Ich schreibe aus der Sicht der Ehepartnerin. Anfang 2007 fiel mir auf, dass mit meinem Mann etwas nicht stimmte. Er war Ingenieur, 47 Jahre in einer Erdölraffinerie tätig und war immer ein guter Handwerker gewesen. Er konnte einfach alles, er machte die Steuererklärungen, alles Handwerkliche in und ums das Haus und alles was mit dem Wohnwagen zu tun hatte. Aber es fiel ihm immer schwerer, und als er im Wohnwagen das Gas nicht mehr zuverlässig anschließen konnte, wurde ich hellhörig.

Maria M. beim Urlaub an der Ostsee
Maria M. hat gelernt, mit Humor auf ihren Mann zu reagieren

Demenztests und MRT bestätigten den Verdacht und die Diagnose lautete „Frontotemporale Demenz“. Ich bildete mich im Internet und war überrascht, weil dort die Krankheit mit schlimmer Aggressivität beschrieben wurde, womit die Angehörigen zu kämpfen hätten. Mein Mann aber ist lieb, dankbar, humorvoll, kann gut mit Zahlen und Buchstaben umgehen, aber er vergisst eben alles sofort wieder. Auf meine Frage, ob die Diagnose gesichert sei, wurde mir gesagt. „ja, es gibt eben Ausnahmen, die nicht aggressiv reagieren“.

Mein Mann ist z.B. beim Fernsehen oft ganz klar in seinen Reaktionen und Äußerungen, aber für eine weitergehende Diskussion reicht es nicht, und das Gesagte ist schnell vergessen. Wenn er dann „klar“ wirkt, vergesse ich oft, dass er dement ist und reagiere verkehrt, was zu Unstimmigkeiten im Gespräch führt.

Er spürt, dass etwas mit ihm nicht stimmt

Ich glaube, mein Mann spürt seine Veränderung, denn er scheint zu leiden. Morgens bekomme ich auf mein „Guten Morgen“ die Antwort: „Ich weiß, ich bin dummes Schwein, kannst Du mir nochmal verzeihen?“ Diese Sätze „Kannst Du mir nochmal verzeihen?“ und „Ich weiß ich bin ein dummes Schwein“, verfolgen mich mehrfach am Tag und ich muss mich bemühen, nicht ärgerlich darauf zu reagieren. Ich sage dann: „Schätzchen, wenn Du ein dummes Schwein wärst, dann hättest Du eine dumme Kuh geheiratet.“ Je ausgeglichener ich bin, umso seltener kommen diese Sätze.

Auch Lachen gehört dazu

Er hat auch ganz viele Sprüche auf Lager, worüber sich die Leute amüsieren, aber es sind immer die gleichen und sie werden weniger und sie werden meist dann gesagt, wenn er sich verunsichert fühlt. Beispiele: „Ordnung muss sein, sprach der Hahn und kletterte von der Ente.“ Oder „ein Schwein ist ein Schwein, das weiß ich genau, die Kinder sind Ferkel und die Mutter ist…?“ - „aber Sau sagt man doch nicht!“ Oder: „Schon 3 Tage von zuhause weg und immer noch kein Fettpaket.“

Ich habe gelernt, ausgeglichener zu sein, mit mehr Humor zu reagieren. Auch bei der Zeitplanung und Mobilisierung musste ich raffinierter in meinen Argumenten werden, da er immer müder wird und wenig Lust hat, sich zu bewegen.

Bei ihm ist alles „liebevoll“

Eines seiner Lieblingsworte ist „liebevoll“: „Wir wollen liebevoll jetzt ins Bett gehen“, alle anstehenden Tätigkeiten wollen wir „liebevoll“ miteinander machen. Das ist so wunderbar, dass ich bei allem Angebundensein und Anforderungen an meine Geduld, dankbar dafür bin, dass mein Mann so ist wie er ist. Andere Ehepartner haben wesentlich mehr unter der Demenz der Partner zu leiden. Mit Hilfen über die Johanniter und 2 Mal pro Woche Tagesbetreuung kann ich mir Freiräume schaffen, die mir gut tun.

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