Kalenderblatt zum Corona-Virus

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie im März hat sich unser Leben sehr verändert. Täglich erreichen uns Nachrichten zur aktuellen Situation: Es geht um die Ansteckungsrate, Risikogruppen, das Ausbreitungsverhalten des Virus, Kontaktbeschränkungen, Hygienevorschriften und viele Einschränkungen des öffentlichen Lebens wie auch des ganz persönlichen Alltags. Angehörige von Menschen mit einer Demenz, Anbieter von Entlastungsangeboten, Träger von Pflegeeinrichtungen oder Pflegediensten und auch viele regionale Alzheimer-Gesellschaften und ehrenamtlich Engagierte stehen seit vielen Monaten vor organisatorischen und finanziellen Herausforderungen. Sie alle versuchen, in dieser Situation bestmögliche Lösungen zu finden, damit der Alltag für und mit Menschen mit Demenz gelingt. Durch die verschiedenen Kontaktbeschränkungen, Besuchsverbote in Pflegeeinrichtungen sowie fehlende ambulante Entlastungsangebote sind besonders pflegende Angehörige stark belastet. Am Alzheimer-Telefon berichten sie uns täglich von ihren Sorgen und Nöten. Uns erreichen aber auch viele Berichte von schönen Erlebnissen und kreativen Lösungen zum Umgang mit Kontaktbeschränkungen in dieser Zeit. Diese Berichte und Erfahrungen möchten wir teilen:

In unseren „Kalenderblättern“ stellen wir Erfahrungsberichte aus dem Alltag mit Demenz in Zeiten von Corona vor. Verschiedene Perspektiven kommen hier zu Wort. Sie zeigen zum einen, welchen Fragen und Herausforderungen sich Angehörige stellen müssen und welche Sorgen sie gerade besonders bewegen. Zum anderen möchten wir mit den Berichten aber auch Mut machen: Auch in dieser Zeit ist einiges möglich und mit dem gebotenen Abstand müssen viele Menschen den Kontakt zueinander nicht verlieren.

29. Kalenderblatt: MOVE FOR DEMENTIA mal anders

© Ev. Johanneswerk gGmbH
© Ev. Johanneswerk gGmbH


Demenz braucht Aufmerksamkeit! Seit 2016 findet jedes Jahr Anfang September der MOVE FOR DEMENTIA statt. Die Idee dazu stammt von Günter Niermann aus Nordrhein-Westfalen: Als gemeinsame Aktion entwickelten der „Generationentreff  Enger (GTE)“, das „Haus Stephanus in Hiddenhausen“ vom Evangelischen Johanneswerk, Menschen mit und ohne Demenz sowie zahlreiche weitere Partner den MOVE FOR DEMENTIA, um ein Zeichen für Menschen mit Demenz und eine offene Gesellschaft zu setzen. Der Aktionstag findet mittlerweile in vielen Bundeländern und den europäischen Nachbarländern statt.

Die Corona-Pandemie forderte in diesem Jahr auch den Mitstreiterinnen und Mitstreitern vom MOVE FOR DEMENTIA kreative Ideen ab, damit der Aktionstag trotz Kontaktbeschränkungen und Schutzmaßnahmen überhaupt stattfinden konnte. Annette Wennrich vom Helene-Schweitzer-Haus (Ev. Johanneswerk gGmbH) in Steinheim berichtet über ihren Aktionstag 2020 unter dem Motto „Nicht am selben Ort und doch zusammen“:

„Zum fünften Mal fand am 6. September am Helene-Schweitzer-Zentrum in Steinheim die Bewusstseinskampagne MOVE FOR DEMENTIA statt. Wir wollten dieses kleine Jubiläum eigentlich besonders gestalten und feiern – aber die strengen Auflagen aufgrund der Corona-Pandemie verlangten allen Akteuren und Gästen dann doch einiges an Kreativität und Disziplin ab.

Unter dem Motto „Nicht am selben Ort und doch zusammen“ fanden an unterschiedlichen Orten in Steinheim zu einem verabredeten Zeitpunkt die gleichen Aktionen statt. Hier im Helene-Schweitzer-Haus habe ich die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Mieterinnen und Mieter des Johannesstifts auf den Balkonen und an den Fenstern zu dieser besonderen Veranstaltung begrüßt. Auch die Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzerkrankten Sandebeck war bei unserer Aktion beteiligt. Während einer Live-Telefonschaltung mit den Teilnehmenden am St. Rochus-Seniorenhaus und im Ortsteil Sandebeck stiegen zum Zeichen der Gemeinschaft unter großem „Hallo“ gleichzeitig 100 bunte Luftballons in den Steinheimer Himmel auf. Am Helene-Schweitzer-Zentrum erfreute der Musikverein Nieheim-Sommersell die Teilnehmenden mit einem Outdoor-Platzkonzert, während zur selben Zeit der Musikverein Leopoldstal-Vinsebeck mit schmissiger Musik vor dem St. Rochus-Seniorenhaus aufspielte. Auch Gottes Segen wurde erbeten, und mit dem Psalm 23 sowie dem irischen Reisesegen haben wir alle Gäste verabschiedet.

Dass der Mensch nicht vom Brot und schon gar nicht gern allein lebt, hat diese Veranstaltung bewiesen. Die Musik – draußen in der Natur, gemeinsam mit anderen – zu genießen, lässt uns alle die aktuellen Belastungen nicht nur für den Moment besser ertragen. Sie klingt nach und gibt Hoffnung. Großer Dank gilt allen Beteiligten unseres Aktionstages, die immer wieder mit Ideen und viel Herz Lichtblicke und Freude schenken.“

28. Kalenderblatt: Hofkonzerte gegen Corona

Ein Gitarrist und eine Cellistin spielen im Garten (© Daniela Schick)
Ein riesiges Dankeschön an alle Musiker und Akteure


In der Zeit des Lockdowns standen auch die Pflegeeinrichtungen angesichts der Besuchsverbote und Schutzmaßnahmen vor der Herausforderung, den Bewohnerinnen und Bewohnern etwas Abwechslung im Alltag zu ermöglichen. Daniela Schick vom Zentrum für Betreuung und Pflege Am Schloß in Neuwied hat mit ihrer musikalischen Nachbarschaftshilfe eine tolle Idee entwickelt, die sie in unserem Kalenderblatt vorstellt: „Auch die Senioren und Mitarbeitenden unserer Einrichtung hat der Schreck um die Pandemie kalt erwischt. Aus diesem Grunde haben wir vom Zentrum für Betreuung und Pflege Am Schloss in Neuwied das Motto „Musikalische Nachbarschaftshilfe gegen die Corona-Isolation“ ins Leben gerufen.

Mit einem Aufruf über die sozialen Medien ging die Suchaktion los: „Guten Tag, liebe Nachbarn! Ich suche für die Senioren in unserer Einrichtung (in der Innenstadt von Neuwied) eine Abwechslung vom Alltag, fern von Corona und Kontaktsperre. Gibt es nette musikalische Nachbarn, die bereit wären, für 30 oder 60 Minuten den Alltag unserer Bewohner zu erfreuen? Wir können einen kleinen Innenhof bieten, in dem die Bewohner von den Balkonen oder von ihren Fenstern der Musik lauschen können. Wir freuen uns über Akkordeonspieler, Gitarristen, Pianospieler, Sänger und andere Musiker. Ich freue mich sehr auf Ihre Rückmeldung. Herzliche Grüße und bleiben Sie gesund.“

Die Rückmeldung war überragend! Unsere Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich seit Mitte März über je zwei musikalische oder künstlerische Vorstellungen in der Woche: im Innenhof der Einrichtung und natürlich mit dem gebührenden Abstand. Bisher traten der Pianist Heinz Lustner, die Gitarristin und  Sängerin Andrea Winkelmann, das junge Männer-Ensemble der Mennonitenbrüdergemeinde Gladbach, das Gitarren- und Gesangs-Duo „Die Bardemeister“, der Alleinunterhalter Friedel Fox, der Gitarrist und Sänger Daniel Bongart und seine Cellistin der Drehorgelspieler Max, die Musikstudenten Paul Söllinger und Manuel Damrath, das Duo Sunshine, der TSC Neuwied mit einer Line Dance Vorführung, der Alleinunterhalter Peter Josef Euskirchen und die musikalische Familie Wilbert mit ihren zwei Kindern auf und verzauberten uns mit ihrer Musik. Von Rock und Pop über deutsche Volkslieder bis hin zu Schlager und Countrymusik wurde alles gespielt, für jede und jeden war etwas dabei.

Musik macht glücklich! Ein kleines Stück Lebensqualität ist in den Alltag der Senioren zurückgekehrt, und das wundervolle Gefühl, in eine starke Nachbarschaft eingebunden zu sein, lässt alle – Bewohner und Mitarbeitende – stolz und glücklich sein. Dachterrasse, Balkone und Fenster zum Innenhof sind begehrte Schauplätze und der Innenhof ist zum Mittelpunkt des Geschehens geworden. Selbst die Nachbarschaft rund um unsere Einrichtung (Zahnarztpraxis, Notarkanzlei, Caritasbüros und Flippermuseum) und sogar Fußgänger, die den tollen Klängen gefolgt sind, hatten viel Spaß bei den außergewöhnlichen Tönen und Aktivitäten aus dem Innenhof.

Die Herausforderungen, denen zurzeit alle im Gesundheitssystem durch das Corona-Virus begegnen, bieten auch die Chance, näher zusammenzurücken und Nachbarschaft wie damals zu leben – und hoffentlich auch in Zukunft noch stärker zusammenzuhalten.

Alle genießen die Hinterhofkonzerte in vollen Zügen – selbstverständlich mit dem gebotenen Abstand. Die Begeisterung ist in allen Gesichtern deutlich zu erkennen. Das Leuchten in den Augen, der Applaus, das Mitsingen und Schunkeln sind als Dank an alle Aktiven zu verstehen. Wir vom Seniorenzentrum senden auf diesem Wege ein riesiges Dankeschön an alle Musiker und Akteure. Danke, liebe Nachbarn!“

27. Kalenderblatt: „Herbst im Kopf“ - Kinder begegnen dem Thema Demenz

Ein älterer Mann und eine Schülerin malen gemeinsam mit Wasserfarben ein Bild. © Demenzzentrum/Schwerpunkt BeKo
Schülerinnen und Bewohner beim Bewegungsspiel mit Hula Hoop-Reifen © Demenzzentrum/Schwerpunkt BeKo
Schülerinnen und Schüler basteln gemeinsam mit den Bewohner*innen © Demenzzentrum/Schwerpunkt BeKo
Dankeschön-Bilder und-Texte der Schüler*innen © Demenzzentrum/Schwerpunkt BeKo


Eine Demenzerkrankung beeinflusst das gesamte Familienleben und damit auch Kinder und Jugendliche, also die Enkel bzw. Urenkel. Unser heutiges Kalenderblatt ist ein schönes Beispiel, wie Grundschülerinnen und -schüler die Welt der Demenzerkrankten entdecken und bei gemeinsamen Nachmittagen Menschen mit Demenz begegnen. Jeanette Kohl vom Demenzzentrum Trier stellt das Projekt vor:

„Innerhalb unseres Kooperationsprojektes „Herbst im Kopf“ - Kinder begegnen dem Thema Demenz mit der Martin Grundschule (das durch die Schulleiterin Bärbel Scheuring großartig unterstützt wurde) bestand über zwei Schuljahre hinweg ein ausgesprochen lebendiger Kontakt der Schülerinnen und Schüler mit den Besucherinnen und Besuchern einer Betreuungsgruppe des Demenzzentrums Trier.

