"Nein", denke ich, als ich an einem Abend nach Büroschluss nach Hause komme, was ist los mit meinen Mann? "Ich gehe nicht mehr in diese Schule, ich werde mit den Schülern nicht mehr fertig, es wächst mir alles über den Kopf", teilte mein Mann mir erschöpft auf dem Sofa sitzend mit. "Meine Güte", denke ich, "mir wird mein Büro auch manchmal zu viel, deswegen schmeißt man nicht gleich hin."

Ohne irgendwelche weiteren Gedanken um seinen Zustand riet ich ihm zu einem Arztbesuch, was er auch am nächsten Tag gleich in die Tat umsetzte. "Burnout" lautete erst einmal die Diagnose. O.K., also am besten sechs Wochen Klinikaufenthalt, kann ja nicht schaden.

Eine niederschmetternde Diagnose

Regine W. mit ihrem Mann

Mein Mann packte ein paar Tage später seinen Koffer und fuhr in die Klinik. Es tat ihm gut, allerdings wurden auch mehrere Tests gemacht, Gedächtnisübungen usw. Nach Ende der Therapie die niederschmetternde Diagnose "Verdacht auf Alzheimer"! Ich denke, die meinen nicht meinen vitalen, sportlichen Ehemann, der ja Burnout hat, es muss sich um eine Verwechslung handeln. Ich machte sofort nach Entlassung einen Termin in einer neurologischen Klinik, doch auch da keine andere Aussage. Es riss mir den Boden unter den Füßen weg, wir waren doch noch zu jung für so eine Geschichte, wir hatten 10 tolle Jahre, und das soll es jetzt gewesen sein? Ich stellte alles in Frage, sämtliche Diagnosen, selbst in der Berliner Charité gab es keine andere Diagnose als "frontotemporale Demenz".

Er ging einfach aus meinem Leben

Ich besorgte mir Literatur, wollte den Verlauf dieser Krankheit begreifen, während mein Mann im Laufe der Zeit immer mehr abbaute. Anfangs mit einer Tagespflege noch aufzufangen, gelang es mir immer weniger, während meiner 8 Stunden Berufstätigkeit die Pflege selbst noch zu übernehmen. Ich war am Ende meiner Kräfte und nur noch traurig, was mein Mann natürlich auch merkte. Ich wollte es einfach nicht wahrhaben, er ging einfach aus meinen Leben, obwohl er da war.

Na ja, ich habe ihn sieben Jahre zu Hause mehr oder weniger gepflegt, bis es wirklich nicht mehr ging und ich vor der Entscheidung stand, entweder ich höre auf zu arbeiten oder ich muss für ihn eine Pflegeeinrichtung suchen. Den Job hinzuschmeißen wäre nicht gegangen, da ich zu der Zeit 55 Jahre alt war, also blieb nur die andere Alternative.

Seine Gefühle für mich drückt er immer noch aus

Nach langer Suche und einem Umzug wohnt er nun seit zwei Jahren in einer Demenz-WG, wo er jüngster Bewohner mit 69 Jahren ist. Für mich ist es nach wie vor manchmal kaum zu ertragen, ihn in seiner Krankheit so zu erleben, es zerreißt mir das Herz, aber er freut sich wie ein Kleinkind, wenn ich ihn besuche oder ihn am Wochenende für einen Nachmittag nach Hause hole. Ich bin mir auch sicher, dass er weiß, dass ich sehr leide. Er kann heute nicht mehr sprechen, aber durch Gesten und auch kurze Worte wie "meine Liebste" oder "Du siehst so schön aus" drückt auch er noch seine Gefühle für mich aus.

Die Krankheit hat mir meinen besten Freund, meinen Geliebten und meinen Ehemann genommen, doch meine Liebe zu ihm bleibt, sie hat nur eine andere Form übernommen.

Wir hatten leider nur 10 schöne Jahre, aber die kann mir niemand mehr nehmen, ich kann mich daran erinnern, mein Mann leider nicht mehr.

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