MGH Binsfeld

Das Mehrgenerationenhaus Binsfeld hat im Rahmen der Kooperation einen Helferinnenkreis aufgebaut, der im Juli 2011 als niedrigschwelliges Angebot nach § 45 b SGB XI anerkannt wurde.  Wir haben Frau Lorenz, Leiterin des Mehrgenerationenhauses, gefragt, wie sich der Aufbau des Helferinnenkreises gestaltete.

DAlzG: Welche Motivation hatten Sie, einen Helferinnenkreis in ihrem Mehrgenerationenhaus  aufzubauen?

Frau Lorenz: Die Not einzelner Angehöriger war sehr groß. Binsfeld und seine Umgebung sind sehr ländlich geprägt und im Umkreis von 20 km fanden sich bis zu dem Zeitpunkt kaum Hilfsangebote. Angehörige schilderten Termine bei Fachärzten und Tagespflegen als "ganze Weltreisen, die kaum zu bewältigen sind". Es war also klar, dass sich unser MGH in diesem Bereich sinnvoll mit einem Angebot einbringen kann und muss.  Eines unserer Motti ist zudem »Älter werden, na und!?«: Daraus ergibt sich das Ziel, dass alte Menschen solange wie möglich zu Hause bleiben können. Weiterhin hatten wir einen großen Pool an ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich genau in diesem Bereich einbringen wollten.

DAlzG: Was waren die ersten Schritte um den Helferinnenkreis aufzubauen? Wie haben Sie die Helferinnen gefunden?

Frau Lorenz: Wir suchten intensiven Kontakt zu allen umliegenden Sozialstationen, stationären Einrichtungen und zu Beratungsstellen, wie beispielsweise HALMA e.V. in Würzburg. Wir wollten Konkurrenzsituationen zu anderen Anbietern auf jeden Fall vermeiden. Durch umfassende Beratung und Hilfe durch HALMA  e.V. war klar, dass dies genau der richtige Schritt in unserer Region ist. Wir hatten zum einen schon engagierte ehrenamtliche Mitarbeiter und zum anderen konnten wir durch Ausschreibung in der regionalen Presse sowie durch direkte Ansprache für den ersten Helferinnenkurs 17 Helfer/innen gewinnen.

DAlzG: Gab es Schwierigkeiten beim Aufbau? Wenn ja, welche Lösungen haben Sie gefunden?

Frau Lorenz: Der Kurs war ein voller Erfolg. Es hat sich eine gute Gruppe gefunden, von denen sich die meisten Teilnehmer jetzt noch weiter regelmäßig treffen und neben der Helfertätigkeit noch in anderen Bereichen des Mehrgenerationenhauses engagieren. Schwierig ist eher, dass sich manche betroffenen Angehörigen nicht trauen das Angebot in Anspruch zu nehmen, da sie denken, sie müssen alles alleine schaffen. Der erste Schritt ist schwer. Bestehende Betreuungen laufen sehr gut und werden von den Angehörigen als sehr entlastend beschrieben. Die örtliche Sozialstation war anfangs auch sehr skeptisch, doch leihen wir hier jetzt sogar ausgebildete Helfer bei Engpässen aus. Aus meiner Sicht muss so ein sensibles Angebot wachsen.

DAlzG: Das Mehrgenerationenhaus hat  den Helferinnenkreis als niedrigschwelliges Angebot nach § 45 b SGB XI anerkennen lassen. Haben Sie zur Anerkennung ein paar Tipps?

Frau Lorenz: Halten Sie sich genau an die Vorgaben der zuständigen Behörde und holen Sie sich bei Fragen oder Problemen Hilfe. In Bayern handelt es sich um ein klar vorgegebenes Verfahren, das man erfüllen muss. Am besten fragen Sie Einrichtungen oder Institutionen, deren Angebote nach dem § 45 b SGB XI anerkannt sind.

Wir danken Ihnen für die Tipps und das Gespräch.

Das Interview führte Christa Waschke (Oktober, 2011).

MGH Düsseldorf

Der offene Treff gilt in Düsseldorf als Herzstück des MGH. Dort wird gegessen, gelacht und miteinander geplaudert. Warum ein offener Treff für die Begegnung mit Demenzkranken und deren Angehörigen so wichtig ist und was sich im MGH in Düsseldorf im Café verändert hat, zeigt das Interview mit der Koordinatorin der Seniorenarbeit, Daniela Weinsberg.

DAlzG: Was macht die Atmosphäre in Ihrem Café aus?

Frau Weinsberg: In erster Linie ein offenes, herzliches Klima innerhalb des großen Teams. Dies überträgt sich dann oft schnell auf die Besucher.
Wir haben des Weiteren versucht, unser Café modern und professionell auszustatten, und drauf geachtet, dass die Einrichtung allen Generationen gerecht wird. Für die Gemütlichkeit sorgen zusätzlich ein alter Buffetschrank und ein Klavier. Im Sommer wird eine große, überdachte Gartenterrasse gerne genutzt. Dieses Jahr soll sie um einen kleinen Biergarten erweitert werden.

DAlzG: Was macht einen offenen Treff so wichtig?

