Mein Vater (82) mit einer leichten bis mittleren Demenz und Parkinson (deutlich eingeschränkte Gehfähigkeit) und Pflegestufe 1 wurde bisher von meiner Stiefmutter (67) im eigenen Haus betreut. Er unterliegt nach wie vor dem Glauben, er könne noch alles allein und brauche keine Hilfe. Meine Stiefmutter fiel kurzfristig wegen Krankenhausaufenthalt aus – Vater allein zu Haus. Genesung und Rückkehr meiner Stiefmutter nicht absehbar. Es musste eine perspektivische Lösung entwickelt werden. 

Ich habe als einziger Sohn unmittelbar die Pflege übernommen und meiner Stiefmutter zugesagt, das Weitere zu organisieren. Da ich 400 Kilometer entfernt vom Wohnsitz meiner Eltern lebe und noch voll berufstätig bin, ist eine tägliche Betreuung durch mich ausgeschlossen.

  1. Versuch Organisation ambulante Pflege und Betreuung im eigenen Haus: Nach drei Wochen Erfahrung vor Ort wäre grundsätzlich auch ein noch weitgehend selbstbestimmtes Leben im Rahmen der vertrauten Umgebung möglich. Aber eine permanente Betreuung / Präsenz ist erforderlich, plus hauswirtschaftliche Unterstützung und Medikamentengabe. Mein Vater lehnt jede „fremde“ Unterstützung ab und hat die ambulante Pflege von der Caritas recht „aggressiv“ und eindeutig aus dem Haus geschmissen. „Ich melde mich, wenn ich etwas brauche und ansonsten helfen mir die Nachbarn“. Hinterher zu mir: „Die lasse ich hier nicht mehr rein“.

  2. Die Besichtigung eines Pflegeheimes vor Ort für eine Übergangspflege wurde mit einem Kaffeetrinken und einer Zimmerbesichtigung gestartet und endete mit dem: „Das sieht ganz nett aus, überlege ich mir, jetzt können wir wieder gehen“. Im Rahmen einer weiteren Erörterung mit der Heimleitung schied wegen der zu erwartenden „Heimläufigkeit“ damit eine Unterbringung aus, da er gegen seinen Willen nicht festgehalten wird. Die Orientierung vor Ort funktioniert auch noch weitgehend. Er wäre dann wieder allein zu Hause.

  3. Die Überredung von mir und seiner Frau und Nachbarn zu einem „Kuraufenthalt“, den er schon länger für sich selbst geplant hat, lehnt er auch ab, weil er erstmal die Genesung seiner Frau abwarten will und dann gemeinsam mit ihr zu Kur will. Ist ja auch nicht abwegig, nur leider nicht die Lösung des Problems.

  4. Die quasi selbstbestimmte Lösung funktionierte anschließend im Zusammenspiel mit dem Hausarzt, der ihm eine „Kurzusage“ per Post schickte und erläuterte, dass die Kur seine Gehfähigkeit wieder verbessern würde und er dann fit sei, wenn seine Frau aus dem Krankenhaus kommt, und sich um sie kümmern könne. Die habe ich noch von einem Nachbarn verstärken lassen. Eine anerkannte Autoritätsperson in Verbindung mit dem fingierten Schreiben ermöglichten es mir, meinen Vater in ein Kurheim in meinen Heimatort mitzunehmen – „Ich fahre Dich in die Kur“. Verabschiedung von Nachbarn etc. als Rituale dazu.

  5. Ich hatte im Vorfeld den Heimplatz und die Abstimmung des „Kuraufenthaltes“ organisiert und meinen Vater zu seiner Kur gefahren. Er weiß nicht, dass ich ganz in der Nähe wohne. Ich besuche ihn am Wochenende in seinem Kurheim...

Jetzt geht es mir darum, seinen Kuraufenthalt mit Bewegungstherapie/Krankengymnastik oder ähnlichem als individuelles zusätzliches Angebot weiter glaubwürdig zu unterlegen. 

Zum zweiten braucht es eine psychologische Begleitung, um perspektivisch eine längerfristige, wenn nicht dauerhafte Unterbringung zu erreichen, da meine Stiefmutter absehbar die Betreuung nicht mehr übernehmen wird.