Das Projekt startete für die Grundschülerinnen und -schüler zu Beginn ihres dritten Schuljahres mit einer altersgerechten Schulung zum Thema „Alter und Demenz“. Die Kinder entwickelten mithilfe verschiedener Medien und Methoden wie Film, Literatur und dem Bearbeiten von Fallbeispielen ein Verständnis für die Erkrankung und konnten auch in den verschiedenen Stationen des Demenzparcours nachfühlen, wie es ist, wenn es „Herbst im Kopf“ ist und bestimmte Erinnerungen und Fähigkeiten bei alten Menschen nicht mehr vorhanden sind.

Wie positiv die Unbefangenheit der Kinder wirken kann, haben wir während der zwei Schuljahre bei den regelmäßig stattfindenden Begegnungseinheiten der Kinder mit den Seniorinnen und Senioren erleben dürfen. In erster Linie ging es um Spaß in gemeinsamer Runde - man konnte den Gewinn dieser Begegnungen auf beiden Seiten sehen: Die Gesichter der älteren Menschen strahlten, sie blühten regelrecht auf und entwickelten teilweise auch fürsorgliche Momente gegenüber den Kindern.

Ein wichtiges Ziel des Projektes konnten wir schnell erreichen: Die Schülerinnen und Schüler sollten schon in jungen Jahren eine wertschätzende, respektvolle Haltung gegenüber der älteren Generation entwickeln. Sowohl beim gemeinsamen Spiel als auch beim Basteln traten die eigenen Bedürfnisse der Kinder in den Hintergrund.

Leider konnten wir die geplante Abschlussfeier am Ende des Schuljahres - bevor die Kinder zur weiterführenden Schule wechseln - aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden lassen. Stattdessen haben sich die Kinder und die Seniorinnen und Senioren gegenseitig sehr persönliche Geschenke übermittelt. Die Kinder gestalteten für jeden der ihnen im Laufe der Zeit anvertrauten Seniorinnen und Senioren eine schöne farbig bemalte Karte mit den unterschiedlichsten Motiven wie Regenbogen, Blumen, Tieren und beschrifteten sie auf der Rückseite mit einem jeweils persönlich gestalteten Text, in dem sie ihre Dankbarkeit und Freude ausdrückten.

Für uns Projektverantwortliche ist es wunderbar zu sehen, dass diese Kinder die Grundschule mit viel Wissen, aber vor allem auch mit einem guten Paket an sozialer Kompetenz verlassen. Sie wurden ernst genommen und haben Wertschätzung für ihr Tun erfahren. Gerade diese Fähigkeiten und Einstellungen sind für unsere Gesellschaft sehr bedeutsam, um den Anforderungen - bedingt vor allem durch den demografischen Wandel - gerecht zu werden und das unterstützende Miteinander zu fördern.“

„Herbst im Kopf“ ist ein Kooperationsprojekt der Schwerpunkt-Beratungs- und Koordinierungsstelle „Demenz“ für die Stadt Trier (Demenzzentrum und Ökumenische Sozialstation) und der Martin Grundschule Trier. Das Projekt soll auch zukünftig weitergeführt werden. Damit dies in Zeiten von Corona gelingen kann, erarbeiten die Projektpartner alternative Konzepte, damit der Kontakt zwischen Jung und Alt auch weiterhin möglich ist.

26. Kalenderblatt: Zeit für Gespräche nehmen, Gefühle zulassen, Verständnis zeigen

Eine ältere Dame sitzt mit Kopfhörer am Computer bei einer Videotelefonie, zwei Pflegerinnen sitzen bei ihr (© ambet e.V.)
Kontakt per Videotelefonie war eine neue Erfahrung für alle Beteiligten


Valentina Büssow, Heimleiterin im Haus Amalia von ambet e.V. in Salzgitter-Lebenstedt, erzählt von den Herausforderungen mit den Kontaktbeschränkungen in ihrer Einrichtung. Trotz der negativen Folgen für die Bewohnerinnen und Bewohner gab es auch viele schöne Momente und auch gute Gespräche mit den Angehörigen: „Die Zeit des Lockdowns war nicht nur für unsere Pflegekräfte eine sehr herausfordernde Phase. Auch hinter unseren Bewohnerinnen und Bewohnern und ihren Angehörigen liegen belastende Wochen. Für die Pflegekräfte lag die Herausforderung darin, den Bewohnern unseres gerontopsychiatrischen Pflegeheims sowie ihren Angehörigen alle Regelungen und die damit verbundenen Umstände gut zu erklären. Auch wenn die meisten Angehörigen sehr verständnisvoll reagierten, haben natürlich viele ihre Partner, ihre Eltern oder Großeltern sehr vermisst. Deshalb war es für uns besonders wichtig, eine offene und wertschätzende Kommunikation mit allen Angehörigen zu führen: Zeit für Gespräche nehmen, einfach zuhören, Gefühle zulassen und Verständnis zeigen. Diese Zeit haben wir uns genommen.

Das Ausbleiben der Besuche ihrer Angehörigen hatte bei vielen Bewohnern rasch negative Folgen: Einige verweigerten die Nahrungsaufnahme oder zogen sich persönlich sehr zurück. Viele Angehörige empfanden eine Art Machtlosigkeit, ihre Lieben nicht zu besuchen, anfassen und umarmen zu dürfen. Mit kleinen Fotoalben, Erinnerungsbüchern, Briefen und Postkarten hielten sie zwar Kontakt, doch das ersetzte in keiner Weise die persönliche Begegnung und Berührung. Die Pflegekräfte standen und stehen vor der besonderen Herausforderung,die für die Bewohner wegfallenden persönlichen Kontakte zu ihren Angehörigen aufzufangen. Dies gelingt aber nur begrenzt.

Unsere Mitarbeitenden tun viel dafür, damit unsere Bewohnerinnen und Bewohner vor Ansteckung geschützt sind und trotz der massiven Einschränkungen Kontakt zu ihren Lieben halten können und einen möglichst abwechslungsreichen Alltag erleben. Zu Beginn der Pandemie war der Kontakt nur über Briefe/Ostergrußkarten möglich. Beim Schreiben, Lesen und Vorlesen der Post konnten wir bei unseren Bewohnern viele noch vorhandene Ressourcen erleben, auch die eine oder andere Träne wurde dabei vergessen. Ganz neue Wege der Kontaktaufnahme über Videotelefonie zauberten Lächeln in die Gesichter von Bewohnern und Angehörigen - viele Gespräche erheiterten auch unseren Alltag. Die ersten Besuche fanden mit viel Abstand am Gartentor statt. Später haben wir einen Besucherraum eingerichtet - den Schutzvorgaben entsprechend auf Abstand und mit Plexiglasscheibe.

Viele Telefonate in den letzten Wochen zeigen die Wertschätzung der Angehörigen für die von uns geleistete Arbeit. Mit kleinen Gesten - geschriebenen Karten, selbstgestrickte Pflegekraft-Puppen, selbstgenähter Mund-Nasen-Schutz - und lobenden Worten brachten sie dies zum Ausdruck und wir danken ihnen dafür.“

Zur Homepage von ambet e.V. Haus Amalia

25. Kalenderblatt: „Demenzfreundliche Apotheke“ als Online-Seminar


In unserem heutigen Kalenderblatt stellt Maria Kammermeier, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz, das Online-Seminar „Wenn die Einsicht fehlt ... Begleitung von Menschen mit Demenz in Zeiten von Corona“ für Mitarbeitende in Apotheken vor, das sie am 20. Juli im Rahmen des Projektes „Demenzfreundliche Apotheke“ angeboten hat: „Der Lockdown hat das Leben von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen über Monate hinweg massiv verändert. Mitarbeitende in Apotheken sind häufig Vertrauenspersonen, sowohl für Erkrankte als auch für die Angehörigen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung und Entlastung leisten, indem sie Angehörigen Hinweise zu Umgang und Kommunikation geben. Ebenso können sie auf spezielle Beratungs- und Hilfsangebote aufmerksam machen.

In unserem Seminar ging es darum, die Begegnung mit Personen mit Demenz zu beleuchten, die viele bereits in „normalen“ Zeiten an die eigenen Grenzen bringt. Die tiefgreifenden Veränderungen durch die Beschränkungen in Corona-Zeiten haben sowohl die Betroffenen als auch die Angehörigen umso mehr belastet. Trotz der zwischenzeitlichen Lockerungen ist eine Rückkehr zur Normalität leider nicht in Sicht. Weil Menschen mit Demenz mehr als andere auf Sicherheit gebende, vertraute Abläufe und zwischenmenschliche Kontakte in ihrem Alltag angewiesen sind, stellen die Veränderungen sowie die Anspannung in der Umgebung oder das Fernbleiben von vertrauten Personen wie den Angehörigen für die Betroffenen einen extremen Stressfaktor dar. Verhaltensauffälligkeiten als Reaktion auf Unsicherheit und Angst sind die Folge.

Sicherheit und Zuversicht vermitteln - dies gilt umso mehr in Zeiten von Corona. Dieser Umstand fordert uns heraus, unsere Haltung und vielleicht auch unsere Sprachlosigkeit zu hinterfragen. Für das Seminar haben wir speziell die Aufgabe der Apotheken in den Blick genommen und versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden:

  • Wie erleben Personen mit Demenz das veränderte Verhalten der Umgebung, das Alleinsein, die Hygiene- und Abstandsregelungen und welche Reaktionen folgen darauf?
  • Wie begegnet man Menschen mit Demenz unter den schwierigen Umständen im Alltag und besonders in der derzeitigen Corona-Krise?
  • Wie kann man in Zeiten von Corona im Kontakt mit Menschen mit Demenz ein Stück Normalität herstellen und Akzeptanz für die aktuellen Beschränkungen erreichen?
  • Wie kann man Sicherheit vermitteln, um Stresssituationen so gering wie möglich zu halten?


Das Interesse an unserem Online-Seminar war sehr groß - insgesamt 107 Teilnehmende aus ganz Bayern haben sich zugeschaltet. Das machte für uns deutlich, wie sehr sich die Apotheken dieser Fragen annehmen. Positiv für uns war auch die Tatsache, dass wir über eine solche Online-Veranstaltung eine große Zuhörerschaft aus ganz Bayern erreichen konnten.“

Die Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz e.V. Selbsthilfe Demenz hat bereits im Jahr 2019 für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Apotheken den Kompaktkurs Demenz Partner angeboten. Darauf aufbauend fand im Februar 2020 die Schulung „Demenzfreundliche Apotheke“ statt. „Mit dem Online-Seminar können wir das Projekt auch in Corona-Zeiten weiterführen und die besondere Zielgruppe der Mitarbeitenden in Apotheken erreichen“, freut sich Maria Kammermeier.