Frau Weinsberg: Es ist auch hier wieder die Niedrigschwelligkeit: Alles kann ? nichts muss! Es gibt keinen Verzehrzwang im Café, Zeitungen & Wasser gibt es gratis. Wer möchte kann sich unterhalten - oder auch nicht! Alles ist ?normal? und man bekommt viel über das Leben anderer mit. Dies relativiert oft eigene Sorgen. Generationen, Kulturen und soziale Schichten vermischen sich ohne viel Aufhebens.

DAlzG: Sehen Sie den offenen Treff als ersten Anlaufpunkt für Menschen mit Demenz und deren Angehörige?

Frau Weinsberg: Generell möchte ich das so nicht beantworten, denn es kommt immer auf die Situation an. Aber es ist schon so, dass Angehörige mit dem demenzkranken Familienmitglied einfach zum Abschalten und Kaffeetrinken kommen und sich wohlfühlen. Wir vom HELL-GA Team versuchen immer mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen, um so auch Bedarfe zu ermitteln. Unsere regelmäßigen Besucher bekommen viele andere Geschichten aus dem Leben mit und spüren, dass alles irgendwo ?normal? ist. Schwellen und Ängste können so oftmals schon abgebaut werden. So schaffen Besucher es dann auch manchmal sich zu öffnen, um Angebote anzunehmen.

DAlzG: Finden in dem offenen Treff des MGH Begegnungen zwischen erkrankten Menschen, deren Angehörigen und anderen Gästen statt?

Frau Weinsberg: Ja, eigentlich immer schon.

DAlzG: Hat sich im MGH etwas verändert, seit dem es Angebote für Menschen mit Demenz gibt?

Frau Weinsberg: Die Besucher begrüßen die zusätzlichen Angebote. Ansonsten hatten wir ja auch vorher schon vereinzelt erkrankte Personen im Haus. Das Interesse ist aber größer geworden und neue Angebote wie Gedächtnistraining und Sitzgymnastik werden mehr wahrgenommen.

DAlzG: Wie reagieren andere Besucher auf erkrankte Mitmenschen?

Frau Weinsberg: Wie Menschen halt reagieren: Mit Neugier, wenig Befremden und selten mit Ablehnung.

DAlzG: Wie haben Sie die Mitarbeiterinnen und die anderen Gäste auf die Begegnung mit Demenzkranken vorbereitet? Braucht es diese Vorbereitung? Oder kann Normalität auch so erlebt werden?

Frau Weinsberg: Wir haben unsere Mitarbeiter und Gäste nicht gezielt darauf vorbereitet, da wir ja immer ältere Besucher und auch Demenzkranke in unserem MGH hatten. Natürlich gab und gibt es auch schon mal schwierige Situationen aufgrund anderer Reaktionen von demenzerkrankten Menschen. Aber die gibt es mit anderen Besuchern auch. So gesehen ein Stück Normalität bei uns. Trotzdem haben wir Schulungen zum Thema für unsere Mitarbeiterinnen geplant, um so noch mal zusätzlich zu sensibilisieren.

DAlzG: Ihrer Meinung nach: Welche Lücke im Versorgungssystem von Demenzkranken schließen Sie mit den Angeboten des MGH?

Frau Weinsberg: Für mich ist es auch hier wieder die Niedrigschwelligkeit unseres Hauses. Die Menschen gehen in das MGH, weil sie wissen, dass es dort eine Menge an Angeboten gibt. Sie besuchen uns meist aus ganz anderen Gründen, weil sie frühstücken wollen oder ihre Kinder zu den Angeboten bringen. So erfahren sie z. B. nebenbei, dass sie sich unverbindlich zum Thema Demenz informieren können, oder dass es Entlastungs- und Freizeitangebote für die ganze betroffene Familie gibt. Das ist meines Erachtens der wichtige Unterschied zu den konventionellen Senioreneinrichtungen. Weiterhin begleiten wir einrichtungsübergreifend und informieren über alle Angebote in der Stadt, weil wir nicht alles bieten können oder die Versorgung dann wohnortnäher ist.

Das Interview führte Christa Waschke (Januar 2012).

MGH Geislingen

Das Mehrgenerationenhaus Geislingen in kommunaler Trägerschaft sieht sich nicht nur als Lotse und Vermittler, sondern arbeitet seit jeher mit unterschiedlichsten Institutionen, Netzwerken und Unternehmen zusammen. Im Rahmen der Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft hat Frau Wettstein, Leiterin und Koordinatorin im MGH, gemeinsam mit anderen Akteuren vor Ort nun das ?Netzwerk Demenz Geislingen? ins Leben gerufen. Zur Kooperation und zum Netzwerk haben wir sie gefragt.

DAlzG: Frau Wettstein, in welchen Bereichen ist das MGH Geislingen bisher tätig?

Frau Wettstein: Das MGH Geislingen versteht sich als Bürger- und Nachbarschaftszentrum und als Anlauf- und Vermittlungsstelle für Interessierte, die sich freiwillig engagieren wollen. Ihnen bieten wir fachliche Beratung und Begleitung, Fortbildungen und Projektunterstützung. Gleichzeitig informieren wir über und vermitteln Dienstleistungen und Hilfen in Geislingen, wie z. B. familienunterstützende Angebote, haushaltsnahe Hilfen und Dienstleistungen oder Beratungs- und Anlaufstellen. Angebote für Senioren und generationenübergreifende Angebote sind ein fester Bestandteil unserer Arbeit. Bezogen auf die Besonderheiten des Stadtteils, in dem wir unseren Sitz haben, sind Integration, z. B. von MigrantInnen, und Inclusion speziell von Menschen mit Behinderung wichtige Themen im Mehrgenerationenhaus. Darüber hinaus verstehen wir uns als wichtige Akteure und Initiatoren für die Netzwerkarbeit in der Stadt.

