Kalenderblatt zum Corona-Virus

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie im März hat sich unser Leben sehr verändert. Täglich erreichen uns Nachrichten zur aktuellen Situation: Es geht um die Ansteckungsrate, Risikogruppen, das Ausbreitungsverhalten des Virus, Kontaktbeschränkungen, Hygienevorschriften und viele Einschränkungen des öffentlichen Lebens wie auch des ganz persönlichen Alltags. Angehörige von Menschen mit einer Demenz, Anbieter von Entlastungsangeboten, Träger von Pflegeeinrichtungen oder Pflegediensten und auch viele regionale Alzheimer-Gesellschaften und ehrenamtlich Engagierte stehen seit vielen Wochen vor organisatorischen und finanziellen Herausforderungen. Sie alle versuchen, in dieser Situation bestmögliche Lösungen zu finden, damit der Alltag für und mit Menschen mit Demenz gelingt. Durch die verschiedenen Kontaktbeschränkungen, Besuchsverbote in Pflegeeinrichtungen sowie fehlende ambulante Entlastungsangebote sind besonders pflegende Angehörige stark belastet. Am Alzheimer-Telefon berichten sie uns täglich von ihren Sorgen und Nöten. Uns erreichen aber auch viele Berichte von schönen Erlebnissen und kreativen Lösungen zum Umgang mit Kontaktbeschränkungen in dieser Zeit. Diese Berichte und Erfahrungen möchten wir teilen:

In unserem wöchentlich erscheinenden „Kalenderblatt“ stellen wir montags Erfahrungsberichte aus dem Alltag mit Demenz in Zeiten von Corona vor. Verschiedene Perspektiven sollen hier zu Wort kommen. Sie zeigen zum einen, welchen Fragen und Herausforderungen sich Angehörige stellen müssen und welche Sorgen sie gerade besonders bewegen. Zum anderen möchten wir mit den Berichten aber auch Mut machen: Auch in dieser Zeit ist einiges möglich und mit dem gebotenen Abstand müssen viele Menschen den Kontakt zueinander nicht verlieren.

19. Kalenderblatt: Hygiene-Pakete für den Einsatz vor Ort - ein Bericht aus Emden-Ostfriesland

Das Hygienepaket der Alzheimer Gesellschaft Emden-Ostfriesland


Hildegard Krüger von der Alzheimer Gesellschaft Emden-Ostfriesland e.V. Selbsthilfe Demenz berichtet heute über praktische Hilfen für die Helferinnen und Helfer, damit diese wieder die Familien mit Demenz besuchen können:

„Schwere Zeiten erfordern Mut! Während der Corona-Pandemie haben wir unsere Gruppenaktivitäten komplett eingestellt. Allein lebende Personen mit Demenz haben wir aber auch in dieser Zeit weiter begleitet. Vor einigen Wochen konnten wir mit unseren Aktivitäten langsam wieder starten. Damit unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in dieser Zeit gut geschützt ihre Betreuungsarbeit in den Familien übernehmen können, haben wir sie mit Händedesinfektionsmittel, Einmal-Handschuhen in der passenden Größe sowie Atemschutzmasken ausgestattet. Zusätzlich haben wir alle Helfenden nochmals auf die Hygienevorschriften hingewiesen und ihnen ein Informationsblatt mit den wichtigsten Hygiene-Tipps übergeben. Bestens gerüstet können die Helferinnen und Helfer endlich wieder persönlich für Menschen mit Demenz und ihre Familien da sein und sie im Alltag begleiten.“

Mehr zur Alzheimer Gesellschaft Emden-Ostfriesland

18. Kalenderblatt: Konzerte mit „LADY SUNSHINE & MISTER MOON“: Eine Hommage an die gute alte Zeit

Lady Sunshine & Mister Moon (© rnb-pictures (3))


Heute stellen wir „LADY SUNSHINE & MISTER MOON“ vor, die gemeinsam mit ihrer Band Schlager der 1920er- bis frühen 60er-Jahre auf die Bühnen bringen - in der Corona-Zeit auch über Facebook und Youtube. Die Band hatte von Beginn an auch Auftritte in Senioreneinrichtungen, daher ist es allen ein besonderes Anliegen, trotz Corona Freude und Unterhaltung zu den Menschen zu bringen.

Elisabeth Heller, die Sängerin von „LADY SUNSHINE & MISTER MOON“, erzählt: „Meine Mama war Seniorenbetreuerin in einem Pflegeheim. Von ihr habe ich viel gelernt über den Umgang mit demenzerkrankten Menschen. Es hat mich immer fasziniert, wie sie durch ihre Validations-Ausbildung auf die Bewohnerinnen und Bewohner zugegangen ist und mit kleinen Kniffen so viel wertvolle Zeit und Lebensqualität schenken konnte.

Durch diesen Umstand bin ich damals als frischgebackene Musical-Absolventin auch zu den alten Schlagern der 1920er- bis 60er-Jahre gekommen. Anfangs sind mein Lebensgefährte, mein Papa am Klavier und ich durch Wiener Seniorenhäuser getingelt, um den Bewohnern ein paar schöne Stunden in Jugenderinnerungen zu bereiten. Es ist immer wieder unglaublich, welchen positiven Effekt Musik auf Ältere und Menschen mit Demenz hat. Deshalb singen wir ausschließlich deutsch und versuchen, unser Publikum durch Kostümwechsel, Choreographien, Zaubertricks, Berührungen, Humor und durch Motivation, gemeinsam mit uns zu singen, auf allen Sinnesebenen zu unterhalten.

Mittlerweile haben wir ein Orchester und bereisen große Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum sowie das Fernsehen - und dank COVID 19 auch vermehrt das Internet. Für uns Künstler waren die Konzertverbote zu Beginn der Corona-Krise jedenfalls ein Schock. Keine Arbeit mehr von heute auf morgen, und das für mehrere Monate. Aber mein zweiter Gedanke war sofort bei unserer ältesten Generation. Als ich hörte, dass nicht nur die Unterhaltung in den Häusern abgedreht wurde, sondern auch sämtliche Besuche verboten wurden, dachte ich mir: Da werden wohl einige eher an Vereinsamung sterben als an dem Virus. Selbstverständlich ist es wichtig, die Schwächsten zu schützen, aber ein Grund zum Nachdenken ist es allemal. Ich weiß von meiner Mama, wie wichtig in gewissen Stadien der Demenz Berührung oder Aufmerksamkeit sind. Und wenn man bedenkt, dass unser Pflegepersonal meist ohnehin an der Belastungsgrenze arbeitet, fragt man sich schon, wo diese lebensnotwendige Zuwendung dann herkommen soll.

