Aktuell sind Zahlen der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus weiterhin hoch. Auch die Angst vor Ansteckung ist groß und die persönlichen Einschränkungen sind sehr umfangreich. Menschen mit Demenz gehören zur Risikogruppe und sind besonders gefährdet. Doch sie können die Veränderungen um sich herum nicht verstehen und nicht nachvollziehen: Besuche finden nur noch selten statt und sind meist sehr verkürzt. Vertraute Menschen nehmen sie nicht mehr in den Arm. Sie werden zurückgehalten, wenn sie Nähe suchen. Alle Menschen tragen Masken und manchmal Schutzkleidung und sind dadurch kaum wiederzuerkennen.

Die Betroffenen bemerken, dass etwas anders ist und dass ihnen etwas fehlt. Sie fühlen sich allein. Daher gilt: Menschen mit Demenz brauchen unseren Schutz und sie benötigen Zuwendung, Kontakt und Ansprache. Beides ist für sie (über-)lebensnotwendig.

Wir sind an Ihrer Seite!

Die Geschäftsstelle der DAlzG und das Alzheimer-Telefon bleiben zu den gewohnten Zeiten für Sie erreichbar.

Wir haben Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Corona-Virus im Zusammenhang mit Demenz für Sie zusammengestellt. Bitte lesen Sie hier weiter

Impfung gegen COVID-19

Die Impfungen gegen das Corona-Virus haben in Deutschland am 27. Dezember 2020 begonnen.
Es ist vorgesehen, zuerst Menschen zu impfen, die in Pflegeheimen leben und arbeiten, außerdem Menschen im Alter von über 80 Jahren. Die genauen Regelungen sind in den einzelnen Bundesländern etwas unterschiedlich. Vorgesehen ist, dass vor allem in dieser ersten Phase jeder Einzelne eine Einladung zu einem Impftermin erhält. Menschen mit Demenz, die unter 80 sind, gehören zu der Bevölkerungsgruppe, die in der zweiten Phase geimpft werden soll. Die Impfung ist nur ein Angebot, Impfpflicht besteht nicht.

Sie finden Informationen zur Impfung auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums

Das Robert Koch Institut (RKI) stellt auf seinen Internetseiten ein "Faktenblatt zur Impfung" zur Verfügung.

Die BARMER Krankenkasse hat eine bundesweite kostenlose Hotline rund um die Impfung für alle Bürger eingerichtet. Sie ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 - 84 84 111.

Am Alzheimer-Telefon erreichen uns viele Fragen zur Impfung: Ist die Impfung sicher? Können Nebenwirkungen auftreten? Auf welche Art wirkt der Impfstoff? 
Sehr gute und verständliche Informationen dazu hat "Quarks", eine Wissenssendung des WDR zusammengestellt: "Corona: Wie sicher ist der Impfstoff?"

Diese Informationen werden auch im folgenden Video vorgestellt.

Video: Corona: Wie sicher ist der Impfstoff? | Quarks

Hinweis: Durch den Aufruf des Videos werden Sie über einen externen Link auf Youtube weitergeleitet. Auf Art und Umfang der von diesem Anbieter übertragenen bzw. gespeicherten Daten hat die DAlzG keinen Einfluss.

Menschen mit Demenz in Pflegeheimen brauchen den Kontakt zu ihren Angehörigen

Im Frühjahr 2020 wurden teils gravierende Besuchseinschränkungen in Pflegeheimen eingeführt. Bewohnerinnen und Bewohner durften keinen Besuch von Angehörigen mehr empfangen. Teilweise wurden zudem die Kontakte zu den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern drastisch eingeschränkt. Trotz anderslautender Forderungen und Empfehlungen wiederholt sich dieses Vorgehen, seitdem im Herbst die Infektionszahlen in Deutschland wieder stark steigen. 