Zur Homepage der Alzheimer Gesellschaft Oberpfalz e.V. Selbsthilfe Demenz

24. Kalenderblatt: Gesprächsgruppen per Telefon

Eine Frau sitzt am Computer und telefoniert (© Alzheimer Angehörige-Initiative e.V.)


Auch in Zeiten von Kontaktbeschränkungen und abgesagten Gruppentreffen muss der persönliche Austausch mit anderen möglich sein - da waren sich die Kolleginnen und Kollegen von der Alzheimer Angehörigen-Initiative e.V. (AAI) schnell einig. In unserem heutigen Kalenderblatt stellt Rosemarie Drenhaus-Wagner von der AAI die „Gesprächsgruppen per Telefon“ vor: „Mitte März wurden von den Behörden in Berlin alle Gruppentreffen untersagt. Um unsere Gesprächsgruppen digital fortführen zu können, haben wir nach einer für alle Beteiligten kostengünstigen Alternative gesucht. Videokonferenzen mit Skype, Zoom oder ähnlichen Formaten schieden als Möglichkeit aus, da die Mehrheit der überwiegend betagten Teilnehmenden die technischen Voraussetzungen bzw. das erforderliche Verständnis dafür nicht mitbringt.

Bei Gottesdienst-Telefon.de fanden wir dann die Möglichkeit, für 5 Euro monatlich einen virtuellen Konferenzraum zu mieten, in den sich jeder per Telefon einwählen kann. Einen PC mit Internetzugang benötigt nur die Gruppenleitung. Die Teilnehmenden von acht unserer elf fachlich geleiteten Angehörigengesprächsgruppen waren überrascht, wie problemlos sie sich weiterhin untereinander austauschen können – ohne Hygienemaßnahmen, ohne Infektionsrisiko und ohne Wegezeiten mit gelegentlichen Wetterunbilden. Die gegenseitige Vertrautheit stellte sich in der telefonischen Runde ebenso ein wie in der Präsenzgruppe.

Gleichwohl sehnten alle den Tag herbei, der wenigstens gelegentliche persönliche Begegnungen und Nähe wieder erlaubte. Dieser Tag ließ bis Ende Mai auf sich warten, als die pandemiebedingten Vorbeugemaßnahmen soweit gelockert wurden, dass kleine Gruppentreffen wieder möglich wurden, zumindest im Freien – etwa im Biergarten –, bei gebotenem Abstand und mit Mund-Nasen-Schutz. Mittlerweile sind auch verschiedene Treffpunkte wieder für Gruppentreffen geöffnet, allerdings nur unter strengen Hygienemaßnahmen, die unter anderem die Teilnehmendenzahl auf etwa ein Drittel beschränken. Wir werden deshalb die Telefonkonferenzen bis auf Weiteres als Standardangebot fortführen und die Präsenzgruppen nur als Zusatzangebot. Dieses zusätzliche Angebot ist vor allem für diejenigen gedacht, die neu sind oder unregelmäßig teilnehmen. Auch für Menschen, denen es schwerfällt, einer eigentlich vertrauten Stimme das zugehörige Gesicht zuzuordnen, sind die persönlichen Gruppentreffen besser geeignet.

Den Teilnehmenden, die bislang zur Präsenzgruppe ihre Angehörigen mit Demenz mitgebracht haben, um sie währenddessen in die Obhut unserer Gruppenbetreuung zu geben, bieten wir ersatzweise eine individuelle Einzelbetreuung an. Ziel ist es, der Hauptpflegeperson zu ermöglichen, mit ungeteilter Aufmerksamkeit am Telefon frei zu sprechen.

Wir haben mit unseren „Gesprächsgruppen per Telefon“ eine gute Möglichkeit gefunden, den Kontakt zueinander nicht zu verlieren und uns regelmäßig über unseren Alltag auszutauschen. Das Format der Telefonkonferenz hat sich gerade in der momentanen Hitzeperiode sehr bewährt, weil es den Angehörigen den Weg durch die drückende Hitze erspart. Mehrere Gruppen haben von dieser neuen Alternative zur Präsenzgruppe trotz der Lockerungen Gebrauch gemacht. Auch im Winter kann sie zum Beispiel bei Blitzeis segensreich sein. Wir werden uns diese Möglichkeit deshalb dauerhaft erhalten.“

Die AAI hat auch eine ausführliche Beschreibung zum Aufbau einer Telefonkonferenz für Gruppenleiter entwickelt.

Zur Homepage der Alzheimer Angehörigen-Initiative e.V.

23. Kalenderblatt: „Zusammenhalten in dieser Zeit“ - der BAGSO-Podcast

Bild vom BAGSO-Podcast


Der Alltag hat sich in kürzester Zeit massiv verändert, gewohnte Aktivitäten sind weggefallen, Begegnungen mit anderen sind kaum noch möglich, viele sorgen sich um ihre Angehörigen und ihre eigene Gesundheit. Ältere Menschen sind von der Corona-Situation besonders betroffen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) hat deshalb die Podcast-Reihe „Zusammenhalten in dieser Zeit“ gestartet, die sich vor allem an ältere Menschen richtet.

Alle zwei Wochen erscheint eine neue Podcast-Folge zu einem für ältere Menschen relevanten Thema: Ob „Fit bleiben zu Hause“, „Umgang mit Ängsten und Sorgen“ oder „Engagement in der Corona-Krise“ - die Hörstücke geben Informationen und Tipps für den Alltag und berichten von guten und ermutigenden Beispielen.

Barbara Stupp von der BAGSO erzählt zur Podcast-Reihe: „Auch wenn die Zahl der Corona-Infektionen derzeit nicht so hoch ist, ist das Leben vieler älterer Menschen weiterhin von Vorsicht geprägt. Sie treffen seltener Freunde und Familie, viele Aktivitäten fallen weg, freiwilliges Engagement ist häufig nur eingeschränkt möglich. Mit unserem Podcast möchten wir die Themen und Sorgen älterer Menschen aufgreifen und sie ein Stück durch diese Zeit begleiten.“

Der BAGSO-Podcast wird vom Bundesseniorenministerium (BMFSFJ) gefördert und erscheint auf der Internetseite der BAGSO, Youtube sowie vielen Podcast-Plattformen wie Spotify und Deezer. Die Pressestelle der BAGSO stellt auf Wunsch Materialien zur Weiterverbreitung der Podcasts zur Verfügung (riedel[at]bagso.de).

Die nächste Podcast-Folge erscheint am 13. August mit dem Thema „Was wird aus meinem Ehrenamt?“: Welche Auswirkungen hat Corona auf das Engagement von Freiwilligen? Welche Besonderheiten sollte man beachten, wenn man sich während der Pandemie ehrenamtlich engagieren will?

Zum BAGSO-Podcast „Zusammenhalten in dieser Zeit“

22. Kalenderblatt: „Das ist für Dich“ – ein Song für alle in der Pflege

 

Mit einem eigenen Song bedankt sich die avendi Senioren Service GmbH & Co. KG bei ihren Mitarbeitenden für ihren großen Einsatz (nicht nur) in der Corona-Pandemie. Marketingleiterin Sandra Freitag erzählt, was dahintersteckt: „Ursprünglich war für den Juni unser jährliches Mitarbeiterfest geplant. Aufgrund der Pandemie konnte es natürlich nicht stattfinden. Trotzdem wollten wir den Menschen, die bei uns arbeiten und mit sehr viel Engagement Pflegebedürftige nicht nur versorgen, sondern ihnen zur Seite stehen, ihnen Hoffnung und Mut auch in dieser schwierigen Zeit geben, sie aktivieren und ihnen oft ganz wörtlich wieder auf die Beine helfen, unseren Dank und die Anerkennung ausdrücken. Sie haben sie sich gerade in diesem Jahr besonders verdient. 

Wie sich herausstellte, ist Ruben Rodriguez, der DJ, den wir für das Mitarbeiterfest gebucht hatten, auch Musikproduzent. Er war schnell von der Idee eines Songs zu begeistern. Songwriter und Sänger Louis Leibfried brachte dann mit seiner Komposition und seinem Text genau das auf den Punkt, was wir Mitarbeiter der avendi-Zentrale unseren Kollegen in den Einrichtungen sagen möchten. Vor allem ist es dieser starke Zusammenhalt, der uns immer wieder beeindruckt und freut. Im Musikvideo sind Eindrücke aus dem Pflegealltag zu sehen und es haben sich sogar ein paar unserer Mitarbeiter ins Studio getraut, um den Schlussrefrain mitzusingen. Wir wünschen uns, dass dieser Song den Zusammenhalt nicht nur bei uns, sondern ganz insgesamt unter den Pflegenden stärkt. Und wir denken dabei auch an die Angehörigen, die ja ebenfalls unglaublich viel leisten und viel zu oft vergessen werden.“

„Das ist für Dich“ ist ein Song mit richtigem Ohrwurm-Potential. Er ist am 17. Juli veröffentlicht worden und hat schon viel Resonanz gefunden. „Wir planen eine zweite Version des Videos, um noch viel mehr Menschen einzubeziehen. Dafür rufen wir Pflegende, Pflegekunden und Angehörige auf, den Refrain mitzusingen, sich dabei per Video aufzunehmen und dieses Video per E-Mail an uns zu schicken: a-team[at]dus.de.“

Mehr Infos zur Entstehung des Videos bei avendi

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21. Kalenderblatt: „Die Frau aus dem Handy“ – ein virtueller Kontakt der besonderen Art

Eine Kuh liegt mit dem Hinterteil zum Betrachter auf der Wiese
"Die Kuh kenne ich!"
Ein altes Auto, von hohen Gräsern und Büschen überwachsen
"Die haben aber blöd geparkt!"

 

Die beschränkten Kontaktmöglichkeiten während des Corona-Lockdowns haben auch bei der Alzheimer Gesellschaft Wiesbaden e.V. dazu angeregt, kreativ zu werden. Eine besondere Form der Verbindung hat Regina Petri zu der 85-jährigen Christiane aufgebaut. Christiane hat eine fortgeschrittene Demenz und wird von ihrer Tochter Viola betreut.

„Das mit den Bildern hat langsam angefangen“, erzählt Regina Petri, Mitarbeiterin der Alzheimer Gesellschaft Wiesbaden. „Viola hat ihrer Mutter Fotos gezeigt, die ich gemacht habe. Christiane hat sehr wach und freudig auf diese Bilder reagiert. Sie hat sogar gelacht, was sie sonst nur noch selten macht. Inzwischen schicke ich ihr wöchentliche Grüße aufs Handy und erfahre von Viola die wunderbaren Reaktionen und Kommentare, die Christiane dazu macht.“ 

Die Motive sind vielfältig: Obst und Blumen aus dem Garten, Bilder von Katzen, Hunden und Enten, der Marktplatz mit Ständen oder auch einfach nur Landschaft aus der Umgebung.