Meinem Partner und mir war schnell klar, dass wir gegen die Situation nicht viel tun konnten - außer: das Beste draus zu machen. Daher haben wir kurzerhand unseren Proberaum zu einem Filmstudio umgebaut und produzieren nun viele schöne Projekte wie …

… Mini-Mitsing-Konzerte (immer montags auf Facebook)
… Die große LADY SUNSHINE & MISTER MOON SHOW (monatlich auf Youtube)
… „100 Jahre – 100 Schlager“ – lustige Neuinterpretationen
… Das LADY SUNSHINE & MISTER MOON HÖRSPIEL (monatlich auf Youtube)

Und wenn wir jetzt die zu Pflegenden auch nicht direkt unterhalten können, so haben vielleicht einige Angehörige und Ehrenamtliche Freude an unserer kleinen heilen Welt, die wir auf Youtube bieten, und können die Lebensfreude weitergeben - so gut es die Bestimmungen zulassen. So wirkt unsere gute Laune über die Grenzen des Internets hinaus. Vielleicht gibt es ja bald ein Wiedersehen auf einer echten Bühne.“

LIVE-TERMINE: www.ladysunshine-mistermoon.com
YOUTUBE: https://www.youtube.com/user/sunshineundmoon
FACEBOOK: https://www.facebook.com/LadySunshineUndMisterMoon

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17. Kalenderblatt: Online-Unterstützung in Zeiten von Corona: Die „Online-Gefühls-Werkstatt“ der Alzheimer Gesellschaft Kelheim

Zeichnung: Hände schreiben auf dem Laptop bei einem Videogespräch (© Pixabay)


In unserem heutigen Kalenderblatt stellt Gerrit Idsardi, 2. Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft im Landkreis Kelheim e.V., die „Online-Gefühls-Werkstatt“ vor, ein Online-Einzelcoaching für Angehörige von Menschen mit Demenz:

Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen haben die Welt derzeit fest im Griff, und manche Menschen erleben erstmals das Gefühl der Isolierung und Vereinsamung. Viele Angehörige von Menschen mit Demenz kennen dieses Gefühl jedoch schon länger: „Wir sind schon vorher nicht wirklich rausgekommen und waren ans Haus gebunden“, erzählt eine Betroffene. „Aber jetzt ist das nochmal anders. Ich kann ja mit meinem Vater nicht einmal mehr zum Einkaufen oder zum Arzt gehen, weil er den Mund-Nasen-Schutz nicht auflässt und auch die Abstandsregelungen nicht versteht. Die wenigen Stunden in der Woche, die er in der Tagespflege war, fallen jetzt ebenfalls weg. Und die Menschen, die ich sonst noch treffen konnte - ein paar Freundinnen und mein Bruder mit seiner Familie - darf ich jetzt auch nicht mehr treffen.“

Die Alzheimer Gesellschaft für den Landkreis Kelheim e.V. hat in den vergangenen zwei Jahren im Projekt „Helfen und selber gesund bleiben!“ das Training ‚Gefühls-Werkstatt‘ entwickelt und erprobt. Pflegende Angehörige können hier lernen, mit belastenden Gefühlen wie Ärger, Wut, Angst, Scham, Schuld, Kränkung und Niedergeschlagenheit umzugehen. Denn wenn diese emotionale Belastung zu lange andauert, kann das zur psychischen und physischen Erkrankung der pflegenden Angehörigen führen.

Wegen der Corona-Krise und allen damit verbundenen Kontakteinschränkungen wird dieses Training ab sofort als Online-Einzelcoaching angeboten. Das bedeutet, dass sich Betroffene über ein Video-Tool virtuell mit einem Coach treffen – sie können sich also hören und sehen. Dazu benötigen sie nur einen PC oder Laptop mit Kamera und natürlich eine Internetverbindung. Der Coach lädt per E-Mail zu den Terminen ein, die jeweils etwa 45 Minuten dauern – und mit einem Klick auf den Einladungslink zur vereinbarten Zeit steht in der Regel die Verbindung.

Weil dieses Online-Coaching nicht ortsgebunden ist, können sich Angehörige aus ganz Bayern dafür anmelden. Vorerst ist das Angebot, das vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gefördert wird, auf zwölf Angehörige für jeweils drei bis vier Termine begrenzt.

Das Projekt „Helfen und selber gesund bleiben!“ wurde für den Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis 2019 nominiert.

Mehr zur „Online-Gefühls-Werkstatt“ der Alzheimer Gesellschaft Kelheim

16. Kalenderblatt: „Begleite mich - in meine Welt“ - Demenzkampagne 2020 der Stadt Baden-Baden startet mit Veranstaltungen im kleineren Kreis

Titelseite der Broschüre zur Demenzkampagne 2020 in Baden-Baden


Dieses Jahr sollte zum siebten Mal die Demenzkampagne der Stadt Baden-Baden stattfinden. Sie macht das häufig tabuisierte Thema Demenz öffentlich. Die Erfahrung zeigt: Eine hohe Lebensqualität Betroffener in allen Phasen der Demenz und wirkliche Entlastung der Angehörigen gelingt nur, wenn Unterstützung vor Ort angeboten und das Verständnis für die Desorientiertheit im persönlichen und gesellschaftlichen Umfeld gestärkt wird. „Noch immer kommen Betroffene sehr spät, um sich Hilfe zu holen und noch immer wissen Angehörige und die Gesellschaft oft nur wenig über Demenz und Unterstützungsmöglichkeiten“, erklärt Tanja Fröhlich vom Pflegestützpunkt der Stadt Baden-Baden, die Koordinatorin der Kampagne. Hier setzt die Arbeitsgruppe der Demenzkampagne an. Sie entwickelt beständig neue Ideen und organisiert die unterschiedlichsten Veranstaltungen.

Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die Kampagne in diesem Jahr nicht wie geplant starten. Ab Juni/Juli können aber die ersten Angebote im kleineren Kreis und unter den vorgegebenen Schutzmaßnahmen stattfinden. „Endlich können wir so langsam etwas Normalität umsetzen“, freut sich Tanja Fröhlich. „Gerade in der momentan stark belastenden Zeit ist ein Seminar zur Stärkung genau das Richtige.“ Am 30. Juni startet das Programm mit dem Workshop „Zauberharfe spielen“. Das Tagesseminar Resilienz „Mit Kraft und innerer Stärke Herausforderungen meistern“ wird am 13. Juli angeboten. „Leider werden viele andere Angebote abgesagt bzw. stark begrenzt werden“, so Tanja Fröhlich. „Interessierte sollten daher immer im Vorfeld bei dem jeweiligen Veranstalter nachfragen, ob der Programmpunkt auch durchgeführt wird. Eine Teilnahme ohne Voranmeldung wird in diesem Jahr nicht möglich sein.“

Die Demenzkampagne der Stadt Baden-Baden wird von zahlreichen Kooperationspartnern und Sponsoren unterstützt und mitgetragen. In der Arbeitsgruppe „Demenzkampagne“ engagieren sich: Pflegestützpunkt Baden-Baden, Alzheimer Gesellschaft Baden-Baden, Ambulanter Hospizdienst Baden-Baden, AWO Baden-Baden, Caritasverband Baden-Baden, DRK Baden-Baden, Evangelische Kirchengemeinde Baden-Baden, Fachschule für Altenhilfe Robert-Schuman-Schule Baden-Baden, Klinikum Mittelbaden.

