06.07.2018

Brauchen wir regelmäßige Überprüfungen der Fahreignung für alle? Tagung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft thematisiert das Autofahren bei Demenz

Menschen, die an einer Demenz erkranken, sind früher oder später nicht mehr in der Lage sicher Auto zu fahren. Auf das Autofahren zu verzichten, ist für viele jedoch schwierig, weil es einen Verlust an Selbstständigkeit und Mobilität bedeutet. Dies gilt auch für Menschen, die sich aufgrund anderer Krankheiten oder körperlicher Einschränkungen besser nicht mehr hinter das Lenkrad setzen sollten. Auf der Tagung „Demenz und Autofahren“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) am 5. Juli in Kassel wurde die Frage diskutiert, ob es verpflichtende Überprüfungen der Fahrtauglichkeit in regelmäßigen Abständen für Alle geben sollte – vielleicht bereits in jüngerem Alter.

Demenz und Autofahren ist ein Thema, das offenbar viele bewegt. Dies wurde bei der Tagung der DAlzG sehr deutlich, zu der sich trotz Ferienzeit mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet hatten. Eine Demenz führt dazu, dass die Wahrnehmung zunehmend eingeschränkt und die Reaktionsfähigkeit vermindert ist und dass komplexe Situationen, wie sie im Straßenverkehr häufig vorkommen, nicht mehr gut überschaut werden können. Diese Situation stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen: Für die Erkrankten bedeutet es, auf das Autofahren und damit auf einen gewissen Grad an Selbstbestimmung verzichten zu müssen, wenn sie sich selbst und andere nicht gefährden wollen. Angehörige stehen vor der Frage, wie sie den Betreffenden vom Autofahren abbringen können, wenn er oder sie die Notwendigkeit nicht selbst einsieht. Auch für die behandelnden Ärztinnen und Ärzten ist es oft schwierig, ihren Patientinnen oder Patienten das Autofahren zu verbieten, weil sie das Vertrauensverhältnis zu ihnen nicht gefährden wollen. In diesem Zusammenhang wurde auf der Tagung der DAlzG unter anderem diskutiert, dass eine generelle regelmäßige Überprüfung der Fahrtauglichkeit eine Möglichkeit wäre, das Thema anzusprechen, ohne dass sich jemand dadurch diskriminiert fühlen müsste. In anderen Ländern sind solche Überprüfungen bereits Standard. Allerdings ist damit auch ein nicht unerheblicher Aufwand verbunden. 

Im Rahmen der Tagung wurden unter anderem Handlungsempfehlungen für Hausärzte zum Umgang mit dem Thema Fahrtauglichkeit bei älteren und demenzerkrankten Patientinnen und Patienten vorgestellt. Diese Empfehlungen wurden in einem von der DAlzG geförderten Forschungsprojekt der Universitätsklinik Düsseldorf entwickelt. Die Handlungsempfehlungen sind im Internet zu finden auf der Homepage des Instituts für Allgemeinmedizin der Uni Düsseldorf.

Die Tagung wurde durch die finanzielle Unterstützung der DAK im Rahmen der Selbsthilfeförderung ermöglicht.