DAlzG: Eine Ihrer ersten Initiativen im Rahmen der Kooperation mit der DAlzG war dann auch die Gründung eines Netzwerks zum Thema Demenz. Warum?

Frau Wettstein: Erfahrungen aus anderen Netzwerken haben gezeigt, dass man gemeinsam Kräfte bündeln, Ressourcen optimal einsetzen und somit Projekte am effektivsten umsetzen kann. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Netzwerk mehr öffentliche Aufmerksamkeit erfährt und man Informationen besser streuen kann.

DAlzG: Wie sind Sie dabei vorgegangen bzw. welche Akteure haben Sie angesprochen?

Frau Wettstein: Wir haben zunächst geschaut, welche Akteure es vor Ort zum Thema Demenz überhaupt gibt. Dabei haben sich drei Säulen herauskristallisiert, die wir einbeziehen wollten: zum einen sind da natürlich die Dienstleister, ambulante und stationäre Einrichtungen oder Anlauf- und Beratungsstellen für Menschen mit Demenz. Zum anderen war es uns wichtig, die politische Ebene, also die Stadt bzw. den Landkreis, einzubinden. Als dritte Gruppe nehmen bürgerschaftlich Engagierte, z. B. Mitglieder des Stadtseniorenrates, am Netzwerk teil.
Mittlerweile sind noch weitere Institutionen auf uns aufmerksam geworden, so hat sich nun auch eine Krankenkasse unserem Netzwerk angeschlossen.

DAlzG: Wie erfolgt die Zusammenarbeit im Netzwerk? Welche gemeinsamen Ziele verfolgen Sie?

Frau Wettstein: Wir treffen uns regelmäßig in den Räumen des MGHs zum Erfahrungsaustausch, mindestens vier Mal pro Jahr. Dazu laden wir auch weitere Experten ein. Beim nächsten Treffen wird der Leiter der örtlichen Polizeidirektion anwesend sein. So gelingt es uns am besten, gemeinsame Strategien zu unterschiedlichen Themenbereichen zu entwickeln. Die Planung von Infotagen oder des ?Dankeschön-Tages? für pflegende Angehörige findet zusätzlich in Kleingruppen statt. Ehrenamtliche Paten und Patinnen unterstützen das Netzwerk.

Durch die Vernetzung wollen wir Angebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen bündeln, verbreiten und ergänzen und Orientierungshilfe bieten. In einem Flyer sind alle Partner aufgeführt. Zum Welt-Alzheimertag haben wir einen Infotag mit Fachvorträgen und Informationen veranstaltet. Wir haben uns außerdem zum Ziel gesetzt, Freunde und Nachbarn von Menschen mit Demenz, aber auch Einzelhändler, Banken, Polizei und Rettungsdienste für auffälliges Verhalten zu sensibilisieren und Hilfestellung zu geben.

DAlzG: Welche weiteren Angebote werden Sie im MGH künftig für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen anbieten?

Frau Wettstein: Bereits im September hat das erste Treffen einer Angehörigengruppe in unserem Haus stattgefunden. Im Januar 2011 wird eine erste Schulung ?Wertschätzender Umgang und Kommunikation mit Demenzkranken? angeboten, die sich an Angehörige wie Professionelle und alle Interessierten richtet. Außerdem sind ein Tanzcafé, weitere Infotage und ein Filmabend in Planung.

DAlzG: Vielen Dank!

Das Interview führte Ute Hauser (Oktober, 2010).

MGH Kissing

Das Mehrgenerationenhaus Kissing möchte im Rahmen der Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) ein generationenübergreifendes Angebot mit der Hauptschule im Ort aufbauen. Zum Aufbau und zur Zusammenarbeit haben wir Frau Dunkenberger, Leiterin des MGHs, gefragt.

DAlzG: Frau Dunkenberger, wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Angebot mit einer Schule aus Ihrem Ort durchzuführen? Was für ein Angebot planen Sie?

Frau Dunkenberger: Zwischen dem MGH und der Hauptschule in Kissing gibt es bereits eine gute Zusammenarbeit. Wir führen mit Schülern aus der 8. und 9. Klasse Bewerbungs-trainings durch. Durch das Schulprojekt möchten wir die Zusammenarbeit weiter ausbauen.

Weiterhin gibt es in der Nachbarschaft der Schule das Seniorendomizil ?Haus Gabriel?, mit dem das MGH ebenfalls eng zusammen arbeitet. Durch die Verbindung erhalten die Schüler nicht nur theoretische Informationen zum Thema Demenz, sondern es ist dazu ein praktischer Teil geplant.