Mehr zur Demenzkampagne 2020 der Stadt Baden-Baden

15. Kalenderblatt: „Ich will, dass sich etwas zum Wohl der Familien ändert!“

Illustration zu Corona (© Pixabay)


Iris Jirka war viele Jahre im Vorstand der Alzheimer Gesellschaft Flensburg aktiv, zuletzt mehrere Jahre als Vorsitzende des Vereins. Die Heilpraktikerin hat sich auch beruflich auf die Begleitung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen spezialisiert. In den vergangenen Monaten der Corona-Pandemie hat Iris Jirka viele Familien intensiv begleitet und berichtet in unserem heutigen Kalenderblatt von ihren Erfahrungen mit den Besuchsbeschränkungen in Pflegeeinrichtungen:

„Ich habe seit Beginn der Corona-Maßnahmen per Telefon und E-Mail Kontakt zu Familien mit Demenz gehalten und versucht, den Angehörigen hilfreiche Anregungen zu geben, damit diese gesund bleiben (ausreichende Bewegung, gesunde Ernährung, regelmäßige Gespräche mit anderen). Vielen habe ich auch Rätsel, Bewegungsangebote und aufmunternde Geschichten geschickt. Es ist so wichtig, dass die pflegenden Angehörigen für ihre Aufgaben gestärkt werden!

Der Lockdown war eine große Belastung für die Angehörigen, die einen Demenzerkrankten zu Hause pflegen und plötzlich keine Entlastungsmöglichkeiten mehr hatten. Auch bei Familien, deren demenzerkrankter Angehöriger akut ins Krankenhaus musste und nicht begleitet werden durfte, gab es natürlich große Schwierigkeiten.

Und dann waren da all die Familien, deren demenzerkrankter Angehöriger in einer Pflegeeinrichtung lebt. Häufig besuchen die Familienmitglieder ihren Angehörigen täglich im Heim und bringen Abwechslung in den Alltag: Gespräche, Gedächtnistraining, biografische Orientierung, Spaziergänge und vieles mehr sorgen für die so nötige Liebe und Zuwendung. Ebenso übernehmen die Familien kleinere Pflegetätigkeiten wie Rasieren, Nagelpflege, Haarpflege oder die Pflege der Kleidung.

Dann kam Corona. Von einem Tag auf den anderen war all das nicht mehr möglich!
Ich habe die Verzweiflung und die Angst der Angehörigen erlebt und begleitet in der Zeit, als gar keine Besuche möglich waren. Sie alle hatten Angst, ihre Lieben vielleicht nicht mehr wiederzusehen oder nicht mehr erkannt zu werden. Ich habe Angehörige erlebt und getröstet, deren Partner unter diesen Bedingungen abgemagert und verwahrlost sind und deutlich desorientierter wurden. Ich erlebe die große Not der Angehörigen, die Verzweiflung vor und nach den kurzen Besuchen bei ihren Lieben im Heim, und kann mich nicht mehr nur aufs Trösten und Verstehen beschränken. Ich will, dass sich etwas zum Wohl der Familien ändert!

Voller Interesse habe ich die Erlasse und Handlungsempfehlungen der letzten Wochen verfolgt. Da steht für Schleswig-Holstein schon seit Längerem: Ausnahmen für Menschen mit Demenz, die nicht mit Videotelefonie und rein verbaler Kommunikation zurechtkommen, sind jederzeit möglich. Seit dem 15. Juni gibt es kein generelles Betretungsverbot mehr für die Pflegeheime im Land. Besuche sollen unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen und Bedingungen (Betreten unter Auflagen) wieder zugelassen werden. Daher sind die Einrichtungen nun verpflichtet, ein Besuchskonzept zu erstellen. Sobald die Pflegeeinrichtungen ihre Besuchskonzepte angepasst oder erstellt haben, sollten Besuche unter vereinfachten Rahmenbedingungen leichter und ggf. auch häufiger als zuvor möglich sein.

Für mich bleibt die Frage offen, wie wir die Einrichtungsleitungen dazu bewegen können, sich auch an diese Vorgaben zu halten. Besuche in Pflegeeinrichtungen müssen wieder (unter Einhaltung gewisser Auflagen) uneingeschränkt möglich sein!“

14. Kalenderblatt: „Durstig nach Austausch und Liebe“ – ROTE NASEN Fenstervisite für Pflegebedürftige

ROTE NASEN Clowns spielen bundesweit in Einrichtungen für Menschen mit Demenz. Besonders wichtig für die Künstlerinnen und Künstler sind der Kontakt auf Augenhöhe und der direkte Austausch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen. Dann kam Covid-19 – und damit die Besuchsverbote auch für die Clowns.

Schnell und mit viel Kreativität stellten sich die Künstler auf die veränderte Situation ein. Annika Seiffert von ROTE NASEN erzählt in unserem heutigen Kalenderblatt von den Fenstervisiten der Clowns: „Trotz Besuchsverbots finden sie Wege, um die Pflegebedürftigen zu erreichen. Jetzt spielen die Clowns in Gärten oder Höfen für ihre „Fans“, die von den Fenstern oder Balkonen zuschauen. Besonders die persönliche Ansprache berührt die Senioren, denen die Clowns mit der Zeit hinweg ans Herz gewachsen sind.“

Die regelmäßigen Visiten sind mehr als nur Spaß, bestätigt Patricia Powierski, Pflegedienstleitung in der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg: „Es ist jedes Mal berührend, zu sehen und zu hören, wie die Augen leuchten und mit welcher Begeisterung selbst unsere an Demenz erkrankten Bewohner mitsingen, klatschen und sogar auf diese Entfernung die Clowns erkennen. Es ist eine große Freude für alle Beteiligten!“

ROTE NASEN Fenstervisiten gibt es von Bremen bis Konstanz und von Düsseldorf bis Dresden. Bewohnerin Sophie Irmer aus der Bremer Heimstiftung freut sich jede Woche auf die Künstler, die sie auch in Corona-Zeiten nicht alleine lassen: „Die Clowns sind mit viel Liebe, Lust und Spaß an der Sache dabei. Das ist immer mitreißend und toll zu sehen. Ich habe mir ihr Kommen im Kalender eingetragen, damit ich keinen Auftritt verpasse.“ ROTE NASEN Künstlerin Luise Lähnemann alias Clown Gogo war in dieser Woche in Berlin unterwegs und berichtet begeistert: „Es war wunderschön! Alle haben sich so auf uns gefreut und uns mit Tröten und Luftschlangen empfangen. Die Pfleger haben sogar rote Nasen an die Bewohner verteilt. Alle - auch die Mitarbeitenden - sind so dankbar, dass wir kommen, weil sie über Wochen abgeschottet waren und jetzt endlich etwas passiert. Alle sind durstig nach Austausch und Liebe!“

ROTE NASEN finanziert sich hauptsächlich durch Spenden. Die bundesweiten Clownvisiten für Pflegebedürftige werden teilweise durch die Betriebskrankenkassen als Präventionsleistung gefördert. Wenn eine Einrichtung Interesse an Clownvisiten hat, kann sie sich gerne bei den ROTEN NASEN melden: office[at]rotenasen.de.