Hauptziel dieser Maßnahmen war und ist der Gesundheitsschutz. Selbstverständlich ist dies nachvollziehbar und der Schutz vor Ansteckung wichtig. Gehören doch die Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeeinrichtungen zur Hochrisikogruppe für einen schweren und tödlichen Verlauf einer Covid-19-Infektion (dazu hier Informationen des RKI). Die Erfahrung der letzten Monate zeigt jedoch, dass insbesondere ein absolutes Kontaktverbot erhebliche seelische Schäden zur Folge haben kann - sowohl bei den Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern als auch bei den Angehörigen. Wenn Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen oder Demenz-WGs das Haus oder sogar das Zimmer nicht mehr verlassen dürfen, bedeutet dies für Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz oft großes Leid. Sie können die Maßnahmen nicht verstehen und reagieren darauf entweder mit Rückzug oder mit gesteigerter Unruhe und Aggressivität. Dies wiederum führt unter Umständen zu einem häufigeren Einsatz von sedierenden Medikamenten und Neuroleptika, die sonst nicht erforderlich wären.

Forderungen und Empfehlungen zur Vermeidung von Kontaktverboten

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat seit Beginn der Corona-Pandemie die beteiligten Behörden und Einrichtungen dringend dazu aufgerufen,  Besuchsbeschränkungen bzw. –verbote auf ihre Verhältnismäßigkeit zu überprüfen. 

Auch dem im März 2020 veröffentlichten Positionspapier des BIVA Pflegeschutzbundes hat sie sich angeschlossen: www.biva.de/positionspapier-besuchsbeschraenkungen-pflegeheim/. 

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) hat am 11. November 2020 das Rechtsgutachten „Zur verfassungsrechtlichen Beurteilung von Besuchs- und Ausgangsbeschränkungen in Alten- und Pflegeheimen aus Anlass der COVID-19-Pandemie“ veröffentlicht. Demzufolge sind die Besuchsbeschränkungen in Pflegeheimen in weiten Teilen verfassungswidrig. Die BAGSO fordert umgehende Konsequenzen aus diesem Gutachten. Die DAlzG ist Mitglied der BAGSO.

Kurz vor Jahresende forderte schließlich auch der Deutsche Ethikrat mit einer Ad-hoc-Empfehlung, ein „Mindestmaß an sozialen Kontakten in der Langzeitpflege während der Covid-19-Pandemie“ sicherzustellen. Zur Ad-hoc-Empfehlung

Wie gelingt es, Gesundheitsschutz und das Recht auf Kontakt in der Praxis zu vereinbaren?
Lesen Sie hier ein Beispiel aus Brandenburg

Praktische Hinweise für Einrichtungen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht Empfehlungen zur „Prävention und Management von COVID-19 in Alten- und Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen“ 

Eine Arbeitsgruppe hat in Abstimmung mit der Demenz-Kommission der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) einen Praxisleitfaden für den Umgang mit demenzerkrankten Patienten in Pflegeeinrichtungen zu Zeiten der SARS-CoV-2-Pandemie entwickelt.

Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V. (DGP) wurde eine S1-Leitlinie zur „Sozialen Teilhabe und Lebensqualität in der stationären Altenhilfe unter den Bedingungen der Covid-19 Pandemie“ entwickelt. 

Handreichung des Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung „Besuche sicher ermöglichen. Besuchskonzepte in stationären Einrichtungen der Langzeitpflege während der Corona-Pandemie“ 

Tipps und Hinweise für Angehörige

Angehörige übernehmen in „normalen“ Zeiten einen nicht unerheblichen Teil der pflegerischen Versorgung in Pflegeeinrichtungen. In Demenz-WGs ist die Mitarbeit der Angehörigen regelmäßig Teil des Versorgungskonzepts. Dies ist unter Corona-Bedingungen nun nicht mehr möglich. Doch bei den - wenn auch sehr kurzen - Besuchen können die Angehörigen Zuwendung, Beruhigung und Trost spenden. Unter der allgemeinen Beachtung der Kontaktbeschränkungen sowie der Hygienemaßnahmen (Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, Händedesinfektion) und bei Symptomfreiheit muss in Ausnahmefällen für einen kurzen Moment auch Körperkontakt möglich sein. Für Menschen mit Demenz ist es elementar, die Nähe einer vertrauten Person zu spüren.