Das Projekt soll in einer 7. Klasse angeboten werden und wird von einer externen Referentin begleitet. Frau Gabriele Matt ist selbst Lehrerin für Sozialpflege und Kommunikationstrainerin Demenz. Die bereitgestellten Informationen zum Projekt ?Apfelsinen in Omas Kleiderschrank? auf der Homepage Alzheimer & You der DAlzG dienen als Grundlage für den theoretischen Teil. Nach der Einführung in das Thema, geplant sind 2 x 2 Schulstunden, können die Schüler unter Begleitung einer Ergotherapeutin und ehrenamtlichen Mitarbeitern aus dem Seniorendomizil praktische Erfahrungen mit Demenzkranken sammeln. Danach gibt es eine weitere Unterrichtsstunde zur Auswertung.

Unser Wunsch ist es, dass die Jugendlichen nach dem Projekt motiviert sind, sich ehrenamtlich z. B. im Haus Gabriel zu engagieren.

DAlzG: Wie sind Sie an die Schule herangetreten? Wen konnten Sie als Ansprechpartner gewinnen?

Frau Dunkenberger: Da es bereits eine gute Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeiterin gibt, konnten wir sie schnell für das Projekt gewinnen. Sie kennt die Strukturen der Schule und die einzelnen Lehrkräfte und konnte diese gezielt ansprechen.

DAlzG: Traten bei der gemeinsamen Planung Hindernisse auf?

Frau Dunkenberger: Ein großes Hindernis ist der enge Lehrplan und der damit verbundene Zeitdruck in den einzelnen Fächern. Deshalb ist es schwierig, alle verantwortlichen Personen - Lehrer, Schulleiter, Schulsozialarbeiterin und Referentin - zu einem Termin an einen Tisch zu bekommen.

Durch den Zeitdruck sinkt auch die Bereitschaft der Lehrer, Stunden für das Projekt ?abzugeben?. Es muss den Lehrkräften aber klar gemacht werden, welch großen Gewinn die Schüler aus einem solchen Projekt mitnehmen, besonders auch durch die praktische Umsetzung, also den direkten Kontakt zu den Senioren.

DAlzG: Wie sieht im Moment Ihre weitere Planung für das Projekt aus?

Frau Dunkenberger: Die weitere Planung ist, dass es im Januar noch mal ein Treffen mit den verantwortlichen Personen für die letzten organisatorischen Fragen gibt. Die erste Unterrichtseinheit soll Ende Januar beginnen.

DAlzG: Wir wünschen Ihnen für die Umsetzung viel Erfolg und bedanken uns für das Interview.

Das Interview führte Christa Waschke (November, 2010).

MGH Königs Wusterhausen

Seit Oktober 2010 findet im Mehrgenerationenhaus Königs Wusterhausen im Rahmen der Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in regelmäßigen Abständen ein Tanzcafé statt. Einmal im Monat treffen sich Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und andere Interessierte, die Freude an der Bewegung, Musik und Kontakten haben. Hierzu haben wir mit Herrn Einhorn, dem ehrenamtlichen Initiator und Organisator des Tanzcafés, gesprochen.

DAlzG: Herr Einhorn, wie ist die Idee zum Angebot eines Tanzcafés im MGH Königs Wusterhausen entstanden?

Herr Einhorn: Bereits im Jahre 2002 habe ich während meiner hauptamtlichen Tätigkeit als Projektleiter einer gerontopsychiatrischen Tagespflegestätte in Berlin Treptow, in Zusammenarbeit mit Frau Matter von der Alzheimer-Gesellschaft Berlin und in Kooperation mit dem Gerontopsychiatrischen Verbund Treptow, ein monatlich stattfindendes Tanzcafé aus der Taufe gehoben. Da ich seit gut zwei Jahren dem Mehrgenerationenhaus Königs Wusterhausen als Ehrenamtler verbunden bin, lag nahe, diese wunderbare Betreuungsmaßnahme auch in unserer Region zu befördern. Im Rahmen unserer Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ergab sich eine Realisierung, für die alle Beteiligten dankbar sind.

DalzG: Wie sieht die Organisation vor Ort aus? Was braucht man, um ein Tanzcafé erfolgreich durchzuführen?

Herr Einhorn: Als Mehrgenerationenhaus verfügen wir über Räume, die für 30 bis 40 Personen geeignet sind. Man kann sowohl an Vierertischen oder in größeren Ensembles sitzen und die Tanzfläche ist trotzdem noch ausreichend groß. Als Begegnungsstätte für Jung und Alt führen wir zugleich ein "Offenes Café", das die Versorgung mit Kaffee/Tee und Kuchen gewährleistet (Alkoholika sind in unserem Hause nicht üblich). Bedeutsam ist, geeignete Musikanten zu gewinnen, die das Vorzugs-Repertoire der heute älteren Menschen beherrschen und gut "rüberkommen". Das heißt, dass sie auch liebevoll in der Kommunikation und reaktionsfähig auf die Besonderheiten der Teilnehmer sind. Unser Musiker ist in dieser Hinsicht beispielhaft: er hat als Tanzmusiker jahrzehntelange Erfahrungen und eine liebevolle Hinwendung zu den Senioren, denn in seiner beruflichen Tätigkeit als Katechet ist er der älteren Generation auch im Alltag verbunden.

Im Vorfeld der Veranstaltungen bedarf es einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit. Wir haben alle möglichen Partner mit ins Boot genommen: die Sozialstationen vor Ort, die Kirchengemeinden, unsere eigene "Dienstags-Gruppe", eine Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz. Wir haben Pressemitteilungen herausgegeben, ein Pressegespräch organisiert, über 100 Flyer im Stadtgebiet verteilt sowie Ärzte und Heime in der Region angeschrieben.