Bei ihrer Tochter fragt Christiane auch schon mal nach: „Glaubst du, die Dame aus dem Handy schickt heute wieder Bilder?“

„Ja, das werde ich“, sagt Regina Petri, „weil Christiane nach diesem virtuellen Austausch wacher und fröhlicher ist,

• weil Viola mit ihrer Mutter so schöne Augenblicke erleben kann,

• weil es (nicht nur) in Zeiten von Corona eine Verbindung schafft,

• weil es leicht nachgemacht werden kann – auch innerhalb der Familie oder im Freundeskreis,

• weil ich die Freude der beiden miterleben darf.“

Zur Homepage der Alzheimer Gesellschaft Wiesbaden e.V.

20. Kalenderblatt: „Inselgeschichten“ - positive Nachrichten vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein

Logo Inselgeschichten
Frau M. mit der Maske seitlich, auf der Stirn und auf dem Kopf; Foto: Daniela Sterler, München

 

Geschlossene Türen in den Pflegeheimen, kaum Kontaktmöglichkeiten zu den Bewohnerinnen und Bewohnern – viele Angehörige waren in Sorge, wie es in Zeiten von Corona in den Einrichtungen zugeht und wie ihre demenzerkrankten Familienmitglieder dort versorgt würden. In dieser Situation hat das Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein die Idee für die „Inselgeschichten“ entwickelt. Diese Geschichten kommen nicht von den klassischen Inseln aus dem Norden, sondern sind Eindrücke aus unterschiedlichen Alten- und Pflegeheimen in Deutschland, mit denen das Kompetenzzentrum Kontakt aufgenommen hat.

Anneke Wilken-Bober vom Kompetenzzentrum erklärt, worum es geht: „Unsere Geschichten machen Mut, sind witzig und zeigen einige Beispiele auf, wie es in Pflegeheimen in Zeiten von Corona so zu geht. Wir haben sie für unsere Kanäle bei Instagram und Facebook entwickelt, haben einige davon aber auch für alle, die nicht auf diesen Portalen unterwegs sind, in unserer „Corona-Zeitung“ veröffentlicht. Positive Nachrichten können wir in diesen Zeiten alle sehr gut gebrauchen. Wir wissen allerdings, dass es durchaus auch negative Beispiele und Geschichten aus Heimen gab und gibt. Diese nehmen wir sehr ernst und kümmern uns auch um diese: wir beraten, leiten weiter und sind im Gespräch mit den Einrichtungen und der Politik.“

Bei den „Inselgeschichten“ geht es zum Beispiel um besondere Wellness- und Wohlfühlangebote für Bewohner, die nicht an Gruppenangeboten teilnehmen können, oder um Spaziergänge durch den Sinnesgarten, in dem Fühlkisten und Klänge neugierig machen und zum Verweilen anregen. 

Eine ganz schöne Geschichte ist auch die von Frau M. einer Heimbewohnerin, die sich Gedanken dazu machte, wie man den anderen erklären kann, wie man einen Mundschutz richtig trägt – oder eben auch nicht!

Die Corona-Zeitungen mit den Inselgeschichten hier herunterladen

Zum Kompetenzzentrum bei Instagram

Zum Kompetenzzentrum bei Facebook

19. Kalenderblatt: Hygiene-Pakete für den Einsatz vor Ort - ein Bericht aus Emden-Ostfriesland

Das Hygienepaket der Alzheimer Gesellschaft Emden-Ostfriesland


Hildegard Krüger von der Alzheimer Gesellschaft Emden-Ostfriesland e.V. Selbsthilfe Demenz berichtet heute über praktische Hilfen für die Helferinnen und Helfer, damit diese wieder die Familien mit Demenz besuchen können:

„Schwere Zeiten erfordern Mut! Während der Corona-Pandemie haben wir unsere Gruppenaktivitäten komplett eingestellt. Allein lebende Personen mit Demenz haben wir aber auch in dieser Zeit weiter begleitet. Vor einigen Wochen konnten wir mit unseren Aktivitäten langsam wieder starten. Damit unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in dieser Zeit gut geschützt ihre Betreuungsarbeit in den Familien übernehmen können, haben wir sie mit Händedesinfektionsmittel, Einmal-Handschuhen in der passenden Größe sowie Atemschutzmasken ausgestattet. Zusätzlich haben wir alle Helfenden nochmals auf die Hygienevorschriften hingewiesen und ihnen ein Informationsblatt mit den wichtigsten Hygiene-Tipps übergeben. Bestens gerüstet können die Helferinnen und Helfer endlich wieder persönlich für Menschen mit Demenz und ihre Familien da sein und sie im Alltag begleiten.“

Mehr zur Alzheimer Gesellschaft Emden-Ostfriesland

18. Kalenderblatt: Konzerte mit „LADY SUNSHINE & MISTER MOON“: Eine Hommage an die gute alte Zeit

Lady Sunshine & Mister Moon (© rnb-pictures (3))


Heute stellen wir „LADY SUNSHINE & MISTER MOON“ vor, die gemeinsam mit ihrer Band Schlager der 1920er- bis frühen 60er-Jahre auf die Bühnen bringen - in der Corona-Zeit auch über Facebook und Youtube. Die Band hatte von Beginn an auch Auftritte in Senioreneinrichtungen, daher ist es allen ein besonderes Anliegen, trotz Corona Freude und Unterhaltung zu den Menschen zu bringen.

Elisabeth Heller, die Sängerin von „LADY SUNSHINE & MISTER MOON“, erzählt: „Meine Mama war Seniorenbetreuerin in einem Pflegeheim. Von ihr habe ich viel gelernt über den Umgang mit demenzerkrankten Menschen. Es hat mich immer fasziniert, wie sie durch ihre Validations-Ausbildung auf die Bewohnerinnen und Bewohner zugegangen ist und mit kleinen Kniffen so viel wertvolle Zeit und Lebensqualität schenken konnte.

Durch diesen Umstand bin ich damals als frischgebackene Musical-Absolventin auch zu den alten Schlagern der 1920er- bis 60er-Jahre gekommen. Anfangs sind mein Lebensgefährte, mein Papa am Klavier und ich durch Wiener Seniorenhäuser getingelt, um den Bewohnern ein paar schöne Stunden in Jugenderinnerungen zu bereiten. Es ist immer wieder unglaublich, welchen positiven Effekt Musik auf Ältere und Menschen mit Demenz hat. Deshalb singen wir ausschließlich deutsch und versuchen, unser Publikum durch Kostümwechsel, Choreographien, Zaubertricks, Berührungen, Humor und durch Motivation, gemeinsam mit uns zu singen, auf allen Sinnesebenen zu unterhalten.

Mittlerweile haben wir ein Orchester und bereisen große Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum sowie das Fernsehen - und dank COVID 19 auch vermehrt das Internet. Für uns Künstler waren die Konzertverbote zu Beginn der Corona-Krise jedenfalls ein Schock. Keine Arbeit mehr von heute auf morgen, und das für mehrere Monate. Aber mein zweiter Gedanke war sofort bei unserer ältesten Generation. Als ich hörte, dass nicht nur die Unterhaltung in den Häusern abgedreht wurde, sondern auch sämtliche Besuche verboten wurden, dachte ich mir: Da werden wohl einige eher an Vereinsamung sterben als an dem Virus. Selbstverständlich ist es wichtig, die Schwächsten zu schützen, aber ein Grund zum Nachdenken ist es allemal. Ich weiß von meiner Mama, wie wichtig in gewissen Stadien der Demenz Berührung oder Aufmerksamkeit sind. Und wenn man bedenkt, dass unser Pflegepersonal meist ohnehin an der Belastungsgrenze arbeitet, fragt man sich schon, wo diese lebensnotwendige Zuwendung dann herkommen soll.

Meinem Partner und mir war schnell klar, dass wir gegen die Situation nicht viel tun konnten - außer: das Beste draus zu machen. Daher haben wir kurzerhand unseren Proberaum zu einem Filmstudio umgebaut und produzieren nun viele schöne Projekte wie …

… Mini-Mitsing-Konzerte (immer montags auf Facebook)
… Die große LADY SUNSHINE & MISTER MOON SHOW (monatlich auf Youtube)
… „100 Jahre – 100 Schlager“ – lustige Neuinterpretationen
… Das LADY SUNSHINE & MISTER MOON HÖRSPIEL (monatlich auf Youtube)

Und wenn wir jetzt die zu Pflegenden auch nicht direkt unterhalten können, so haben vielleicht einige Angehörige und Ehrenamtliche Freude an unserer kleinen heilen Welt, die wir auf Youtube bieten, und können die Lebensfreude weitergeben - so gut es die Bestimmungen zulassen. So wirkt unsere gute Laune über die Grenzen des Internets hinaus. Vielleicht gibt es ja bald ein Wiedersehen auf einer echten Bühne.“

LIVE-TERMINE: www.ladysunshine-mistermoon.com
YOUTUBE: https://www.youtube.com/user/sunshineundmoon
FACEBOOK: https://www.facebook.com/LadySunshineUndMisterMoon

Mehr zu LADY SUNSHINE & MISTER MOON

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17. Kalenderblatt: Online-Unterstützung in Zeiten von Corona: Die „Online-Gefühls-Werkstatt“ der Alzheimer Gesellschaft Kelheim

Zeichnung: Hände schreiben auf dem Laptop bei einem Videogespräch (© Pixabay)


In unserem heutigen Kalenderblatt stellt Gerrit Idsardi, 2. Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft im Landkreis Kelheim e.V., die „Online-Gefühls-Werkstatt“ vor, ein Online-Einzelcoaching für Angehörige von Menschen mit Demenz:

Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen haben die Welt derzeit fest im Griff, und manche Menschen erleben erstmals das Gefühl der Isolierung und Vereinsamung. Viele Angehörige von Menschen mit Demenz kennen dieses Gefühl jedoch schon länger: „Wir sind schon vorher nicht wirklich rausgekommen und waren ans Haus gebunden“, erzählt eine Betroffene. „Aber jetzt ist das nochmal anders. Ich kann ja mit meinem Vater nicht einmal mehr zum Einkaufen oder zum Arzt gehen, weil er den Mund-Nasen-Schutz nicht auflässt und auch die Abstandsregelungen nicht versteht. Die wenigen Stunden in der Woche, die er in der Tagespflege war, fallen jetzt ebenfalls weg. Und die Menschen, die ich sonst noch treffen konnte - ein paar Freundinnen und mein Bruder mit seiner Familie - darf ich jetzt auch nicht mehr treffen.“

Die Alzheimer Gesellschaft für den Landkreis Kelheim e.V. hat in den vergangenen zwei Jahren im Projekt „Helfen und selber gesund bleiben!“ das Training ‚Gefühls-Werkstatt‘ entwickelt und erprobt. Pflegende Angehörige können hier lernen, mit belastenden Gefühlen wie Ärger, Wut, Angst, Scham, Schuld, Kränkung und Niedergeschlagenheit umzugehen. Denn wenn diese emotionale Belastung zu lange andauert, kann das zur psychischen und physischen Erkrankung der pflegenden Angehörigen führen.