Mehr Informationen zu den ROTEN NASEN: www.rotenasen.de

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13. Kalenderblatt: „Sorgen pflegender Angehöriger auffangen“ - Telefonberatung in NRW

Telefon mit Rufnummer der Telefonberatung von Alzheimer NRW im Display


Seit Beginn der Corona-Pandemie sind Angehörige von Menschen mit Demenz vielfach belastet und stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen. Deutschlandweit ist die Zahl der Anrufenden bei den Beratungstelefonen gestiegen. Häufig geht es in den Gesprächen um die Kontaktbeschränkungen, geschlossene Tagespflegeeinrichtungen, die Umsetzung der Schutzmaßnahmen, fehlende Unterstützungs- und Entlastungsangebote sowie die Besuchsbeschränkungen in den Pflegeeinrichtungen. Immer wieder treten Konflikte bei der Pflege und in der Familie, aber auch aufgrund der Besuchsregelungen mit den Pflegekräften in den Heimen auf und belasten die Angehörigen sehr.

Der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW e.V. ist seit Mitte Mai auch samstags und sonntags für Ratsuchende telefonisch erreichbar. Angelika Söhne von Alzheimer NRW stellt in unserem heutigen Kalenderblatt das neue Angebot vor: „Durch die Corona-Beschränkungen stieg die Zahl der Anrufe von Menschen, die bei uns in der Geschäftsstelle in Düsseldorf Rat suchten oder auch über die zunehmenden Belastungen in der häuslichen Pflege berichteten - zumal viele Beratungsstellen und Betreuungsangebote geschlossen waren. Aus den Gesprächen ging häufig auch hervor, dass es für viele Angehörige besonders am Wochenende schwierig ist, kompetente Ansprechpartner zu finden. Oft hilft es schon, dass sie sich einfach mal aussprechen können.

Neben den Corona-unabhängigen Themen geht es in den Beratungsgesprächen am Telefon häufig um die Unzufriedenheit der Angehörigen mit der Umsetzung der Besuchsregelungen in den Pflegeheimen. Natürlich bedeuten die Maßnahmen auch für die Pflegekräfte einen bedeutenden logistischen Mehraufwand, aber wir hören immer wieder von frustrierenden Gesprächen mit Einrichtungsleitungen - die Angehörigen stoßen mit ihren Anliegen sehr häufig auf Ablehnung und Widerstand. Aktuell gibt es große Unterschiede, wie oft und unter welchen Bedingungen Familien ihre Angehörigen im Heim sehen können. Die Pflegeeinrichtungen müssen personell und materiell so ausgestattet werden, dass sowohl die Sicherheit der Pflegekräfte als auch das Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner gewährleistet sind. Die vom Bundesgesundheitsministerium angekündigte Ausweitung der Coronatests könnte ebenfalls dazu beitragen, Besuche in Pflegeheimen sicherer zu machen – vorausgesetzt, dass sie auch pflegende Angehörige einschließen.“

Als eine erste konkrete Verbesserungsmaßnahme hat die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen Anfang Juni eine Dialogstelle für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen eingerichtet. Sie soll helfen, Konflikte zu schlichten, die im Zusammenhang mit den Besuchsregelungen aufkommen können. „Angesichts des Konfliktpotenzials halten wir die Dialogstelle für eine gute Initiative des Landes“, so Angelika Söhne. „Wir hoffen, dass sich konkrete Verbesserungen in der Entwicklung und Umsetzung von Besuchskonzepten in den Heimen ergeben. Es gibt viele gute Beispiele von Einrichtungen, die mit viel Aufwand und kreativen Ideen Besuche und Kontakte ermöglichen. Diese könnten anderen als Orientierung dienen.“

Die telefonische Beratung von Alzheimer NRW wird bis Ende des Jahres vom Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW gefördert.

Mehr zu Alzheimer NRW und den Angeboten

12. Kalenderblatt: „DIE SIND DOCH ALLE VERRÜCKT - Leben mit Alzheimer“

Logo des Blogs „Die sind doch alle verrückt“ (© Tanja Neuburger)


Die Besuchsverbote in den Pflegeheimen werden mittlerweile nach und nach in allen Regionen Deutschlands gelockert. Viele Angehörige von Menschen mit Demenz erleben die Besuchsmöglichkeiten leider nicht als freudiges Wiedersehen.

Doch es gibt auch ganz wunderbare Geschichten von Mitarbeitenden in den Pflegeheimen, die sich gerade in der Zeit des Besuchsverbots rührend um die Bewohnerinnen und Bewohner gekümmert haben und die nun trotz Vorschriften und Schutzmaßnahmen wohltuende Begegnungen bei den Besuchen auf Abstand ermöglichen.

In den vergangenen Wochen war Tanja Neuburger - wie so viele Angehörige von Menschen, die im Pflegeheim leben - trotz der Zuwendung durch die Pflegekräfte häufig voller Angst um die Gesundheit und das Wohlbefinden ihres Vater. Zwischenzeitlich ging es ihm gesundheitlich sehr schlecht, doch zum Glück haben ihn die Pflegekräfte „wirklich mit Hingebung und sehr liebevoll wieder aufgepäppelt“, wie sie sagt. Tanja Neuburger erzählt über die Zeit mit ihrem demenzerkrankten Vater seit August 2018 in ihrem Blog „DIE SIND DOCH ALLE VERRÜCKT - Leben mit Alzheimer“. Sie hat unsere Posts auf Facebook zu den Besuchsverboten und die vielen Kommentare von Angehörigen - leider allzuhäufig negative Erfahrungsberichte - verfolgt und möchte mit ihrer eigenen Geschichte ein wenig Hoffnung geben.