Bis jetzt (vier Veranstaltungen seit Oktober 2010) haben wir noch freie Plätze bei einer aktuellen Besucherzahl von 12 bis 25 Personen. Die entscheidende Erfahrung für uns ist: Es bedarf der persönlichen Ansprache! Gegebenenfalls muss man Leute von zu Hause abholen oder erinnernd anrufen. Um Angehörigen die Teilnahme zu erleichtern, veranstalten wir unser Tanzcafé an einem Samstag. Der Nachteil hierbei ist, dass hauptberuflich engagierte BetreuerInnen und Pflegekräfte sich davon nicht so sehr begeistern lassen. Wir warten noch ab, vielleicht müssen wir aber doch auf einen anderen Wochentag wechseln.

DalzG: Wie wird das Tanzcafé finanziert? Entstehen Kosten für das MGH bzw. für die Teilnehmer?

Herr Einhorn: Momentan werden die Kosten für den Musiker über die Kooperation mit der DalzG gedeckt, ein Antrag an die Kommune wird jetzt gestellt. Die anwesenden Fachkräfte stehen ehrenamtlich zur Verfügung. Kosten für Getränke und Kuchen übernehmen die Gäste selbst im Rahmen einer Spende. Da gucken wir auch nicht so genau hin.

DalzG: Welche Auswirkungen hat das Tanzcafé auf die teilnehmenden Menschen mit Demenz? Inwiefern profitieren Angehörige davon?

Herr Einhorn: Das ist Milieutherapie pur! Bis jetzt waren alle Besucher vergnügt, haben freudig getanzt und gesungen. Auch Angehörige erfahren es als Entlastung, dass ihr Lebenspartner "noch was kann" und sich an alte Melodien und vor allem auch Texte (!) erinnert. Sing- und Spielrunden schaffen so etwas wie eine gleichberechtigte Ausgangssituation - in der der sonst "Demenzkranke" nicht selten auch mal die besseren Karten hat - das ist super!

DAlzG: Herr Einhorn, wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und Freude am Tanzen!

Herr Einhorn: Soll ich gestehen, dass ich gar nicht gut tanzen kann? Ich bin auf die Führung von Demenzkranken angewiesen?

Das Interview führte Ute Hauser (Februar, 2011).

MGH Körner

Frau S. kümmert sich seit einiger Zeit um ihre alleinlebende Nachbarin Frau K., die an einer Demenz erkrankt ist. Beide besuchen regelmäßig den »MGH-Club«, ein Angebot im Mehrgenerationenhaus in Körner. Frau Delert, Leiterin des Mehrgenerationenhauses hat Frau S. gefragt, wie sich der Kontakt zu Frau K. und die gemeinsamen Besuche des »MGH-Clubs« gestalten.

DAlzG: Seit wann kümmern Sie sich um Frau K.?

Frau S.: Ich kümmere mich seit 2 Jahren um meine Nachbarin.

DAlzG: Wie kam der Kontakt zustande? Und wie können Sie Frau K. unterstützen?

Frau S.: Frau K. ist immer zum Handarbeiten und ?Mensch ärger dich nicht? spielen zu meiner Mutti gekommen, die ich zu diesem Zeitpunkt gepflegt habe. Dabei haben wir uns näher kennen gelernt. Ich mochte ihre Art meiner Mutti durch ihre Besuche Freude zu bereiten. Nun ist meine Mutti verstorben und Frau K. braucht selbst Hilfe. Sie ist an Demenz erkrankt, hat keine Angehörigen, die sich kümmern könnten. So habe ich mich als Betreuerin gerichtlich bestellen lassen. Gut war, dass im selben Flur eine kleine Wohnung frei wurde und ich mit Frau K. nun Tür an Tür wohne. Sie hat dadurch mehr Sicherheit und klopft auch nachts an die Wand, wenn irgendetwas ist. Ich erledige alle Hausarbeiten, die sie nicht mehr kann, gehe mit ihr einkaufen, fahre sie zum Arzt.  Eben alles was sein muss.

DAlzG: Wie empfinden Sie die Situation?

Frau S.: Die Situation ist für mich sehr schwierig. Neben der Demenz ist Frau K. auch noch schwerhörig. Ich muss so viel wiederholen. Teilweise versteht sie die Frage nicht und teilweise nicht was ich sage. Sie lebt in einer anderen Welt.

DAlzG: Seit wann besuchen Sie den "MGH-Club"?

Frau S.: Ich bin seit Anfang an dabei. Ich bin sozusagen "Gründungsmitglied"!

DAlzG: Inwiefern ist der "MGH-Club"  für sie und Frau K. hilfreich?

Frau S.: Für Frau K. ist es gut, wenn sie unter Leuten ist. Sie mag es in Gemeinschaft zu sein. Für mich ist es hilfreich, mich austauschen zu können. Manchmal möchte ich nur sitzen und es mir gut gehen lassen.  

DAlzG: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte für die Deutsche Alzheimer Gesellschaft Carmen Listemann aus dem MGH Körner im Mai 2012.