Wegen der Corona-Krise und allen damit verbundenen Kontakteinschränkungen wird dieses Training ab sofort als Online-Einzelcoaching angeboten. Das bedeutet, dass sich Betroffene über ein Video-Tool virtuell mit einem Coach treffen – sie können sich also hören und sehen. Dazu benötigen sie nur einen PC oder Laptop mit Kamera und natürlich eine Internetverbindung. Der Coach lädt per E-Mail zu den Terminen ein, die jeweils etwa 45 Minuten dauern – und mit einem Klick auf den Einladungslink zur vereinbarten Zeit steht in der Regel die Verbindung.

Weil dieses Online-Coaching nicht ortsgebunden ist, können sich Angehörige aus ganz Bayern dafür anmelden. Vorerst ist das Angebot, das vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gefördert wird, auf zwölf Angehörige für jeweils drei bis vier Termine begrenzt.

Das Projekt „Helfen und selber gesund bleiben!“ wurde für den Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis 2019 nominiert.

Mehr zur „Online-Gefühls-Werkstatt“ der Alzheimer Gesellschaft Kelheim

16. Kalenderblatt: „Begleite mich - in meine Welt“ - Demenzkampagne 2020 der Stadt Baden-Baden startet mit Veranstaltungen im kleineren Kreis

Titelseite der Broschüre zur Demenzkampagne 2020 in Baden-Baden


Dieses Jahr sollte zum siebten Mal die Demenzkampagne der Stadt Baden-Baden stattfinden. Sie macht das häufig tabuisierte Thema Demenz öffentlich. Die Erfahrung zeigt: Eine hohe Lebensqualität Betroffener in allen Phasen der Demenz und wirkliche Entlastung der Angehörigen gelingt nur, wenn Unterstützung vor Ort angeboten und das Verständnis für die Desorientiertheit im persönlichen und gesellschaftlichen Umfeld gestärkt wird. „Noch immer kommen Betroffene sehr spät, um sich Hilfe zu holen und noch immer wissen Angehörige und die Gesellschaft oft nur wenig über Demenz und Unterstützungsmöglichkeiten“, erklärt Tanja Fröhlich vom Pflegestützpunkt der Stadt Baden-Baden, die Koordinatorin der Kampagne. Hier setzt die Arbeitsgruppe der Demenzkampagne an. Sie entwickelt beständig neue Ideen und organisiert die unterschiedlichsten Veranstaltungen.

Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die Kampagne in diesem Jahr nicht wie geplant starten. Ab Juni/Juli können aber die ersten Angebote im kleineren Kreis und unter den vorgegebenen Schutzmaßnahmen stattfinden. „Endlich können wir so langsam etwas Normalität umsetzen“, freut sich Tanja Fröhlich. „Gerade in der momentan stark belastenden Zeit ist ein Seminar zur Stärkung genau das Richtige.“ Am 30. Juni startet das Programm mit dem Workshop „Zauberharfe spielen“. Das Tagesseminar Resilienz „Mit Kraft und innerer Stärke Herausforderungen meistern“ wird am 13. Juli angeboten. „Leider werden viele andere Angebote abgesagt bzw. stark begrenzt werden“, so Tanja Fröhlich. „Interessierte sollten daher immer im Vorfeld bei dem jeweiligen Veranstalter nachfragen, ob der Programmpunkt auch durchgeführt wird. Eine Teilnahme ohne Voranmeldung wird in diesem Jahr nicht möglich sein.“

Die Demenzkampagne der Stadt Baden-Baden wird von zahlreichen Kooperationspartnern und Sponsoren unterstützt und mitgetragen. In der Arbeitsgruppe „Demenzkampagne“ engagieren sich: Pflegestützpunkt Baden-Baden, Alzheimer Gesellschaft Baden-Baden, Ambulanter Hospizdienst Baden-Baden, AWO Baden-Baden, Caritasverband Baden-Baden, DRK Baden-Baden, Evangelische Kirchengemeinde Baden-Baden, Fachschule für Altenhilfe Robert-Schuman-Schule Baden-Baden, Klinikum Mittelbaden.

Mehr zur Demenzkampagne 2020 der Stadt Baden-Baden

15. Kalenderblatt: „Ich will, dass sich etwas zum Wohl der Familien ändert!“

Illustration zu Corona (© Pixabay)


Iris Jirka war viele Jahre im Vorstand der Alzheimer Gesellschaft Flensburg aktiv, zuletzt mehrere Jahre als Vorsitzende des Vereins. Die Heilpraktikerin hat sich auch beruflich auf die Begleitung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen spezialisiert. In den vergangenen Monaten der Corona-Pandemie hat Iris Jirka viele Familien intensiv begleitet und berichtet in unserem heutigen Kalenderblatt von ihren Erfahrungen mit den Besuchsbeschränkungen in Pflegeeinrichtungen:

„Ich habe seit Beginn der Corona-Maßnahmen per Telefon und E-Mail Kontakt zu Familien mit Demenz gehalten und versucht, den Angehörigen hilfreiche Anregungen zu geben, damit diese gesund bleiben (ausreichende Bewegung, gesunde Ernährung, regelmäßige Gespräche mit anderen). Vielen habe ich auch Rätsel, Bewegungsangebote und aufmunternde Geschichten geschickt. Es ist so wichtig, dass die pflegenden Angehörigen für ihre Aufgaben gestärkt werden!

Der Lockdown war eine große Belastung für die Angehörigen, die einen Demenzerkrankten zu Hause pflegen und plötzlich keine Entlastungsmöglichkeiten mehr hatten. Auch bei Familien, deren demenzerkrankter Angehöriger akut ins Krankenhaus musste und nicht begleitet werden durfte, gab es natürlich große Schwierigkeiten.

Und dann waren da all die Familien, deren demenzerkrankter Angehöriger in einer Pflegeeinrichtung lebt. Häufig besuchen die Familienmitglieder ihren Angehörigen täglich im Heim und bringen Abwechslung in den Alltag: Gespräche, Gedächtnistraining, biografische Orientierung, Spaziergänge und vieles mehr sorgen für die so nötige Liebe und Zuwendung. Ebenso übernehmen die Familien kleinere Pflegetätigkeiten wie Rasieren, Nagelpflege, Haarpflege oder die Pflege der Kleidung.

Dann kam Corona. Von einem Tag auf den anderen war all das nicht mehr möglich!
Ich habe die Verzweiflung und die Angst der Angehörigen erlebt und begleitet in der Zeit, als gar keine Besuche möglich waren. Sie alle hatten Angst, ihre Lieben vielleicht nicht mehr wiederzusehen oder nicht mehr erkannt zu werden. Ich habe Angehörige erlebt und getröstet, deren Partner unter diesen Bedingungen abgemagert und verwahrlost sind und deutlich desorientierter wurden. Ich erlebe die große Not der Angehörigen, die Verzweiflung vor und nach den kurzen Besuchen bei ihren Lieben im Heim, und kann mich nicht mehr nur aufs Trösten und Verstehen beschränken. Ich will, dass sich etwas zum Wohl der Familien ändert!

Voller Interesse habe ich die Erlasse und Handlungsempfehlungen der letzten Wochen verfolgt. Da steht für Schleswig-Holstein schon seit Längerem: Ausnahmen für Menschen mit Demenz, die nicht mit Videotelefonie und rein verbaler Kommunikation zurechtkommen, sind jederzeit möglich. Seit dem 15. Juni gibt es kein generelles Betretungsverbot mehr für die Pflegeheime im Land. Besuche sollen unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen und Bedingungen (Betreten unter Auflagen) wieder zugelassen werden. Daher sind die Einrichtungen nun verpflichtet, ein Besuchskonzept zu erstellen. Sobald die Pflegeeinrichtungen ihre Besuchskonzepte angepasst oder erstellt haben, sollten Besuche unter vereinfachten Rahmenbedingungen leichter und ggf. auch häufiger als zuvor möglich sein.

Für mich bleibt die Frage offen, wie wir die Einrichtungsleitungen dazu bewegen können, sich auch an diese Vorgaben zu halten. Besuche in Pflegeeinrichtungen müssen wieder (unter Einhaltung gewisser Auflagen) uneingeschränkt möglich sein!“

14. Kalenderblatt: „Durstig nach Austausch und Liebe“ – ROTE NASEN Fenstervisite für Pflegebedürftige

ROTE NASEN Clowns spielen bundesweit in Einrichtungen für Menschen mit Demenz. Besonders wichtig für die Künstlerinnen und Künstler sind der Kontakt auf Augenhöhe und der direkte Austausch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen. Dann kam Covid-19 – und damit die Besuchsverbote auch für die Clowns.

Schnell und mit viel Kreativität stellten sich die Künstler auf die veränderte Situation ein. Annika Seiffert von ROTE NASEN erzählt in unserem heutigen Kalenderblatt von den Fenstervisiten der Clowns: „Trotz Besuchsverbots finden sie Wege, um die Pflegebedürftigen zu erreichen. Jetzt spielen die Clowns in Gärten oder Höfen für ihre „Fans“, die von den Fenstern oder Balkonen zuschauen. Besonders die persönliche Ansprache berührt die Senioren, denen die Clowns mit der Zeit hinweg ans Herz gewachsen sind.“

Die regelmäßigen Visiten sind mehr als nur Spaß, bestätigt Patricia Powierski, Pflegedienstleitung in der Seniorenstiftung Prenzlauer Berg: „Es ist jedes Mal berührend, zu sehen und zu hören, wie die Augen leuchten und mit welcher Begeisterung selbst unsere an Demenz erkrankten Bewohner mitsingen, klatschen und sogar auf diese Entfernung die Clowns erkennen. Es ist eine große Freude für alle Beteiligten!“

ROTE NASEN Fenstervisiten gibt es von Bremen bis Konstanz und von Düsseldorf bis Dresden. Bewohnerin Sophie Irmer aus der Bremer Heimstiftung freut sich jede Woche auf die Künstler, die sie auch in Corona-Zeiten nicht alleine lassen: „Die Clowns sind mit viel Liebe, Lust und Spaß an der Sache dabei. Das ist immer mitreißend und toll zu sehen. Ich habe mir ihr Kommen im Kalender eingetragen, damit ich keinen Auftritt verpasse.“ ROTE NASEN Künstlerin Luise Lähnemann alias Clown Gogo war in dieser Woche in Berlin unterwegs und berichtet begeistert: „Es war wunderschön! Alle haben sich so auf uns gefreut und uns mit Tröten und Luftschlangen empfangen. Die Pfleger haben sogar rote Nasen an die Bewohner verteilt. Alle - auch die Mitarbeitenden - sind so dankbar, dass wir kommen, weil sie über Wochen abgeschottet waren und jetzt endlich etwas passiert. Alle sind durstig nach Austausch und Liebe!“

ROTE NASEN finanziert sich hauptsächlich durch Spenden. Die bundesweiten Clownvisiten für Pflegebedürftige werden teilweise durch die Betriebskrankenkassen als Präventionsleistung gefördert. Wenn eine Einrichtung Interesse an Clownvisiten hat, kann sie sich gerne bei den ROTEN NASEN melden: office[at]rotenasen.de.