In unserem 12. Kalenderblatt erzählt Tanja Neuburger vom ersten Terrassenbesuch bei ihrem demenzerkrankten Vater im Pflegeheim: „So sitzt er heute nun endlich wieder mit uns zusammen auf seiner Terrasse bei strahlendem Sonnenschein und wir genießen unsere gemeinsame Zeit, die aufgrund der immer noch geltenden Corona-Beschränkungen zwar zeitlich begrenzt und auch durch Hygienevorschriften nach wie vor sehr eingeschränkt ist, aber wir sind endlich wieder zusammen. Nach sechs Wochen Kontaktsperre und drei Wochen Besuche am Fenster dürfen wir uns endlich wieder im Freien treffen. Mit Mundschutz, eineinhalb Metern Mindestabstand und ja nicht anfassen – aber zumindest ohne dämliches Fenster dazwischen.

Ich muss sagen, das Pflegeheim, in dem mein Vater lebt, tut wirklich alles, um Vorschriften, Regelungen, Hygienemaßnahmen und auch das emotionale Befinden seiner Bewohner und deren Angehörigen in Einklang zu bringen. Jeder muss gewisse Dinge akzeptieren, Maßnahmen mittragen und doch wird alles dafür getan, dass die alten Menschen nicht emotional vereinsamen. Natürlich sind die Wochen der Kontaktsperre gestohlene Zeit – so fühlt es sich zumindest an. Aber wenn wir jetzt so hier auf seiner Terrasse sitzen, ich quasi als Alleinunterhalter – das sagt zumindest mein Mann, denn ich quatsche meinen Paps ununterbrochen voll – und das halbe Gesicht hinter einer Maske versteckt, doch er nimmt mich, uns alle, viel besser wahr als durch ein Fenster getrennt, und es tut ihm gut, dass wir beisammen sind, dann ist alles gut!“

Über die aktuelle Situation mit Corona sagt Tanja Neuburger: „Ich denke, wir müssen jetzt alternativlos durch diese Situation hindurch. Es schwingt ja auch überall die Angst mit, die alten Menschen anzustecken - und das möchte ja auch niemand. Demgegenüber steht allerdings der Wunsch nach Nähe. Fakt ist auch, die Senioren (und natürlich auch wir Angehörigen) leiden, ob mit oder ohne Demenz. Es gibt, denke ich, keine gute oder schlechte Lösung, es gibt nur indiviudelle Lösungen, die wir irgendwie mittragen müssen ... es ist eine Gratwanderung.“

Zum Blog von Tanja Neuburger „DIE SIND DOCH ALLE VERRÜCKT - Leben mit Alzheimer“

11. Kalenderblatt: Ein Fächer voller Bewegungsübungen für Senioren mit und ohne Demenz

Team vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein mit Fächer
Fächer „Bewegen nicht vergessen!“


Bewegung ist in jeder Altersgruppe und Lebensphase wichtig! Ganz besonders gilt dies jetzt, da aufgrund der Kontaktbeschränkungen und Schutzmaßnahmen viele Aktivitäten und Sportangebote nicht oder nur eingeschränkt möglich sind. Das Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein bietet hierfür die passende Lösung an und unterstützt ältere Menschen mit und ohne Einschränkungen mit einer Auswahl verschiedener Sportübungen für den täglichen Gebrauch. In Kooperation mit der Universität Hamburg (Institut für Bewegungswissenschaften) entstand „BEWEGEN NICHT VERGESSEN!“ - ein handlicher und praxisnaher Anleitungsfächer für mehr Bewegung im Alltag.

Alle Bewegungsübungen sind mit ihren Varianten über Bilderreihen erklärt. Jede Übung ist mit einem Schwierigkeitsgrad versehen. Das erleichtert das langsame Steigern und erhält den Spaß am Bewegen. Die meisten Übungen eignen sich für eine Einzelperson, andere sollten gern zu zweit ausgeführt werden. Vieles geht im Sitzen - auch im Rollstuhl. „Der Bewegungsfächer richtet sich an Menschen, die sich zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen allein fit halten möchten, aber auch an Sportgruppen“, erläutert Anne Brandt vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein. Gut geeignet sind die Übungen auch für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen - frei nach dem Motto: „Bewegen nicht vergessen“.

Es gibt fünf Übungsschwerpunkte:

  • Erwärmung
  • Koordination
  • Gehen mit Zusatzaufgaben
  • Kraft & Balance
  • Abwärmen


Das Bewegungskonzept wurde nach den neuesten sportwissenschaftlichen Erkenntnissen geplant und in Gruppen der Alzheimer Gesellschaft Kreis Stormarn e.V. praktisch erprobt und evaluiert. Dort entstanden auch die Fotos zu den Übungen. „Das hat uns geholfen, die Übungen besonders für die Zielgruppe der Menschen mit Demenz interessant zu machen“, ist sich Anne Brandt sicher. „Aber regelmäßige Bewegung wirkt in jedem Alter und unabhängig von Vorerkrankungen gesundheitsfördernd und beeinflusst die eigene Selbstständigkeit und das Wohlbefinden positiv. Da aktuell aufgrund der Corona-Pandemie soziale Kontakte gemieden werden sollen und deshalb der Besuch von Senioren-Sportgruppen derzeit nicht möglich ist, bringt der Fächer Abwechslung in den Alltag und hält fit.“

„BEWEGEN NICHT VERGESSEN!“ kann für 4,95 € inklusive Versandkosten bezogen werden über das Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein, Hans-Böckler-Ring 23c, 22851 Norderstedt (E-Mail: info[at]demenz-sh.de).

„BEWEGEN NICHT VERGESSEN!" als PDF

10. Kalenderblatt: „Zeit für Menschlichkeit - im Caritas SeniorenHaus St. Augustin Püttlingen“

„Wenn die Welt sich scheinbar nicht mehr dreht - Und keiner weiß, wie’s mit uns weitergeht - Alle gemeinsam gegen Einsamkeit - Jetzt ist die Zeit für Menschlichkeit“

Die bekannte Kölner Kultband „Höhner“ hat mit befreundeten Musikern einen neuen Song einstudiert: „Zeit für Menschlichkeit“ ist ein Lied, das in diesen unruhigen Zeiten - geprägt durch die Corona-Virus bedingten Kontaktbeschränkungen - eine wichtige Botschaft für uns hat: „Wir sind nicht alleine“.