MGH Norden

Im Mehrgenerationenhaus Norden startete Anfang des Jahres ein gemeinsames Projekt mit Bewohnern eines Pflegeheimes und Kindern aus einem Kindergarten. Beide besuchten sich bereits mehrmals in ihren Einrichtungen. Im Juni fand ein gemeinsamer Spaziergang am Nordseestrand statt, bei dem Strandgut gesammelt und später zusammen zu Kunstwerken verarbeitet wurde.

Wir befragten Frau Eifert, Leiterin des Mehrgenerationenhauses, zur Planung und Gestaltung des generationenübergreifenden Projektes.

DAlzG: Sie planen ein gemeinsames Projekt mit Kindern und demenzkranken Menschen. Wie sind Sie darauf gekommen und was haben Sie vor?

Frau Eifert: Wissenschaftliche Untersuchungen sowie unsere Beobachtungen zeigen deutlich, dass sich familiäre Strukturen im Zuge des demografischen Wandels geändert haben. Eine Begegnung zwischen jung und alt findet im Alltag immer seltener statt. Im Rahmen der Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft möchten wir dieser Tendenz mit einem generationsübergreifenden Angebot entgegenwirken. Ziel des Projektes ist es, Kinder und Menschen mit Demenz zusammenzubringen und durch gemeinsame Aktivitäten einen Austausch der Generationen zu fördern. Geplant ist, dass sich Kinder und Seniorinnen, darunter auch demenziell veränderte Menschen, 14-tägig treffen. Sie sammeln zusammen Naturmaterialien wie Steine, Laub, Blumen, Tannenzweige etc. und erstellen aus diesen Materialien eigene "Kunstwerke". Zu den besonderen Aktionen gehören gemeinsame Spaziergänge am Nordseestrand, um dort nach Strandgut zu suchen, dieses zu sammeln und sich dabei aktiv auszutauschen.

DAlzG: War es einfach, die Kooperation mit dem Kindergarten in die Wege zu leiten?

Frau Eifert: Das Mehrgenerationenhaus Norden ist durch seine vielfältigen Angebote  in der Region sehr bekannt. Dadurch war es sehr einfach, den Kindergarten für eine Kooperation zu gewinnen. Sowohl der Geschäftsführer als auch die Kindergartenleiterin haben sehr positiv und offen auf unsere Idee reagiert, gemeinsam mit uns und einer Senioreneinrichtung ein generationenübergreifendes Projekt ins Leben zu rufen.

DAlzG: Gab es Reaktionen der Eltern auf das Projekt?

Frau Eifert: Es gab sehr positive Reaktionen der Eltern auf das Projekt. Eine Mutter berichtete mir, dass ihre Tochter aufgrund der familiären Situation, die Großeltern leben in Russland, sehr wenig Kontakt zu älteren Menschen hat. Durch unser Projekt besteht für ihre Tochter und auch für andere Kinder eine tolle Möglichkeit, Kontakte zu älteren Menschen zu knüpfen, um dadurch ein Verständnis vom Älterwerden zu entwickeln. Kinder können durch den Austausch mit demenzerkrankten Menschen viele soziale Fähigkeiten wie Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Empathie lernen und entwickeln. Sie erfahren etwas aus früheren Zeiten und spüren die Freude, die sie schenken.

DAlzG: Wie ging es den Kindern beim Zusammensein mit den ältern bzw. demenzkranken Menschen?

Frau Eifert: Die Kinder freuten sich auf das Treffen mit den Seniorinnen und auf gemeinsame Aktivitäten. Sie gingen offen und ohne Vorurteile auf die älteren Menschen zu, sprachen sie an und stellten viele neugierige Fragen. Strahlende Gesichter der Kinder, leuchtende Augen der Senioreninnen, aufregende Gespräche, positive Emotionen und gemeinsamer Stolz auf die erstellten "Kunstwerke" ergeben das Gesamtbild unseres Projektes.  

DAlzG: Würden Sie ein solches generationenübergreifendes Projekt noch einmal durchführen und Anderen zur Nachahmung empfehlen? Wenn ja, warum?

Frau Eifert: Im Laufe des Projektes entstanden neue Ideen, die wir von Seiten des Mehrgenerationenhauses Norden auch unterstützen werden. Ab Herbst beginnt eine gemeinsame "Malaktion" zwischen Kindern und Menschen mit Demenz. Es haben sich weitere Senioreneinrichtungen und Kindergärten gemeldet, welche in Kooperation mit uns ebenfalls generationenübergreifende Projekte starten möchten. Unser Ziel ist es, dass neue und möglichst dauerhafte Kontakte entstehen. Wir empfehlen auch anderen Mehrgenerationenhäusern solche Projekte ins Leben zu rufen. So können verschiedene Generationen aus der Isolation herausgeführt werden und miteinander in Kontakt treten. Durch gemeinsamen Austausch und gemeinsame Aktivitäten wie Spielen, Basteln, Singen und Feiern entstehen positive Emotionen für alle Beteiligten.

Das Interview führte Christa Waschke (Juni, 2011).

MGH Oldenburg/Holstein

Anlässlich der Auswahl als eines der zehn Modellhäuser haben wir mit Frau Wollenweber aus dem Mehrgenerationenhaus Kastanienhof in Oldenburg/Holstein gesprochen. Frau Wollenweber koordiniert die vielfältigen Aktivitäten des Mehrgenerationenhaus

DAlzG: Wie sehen die bisherigen Tätigkeitsbereiche Ihres MGHs aus?