Neben den reduzierten Besuchen können auch die Möglichkeiten von Technik und Digitalisierung genutzt werden. Je nach vorhandenen Fähigkeiten der Bewohnerinnen und Bewohner kann über Smartphone oder Tablet zum Beispiel ein kleiner Morgengruß geschickt werden. Auch Enkelkinder können per Videotelefonie Kontakt zu den Großeltern halten. Fotos, selbst gemalte Bilder oder die Lieblingsschokolade können ins Heim gebracht/geschickt werden.

Bleiben Sie im Gespräch mit der Heimleitung und dem Pflegepersonal. Erkennen Sie an, dass auch sie eine schwierige und belastende Aufgabe zu meistern haben. Alle im Heim Tätigen tragen eine sehr große Verantwortung und es ist schwer, immer aufs Neue eine gute Balance zwischen Schutz und individuellen Bedürfnissen zu finden. Zeigen Sie dafür Verständnis. Nehmen Sie Rücksicht.

Doch es gibt auch Situationen, die Sie nicht dulden müssen. Wenn zum Beispiel Menschen mit Demenz in ihrem Zimmer eingesperrt werden, wenn nach jedem Besuch durch die Angehörigen mit „Quarantäne“ gedroht wird: Sprechen Sie dies an. Wenn Sie nicht weiterkommen, rufen Sie beim Alzheimer-Telefon (030 - 259 37 91 14) an oder wenden sie sich an den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder an das Gesundheitsamt.

Wie sich die Besuchsbeschränkungen in den Pflegeheimen entwickeln, ist je nach Bundesland unterschiedlich. Der Pflegeschutzbund BIVA informiert auf seiner Internetseite über die aktuellen Regelungen: www.biva.de/besuchseinschraenkungen-in-alten-und-pflegeheimen-wegen-corona/ 

Die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege hat eine kurze und übersichtliche Handreichung herausgegeben zu "Infektionsschutz und Lebensqualität im Pflegeheim in der Corona-Pandemie".

Pflege zu Hause

Angehörige, die zu Hause pflegen, sind verunsichert. Sie machen sich Sorgen und wollen auf keinen Fall die Erkrankten zusätzlich gefährden. Indem Sie die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen (zum Beispiel gründliches Händewaschen) beachten und zu Menschen außerhalb Ihres Haushalts Abstand halten, minimieren Sie das Infektionsrisiko.

Aktuelle Informationen zu den Hygienevorschriften und den Anzeichen für eine mögliche Infektion finden Sie auf der offiziellen Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.infektionsschutz.de/coronavirus/

Eine Information über die Abgabe von FFP 2-Schutzmasken an Menschen mit einem erhöhten Risiko hat die AWO-Pflegeberatung zusammengestellt.

Vorschau auf das Infoblatt zum Corona-Virus

Hier können Sie unser Infoblatt mit den wichtigsten Informationen zum Corona-Virus für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen herunterladen.

Der stärkere Rückzug in die eigenen vier Wände bedeutet viel mehr gemeinsame Zeit. Diese gilt es, zu gestalten und dabei eine gewisse Routine zu entwickeln.

Bewegung kommt in dieser Zeit zu kurz und doch ist sie gerade jetzt so wichtig, um mobil zu bleiben. Ein täglicher Spaziergang an der frischen Luft kann das Abwehrsystem stärken und bringt Abwechslung. Dabei sollten Orte und Zeiten ausgewählt werden, die wenig frequentiert sind. Wenn dies aufgrund eingeschränkter Mobilität nicht möglich ist, so können trotzdem kleinere Bewegungseinheiten das Wohlbefinden steigern. Auf der Internetseite „Älter werden in Balance“ der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) finden Sie eine ganze Reihe von Videos mit Bewegungsübungen: www.aelter-werden-in-balance.de/online-bewegungsangebote/uebungsvideos/.

