10.12.2020

Von: Susanna Saxl

Ein Blick in die Demenzforschung - Deutsche Alzheimer Gesellschaft vergibt Forschungsförderung

Berlin, 11. Dezember 2020. Die von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) vergebene Forschungsförderung 2020 beträgt insgesamt rund 320.000 Euro. Mit dieser Summe werden drei Projekte gefördert, welche die Prävention von Demenzen sowie die medizinische und die pflegerische Versorgung der Betroffenen verbessern sollen.

Die Forschungsförderung der DAlzG wird alle zwei Jahre vergeben, die Mittel stammen aus zweckgebundenen Spenden und sollen die Forschung zur Versorgung Demenzkranker und ihrer Angehörigen unterstützen. Auf die Ausschreibung hin, die Ende 2019 erfolgte, wurden über 20 Forschungsvorhaben eingereicht.

Zum ersten Mal wurde 2020 gemeinsam mit der Förderung der DAlzG zusätzlich eine Forschungsförderung der Förderstiftung Dierichs in Höhe von 51.000 € vergeben. Mit dieser Summe werden zwei Forschungsprojekte gefördert, die im Bereich der Grundlagenforschung zu Demenz aktiv sind. Sabine Jansen, Geschäftsführerin der DAlzG, sagte dazu: „Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Forschungsförderung in Kooperation mit der Förderstiftung Dierichs vergeben können und so unsere Anstrengungen für die Forschung im Bereich der demenziellen Erkrankungen zusammenfließen.“

Im Rahmen einer virtuellen Veranstaltung mit rund 300 Teilnehmenden stellten die Forscherinnen und Forscher am 11. Dezember 2020 die geförderten Projekte vor.

Demenzprävention durch Hörgeräte

Mit 102.242 Euro fördert die DAlzG das Projekt „Demenzprävention durch Verbesserung der Hörgeräteversorgung – AD-HEARING“ der Universitätsmedizin Göttingen. Studien der letzten Jahre weisen darauf hin, dass sich bereits bei einer leichten altersbedingten Schwerhörigkeit das Risiko für die Entwicklung einer Demenz deutlich erhöht. Derzeit nutzt aber nur ein kleiner Teil der betroffenen die Unterstützung durch Hörgeräte. Dr. Mona Abdel-Hamid, Dr. Claudia Bartels, Dr. Michael Belz, PD Dr. Philipp Heßmann und Prof. Dr. Nicola Strenzke möchten in ihrem Projekt nachweisen, dass eine angepasste Versorgung mit Hörgeräten die geistige Leistungsfähigkeit verbessert und sich auch auf weitere Faktoren wie Lebensqualität, Depressivität und soziale Isolation im Alter positiv auswirkt. Ziel ist es, damit einen der wenigen beeinflussbaren Risikofaktoren für eine Demenz ins Bewusstsein zu rücken und die Akzeptanz für Hörgeräte zu verbessern.

Hausärztliche Betreuung nach einer Demenz-Diagnose

Eine Fördersumme von 80.093 Euro erhält das Projekt „MeDeKa – Hausärztliche Betreuung von Menschen mit neu gestellter Demenzdiagnose nach Krankenhausentlassung“ an der Ruhr-Universität Bochum. Eine Demenz-Diagnose wird häufig während eines Krankenhausaufenthalts gestellt. Nach der Entlassung haben die Betroffenen und ihre Angehörigen einen hohen Bedarf an Beratung und Begleitung durch den vertrauten Hausarzt, die vertraute Hausärztin. Darüber hinaus sind Fragen der weiteren Behandlung zu klären. Jun.-Prof. Dr. Ina Otte, Dr. Nino Chikhradze und Prof. Dr. Horst Christian Vollmar wollen in ihrem Projekt untersuchen, wo hier im Bereich der hausärztlichen Betreuung Lücken bestehen, und zielgerichtete Fortbildungsangebote sowie eine praxisorientierte Handreichung für Hausärzte entwickeln.

Kognitive Stimulation in Pflegeeinrichtungen

Die Summe von 138.456 Euro erhält das Projekt „Kognitive Stimulation in der stationären Langzeitpflege: Entwicklung und Pilotierung eines 24-Stunden Ansatzes im Rahmen einer Mixed-Methods-Studie“ der Universitätsmedizin Köln. Kognitive Stimulation, also die Anregung geistiger und sozialer Fähigkeiten von Menschen mit Demenz, erfolgt in Pflegeheimen häufig am Rahmen von Gruppenangeboten und somit auf bestimmte Zeiten begrenzt. Im Rahmen des geförderten Projektes möchten Prof. Dr. Elke Kalbe, Dr. Ann-Kristin Folkerts, Prof. Dr. Sascha Köpke und Dr. Martin Dichter ein kognitives Stimulationskonzept entwickeln, dass von Pflege- und/oder Betreuungspersonen in den Alltag integriert und jederzeit, zum Beispiel bei der Körperpflege oder bei den Mahlzeiten, angewendet werden kann. Dadurch soll die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner verbessert, ihre geistigen Fähigkeiten stabilisiert und die Kommunikation zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Pflege- und Betreuungspersonen gefördert werden.

