Aus: Alzheimer Info 03/2003

Die Alzheimer-Krankheit im Blickpunkt der Kunsttherapie

Wer am 16./17. Mai 2003 die Heilpädagogische Fakultät der Universität Köln besuchte, der hatte zunächst den Eindruck, ein Museum für moderne Kunst zu betreten. Es waren aber keine hoch versicherten Ausstellungsstücke anerkannter Künstler zu sehen, sondern Arbeiten, die aus einer Zusammenarbeit zwischen Alzheimer-Kranken und der Kunsttherapeutin Claudia Büeler entstanden waren (siehe nebenstehende Abbildung). Anlass für die bemerkenswerte Ausstellung war die Tagung der Internationalen Gesellschaft für Kunst, Gestaltung und Therapie zum Thema: "Patientenautonomie und Heilungsprozesse bei chronischen Erkrankungen - ein Dialog zwischen Selbsthilfebewegung von Patienten und kreativen Therapien". Die Alzheimer-Krankheit stand dabei im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen. Es wurde an vielen Beispielen deutlich, dass Kunsttherapie einen Zugang zu Menschen schaffen kann, deren rationale Aufnahmefähigkeit schon stark beeinträchtigt ist.

Mit dem Malen beispielsweise kann der Erkrankte seine eigene Gedankenwelt zum Ausdruck bringen, Gefühle vermitteln und Verbindungen herstellen zwischen der Erinnerung und dem aktuellen Erleben. Er empfindet sich dabei als aktiv Tätiger, der etwas schafft, was bei Betrachtern Respekt hervorruft. Manches, was sprachlich nicht ausgedrückt werden kann, vermittelt sich durch das künstlerische Schaffen. Form und Farbe gewinnen dabei eine eigenständige Bedeutung. Jenseits der Schranke logischer Fassbarkeit werden Zusammenhänge sichtbar . Ein Gefühl der Schaffensfreude entsteht, das Selbstbewusstsein wird verstärkt, die Konzentrationsfähigkeit gestärkt.

Ein Thema der Tagung war auch, dass viele Kranke und ihre Angehörigen den therapeutischen Nutzen der künstlerischen Therapien sehr schätzen, aber bei der Finanzierung dieser Angebote jedoch häufig keine Unterstützung durch die Krankenkassen erhalten. Bei der Beurteilung des therapeutischen Wertes beziehen die Kassen immer noch viel zu wenig die Meinung der Betroffenen mit ein.

Das Netzwerk künstlerischer Therapien e.V., das diese Tagung mit gestaltet hatte, möchte dazu beitragen, dass sich Alzheimer-Selbsthilfegruppen und Kunsttherapeuten zusammentun, um zu einem größeren Angebot zu kommen, dessen Inanspruchnahme von den Kassen finanziell besser unterstützt wird.

Kontakt:
Hansgeorg Ließem
Netzwerk künstlerischer Therapien e.V.
Wasserstr. 8b
53783 Eitorf
Tel. 02243/­880 10
Fax 02243/­821 95