Sabine Reichert, die Leiterin der sozialen Betreuung im Caritas SeniorenHaus St. Augustin Püttlingen, erzählt im heutigen Kalenderblatt, wie das Video entstanden ist: „Das Lied der „Höhner“ hat mich mit seinem ansprechenden Text zu diesem Video inspiriert. Da in unserem Haus Menschlichkeit und Herz großgeschrieben werden, wollte ich einen Einblick hinter die Kulissen unseres SeniorenHauses geben. Nicht nur die Mitarbeitenden in der Pflege, sondern auch aus der Betreuung und allen anderen Abteilungen wie Seelsorge, Hauswirtschaft, Reinigung, Haustechnik, Verwaltung, Küche, Wäscherei und Praxisanleitung tragen maßgeblich zum Wohlbefinden unserer Bewohnerinnen und Bewohner bei – das möchte ich mit diesem Video ins Bewusstsein rufen.“ Sabine Reichert hat sich zu diesem Song ein tolles Gemeinschaftsprojekt einfallen lassen und ein eigenes Drehbuch geschrieben, zur Kamera gegriffen und mit den Bewohnern und Mitarbeitenden der Einrichtung ein eigenes Video erstellt. Es zeigt den Alltag der Senioren, der Pfleger und vielen Mitarbeitenden und spiegelt den besonderen und einzigartigen Zusammenhalt in dieser Zeit wieder.

Im Caritas SeniorenHaus St. Augustin Püttlingen legen die Mitarbeitenden großen Wert darauf, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner aktiv am Leben teilnehmen können. Das vielfältige Betreuungs- und Veranstaltungsangebot hat für jede und jeden etwas dabei, für Kunstinteressierte zum Beispiel Museumsbesuche, für Tierliebhaber Ausflüge zum Eselszentrum oder die Tiertherapie. Viele Bewohnerinnen und Bewohner haben hier im Haus ein neues Hobby für sich entdeckt, zum Beispiel Trommeln oder Zeichnen. Auch ruhige und entspannende Angebote wie Klangschalen und Meditation werden sehr gut angenommen. Gymnastik, Sitztanz, Gedächtnistraining, Besuche von Kindergärten, Schulen und Vereinen gehören ebenfalls zum Standardprogramm. Dies alles trägt sehr stark zu gesundheitlichem Wohlbefinden und Lebensfreude bei.

„Da die Angehörigen durch das Besuchsverbot zurzeit keinen Einblick in unser Haus haben, möchte ich ihnen zeigen, dass es ihren Lieben gut geht und dass alle Beteiligten in unserem Haus ihren Teil dazu beitragen“, sagt Sabine Reichert. Herzlichen Dank an Sabine Reichert, ihr Team sowie alle Menschen, die sich in Pflegeeinrichtungen so engagiert um das Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner kümmern!

Hinweis: Durch den Aufruf des Videos werden Sie über einen externen Link auf Youtube weitergeleitet. Auf Art und Umfang der von diesem Anbieter übertragenen bzw. gespeicherten Daten hat die DAlzG keinen Einfluss.

9. Kalenderblatt: Unterstützung und Beratung am Alzheimer-Telefon

Telefon mit Rufnummer vom Alzheimer-Telefon


Die psychische Belastung der Angehörigen hat durch Corona enorm zugenommen und es ist nicht leicht, Ruhe, Gelassenheit und Sicherheit zu vermitteln und im Alltag immer für die nötige Struktur und Ablenkung zu sorgen. Das Team am Alzheimer-Telefon ist für Sie da. Sie können gerne unter 030 - 259 37 95 14 (Montag bis Donnerstag von 9:00 bis 18:00 Uhr und Freitag von 9:00 bis 15:00 Uhr) anrufen. Wir hören Ihnen zu - gemeinsam ist es leichter, kreative Lösungen und Entlastung zu finden.

Sie sind nicht allein! Wir wissen um die Sorgen und Nöte der Angehörigen von Menschen mit Demenz und haben uns als Bundesverband ebenso wie unsere regionalen Mitgliedsorganisationen vor Ort mit unseren Forderungen in die öffentliche Diskussion eingebracht. Auch weiterhin werden wir uns für die Interessen von Menschen mit Demenz und ihren Familien einsetzen. Weitere Informationen finden Sie auch auf unserer Internetseite

8. Kalenderblatt: Videobotschaften für Menschen mit Demenz

Zeichnung von Händen, die ein Smartphone halten (© Pixabay)


Die Mitarbeitenden vom Mehrgenerationenhaus Senfkorn in Emlichheim haben für die Zeit der Corona-Pandemie ein besonderes Angebot für Menschen mit Demenz entwickelt: Die „Mobile Demenzberatung“ schickt „Momente des Glücks“ per Videogruß.

„Die derzeitige Situation, in der wir uns gegen die Verbreitung des Corona-Virus schützen müssen, stellt uns weiterhin vor große Herausforderungen. Besonders Angehörigen von Menschen mit Demenz fällt der alltägliche Umgang schwer, da zahlreiche Hilfsangebote immer noch wegfallen. Betroffene mit einer demenziellen Erkrankung benötigen in diesen Zeiten besondere Aufmerksamkeit, Zuneigung und Sicherheit. Auch sie leiden unter den Kontakteinschränkungen“, erläutert Karin Platje vom Mehrgenerationenhaus Senfkorn. Generationenübergreifend werden Personen aus dem Landkreis durch Karin Platje und weitere Mitarbeiterinnen des Mehrgenerationenhauses angesprochen, die bereit sind, Lieder zum Mitsingen, musikalische Stücke, Kurzgeschichten (auch auf Plattdeutsch), Gedichte etc. aufzunehmen und für die Demenzerkrankten und deren Angehörige zur Verfügung zu stellen. Da Menschen mit Demenz und viele hochbetagte Senioren kein Handy haben, vertraut das Mehrgenerationenhaus auf deren Angehörige. Der Videogruß wird per WhatsApp an sie gesendet. Aktuell erstellt ein Team aus zehn Ehrenamtlichen die Videos.

„Mit den Grüßen können kleine, wertvolle Momente des Glücks hervorgezaubert werden“, ist sich Karin Platje sicher. Sie berichtet auch von den positiven Rückmeldungen:

„Ich möchte mich ganz herzlich für die Videos bedanken. Meiner Frau gefallen am besten die Kirchenlieder und ihr gefällt der Mann an der Gitarre. Sie sagten mir, dass ich für meine Frau Liedwünsche äußern darf. Wir lieben das Lied: Von guten Mächten wunderbar geborgen. Ganz lieben Dank an Herrn W.“ Anton L. aus Gildehaus

„Vielen Dank! Ich hatte das Gefühl, dass sie von den Liedern sehr ergriffen war.“ Herbert L. aus Uelsen

„Das plattdeutsche Märchen hat meine Frau heute ca. 8 x gehört, also tatsächlich acht Glücksmomente“ Ernst B. aus Nordhorn

7. Kalenderblatt: „Kreative Wege für die Alltagsunterstützung“

Zeichnung einer älteren Frau mit einem Telefon (© Pixabay)