Mehr Informationen zu den ROTEN NASEN: www.rotenasen.de

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13. Kalenderblatt: „Sorgen pflegender Angehöriger auffangen“ - Telefonberatung in NRW

Telefon mit Rufnummer der Telefonberatung von Alzheimer NRW im Display


Seit Beginn der Corona-Pandemie sind Angehörige von Menschen mit Demenz vielfach belastet und stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen. Deutschlandweit ist die Zahl der Anrufenden bei den Beratungstelefonen gestiegen. Häufig geht es in den Gesprächen um die Kontaktbeschränkungen, geschlossene Tagespflegeeinrichtungen, die Umsetzung der Schutzmaßnahmen, fehlende Unterstützungs- und Entlastungsangebote sowie die Besuchsbeschränkungen in den Pflegeeinrichtungen. Immer wieder treten Konflikte bei der Pflege und in der Familie, aber auch aufgrund der Besuchsregelungen mit den Pflegekräften in den Heimen auf und belasten die Angehörigen sehr.

Der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW e.V. ist seit Mitte Mai auch samstags und sonntags für Ratsuchende telefonisch erreichbar. Angelika Söhne von Alzheimer NRW stellt in unserem heutigen Kalenderblatt das neue Angebot vor: „Durch die Corona-Beschränkungen stieg die Zahl der Anrufe von Menschen, die bei uns in der Geschäftsstelle in Düsseldorf Rat suchten oder auch über die zunehmenden Belastungen in der häuslichen Pflege berichteten - zumal viele Beratungsstellen und Betreuungsangebote geschlossen waren. Aus den Gesprächen ging häufig auch hervor, dass es für viele Angehörige besonders am Wochenende schwierig ist, kompetente Ansprechpartner zu finden. Oft hilft es schon, dass sie sich einfach mal aussprechen können.

Neben den Corona-unabhängigen Themen geht es in den Beratungsgesprächen am Telefon häufig um die Unzufriedenheit der Angehörigen mit der Umsetzung der Besuchsregelungen in den Pflegeheimen. Natürlich bedeuten die Maßnahmen auch für die Pflegekräfte einen bedeutenden logistischen Mehraufwand, aber wir hören immer wieder von frustrierenden Gesprächen mit Einrichtungsleitungen - die Angehörigen stoßen mit ihren Anliegen sehr häufig auf Ablehnung und Widerstand. Aktuell gibt es große Unterschiede, wie oft und unter welchen Bedingungen Familien ihre Angehörigen im Heim sehen können. Die Pflegeeinrichtungen müssen personell und materiell so ausgestattet werden, dass sowohl die Sicherheit der Pflegekräfte als auch das Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner gewährleistet sind. Die vom Bundesgesundheitsministerium angekündigte Ausweitung der Coronatests könnte ebenfalls dazu beitragen, Besuche in Pflegeheimen sicherer zu machen – vorausgesetzt, dass sie auch pflegende Angehörige einschließen.“

Als eine erste konkrete Verbesserungsmaßnahme hat die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen Anfang Juni eine Dialogstelle für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen eingerichtet. Sie soll helfen, Konflikte zu schlichten, die im Zusammenhang mit den Besuchsregelungen aufkommen können. „Angesichts des Konfliktpotenzials halten wir die Dialogstelle für eine gute Initiative des Landes“, so Angelika Söhne. „Wir hoffen, dass sich konkrete Verbesserungen in der Entwicklung und Umsetzung von Besuchskonzepten in den Heimen ergeben. Es gibt viele gute Beispiele von Einrichtungen, die mit viel Aufwand und kreativen Ideen Besuche und Kontakte ermöglichen. Diese könnten anderen als Orientierung dienen.“

Die telefonische Beratung von Alzheimer NRW wird bis Ende des Jahres vom Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW gefördert.

Mehr zu Alzheimer NRW und den Angeboten

12. Kalenderblatt: „DIE SIND DOCH ALLE VERRÜCKT - Leben mit Alzheimer“

Logo des Blogs „Die sind doch alle verrückt“ (© Tanja Neuburger)


Die Besuchsverbote in den Pflegeheimen werden mittlerweile nach und nach in allen Regionen Deutschlands gelockert. Viele Angehörige von Menschen mit Demenz erleben die Besuchsmöglichkeiten leider nicht als freudiges Wiedersehen.

Doch es gibt auch ganz wunderbare Geschichten von Mitarbeitenden in den Pflegeheimen, die sich gerade in der Zeit des Besuchsverbots rührend um die Bewohnerinnen und Bewohner gekümmert haben und die nun trotz Vorschriften und Schutzmaßnahmen wohltuende Begegnungen bei den Besuchen auf Abstand ermöglichen.

In den vergangenen Wochen war Tanja Neuburger - wie so viele Angehörige von Menschen, die im Pflegeheim leben - trotz der Zuwendung durch die Pflegekräfte häufig voller Angst um die Gesundheit und das Wohlbefinden ihres Vater. Zwischenzeitlich ging es ihm gesundheitlich sehr schlecht, doch zum Glück haben ihn die Pflegekräfte „wirklich mit Hingebung und sehr liebevoll wieder aufgepäppelt“, wie sie sagt. Tanja Neuburger erzählt über die Zeit mit ihrem demenzerkrankten Vater seit August 2018 in ihrem Blog „DIE SIND DOCH ALLE VERRÜCKT - Leben mit Alzheimer“. Sie hat unsere Posts auf Facebook zu den Besuchsverboten und die vielen Kommentare von Angehörigen - leider allzuhäufig negative Erfahrungsberichte - verfolgt und möchte mit ihrer eigenen Geschichte ein wenig Hoffnung geben.

In unserem 12. Kalenderblatt erzählt Tanja Neuburger vom ersten Terrassenbesuch bei ihrem demenzerkrankten Vater im Pflegeheim: „So sitzt er heute nun endlich wieder mit uns zusammen auf seiner Terrasse bei strahlendem Sonnenschein und wir genießen unsere gemeinsame Zeit, die aufgrund der immer noch geltenden Corona-Beschränkungen zwar zeitlich begrenzt und auch durch Hygienevorschriften nach wie vor sehr eingeschränkt ist, aber wir sind endlich wieder zusammen. Nach sechs Wochen Kontaktsperre und drei Wochen Besuche am Fenster dürfen wir uns endlich wieder im Freien treffen. Mit Mundschutz, eineinhalb Metern Mindestabstand und ja nicht anfassen – aber zumindest ohne dämliches Fenster dazwischen.

Ich muss sagen, das Pflegeheim, in dem mein Vater lebt, tut wirklich alles, um Vorschriften, Regelungen, Hygienemaßnahmen und auch das emotionale Befinden seiner Bewohner und deren Angehörigen in Einklang zu bringen. Jeder muss gewisse Dinge akzeptieren, Maßnahmen mittragen und doch wird alles dafür getan, dass die alten Menschen nicht emotional vereinsamen. Natürlich sind die Wochen der Kontaktsperre gestohlene Zeit – so fühlt es sich zumindest an. Aber wenn wir jetzt so hier auf seiner Terrasse sitzen, ich quasi als Alleinunterhalter – das sagt zumindest mein Mann, denn ich quatsche meinen Paps ununterbrochen voll – und das halbe Gesicht hinter einer Maske versteckt, doch er nimmt mich, uns alle, viel besser wahr als durch ein Fenster getrennt, und es tut ihm gut, dass wir beisammen sind, dann ist alles gut!“

Über die aktuelle Situation mit Corona sagt Tanja Neuburger: „Ich denke, wir müssen jetzt alternativlos durch diese Situation hindurch. Es schwingt ja auch überall die Angst mit, die alten Menschen anzustecken - und das möchte ja auch niemand. Demgegenüber steht allerdings der Wunsch nach Nähe. Fakt ist auch, die Senioren (und natürlich auch wir Angehörigen) leiden, ob mit oder ohne Demenz. Es gibt, denke ich, keine gute oder schlechte Lösung, es gibt nur indiviudelle Lösungen, die wir irgendwie mittragen müssen ... es ist eine Gratwanderung.“

Zum Blog von Tanja Neuburger „DIE SIND DOCH ALLE VERRÜCKT - Leben mit Alzheimer“

11. Kalenderblatt: Ein Fächer voller Bewegungsübungen für Senioren mit und ohne Demenz

Team vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein mit Fächer
Fächer „Bewegen nicht vergessen!“


Bewegung ist in jeder Altersgruppe und Lebensphase wichtig! Ganz besonders gilt dies jetzt, da aufgrund der Kontaktbeschränkungen und Schutzmaßnahmen viele Aktivitäten und Sportangebote nicht oder nur eingeschränkt möglich sind. Das Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein bietet hierfür die passende Lösung an und unterstützt ältere Menschen mit und ohne Einschränkungen mit einer Auswahl verschiedener Sportübungen für den täglichen Gebrauch. In Kooperation mit der Universität Hamburg (Institut für Bewegungswissenschaften) entstand „BEWEGEN NICHT VERGESSEN!“ - ein handlicher und praxisnaher Anleitungsfächer für mehr Bewegung im Alltag.

Alle Bewegungsübungen sind mit ihren Varianten über Bilderreihen erklärt. Jede Übung ist mit einem Schwierigkeitsgrad versehen. Das erleichtert das langsame Steigern und erhält den Spaß am Bewegen. Die meisten Übungen eignen sich für eine Einzelperson, andere sollten gern zu zweit ausgeführt werden. Vieles geht im Sitzen - auch im Rollstuhl. „Der Bewegungsfächer richtet sich an Menschen, die sich zu Hause oder in Pflegeeinrichtungen allein fit halten möchten, aber auch an Sportgruppen“, erläutert Anne Brandt vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein. Gut geeignet sind die Übungen auch für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen - frei nach dem Motto: „Bewegen nicht vergessen“.

Es gibt fünf Übungsschwerpunkte:

  • Erwärmung
  • Koordination
  • Gehen mit Zusatzaufgaben
  • Kraft & Balance
  • Abwärmen


Das Bewegungskonzept wurde nach den neuesten sportwissenschaftlichen Erkenntnissen geplant und in Gruppen der Alzheimer Gesellschaft Kreis Stormarn e.V. praktisch erprobt und evaluiert. Dort entstanden auch die Fotos zu den Übungen. „Das hat uns geholfen, die Übungen besonders für die Zielgruppe der Menschen mit Demenz interessant zu machen“, ist sich Anne Brandt sicher. „Aber regelmäßige Bewegung wirkt in jedem Alter und unabhängig von Vorerkrankungen gesundheitsfördernd und beeinflusst die eigene Selbstständigkeit und das Wohlbefinden positiv. Da aktuell aufgrund der Corona-Pandemie soziale Kontakte gemieden werden sollen und deshalb der Besuch von Senioren-Sportgruppen derzeit nicht möglich ist, bringt der Fächer Abwechslung in den Alltag und hält fit.“

„BEWEGEN NICHT VERGESSEN!“ kann für 4,95 € inklusive Versandkosten bezogen werden über das Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein, Hans-Böckler-Ring 23c, 22851 Norderstedt (E-Mail: info[at]demenz-sh.de).

„BEWEGEN NICHT VERGESSEN!" als PDF

10. Kalenderblatt: „Zeit für Menschlichkeit - im Caritas SeniorenHaus St. Augustin Püttlingen“

„Wenn die Welt sich scheinbar nicht mehr dreht - Und keiner weiß, wie’s mit uns weitergeht - Alle gemeinsam gegen Einsamkeit - Jetzt ist die Zeit für Menschlichkeit“

Die bekannte Kölner Kultband „Höhner“ hat mit befreundeten Musikern einen neuen Song einstudiert: „Zeit für Menschlichkeit“ ist ein Lied, das in diesen unruhigen Zeiten - geprägt durch die Corona-Virus bedingten Kontaktbeschränkungen - eine wichtige Botschaft für uns hat: „Wir sind nicht alleine“.

Sabine Reichert, die Leiterin der sozialen Betreuung im Caritas SeniorenHaus St. Augustin Püttlingen, erzählt im heutigen Kalenderblatt, wie das Video entstanden ist: „Das Lied der „Höhner“ hat mich mit seinem ansprechenden Text zu diesem Video inspiriert. Da in unserem Haus Menschlichkeit und Herz großgeschrieben werden, wollte ich einen Einblick hinter die Kulissen unseres SeniorenHauses geben. Nicht nur die Mitarbeitenden in der Pflege, sondern auch aus der Betreuung und allen anderen Abteilungen wie Seelsorge, Hauswirtschaft, Reinigung, Haustechnik, Verwaltung, Küche, Wäscherei und Praxisanleitung tragen maßgeblich zum Wohlbefinden unserer Bewohnerinnen und Bewohner bei – das möchte ich mit diesem Video ins Bewusstsein rufen.“ Sabine Reichert hat sich zu diesem Song ein tolles Gemeinschaftsprojekt einfallen lassen und ein eigenes Drehbuch geschrieben, zur Kamera gegriffen und mit den Bewohnern und Mitarbeitenden der Einrichtung ein eigenes Video erstellt. Es zeigt den Alltag der Senioren, der Pfleger und vielen Mitarbeitenden und spiegelt den besonderen und einzigartigen Zusammenhalt in dieser Zeit wieder.

Im Caritas SeniorenHaus St. Augustin Püttlingen legen die Mitarbeitenden großen Wert darauf, dass alle Bewohnerinnen und Bewohner aktiv am Leben teilnehmen können. Das vielfältige Betreuungs- und Veranstaltungsangebot hat für jede und jeden etwas dabei, für Kunstinteressierte zum Beispiel Museumsbesuche, für Tierliebhaber Ausflüge zum Eselszentrum oder die Tiertherapie. Viele Bewohnerinnen und Bewohner haben hier im Haus ein neues Hobby für sich entdeckt, zum Beispiel Trommeln oder Zeichnen. Auch ruhige und entspannende Angebote wie Klangschalen und Meditation werden sehr gut angenommen. Gymnastik, Sitztanz, Gedächtnistraining, Besuche von Kindergärten, Schulen und Vereinen gehören ebenfalls zum Standardprogramm. Dies alles trägt sehr stark zu gesundheitlichem Wohlbefinden und Lebensfreude bei.

„Da die Angehörigen durch das Besuchsverbot zurzeit keinen Einblick in unser Haus haben, möchte ich ihnen zeigen, dass es ihren Lieben gut geht und dass alle Beteiligten in unserem Haus ihren Teil dazu beitragen“, sagt Sabine Reichert. Herzlichen Dank an Sabine Reichert, ihr Team sowie alle Menschen, die sich in Pflegeeinrichtungen so engagiert um das Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner kümmern!

Hinweis: Durch den Aufruf des Videos werden Sie über einen externen Link auf Youtube weitergeleitet. Auf Art und Umfang der von diesem Anbieter übertragenen bzw. gespeicherten Daten hat die DAlzG keinen Einfluss.

9. Kalenderblatt: Unterstützung und Beratung am Alzheimer-Telefon

Telefon mit Rufnummer vom Alzheimer-Telefon


Die psychische Belastung der Angehörigen hat durch Corona enorm zugenommen und es ist nicht leicht, Ruhe, Gelassenheit und Sicherheit zu vermitteln und im Alltag immer für die nötige Struktur und Ablenkung zu sorgen. Das Team am Alzheimer-Telefon ist für Sie da. Sie können gerne unter 030 - 259 37 95 14 (Montag bis Donnerstag von 9:00 bis 18:00 Uhr und Freitag von 9:00 bis 15:00 Uhr) anrufen. Wir hören Ihnen zu - gemeinsam ist es leichter, kreative Lösungen und Entlastung zu finden.

Sie sind nicht allein! Wir wissen um die Sorgen und Nöte der Angehörigen von Menschen mit Demenz und haben uns als Bundesverband ebenso wie unsere regionalen Mitgliedsorganisationen vor Ort mit unseren Forderungen in die öffentliche Diskussion eingebracht. Auch weiterhin werden wir uns für die Interessen von Menschen mit Demenz und ihren Familien einsetzen. Weitere Informationen finden Sie auch auf unserer Internetseite

8. Kalenderblatt: Videobotschaften für Menschen mit Demenz

Zeichnung von Händen, die ein Smartphone halten (© Pixabay)


Die Mitarbeitenden vom Mehrgenerationenhaus Senfkorn in Emlichheim haben für die Zeit der Corona-Pandemie ein besonderes Angebot für Menschen mit Demenz entwickelt: Die „Mobile Demenzberatung“ schickt „Momente des Glücks“ per Videogruß.

„Die derzeitige Situation, in der wir uns gegen die Verbreitung des Corona-Virus schützen müssen, stellt uns weiterhin vor große Herausforderungen. Besonders Angehörigen von Menschen mit Demenz fällt der alltägliche Umgang schwer, da zahlreiche Hilfsangebote immer noch wegfallen. Betroffene mit einer demenziellen Erkrankung benötigen in diesen Zeiten besondere Aufmerksamkeit, Zuneigung und Sicherheit. Auch sie leiden unter den Kontakteinschränkungen“, erläutert Karin Platje vom Mehrgenerationenhaus Senfkorn. Generationenübergreifend werden Personen aus dem Landkreis durch Karin Platje und weitere Mitarbeiterinnen des Mehrgenerationenhauses angesprochen, die bereit sind, Lieder zum Mitsingen, musikalische Stücke, Kurzgeschichten (auch auf Plattdeutsch), Gedichte etc. aufzunehmen und für die Demenzerkrankten und deren Angehörige zur Verfügung zu stellen. Da Menschen mit Demenz und viele hochbetagte Senioren kein Handy haben, vertraut das Mehrgenerationenhaus auf deren Angehörige. Der Videogruß wird per WhatsApp an sie gesendet. Aktuell erstellt ein Team aus zehn Ehrenamtlichen die Videos.

„Mit den Grüßen können kleine, wertvolle Momente des Glücks hervorgezaubert werden“, ist sich Karin Platje sicher. Sie berichtet auch von den positiven Rückmeldungen:

„Ich möchte mich ganz herzlich für die Videos bedanken. Meiner Frau gefallen am besten die Kirchenlieder und ihr gefällt der Mann an der Gitarre. Sie sagten mir, dass ich für meine Frau Liedwünsche äußern darf. Wir lieben das Lied: Von guten Mächten wunderbar geborgen. Ganz lieben Dank an Herrn W.“ Anton L. aus Gildehaus

„Vielen Dank! Ich hatte das Gefühl, dass sie von den Liedern sehr ergriffen war.“ Herbert L. aus Uelsen

„Das plattdeutsche Märchen hat meine Frau heute ca. 8 x gehört, also tatsächlich acht Glücksmomente“ Ernst B. aus Nordhorn

7. Kalenderblatt: „Kreative Wege für die Alltagsunterstützung“

Zeichnung einer älteren Frau mit einem Telefon (© Pixabay)


Alltagsunterstützende Angebote (AuA) können in Brandenburg aktuell auch in telefonischer oder virtueller Form stattfinden. Antje Baselau von der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. Selbsthilfe Demenz berichtet im heutigen Kalenderblatt über ihre Erfahrungen: „Für viele Familien und vor allem für Alleinlebende sind Alltagsunterstützende Angebote (AuA) eine wichtige Säule in der Strukturierung ihres Alltags. Aktuell können sie jedoch in ihrer gewohnten Form nicht mehr im vollen Umfang stattfinden. In Zeiten von Corona brauchen wir daher neue Formen und kreative Wege für die Alltagsunterstützung, weil vor allem die Gruppenangebote wegfallen. Daher haben wir uns mit unserem Kooperationsprojekt (gemeinsam mit Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V.) „Fachstelle Altern und Pflege im Quartier im Land Brandenburg“ an die AOK Nordost als verantwortliche Pflegekasse sowie das Landesamt für Soziales und Versorgung (unsere Anerkennungsbehörde) gewandt und gemeinsam eine gute Lösung gefunden:

Seit Ende März sind telefonische und virtuelle Gespräche als kontaktlose Alltagsunterstützung in Angeboten zur Unterstützung im Alltag nach § 45a SGB XI im Land Brandenburg für eine Übergangszeit bis zum 30. Sptember 2020 über den Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI abrechenbar.

Voraussetzungen dafür sind, dass

  • es sich bei den Angeboten um bereits anerkannte Angebote handelt und
  • die Angebotsform von den Betroffenen auch gewünscht und von diesen in Anspruch genommen wird.


Wir freuen uns sehr, dass wir Menschen mit Demenz und ihren Familien in dieser schwierigen Zeit zur Seite stehen und sie in ihrem Alltag unterstützen können.“

Ines Diewitz und Elke Kirschneck von der Strausberger Beratungsstelle für Menschen mit Demenz und deren Angehörige erzählen von den Ideen der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer: „Momentan finden viele Gespräche über das Telefon statt: Es wird gesungen oder vorgelesen - da sind unsere Ehrenamtlichen ganz kreativ! Einige schreiben auch regelmäßig Postkarten, Briefe oder schicken Fotos von den eigenen Haustieren, das ist auch eine schöne Abwechslung im Alltag. Spaziergänge auf Abstand können ebenfalls weiterhin stattfinden - hier schließen sich jetzt manchmal auch die Angehörigen an. Insgesamt haben wir festgestellt, dass in der Corona-Zeit besonders der Kontakt zu den Angehörigen enger geworden ist: Auch sie nutzen die Telefonate, um mit den Ehrenamtlichen zu sprechen und sich über den Alltag auszutauschen - oder auch, um sich einfach mal die Last von der Seele zu reden. Damit profitieren sie gerade in dieser schwierigen Zeit von unserem Angebot, nicht nur die Menschen mit Demenz. Ganz langsam nehmen wir nun auch die persönlichen Besuche zu Hause wieder auf - natürlich nach Absprache mit den Familien und den Ehrenamtlichen und mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen. Der Kontakt ist für alle unglaublich wichtig und eine Bereicherung für beide Seiten.“

6. Kalenderblatt: Besuche im Pflegeheim: „Die schrittweisen Öffnungen lösen große Verunsicherung aus“

Mund-Nasen-Schutz und Abstandsregelung (© Pixabay)


Am Alzheimer-Telefon erreichen uns seit den schrittweisen Lockerungen der Besuchsverbote in Pflegeheimen viele Anrufe von verzweifelten Angehörigen, die uns ihre persönlichen Erfahrungen mit den Schutzmaßnahmen von Pflegeheimen schildern. So berichtete uns Luise M.* aus Bayern: „Mein Ehemann Heinrich* ist an Demenz und Prostatakrebs erkrankt und hat Pflegegrad 4. Er lebt seit März 2020 im Heim. Während der Kontaktsperre habe ich Heinrich nur von Weitem sehen dürfen; ich war im Garten, er im Wintergarten des Pflegeheims, und wir konnten uns zuwinken.

Nun darf ich Heinrich endlich wieder besuchen. Bei den Besuchen müssen wir beide aufgrund der Schutzmaßnahmen einen Mundschutz tragen und zusätzlich einen Abstand von mindestens zwei Metern einhalten. Dies wird von einer uns begleitenden Pflegekraft überprüft. Gestern war ich zum ersten Mal bei ihm. Doch durch den Mundschutz hat Heinrich mich nicht erkannt. Zusätzlich musste ich feststellen, dass er unter der Maske nur schlecht Luft bekam und sehr kurzatmig war. Heinrich wirkte sehr verängstigt. In dieser Situation konnte ich ihm überhaupt nicht helfen und ihn auch nicht in den Arm nehmen oder seine Hand streicheln, um ihn beruhigen - Körperkontakt ist nicht gestattet. Beim Abschied konnte ich meine Tränen nur mit Mühe zurückhalten. 

Auch bei meinem zweiten Besuch heute war Heinrich wieder sehr unruhig und verwirrt und hat mich mit der Maske im Gesicht nicht erkannt. Wir mussten den Besuch abbrechen, damit sich sein Zustand nicht verschlimmert. Gespräche mit der Heimleitung bzgl. einer Ausnahmeregelung von der Maskenpflicht waren bislang erfolglos. Ich war so erleichtert, als ich von den Lockerungen der Besuchsverbote gehört habe - nun geht es mir noch schlechter als zuvor.“

Wieder einmal wird uns bewusst, welche Belastung die aktuelle Situation vor allem für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen bedeutet. Die schrittweisen Öffnungen sowie die damit verbundenen Schutzmaßnahmen lösen bei allen Beteiligten große Unsicherheit aus und überschreiten viel zu häufig die Grenzen der Verhältnismäßigkeit.

*Name geändert

5. Kalenderblatt: Der „Seniorengarten Auszeit“ als Onlineangebot

Selbst gestalteter Mund-Nasen-Schutz (© Evang.-Luth. Gemeindeverein Traunreut e.V.)


Das Team vom „Seniorengarten Auszeit“ hat sich aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen ein besonderes Konzept überlegt, um Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen weiterhin zu unterstützen: „Mitte März mussten wir unseren „Seniorengarten Auszeit“ zum Schutz unserer Gäste und Mitarbeiter leider bis auf Weiteres schließen. Uns ist bewusst, wie schwierig es für unsere an Demenz erkrankten Gäste und die pflegenden Angehörigen ist, dass diese liebgewonnene Betreuung und Entlastung derzeit wegfällt.

Deshalb hat das Leitungsteam des Seniorengartens ein Konzept entwickelt, wie Menschen mit Demenz auch in dieser kontaktarmen Zeit unterstützt werden können. Auch nach dem Ende der Corona-Pandemie kann dieses Online-Angebot sinnvoll genutzt werden, da es ja immer wieder betreuungsfreie Zeiten wie Wochenenden, Urlaube und Feiertage gibt.

Wir haben unsere „Ideen zur Beschäftigung für Menschen mit Demenz“ in folgende Kategorien gegliedert:

  • Gedichte, Geschichten, Kommunikation und Erinnerungspflege
  • Hobby, Haushalt und Gartenarbeit
  • Musik, Sitztanz und Bewegung
  • Sinneserfahrung und Berührungen
  • Spiele für Menschen mit Demenz. 


Aber nicht nur mit dem Download von Vorlagen und Audiodateien und Links wollen wir Ihnen Unterstützung anbieten. Wir stellen Ihnen auch ein spezifisches Angebot von Bastelsets und Masken-Nähservice zur Verfügung. Bei dem Masken-Nähservice wollen wir ein ganz individuelles Angebot unterbreiten, bei dem wir Ihnen aus Stoffen, die vorher mit Kartoffeldruck von Ihren an Demenz erkrankten Angehörigen gestaltet wurden, eine Mund-/Nasenschutzmaske nähen.

Weiterhin bieten wir Ihnen natürlich auch unsere Demenzberatung an, bei der wir Ihnen gerne telefonisch mit Rat und Tat zu allen Fragen der Demenzerkrankung zur Verfügung stehen.

Als speziellen Service können wir Ihnen auch eine Notfallunterstützung anbieten, bei der wir Sie trotz der bestehenden Einschränkungen und Regelungen im Einzelfall auch mit Hausbesuchen (natürlich unter Einhaltung von strengen Hygienevorschriften) durch unsere ausgebildeten Alltagsbegleiter unterstützen.

Wir gehen jetzt mit einem ersten Angebot an Beschäftigungs-Bausteinen ins Rennen, werden dieses Angebot aber kontinuierlich mit weiteren Ideen und Themen erweitern und ausbauen. Sehr gerne nehmen wir dazu auch geeignete Ideen und Vorschläge von Ihnen auf und sind auch dankbar für jeden Hinweis zur Verbesserung unseres Angebotes.

Natürlich ist uns bewusst, dass wir mit diesem Online-Angebot keinen vollwertigen Ersatz für die Betreuung unserer Gäste im Rahmen der Gruppenstunden anbieten können, hoffen aber, dass wir Ihnen einige Anregungen für eine zielgruppengerechte Beschäftigung Ihrer an Demenz erkrankten Angehörigen im häuslichen Umfeld geben können.“

 

Zum Angebot des Seniorengartens Auszeit

4. Kalenderblatt: „Kontaktverbot? - Meine Schwiegermutter umarmt jeden!“

Eine ältere Frau umarmt eine junge Frau (© Pixabay)


„Meine Schwiegermutter (57 Jahre alt) hat vor zwei Jahren die Diagnose Frontotemporale Demenz erhalten. Bisher konnte sie noch ohne große Probleme alleine leben und in ihrem Alltag zurechtkommen. Körperlich ist sie absolut fit, sie hat aber Wortfindungsstörungen und kann Texte und Unterhaltungen nicht verstehen - somit sind keine Gespräche mehr möglich. Leider sieht sie auch nicht, dass sie krank ist. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation gibt es natürlich Probleme. Sie versteht das Kontaktverbot nicht und geht zu allen Nachbarn und umarmt und küsst alle.

Wir haben bereits von der Vermieterin einen Anruf diesbezüglich erhalten mit der Aufforderung, dass sie das unterlassen solle. Leider können wir dies meiner Schwiegermutter partout nicht verständlich machen und es ist uns auch nicht möglich, bei ihr zu wohnen und auf sie aufzupassen.“ 

Diese Geschichte, die uns am Alzheimer-Telefon erzählt wurde, macht einmal mehr deutlich, wie schwierig die Corona-Situation für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu bewältigen ist. Unser Rat dazu lautet: Das Umfeld über die Krankheit aufklären, um Verständnis werben und darum bitten, dass die Nachbarn von sich aus Abstand halten und eventuell auch die Tür nicht mehr öffnen, um sich selbst zu schützen. Zu erleben, dass die anderen offenbar nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen, ist für die Schwiegermutter sicherlich auch belastend. Aber aus Gründen des Gesundheitsschutzes in dieser Zeit wohl nichts anderes möglich.

3. Kalenderblatt: „Ein Lied für Mama“

Friederike Döring hat ein „Lied für Mama“ geschrieben, in dem sie ihrer Mutter erzählt, was sie in der Zeit von Corona gerne sagen würde.

Den Text des Liedes finden Sie hier: 

Ein Lied für Mama

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2. Kalenderblatt: „Nun hat die liebe Seele Ruhe“

Frau J. hat ihren an Frontotemporaler Demenz erkrankten Mann mehr als 15 Jahre lang durch seine Krankheit begleitet. Davon lebte er die letzten acht Jahre in einem Pflegeheim, wo ihn seine Frau täglich besuchte.

Am Telefon berichtet Frau J. uns, dass ihr Mann nun vor einer Woche friedlich eingeschlafen ist. „Es wäre furchtbar für mich gewesen, wenn ich ihn in den letzten Wochen seines Lebens wegen Corona nur noch durchs Fenster hätte sehen können. Zunächst war es schwierig, aber ich habe so lange gekämpft, bis die Heimleitung mir schließlich erlaubt hat, eine Stunde pro Tag bei ihm zu sein. So konnte ich zwar seinen letzten Atemzug nicht miterleben, aber ich habe jeden Tag seine Hand gehalten und weiß, dass er das auch noch gespürt hat. Und nun hat seine liebe Seele Ruhe.“

1. Kalenderblatt: „Rockdown im Lockdown“

Die Initiative „Konfetti im Kopf“ hatte eigentlich für den April wieder eine große Parade durch die Hamburger Innenstadt geplant. Stattdessen rufen sie nun zum „Rockdown im Lockdown“ auf: Mit Musik und viel guter Laune besuchen sie verschiedene Seniorenheime im Stadtgebiet und drehen die Musik so laut, dass sie auch von drinnen gut zu hören ist.

zu den Berichten vom „Rockdown im Lockdown“

Wir sind weiter für Sie da

Das Alzheimer-Telefon bleibt unter 030 – 259 37 95 14 bestmöglich für Sie erreichbar. Es ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr, am Freitag von 9 bis 15 Uhr besetzt. Wir bitten um Verständnis, wenn Sie aufgrund der hohen Nachfrage mehrfache Versuche benötigen, um eine freie Leitung zu bekommen.

Alternativ können Sie uns auch eine schriftliche Beratungsanfrage schicken, entweder per E-Mail an info[at]deutsche-alzheimer.de oder besser noch über unsere Online-Beratungsplattform unter 
https://deutsche-alzheimer-gesellschaft.beranet.info/e-mailberatung