Menschen mit Demenz im Krankenhaus – nur Sand im Getriebe?

Alleine gelassen in einer fremden Umgebung, desorientiert, verängstigt und unterversorgt. - Wenn Menschen mit Demenz wegen eines Unfalls oder einer dringenden Operation in ein Krankenhaus müssen, ergeht es ihnen dort oft schlecht. Die meisten Akutkrankenhäuser sind nicht auf Patienten eingestellt, die sich nur schwer orientieren können, Anweisungen nicht verstehen und befolgen, Angst haben und immer nur nach Hause möchten. Demenzkranke gelten deshalb als Störenfriede, die die streng geregelten und organisierten Abläufe der Krankenhäuser beeinträchtigen und dem knapp bemessenen und ohnehin stark beanspruchten Personal zusätzliche Arbeit machen.

Angehörige berichten den Alzheimer-Gesellschaften immer wieder von erschütternden Erfahrungen. Patienten nehmen ab und trocknen aus, weil ihnen beim Essen und Trinken keine Hilfestellungen angeboten werden. Kranke werden respektlos geduzt, Angehörige werden nicht informiert und in die Betreu­ung einbezogen. Es fehlt an Aufmerksamkeit und Sensibilität. Oft sind die Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt in viel schlechterer Verfassung als zuvor.

Heike von Lützau-Hohlbein, die Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, sagte dazu: „Wir wissen, dass das Personal in den Krankenhäusern extrem belastet ist. Doch auch Demenzkranke haben ein Recht auf kompetente und würdevolle Behandlung. Die Krankenhäuser müssen sich auf eine wachsende Zahl älterer Patienten einstellen, von denen immer mehr auch von einer Demenz betroffen sind. Dazu sind Reformen nötig, die nur mittelfristig umgesetzt werden können. Doch kleine Schritte sind immer möglich.“

Bei der Aufnahme eines Patienten liegen im Krankenhaus meist nur medizinische Diagnosen vor. Deshalb hat die DAlzG einen “Informationsbogen“ entwickelt, der von Angehörigen ausgefüllt wird und Angaben enthält, die den alltäglichen Umgang in der Klinik erleichtern. Der Bogen enthält Informationen u.a. zu Vorlieben und Abneigungen bei Speisen und Getränken, besonderen Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Fähigkeiten. Ergänzend zu diesem Informationsbogen gibt es das gerade neu aufgelegte Begleitheft “Menschen mit einer Demenz im Krankenhaus“, das sich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser wendet. Diese Materialien können von den Internetseiten der DAlzG herunter geladen werden.

Auf der Unterseite „Mit Demenz im Krankenhaus“ sind neben dem „Informations­bogen“ und dem Begleitheft dazu weitere Artikel, Erfahrungs- und Forschungsberichte hinterlegt. Außerdem sind dort Hinweise auf laufende Projekte zu finden. So gibt es Kliniken, die erfolgreich „Rooming–In“ für Angehörige Demenzkranker praktizieren und damit die Verweildauer im Krankenhaus verkürzen. Andernorts werden Räume so gestaltet, dass sie Demenzkranken die Orientierung erleichtern, oder Altenpfleger  und ehrenamtliche Begleiter werden zur Unterstützung eingesetzt. In Bayern arbeiten im Rahmen eines Modellprojekts sieben regionale Alzheimer-Gesellschaften mit Krankenhäusern zusammen, um gemeinsam Verbesserungen zu erreichen.

Informationen im Internet: Mit Demenz im Krankenhaus

www.deutsche-alzheimer.de/angehoerige/mit-demenz-im-krankenhaus.html 

Hintergrundinformationen  

Heute leben in Deutschland etwa 1,2 Millionen Menschen mit Demenz­erkrankungen. Ungefähr 60% davon leiden an einer Demenz vom Typ Alzheimer. Ihre Zahl wird bis 2050 auf 2,6 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz ist der Bundesverband von derzeit 126 regionalen Alzheimer-Gesellschaften, Angehörigengruppen und Landesverbänden. Sie nimmt zentrale Aufgaben wahr, gibt zahlreiche Broschüren heraus, organisiert Tagungen und Kongresse und unterhält das bundesweite Alzheimer-Telefon mit der Service-Nummer 01803 – 171017 (9 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz) oder 030 / 259 37 95-14 (Festnetztarif).

Kontakt

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz
Friedrichstraße 236, 10969 Berlin
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