Alltagsunterstützende Angebote (AuA) können in Brandenburg aktuell auch in telefonischer oder virtueller Form stattfinden. Antje Baselau von der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. Selbsthilfe Demenz berichtet im heutigen Kalenderblatt über ihre Erfahrungen: „Für viele Familien und vor allem für Alleinlebende sind Alltagsunterstützende Angebote (AuA) eine wichtige Säule in der Strukturierung ihres Alltags. Aktuell können sie jedoch in ihrer gewohnten Form nicht mehr im vollen Umfang stattfinden. In Zeiten von Corona brauchen wir daher neue Formen und kreative Wege für die Alltagsunterstützung, weil vor allem die Gruppenangebote wegfallen. Daher haben wir uns mit unserem Kooperationsprojekt (gemeinsam mit Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V.) „Fachstelle Altern und Pflege im Quartier im Land Brandenburg“ an die AOK Nordost als verantwortliche Pflegekasse sowie das Landesamt für Soziales und Versorgung (unsere Anerkennungsbehörde) gewandt und gemeinsam eine gute Lösung gefunden:

Seit Ende März sind telefonische und virtuelle Gespräche als kontaktlose Alltagsunterstützung in Angeboten zur Unterstützung im Alltag nach § 45a SGB XI im Land Brandenburg für eine Übergangszeit bis zum 30. Sptember 2020 über den Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI abrechenbar.

Voraussetzungen dafür sind, dass

  • es sich bei den Angeboten um bereits anerkannte Angebote handelt und
  • die Angebotsform von den Betroffenen auch gewünscht und von diesen in Anspruch genommen wird.


Wir freuen uns sehr, dass wir Menschen mit Demenz und ihren Familien in dieser schwierigen Zeit zur Seite stehen und sie in ihrem Alltag unterstützen können.“

Ines Diewitz und Elke Kirschneck von der Strausberger Beratungsstelle für Menschen mit Demenz und deren Angehörige erzählen von den Ideen der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer: „Momentan finden viele Gespräche über das Telefon statt: Es wird gesungen oder vorgelesen - da sind unsere Ehrenamtlichen ganz kreativ! Einige schreiben auch regelmäßig Postkarten, Briefe oder schicken Fotos von den eigenen Haustieren, das ist auch eine schöne Abwechslung im Alltag. Spaziergänge auf Abstand können ebenfalls weiterhin stattfinden - hier schließen sich jetzt manchmal auch die Angehörigen an. Insgesamt haben wir festgestellt, dass in der Corona-Zeit besonders der Kontakt zu den Angehörigen enger geworden ist: Auch sie nutzen die Telefonate, um mit den Ehrenamtlichen zu sprechen und sich über den Alltag auszutauschen - oder auch, um sich einfach mal die Last von der Seele zu reden. Damit profitieren sie gerade in dieser schwierigen Zeit von unserem Angebot, nicht nur die Menschen mit Demenz. Ganz langsam nehmen wir nun auch die persönlichen Besuche zu Hause wieder auf - natürlich nach Absprache mit den Familien und den Ehrenamtlichen und mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen. Der Kontakt ist für alle unglaublich wichtig und eine Bereicherung für beide Seiten.“

6. Kalenderblatt: Besuche im Pflegeheim: „Die schrittweisen Öffnungen lösen große Verunsicherung aus“

Mund-Nasen-Schutz und Abstandsregelung (© Pixabay)


Am Alzheimer-Telefon erreichen uns seit den schrittweisen Lockerungen der Besuchsverbote in Pflegeheimen viele Anrufe von verzweifelten Angehörigen, die uns ihre persönlichen Erfahrungen mit den Schutzmaßnahmen von Pflegeheimen schildern. So berichtete uns Luise M.* aus Bayern: „Mein Ehemann Heinrich* ist an Demenz und Prostatakrebs erkrankt und hat Pflegegrad 4. Er lebt seit März 2020 im Heim. Während der Kontaktsperre habe ich Heinrich nur von Weitem sehen dürfen; ich war im Garten, er im Wintergarten des Pflegeheims, und wir konnten uns zuwinken.

Nun darf ich Heinrich endlich wieder besuchen. Bei den Besuchen müssen wir beide aufgrund der Schutzmaßnahmen einen Mundschutz tragen und zusätzlich einen Abstand von mindestens zwei Metern einhalten. Dies wird von einer uns begleitenden Pflegekraft überprüft. Gestern war ich zum ersten Mal bei ihm. Doch durch den Mundschutz hat Heinrich mich nicht erkannt. Zusätzlich musste ich feststellen, dass er unter der Maske nur schlecht Luft bekam und sehr kurzatmig war. Heinrich wirkte sehr verängstigt. In dieser Situation konnte ich ihm überhaupt nicht helfen und ihn auch nicht in den Arm nehmen oder seine Hand streicheln, um ihn beruhigen - Körperkontakt ist nicht gestattet. Beim Abschied konnte ich meine Tränen nur mit Mühe zurückhalten. 

Auch bei meinem zweiten Besuch heute war Heinrich wieder sehr unruhig und verwirrt und hat mich mit der Maske im Gesicht nicht erkannt. Wir mussten den Besuch abbrechen, damit sich sein Zustand nicht verschlimmert. Gespräche mit der Heimleitung bzgl. einer Ausnahmeregelung von der Maskenpflicht waren bislang erfolglos. Ich war so erleichtert, als ich von den Lockerungen der Besuchsverbote gehört habe - nun geht es mir noch schlechter als zuvor.“

Wieder einmal wird uns bewusst, welche Belastung die aktuelle Situation vor allem für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen bedeutet. Die schrittweisen Öffnungen sowie die damit verbundenen Schutzmaßnahmen lösen bei allen Beteiligten große Unsicherheit aus und überschreiten viel zu häufig die Grenzen der Verhältnismäßigkeit.

*Name geändert

5. Kalenderblatt: Der „Seniorengarten Auszeit“ als Onlineangebot

Selbst gestalteter Mund-Nasen-Schutz (© Evang.-Luth. Gemeindeverein Traunreut e.V.)


Das Team vom „Seniorengarten Auszeit“ hat sich aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen ein besonderes Konzept überlegt, um Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen weiterhin zu unterstützen: „Mitte März mussten wir unseren „Seniorengarten Auszeit“ zum Schutz unserer Gäste und Mitarbeiter leider bis auf Weiteres schließen. Uns ist bewusst, wie schwierig es für unsere an Demenz erkrankten Gäste und die pflegenden Angehörigen ist, dass diese liebgewonnene Betreuung und Entlastung derzeit wegfällt.

Deshalb hat das Leitungsteam des Seniorengartens ein Konzept entwickelt, wie Menschen mit Demenz auch in dieser kontaktarmen Zeit unterstützt werden können. Auch nach dem Ende der Corona-Pandemie kann dieses Online-Angebot sinnvoll genutzt werden, da es ja immer wieder betreuungsfreie Zeiten wie Wochenenden, Urlaube und Feiertage gibt.