Der Haushalt bietet außerdem eine Vielzahl von Möglichkeiten, Menschen mit Demenz einzubeziehen. Doch neben den alltäglichen „Pflichten“ sollte auch Zeit sein für entspannte gemeinsame Stunden und Aktivitäten; zum Beispiel gemeinsam Musik hören, in den Mediatheken von Fernsehsendern bewusst nach Naturfilmen oder alten Spielfilmen suchen und diese gemeinsam anschauen, wieder einmal die Fotoalben zur Hand nehmen und gemeinsam darin schmökern oder auch verschiedene Karten- und Würfelspiele ausprobieren.
Weitere Anregungen finden Sie in unserer App „Alzheimer & YOU – den Alltag aktiv gestalten“, die Sie kostenlos auf Ihr Smartphone laden können.
Fürs iPhone: Link zum App Store: „Alzheimer & YOU - Den Alltag aktiv gestalten“
Für Android-Smartphones: Link zum Google Play Store: „Alzheimer & YOU - Den Alltag aktiv gestalten“.

Kontakte werden weniger und Unterstützungsangebote fallen weg - und doch ist die Pflege alleine kaum zu bewältigen. Sprechen Sie daher mit den Helferinnen und Helfern, zum Beispiel der regionalen Alzheimer-Gesellschaften, die bereits jetzt Hausbesuche anbieten, sowie mit Bekannten und Freunden, denen Sie vertrauen. Bitte Sie sie möglichst konkret um Hilfe. Bewahren Sie sich ein kleines, aber möglichst zuverlässiges Unterstützungsnetzwerk.

Sonderregelungen der Pflegeversicherung wurden bis zum 31. Dezember 2020 verlängert. Diese ermöglichen mehr Flexibilität in der Finanzierung der Hilfen:
www.bundesgesundheitsministerium.de

Wie Sie in diesen Zeiten Pflege und Beruf miteinander vereinbaren können, dazu berät Sie das bundesweite Pflegetelefon des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: 030 - 20 17 91 31.

Wir setzen uns angesichts der Auswirkungen durch die Corona-Pandemie auch gegenüber der Politik für die Interessen von Menschen mit Demenz und ihren Familien ein. Bitte lesen Sie hier weiter

Gerne können Sie sich mit Ihren Fragen, Sorgen und Anliegen auch jetzt an uns wenden.

Die Geschäftsstelle erreichen Sie telefonisch (030 – 259 37 95 0) und per E-Mail unter info@deutsche-alzheimer.de bis auf Weiteres zu den Geschäftszeiten Montag – Donnerstag von 9 bis 16 Uhr, Freitag von 9 bis 15 Uhr.

Das Alzheimer-Telefon bleibt unter 030 – 259 37 95 14 ebenfalls bestmöglich erreichbar. Es ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr, am Freitag von 9 bis 15 Uhr besetzt. Wir bitten um Verständnis, wenn Sie aufgrund der hohen Nachfrage mehrfache Versuche benötigen, um eine freie Leitung zu bekommen. Alternativ können Sie uns auch eine schriftliche Beratungsanfrage schicken, entweder per E-Mail an info@deutsche-alzheimer.de oder besser noch über unsere Online-Beratungsplattform unter 
https://deutsche-alzheimer-gesellschaft.beranet.info/e-mailberatung

Sie können weiterhin Broschüren in unserem Online-Shop bestellen. Sollte es beim Versand zu Verzögerungen kommen, bitten wir um Ihr Verständnis.

Gerade jetzt gibt es sicherlich viele Fragen, über die Sie mit anderen Angehörigen sprechen möchten. Nutzen Sie dafür doch gerne auch die Foren auf unseren Seiten.

Viele regionale Alzheimer-Gesellschaften haben ihre Beratungsangebote (telefonisch, per E-Mail oder online) der aktuellen Situation angepasst. Informationen zu den Beratungs- sowie weiteren Entlastungsmöglichkeiten vor Ort finden Sie über die Adressen der Alzheimer-Gesellschaften.

Informationen zu Corona in verschiedenen Sprachen

Informationen zum Corona-Virus in verschiedenen Sprachen finden Sie auf der Internetseite der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung:

www.integrationsbeauftragte.de/ib-de/amt-und-person/informationen-zum-coronavirus