildung absolviert haben.

Einen sehr hilfreichen "Pflegeplaner" mit dem sich auch die Kosten der ambulanten Pflege berechnen lassen, finden Sie unter http://pflegeplaner.weisse-liste.de/

Ein Verzeichnis der ambulanten Pflegedienste mit umfangreichen Auswahlkriterien bietet ebenfalls die Weisse Liste unter http://pflegedienst.weisse-liste.de/

Betreuungsgruppen

Alzheimer-Gesellschaften in den verschiedenen Regionen sowie unterschiedliche Wohlfahrtsverbände bieten Betreuungsgruppen zur Entlastung pflegender Angehöriger als niedrigschwelliges ambulantes Angebot an. Für einige Stunden am Tag werden die Betroffenen an 1 bis 2 Tagen pro Woche in Gruppen beschäftigt und betreut.
Aktivierungsangebote, die auf die Bedürfnisse der Kranken ausgerichtet sind, sowie die Betreuung durch geschulte HelferInnen sind Bestandteile des Programms. Die Betreuung wird durch ehrenamtliche Mitarbeiter(innen) geleistet und durch eine Fachkraft begleitet.
Die pflegenden Angehörigen sollen durch die Betreuungsgruppen Entlastung erfahren, sodass sie einen zeitlichen Freiraum zur eigenen Verfügung haben.
Die Teilnahme an einer Betreuungsgruppe kann mit den Mitteln aus verschiedenen Leistungen der Pflegeversicherung finanziert werden.

Angehörigen- und Selbsthilfegruppen

Angehörigen- bzw. Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, mit anderen Menschen, die sich in einer ähnlichen Pflegesituation befinden wie man selber, ins Gespräch zu kommen. Viele Angehörige nutzen das Angebot, um über ihre Sorgen, Ängste und Verzweiflung zu sprechen, aber auch um sich gegenseitig Unterstützung, Anregungen und Tipps zu geben und die Energiespeicher wieder aufzufüllen. Häufig werden die Gruppen von einer Fachkraft geleitet und begleitet.
Es können je nach Bedarf Gruppensitzungen mit Schwerpunktthemen wie z.B. Pflegeversicherung, Betreuungsrecht, Vorsorgevollmachten usw. stattfinden.

Ehrenamtliche Helferinnen

Helferinnenkreise gibt es seit mehr als 15 Jahren. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer betreuen vor allem Demenzkranke, die mit ihren Angehörigen oder alleine zu Hause leben, einige Stunden in der Woche. Dadurch entstehen für den Angehörigen ebenfalls Freiräume. Die freiwilligen Helfer übernehmen dabei stundenweise die soziale Betreuung der Kranken, nicht aber pflegerische oder hauswirtschaftliche Aufgaben.
Helferinnenkreise (auch "Betreuungsbörsen") bieten ein leicht zugängliches, qualitätsgesichertes und kostengünstiges Angebot zur stundenweisen Betreuung der Kranken und zur gleichzeitigen Entlastung der Angehörigen.
Die Helferinnen und Helfer werden regelmäßig geschult und fachlich begleitet.
Die Kosten für die Inanspruchnahme solcher Helferinnen und Helfer können mit den Mitteln aus verschiedenen Leistungen der Pflegeversicherung finanziert werden.

Tagespflegeeinrichtungen

Tagespflegeeinrichtungen zählen zu den teilstationären Pflege- und Betreuungsangeboten.
Die Tagespflege dient der Aktivierung und Rehabilitation durch therapeutische und pflegerische Angebote sowie durch soziale Einbindung und einen strukturierten Tagesablauf. Der Besuch einer Tagesstätte wirkt sich meist positiv auf das Wohlbefinden der Kranken aus und entlastet gleichzeitig die pflegenden Angehörigen. Konzeptionell arbeiten die meisten Einrichtungen nach milieutherapeutischen Bedingungen.
In der Regel verfügen die Einrichtungen über einen Fahrdienst, so dass der Hin- und Rücktransport der Gäste problemlos vonstatten gehen kann. Die Anzahl der Tage, an denen der Pflegebedürftige die Tagespflege besucht, bestimmen er und seine Familie. Empfehlenswert sind mindestens zwei Tage wöchentlich, ansonsten können sich die Gäste kaum eingewöhnen. Vor der Aufnahme wird in der Regel ein "Schnuppertag" vereinbart.
Die Tagespflegen berechnen Tagessätze, die zwischen 45,00 und 90,00 € liegen können. Die Kosten für den Aufenthalt können durch Leistungen der Pflegeversicherung, des Sozialamtes oder durch Eigenbeteiligung getragen werden.

Kurzzeit- und Urlaubs- bzw. Verhinderungspflege

Die Kurzzeitpflege, als Leistung der Pflegeversicherung, findet in der Regel in einer stationären Pflegeeinrichtung statt, die mit den Pflegekassen einen Versorgungsvertrag abgeschlossen hat. Für maximal 28 Tage im Jahr kann der erkrankte Angehörige dort in Obhut gegeben werden, so dass die Pflegeperson in diesem Zeitraum z.B. einen Erholungsurlaub in Anspruch nehmen kann. Kurzzeitpflegeeinrichtungen übernehmen während der Aufnahme die komplette Versorgung der erkrankten Person. Viele Einrichtungen haben sich auf die Versorgung demenziell erkrankter Menschen eingestellt und bieten ein entsprechendes Versorgungs- und Beschäftigungsangebot. Die Pflegekasse gewährt dafür auf Antrag einen Geldbetrag in Höhe von 1.612,00 €. Durch die Kombination mit den Leistungen der Urlaubs- bzw. Verhinderungspflege kann der Zeitraum der Kurzzeitpflege auf bis zu 56 Tage und die Gesamtsumme auf bis zu 3.224,00 € verdoppelt werden.

Die Urlaubs- bzw. Verhinderungspflege ist ebenfalls eine Leistung, die über die Pflegekasse beansprucht werden kann. Ebenfalls für maximal 28 Tage pro Jahr ist es möglich, die erkrankte Person z.B. durch einen Pflegedienst oder eine nahe stehende Person zu Hause versorgen zu lassen, wenn die Hauptpflegeperson (z.B. durch Krankheit oder Erholungsurlaub) verhindert ist. Die Pflegekasse übernimmt für die Versorgung durch einen Pflegedienst bis zu 1.612,00 €, für die Versorgung durch Angehörige in der Regel nur das Pflegegeld zzgl. eventueller Aufwendungen wie Fahrgeld oder Verdienstausfall (max. 1612,00 €). - Die Verhinderungspflege kann auch in einer Kurzzeitpflege-Einrichtung durchgeführt werden. Durch die Kombination mit den Leistungen der Kurzzeitpflege kann der Zeitraum der Verhinderungspflege auf bis zu 42 Tage und die Gesamtsumme auf bis zu 2.418,00 € aufgestockt werden.

Betreuter Urlaub für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen

Urlaubsangebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken und ihren Angehörigen zugeschnitten sind, werden in den letzten Jahren zunehmend geschaffen. Der größte Teil dieser Angebote wird durch regionale und örtliche Alzheimer Gesellschaften organisiert, es gibt aber auch andere Anbieter.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft sammelt diese Urlaubsangebote und stellt eine entsprechende Liste bei Bedarf gerne zur Verfügung. (info[at]deutsche-alzheimer.de)

Weitere Informationen zum Betreuten Urlaub enthält auch das Infoblatt Urlaubsreisen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen