Laufzeit: 2017-2019

Logo des Projektes Demenz und Migration

In Deutschland leben zurzeit 18,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, davon sind über 1,8 Millionen 65 Jahre alt (Statistisches Bundesamt, 2016). Eine Studie des Robert Koch-Institut (2008) kam zu dem Ergebnis, dass Migrantinnen und Migranten ab 55 Jahren höhere Gesundheitsrisiken aufweisen als vergleichbare Gruppen aus der Aufnahmegesellschaft. Dies liegt vor allem daran, dass sie ein höheres Armutsrisiko und einen geringeren sozialen Status haben als andere ältere Menschen. Deshalb „altern“ Menschen mit Migrationshintergrund schneller und ihr Risiko steigt, an einer Demenz zu erkranken. Heute erleben wir zunehmend, dass

  • immer mehr Menschen andere kulturelle Hintergründe haben,
  • es immer mehr Menschen gibt, die vor Jahren nach Deutschland kamen, um hier zu arbeiten und dann wieder zurückzukehren, im Alter aber bleiben,
  • viele der älteren eingewanderten Menschen die deutsche Sprache nicht beherrschen oder deren Kenntnis zum Beispiel durch eine Demenz wieder verloren gegangen ist,
  • durch den Zuzug von geflüchteten Menschen mehr Menschen mit anderen Sprachen und kulturellen Hintergründen zu uns kommen.

Schätzungen zufolge leben in Deutschland etwa 108.000 Menschen mit Migrationshintergrund, die eine Demenz haben (Demenz-Servicezentrum NRW für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, 2015). Sie und ihre Familien brauchen Beratung, Hilfe und Unterstützung. Häufig kennen sie das bestehende Versorgungssystem zu wenig beziehungsweise die Zugänge zum deutschen Versorgungssystem sind ihnen durch unterschiedliche Barrieren verwehrt. Daher nehmen sie die Angebote seltener in Anspruch. Fehlende Sprachkenntnisse, unterschiedliche kulturelle Hintergründe und die Einstellung zu Krankheit und Pflege sind zusätzliche Hürden. Daher ist es dringend notwendig, dass sich alle Bereiche der Altenhilfe auch auf die Bedürfnisse und Wünsche dieser Zielgruppe einstellen. Das Projekt „Demenz und Migration“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft möchte dazu einen Beitrag leisten.

Ziele

Mit dem Projekt „Demenz und Migration“ will die Deutsche Alzheimer Gesellschaft gezielt Menschen mit Migrationshintergrund ansprechen, sie über Demenz informieren und ihnen Möglichkeiten der Unterstützung aufzeigen. Ebenso sollen alle in der Beratung Tätigen erreicht, sensibilisiert und motiviert werden, ihre Angebote kultursensibel zu öffnen.

Umsetzung

Es gibt bereits in verschiedenen Regionen Deutschlands Beratungsstellen, andere Angebote und Informationsschriften in verschiedenen Sprachen zum Thema „Demenz“, allerdings werden diese nicht zentral erfasst und sind überregional häufig nicht bekannt.

Das Alzheimer-Telefon fungiert für das Projekt „Demenz und Migration“ als zentrale Anlaufstelle. Das Alzheimer-Telefon ist das bundesweite Beratungstelefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Angehörige, Betroffene und professionelle Helfer erhalten hier Informationen zu Demenz, zum Krankheitsbild, zur Diagnose, zum Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen und zu rechtlichen und finanziellen Fragen. Erfahrene Beraterinnen und Berater sind Montag bis Donnerstag von 9.00 bis 18.00 Uhr und Freitag von 9.00 bis 15.00 Uhr unter der Rufnummer 030 - 259 37 95-14 erreichbar.

Internetportal www.demenz-und-migration.de

Für das Projekt wurde das Internetportal www.demenz-und-migration.de entwickelt. Die Webseite richtet sich an Menschen mit Demenz, die einen Migrationshintergrund haben, und an ihre Familien sowie an alle in der Beratung und Altenhilfe Tätigen. Sie finden dort: 

  • Grundlegende Informationen über Demenz in türkischer, polnischer  und russischer Sprache
  • Informationen über Migration, Demenz und Kultursensibilität
  • Weitere Links, Materialien und Kontaktadressen

Erklärfilme in verschiedenen Sprachen

Die Informationen für Migrantinnen und Migranten enthalten auch verschiedene Erklärfilme in den Sprachen Polnisch, Türkisch und Russisch zu den Themen: „Was ist Demenz?“, „Diagnose und Behandlung“, „Vorsorge treffen“, „Kommunikation und Umgang“ und „Verändertes Verhalten“. Die Filme wurden von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert.

Türkischsprachiges Beratungsangebot

Die Beratung am Alzheimer-Telefon wurde durch ein türkischsprachiges Angebot erweitert. Jeweils mittwochs von 10.00 bis 12.00 Uhr ist dort Güllü Kuzu zu erreichen und beantwortet Fragen der Anruferinnen und Anrufer, die ein Gespräch auf Türkisch wünschen.

Schulungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Beratungsstellen und Organisationen für Menschen mit Migrationshintergrund

Regionale Veranstaltungen, die die Zusammenarbeit von Alzheimer-Gesellschaften mit Einrichtungen für Migrantinnen und Migranten befördern

Finanzierung

Das Projekt „Demenz und Migration“ wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.