Frau Wollenweber: Der Kastanienhof ist eine Einrichtung, die sich seit vielen Jahren den Ausbau von verlässlichen Betreuungsangeboten für Kinder mit und ohne Behinderung zum Ziel gesetzt hat. Auch der Aufbau von generationsübergreifenden Angeboten gehört zu unserem Tätigkeitsbereich, so bieten wir z. B. im Nachmittagsbereich gemeinsame Computerkurse für Schüler und Schülerinnen gemeinsam mit Senioren und Seniorinnen an.

DAlzG: Wieso wollen Sie sich jetzt auch zum Thema Demenz engagieren?

Frau Wollenweber: In Oldenburg/Holstein gibt es bisher kaum Angebote für Menschen mit Demenz. Angesichts des demografischen Wandels und der damit verbundenen steigenden Zahl von  demenzkranken Menschen sehen wir die Notwendigkeit, neue Angebote für diese Menschen und ihre Familien zu schaffen. Demenz ist für uns ein Zukunftsthema.

DAlzG: Welche Schwierigkeiten sehen Sie bei der Etablierung von Angeboten für demenzkranke Menschen?

Frau Wollenweber: Einen Zugang zu den betroffenen Familien zu finden, ist sehr schwierig. Zum einen liegt es vielleicht an der zurückhaltenden norddeutschen Mentalität, Probleme nicht nach außen zu tragen. Aber auch allgemein ist Demenz noch immer ein Tabuthema in der Gesellschaft.

DAlzG: Welche Chancen sehen Sie in dieser neuen Herausforderung und wie wollen Sie ihre vorhandenen Aktivitäten mit den neuen Angeboten für demenzkranke Menschen verknüpfen?

Frau Wollenweber: Das MGH Kastanienhof ist sehr gut mit anderen Anbietern vor Ort vernetzt. Es gibt ein gemeinsames Beratungsangebot und sehr gute ehrenamtliche Strukturen, die wir für den Aufbau nutzen können. Auch Räumlichkeiten sind vorhanden, um gemeinsame Aktivitäten zwischen den Generationen zu starten und z. B. Kinder mit Integrationsbedarf und Menschen mit Demenz gemeinsam zu betreuen.

DAlzG: Welche Rolle spielt dabei die Kommune und wie werden Sie von ihr unterstützt?

Frau Wollenweber: Es bestehen gute Kontakte zur Kommune und wir werden von ihr ideell sehr gut unterstützt. Mit einer finanziellen Unterstützung sieht es allerdings wie an vielen anderen Orten eher schlecht aus. Über die Kommune sind wir auch mit den Nachbargemeinden gut vernetzt, was unser Einzugsgebiet erweitert. Oldenburg ist nur eine kleine Stadt von etwa 10.000 Einwohnern.

Das Interview führte Sabine Jansen (Juni, 2010).

MGH Radebeul

Anlässlich der Auswahl als eines der zehn Modellhäuser haben wir mit Eva Helms vom Mehrgenerationenhaus Radebeul gesprochen. Eva Helms koordiniert dort die Aktivitäten im Rahmen der Initiative "Menschen mit Demenz in der Kommune".

DAlzG: Aus welchem Grund hat sich das Mehrgenerationenhaus Radebeul für das Kooperationsprojekt mit der Deutsche Alzheimer Gesellschaft beworben?

Eva Helms: Das  Familienzentrum Radebeul bietet seit Jahren vielfältige Leistungen und alltagspraktische Hilfen im Seniorenbereich an. Als Teilnehmer des Förderprogramms "Menschen mit Demenz in der Kommune" sind wir dabei, ein Netzwerk zu allen Beteiligten zu knüpfen, die an der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz interessiert sind. Die Alzheimer Gesellschaft Sachsen ist dabei von Anfang an Partner unseres MGH. Durch das Kooperationsprojekt sehen wir die Möglichkeit unsere Aktivitäten weiter zu intensivieren.

DAlzG: Welche Angebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen gibt es im MGH Radebeul bereits?

Eva Helms: Dem Thema Demenz widmen wir uns ja dank der Förderung durch die Robert Bosch Stiftung seit August 2009 sehr intensiv.

Unser monatlicher Demenz-Stammtisch zu Themen wie Biografiearbeit, positive Interaktion oder Gestaltung von Erinnerungsbüchern wird nicht nur von Angehörigen genutzt, sondern auch von Helferinnen der Besuchskreise der Kirchen und von Seniorenbegleiterinnen. Bei Bedarf vermitteln wir pflegenden Angehörigen eine Seniorenbegleiterin, um die Teilnahme an der Veranstaltung zu ermöglichen.

Es hat sich eine Angehörigengruppe gegründet, die sich regelmäßig im MGH trifft und die wir fachlich unterstützen. Auch hier bieten wir die Möglichkeit der zeitgleichen Betreuung an.

Ebenso wichtig ist uns, das Thema Demenz in der Öffentlichkeit präsent werden zu lassen und Berührungsängste der Bürger abzubauen, beispielsweise durch Informationsveranstaltungen. Die Ausstellung "Würde. Leben mit Alzheimer" von Klaus Peschel wurde von Januar bis März mit großem Erfolg in unserem Haus gezeigt. 

