Gemeinsame Pressemitteilung zum Welt-Alzheimertag 2015. "Demenz - Vergiss mich nicht"

Die Alzheimer-Krankheit und mit ihr andere Demenzen sind eine Herausforderung nicht nur für die  von der Diagnose Demenz betroffenen Menschen und  ihre  Angehörigen, sondern wegen des hohen und langen  Pflegeaufwandes auch für unsere solidarisch finanzierten sozialen Sicherungssysteme. Die Zahl der  Erkrankten nimmt zu, und die Zeit drängt. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, mit mehr  Erkrankten und immer  weniger personellen und finanziellen Ressourcen, werden die Demenzen zu einer der größten Belastungen für das Gesundheits- und Sozialwesen nicht nur in Deutschland.  

“Bislang gibt es kein Medikament, das die Alzheimer-Krankheit heilen kann. Irgendwann wird eine wirksame Therapie zur Verfügung stehen, aber wann das sein wird, ist völlig unklar“, so Frau Prof. Isabella Heuser, Berlin, vom Vorstand der Hirnliga e. V. 
“Die Forschung geht intensiv voran und es gibt vielversprechende Ergebnisse, aber auch Ernüchterungen, so ist etwa die Euphorie über eine baldig verfügbare ursachenbezogene Behandlung verflogen. Als Forscher können wir nur immer wieder dringend empfehlen, alle heute schon vorhandenen Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung zu nutzen. Es ist bekannt, dass beispielsweise die Behandlung von Diabetes und Bluthochdruck das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, senkt.  

Neue Untersuchungen zeigen, dass die Zunahme der Erkrankungen in manchen Ländern nicht mehr so groß ist wie erwartet. Grund dafür scheint eine bessere Lebensweise mit besserer Ernährung (z.B. mediterrane Kost) und mehr Bewegung zu sein. Damit wird auch die Forderung nach einer frühzeitigen Diagnose und somit rechtzeitigem Beginn der Demenz-Therapie erhärtet“,  so  Prof.  Heuser  weiter. Dabei sollen Medikamente, nichtmedikamentöse Therapien und pflegerische Maßnahmen in einem therapeutischen Gesamtkonzept eingesetzt werden. Die Therapien bewirken eine Verlangsamung der Krankheitsentwicklung und ermöglichen den Betroffenen und ihren Angehörigen, über einen längeren Zeitraum in Selbstbestimmung und Würde zu leben.  

Mit großer Sorge betrachten die Gerontopsychiater die Bestrebungen von Bund und Ländern den Altenpflegeberuf in seiner jetzigen Form abzuschaffen. „Der Altenpflegeberuf verfügt schon heute  über  die auf die emotionalen, sozialen und medizinischen Bedürfnisse alter Menschen ausgerichteten Kompetenzen, er muss erhalten und weiterentwickelt werden. Andernorts, etwa in Großbritannien, wird der Beruf gerade neu erfunden, den man bei uns abschaffen will“, so Prof.  Hans  Gutzmann,  Präsident der deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und  -psychotherapie e.V. (DGGPP). 

Nach dem Willen von Bund und Ländern soll die Ausbildung der Pflegeberufe reformiert werden. Zukünftig soll es nur noch die Pflegefachfrau und den Pflegefachmann geben. Der Altenpflegeberuf und mit ihm der Gesundheits- und Krankenpflege- und  Kinderkrankenpflegeberuf werden als eigenständige Berufe abgeschafft. Die Politik hofft, so den Pflegeberuf attraktiver zu machen und mehr Fachpersonal zu gewinnen. Einen Beleg für diese Hoffnung gibt es nicht. Vor diesem Hintergrund hat die DGGPP aktuell eine Befragung bei Altenpflegeschülerinnen und -schülern  durchgeführt. Rund 8.000 haben  teilgenommen und damit zur größten Studie in diesem Bereich beigetragen. Eine erste Auswertung wurde heute in Berlin vorgestellt und zeigt, dass

  • die Auszubildenden sich ganz bewusst (93%) für den Beruf entschieden haben. 
  • mehr als ein Drittel (37%) die Ausbildung in Form der neuen „generalistischen Ausbildung“ als Pflegefachmann nicht begonnen hätte. 
  • jeder Fünfte (19%) als Pflegefachmann in der besser bezahlten Krankenpflege arbeiten würde. 

„Diese Zahlen lassen befürchten, dass mit der geplanten generalistischen Ausbildung der jetzt schon bestehende Mangel an AltenpflegerInnen verschärft wird. In der Konsequenz würde sich die ohnehin schon schwierige personelle Situation in Heimen und bei ambulanten Diensten weiter verschlechtern und damit letztlich auch die Versorgung von älteren Menschen insbesondere Demenzkranken noch schwieriger werden“, so Prof. Gutzmann. 

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft wendet sich dieses Jahr unter dem Motto „Demenz  – Vergiss mich nicht“ an die Öffentlichkeit. „Menschen, die an einer Demenz erkranken, und ihre Familien stehen am Beginn eines langen, oftmals schwierigen Weges. Doch sie müssen und sollen  diesen  Weg  nicht  alleine gehen. Wir  dürfen sie nicht vergessen. Sie  brauchen Information, Beratung und Unterstützung. Und sie brauchen  Wegbegleiter:  Freunde und Kollegen, die sie weiterhin besuchen, Nachbarn, die ihre Hilfe anbieten und kompetente Fachleute aus Pflege, Beratung, Medizin und Therapie. Und nicht zuletzt eine Gesellschaft, die sie so akzeptiert, wie sie sind“, so Heike von Lützau-Hohlbein, Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz.

„Mit dem ersten Pflegestärkungsgesetz hat sich Einiges zum Besseren geändert, aber erst mit dem zweiten  Pflegestärkungsgesetz, mit dessen Verabschiedung wir noch in diesem Jahr rechnen können, wird sich endlich die Gleichstellung der somatisch und psychisch kranken Pflegebedürftigen vollzogen haben. Darum haben wir uns seit Jahren bemüht“, so Heike von Lützau-Hohlbein weiter. 

Allerdings gibt es noch sehr viele Baustellen: Zu den größten gehört die Versorgung von Menschen mit Demenz in (Akut-)Krankenhäusern. Demenzkranke können sich nicht an die Routinen im  Klinikbetrieb anpassen.  Sie benötigen Aufmerksamkeit und individuelle Unterstützung. Da dies in den meisten Fällen nicht gegeben ist, stellt ein Krankenhausaufenthalt für Menschen mit Demenz  derzeit  eines  der  größten Risiken für eine dramatische Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes dar. 

Der Welt-Alzheimertag ist eine gute Gelegenheit für alle, sich mit diesem Thema (wieder) einmal zu beschäftigen. 

Hintergrund

Seit 1994 findet jeweils am 21. September der Welt-Alzheimertag statt, der von der Dachorganisation Alzheimer’s Disease International (ADI) mit Unterstützung der WHO initiiert wurde, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Alzheimer-Krankheit und andere Formen der Demenz-Erkrankungen zu richten.  

Kontaktadressen

Hirnliga e.V. - Geschäftsstelle 
Tel.: 02262 / 999 99 17 
www.hirnliga.de  

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz 
Tel.: 030 / 25 93 79 5-0 
www.deutsche-alzheimer.de  
www.alzheimerblog.de  

Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie e.V. 
Tel.: 02262 / 79 76 83 
www.dggpp.de