Wir haben unsere „Ideen zur Beschäftigung für Menschen mit Demenz“ in folgende Kategorien gegliedert:

  • Gedichte, Geschichten, Kommunikation und Erinnerungspflege
  • Hobby, Haushalt und Gartenarbeit
  • Musik, Sitztanz und Bewegung
  • Sinneserfahrung und Berührungen
  • Spiele für Menschen mit Demenz. 


Aber nicht nur mit dem Download von Vorlagen und Audiodateien und Links wollen wir Ihnen Unterstützung anbieten. Wir stellen Ihnen auch ein spezifisches Angebot von Bastelsets und Masken-Nähservice zur Verfügung. Bei dem Masken-Nähservice wollen wir ein ganz individuelles Angebot unterbreiten, bei dem wir Ihnen aus Stoffen, die vorher mit Kartoffeldruck von Ihren an Demenz erkrankten Angehörigen gestaltet wurden, eine Mund-/Nasenschutzmaske nähen.

Weiterhin bieten wir Ihnen natürlich auch unsere Demenzberatung an, bei der wir Ihnen gerne telefonisch mit Rat und Tat zu allen Fragen der Demenzerkrankung zur Verfügung stehen.

Als speziellen Service können wir Ihnen auch eine Notfallunterstützung anbieten, bei der wir Sie trotz der bestehenden Einschränkungen und Regelungen im Einzelfall auch mit Hausbesuchen (natürlich unter Einhaltung von strengen Hygienevorschriften) durch unsere ausgebildeten Alltagsbegleiter unterstützen.

Wir gehen jetzt mit einem ersten Angebot an Beschäftigungs-Bausteinen ins Rennen, werden dieses Angebot aber kontinuierlich mit weiteren Ideen und Themen erweitern und ausbauen. Sehr gerne nehmen wir dazu auch geeignete Ideen und Vorschläge von Ihnen auf und sind auch dankbar für jeden Hinweis zur Verbesserung unseres Angebotes.

Natürlich ist uns bewusst, dass wir mit diesem Online-Angebot keinen vollwertigen Ersatz für die Betreuung unserer Gäste im Rahmen der Gruppenstunden anbieten können, hoffen aber, dass wir Ihnen einige Anregungen für eine zielgruppengerechte Beschäftigung Ihrer an Demenz erkrankten Angehörigen im häuslichen Umfeld geben können.“

 

Zum Angebot des Seniorengartens Auszeit

4. Kalenderblatt: „Kontaktverbot? - Meine Schwiegermutter umarmt jeden!“

Eine ältere Frau umarmt eine junge Frau (© Pixabay)


„Meine Schwiegermutter (57 Jahre alt) hat vor zwei Jahren die Diagnose Frontotemporale Demenz erhalten. Bisher konnte sie noch ohne große Probleme alleine leben und in ihrem Alltag zurechtkommen. Körperlich ist sie absolut fit, sie hat aber Wortfindungsstörungen und kann Texte und Unterhaltungen nicht verstehen - somit sind keine Gespräche mehr möglich. Leider sieht sie auch nicht, dass sie krank ist. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation gibt es natürlich Probleme. Sie versteht das Kontaktverbot nicht und geht zu allen Nachbarn und umarmt und küsst alle.

Wir haben bereits von der Vermieterin einen Anruf diesbezüglich erhalten mit der Aufforderung, dass sie das unterlassen solle. Leider können wir dies meiner Schwiegermutter partout nicht verständlich machen und es ist uns auch nicht möglich, bei ihr zu wohnen und auf sie aufzupassen.“ 

Diese Geschichte, die uns am Alzheimer-Telefon erzählt wurde, macht einmal mehr deutlich, wie schwierig die Corona-Situation für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu bewältigen ist. Unser Rat dazu lautet: Das Umfeld über die Krankheit aufklären, um Verständnis werben und darum bitten, dass die Nachbarn von sich aus Abstand halten und eventuell auch die Tür nicht mehr öffnen, um sich selbst zu schützen. Zu erleben, dass die anderen offenbar nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen, ist für die Schwiegermutter sicherlich auch belastend. Aber aus Gründen des Gesundheitsschutzes in dieser Zeit wohl nichts anderes möglich.

3. Kalenderblatt: „Ein Lied für Mama“

Friederike Döring hat ein „Lied für Mama“ geschrieben, in dem sie ihrer Mutter erzählt, was sie in der Zeit von Corona gerne sagen würde.

Den Text des Liedes finden Sie hier: 

Ein Lied für Mama

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2. Kalenderblatt: „Nun hat die liebe Seele Ruhe“

Frau J. hat ihren an Frontotemporaler Demenz erkrankten Mann mehr als 15 Jahre lang durch seine Krankheit begleitet. Davon lebte er die letzten acht Jahre in einem Pflegeheim, wo ihn seine Frau täglich besuchte.

Am Telefon berichtet Frau J. uns, dass ihr Mann nun vor einer Woche friedlich eingeschlafen ist. „Es wäre furchtbar für mich gewesen, wenn ich ihn in den letzten Wochen seines Lebens wegen Corona nur noch durchs Fenster hätte sehen können. Zunächst war es schwierig, aber ich habe so lange gekämpft, bis die Heimleitung mir schließlich erlaubt hat, eine Stunde pro Tag bei ihm zu sein. So konnte ich zwar seinen letzten Atemzug nicht miterleben, aber ich habe jeden Tag seine Hand gehalten und weiß, dass er das auch noch gespürt hat. Und nun hat seine liebe Seele Ruhe.“

1. Kalenderblatt: „Rockdown im Lockdown“

Die Initiative „Konfetti im Kopf“ hatte eigentlich für den April wieder eine große Parade durch die Hamburger Innenstadt geplant. Stattdessen rufen sie nun zum „Rockdown im Lockdown“ auf: Mit Musik und viel guter Laune besuchen sie verschiedene Seniorenheime im Stadtgebiet und drehen die Musik so laut, dass sie auch von drinnen gut zu hören ist.

zu den Berichten vom „Rockdown im Lockdown“

Wir sind weiter für Sie da

Das Alzheimer-Telefon bleibt unter 030 – 259 37 95 14 bestmöglich für Sie erreichbar. Es ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr, am Freitag von 9 bis 15 Uhr besetzt. Wir bitten um Verständnis, wenn Sie aufgrund der hohen Nachfrage mehrfache Versuche benötigen, um eine freie Leitung zu bekommen.

Alternativ können Sie uns auch eine schriftliche Beratungsanfrage schicken, entweder per E-Mail an info[at]deutsche-alzheimer.de oder besser noch über unsere Online-Beratungsplattform unter 
https://deutsche-alzheimer-gesellschaft.beranet.info/e-mailberatung