Zusammenhang von oralem Mikrobiom und Alzheimer-Krankheit

Mit 32.500 Euro fördert die Förderstiftung Dierichs das Projekt „Der Einfluss des oralen Mikrobioms auf die Pathophysiologie der Alzheimer-Krankheit“ am LVR-Klinikum Düsseldorf. Die genauen Entstehungsmechanismen der Alzheimer-Krankheit sind bisher nicht geklärt. In Studien hat sich ein Zusammenhang zwischen Erkrankungen des Mundraums, insbesondere Porodontitis und Karies und der Entwicklung einer Alzheimer-Demenz gezeigt. Priv.-Doz. Dr. Dr. Patrick Finzer, Dr. Julia Christl, Dr. Alexander Dilthey und Prof. Dr. Tillmann Supprian wollen in ihrem Projekt den Zusammenhang des oralen Mikrobioms, also der Bakterien-, Pilz- und Virus-Spezies, die in unserem Mund natürlicherweise vorkommen, und der Entstehung der Alzheimer-Demenz untersuchen. Daraus könnten sich neue Ansätze für eine frühzeitige Diagnose oder auch neuartige Therapien ergeben.

Neue Wege zur Früherkennung bei Demenz

Für die „Neuentwicklung eines rekognitionsbasierten Testing the Limits-Paradigma zur Früherkennung bei Demenz“ an der Neurologischen Universitätsklinik Ulm erhalten Prof. Dr. Ingo Uttner und Dr. Olivia Küster von der Förderstiftung Dierichs eine Summe von 18.500 Euro. Bei Menschen, die nur leichte demenzielle Symptome aufweisen, ist die diagnostische Unterscheidung zwischen einer beginnenden Alzheimer-Krankheit, einer Depression oder einem altersbedingt normalen Leistungsverlust mit den üblichen Testungen oft nur schwer zu treffen. In dem geförderten Projekt soll ein bereits vorhandenes neuropsychologisches Testverfahren weiter verfeinert werden, um eine bessere Differentialdiagnose schon früh im Krankheitsverlauf zu ermöglichen.

Hintergrund

In Deutschland leben heute etwa 1,6 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Etwa zwei Drittel davon werden in der häuslichen Umgebung von Angehörigen betreut und gepflegt. Jährlich erkranken rund 300.000 Menschen neu. Ungefähr 60 Prozent davon haben eine Demenz vom Typ Alzheimer. Die Zahl der Demenzerkrankten wird bis 2050 auf 2,4 bis 2,8 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft engagiert sich für ein besseres Leben mit Demenz. Sie unterstützt und berät Menschen mit Demenz und ihre Familien. Sie informiert die Öffentlichkeit über die Erkrankung und ist ein unabhängiger Ansprechpartner für Medien, Fachverbände und Forschung. In ihren Veröffentlichungen und in der Beratung bündelt sie das Erfahrungswissen der Angehörigen und das Expertenwissen aus Forschung und Praxis. Als Bundesverband von mehr als 130 Alzheimer-Gesellschaften unterstützt sie die Selbsthilfe vor Ort. Gegenüber der Politik vertritt sie die Interessen der Betroffenen und ihrer Angehörigen.

Die DAlzG setzt sich ein für bessere Diagnose und Behandlung, mehr kompetente Beratung vor Ort, eine gute Betreuung und Pflege sowie eine demenzfreundliche Gesellschaft.

Die Förderstiftung Dierichs

Die Förderstiftung Dierichs wurde im März 2014 durch Herrn Rudolf Dierichs ins Leben gerufen. Stiftungszweck ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Erforschung neurodegenerativer Krankheiten, insbesondere der Parkinsonkrankheit, der Alzheimerkrankheit und sonstiger Formen demenzieller Erkrankungen, und der Erforschung und Weiterentwicklung von Narkoseverfahren und Narkosemitteln, zur Vermeidung von Narkoseschäden.
www.foerderstiftung-dierichs.de

Kontakt

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz
Susanna Saxl
Friedrichstraße 236, 10969 Berlin
Tel.: 030 - 259 37 95 0
Fax: 030 - 259 37 95 29
E-Mail: info[at]deutsche-alzheimer.de
www.deutsche-alzheimer.de