Besonders freuen wir uns darüber, dass ein Schüler des Lößnitzgymnasiums eine Facharbeit zum Thema "Demenz und Ethik" geschrieben hat. Die Verteidigung der Arbeit wird in unserem Haus öffentlich stattfinden.

DAlzG: Welche Aktivitäten planen Sie im Rahmen des Kooperationsprojektes?

Eva Helms: Momentan bauen wir unser Netz an Seniorenbegleiterinnen aus. Derzeit engagieren sich in dieser Gruppe sechs Frauen. Pflegende Angehörige fragen dieses Angebot zunehmend nach. Uns ist es wichtig, dass die Begleiterinnen zum Themenkreis Demenz regelmäßig geschult werden und Möglichkeiten der Praxisberatung und Supervision nutzen.

Die Beratung für Menschen mit Demenz im Anfangsstadium und für pflegende Angehörige findet derzeit nur auf Anfrage und im Rahmen unseres Zeitbudgets statt. Zukünftig möchten wir mit einem regelmäßigen Angebot präsent sein.
Im August soll ein gemeinsamer Nachmittag für Menschen mit und ohne Demenz stattfinden. Dazu haben wir eine Referentin eingeladen, die tiergestützte Therapie mit Alpakas vorstellt und auch einige ihrer Tiere mitbringen wird. Ab Herbst 2010 wird es im MGH regelmäßig Angebote für Paare geben, bei denen ein Partner an Demenz erkrankt ist.

DAlzG: Welche Ziele möchten Sie im Rahmen des Projektes verwirklichen?

Eva Helms: Unser MGH hat den Anspruch über die Kommune hinaus zu einem Kompetenzzentrum auf dem Gebiet der Integration von Menschen mit Demenz zu werden. Soziale Teilhabe dieser Menschen und die Bildung von Strukturen, die Angehörige entlasten, liegen uns am Herzen. Gleichzeitig sind wir um eine hohe Qualität in unserer Arbeit mit Menschen mit Demenz und in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit bemüht.

Aber wir sehen auch, dass das Thema Demenz bei vielen Bürgern nach wie vor angst- oder schambesetzt ist.  Hier sind wir dabei, Vorurteile abzubauen und positive Erlebnisse zu schaffen. Einstellungen ändern sich, wenn sich Erfahrungen ändern. Dabei ist es besonders wichtig, das Vertrauen der pflegenden Angehörigen zu erwerben.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und von der Kooperation im Netzwerk der Mehrgenerationenhäuser erhoffen wir uns starke Impulse für unsere Vision.

DAlzG: Gibt es bereits Überlegungen, wie die existierenden und im Rahmen des Projektes entstehenden Aktivitäten nachhaltig gestaltet und damit langfristig angeboten werden können?

Eva Helms: Wir stehen dazu im Dialog mit den Verantwortlichen in Kommune und Landkreis. Bei der Robert Bosch Stiftung haben wir uns im Februar ebenfalls erneut beworben. Eine so umfangreiche Arbeit kann der Verein, der Träger des Familienzentrums ist, nicht ohne finanzielle Unterstützung leisten.
Durch Kontakte zu Unternehmen, die Menschen mit Demenz zu ihren Kunden zählen und deshalb an Mitarbeiterschulungen interessiert sind, soll ein neues Netzwerk entstehen. An dieser Stelle verweisen wir gerne auf das neue Schulungsmaterial der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Für die Arbeit der Seniorenbegleiterinnen haben wir die Anerkennung des Kommunalverbandes Sachsen erhalten. Das bedeutet, diese Leistungen nach § 45b, SGB XI werden den Angehörigen von ihren Pflegekassen erstattet, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen.

Die Arbeit der Angehörigengruppe wird zukünftig durch den Landkreis und die Pflegekassen gefördert.

DAlzG: Vielen Dank!

Das Interview führte Saskia Weiß (April, 2010).

MGH Torgelow

Bereits zweimal haben die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und der Verein "Mehr Zeit für Kinder" einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem jeweils 20 Mehrgenerationenhäuser (MGH) ein Spielezimmer gewinnen konnten. Das Mehrgenerationenhaus Torgelow gehörte dabei zu den ersten Gewinnern, die im Herbst 2011 ein umfangreiches Spielesortiment erhielten. Nun haben wir mit Brigitte Seifert (Koordinatorin des MGH) und Regina Levenhagen (u. a. verantwortlich für das Spielangebot) über ihre Erfahrungen gesprochen.

DAlzG: Bitte erläutern Sie uns kurz Ihr Konzept, Ihre Ideen, mit denen Sie sich für das Spielezimmer beworben haben.

Frau Levenhagen: Im Rahmen der Bewerbung galt es Aussagen zu fünf Punkten zu treffen, u. a. zu Inhalt und Ziel eines Spielangebotes. Unsere Idee war einen Spiel- und Erinnerungsraum insbesondere für alte und demenzkranke Menschen zu schaffen. In unserem Haus befindet sich auch eine Tagespflegestätte für Menschen mit Demenz, mit der es bereits eine gute Zusammenarbeit gibt. Mit dem Spielangebot wollten wir das MGH und die Tagespflegestätte noch stärker miteinander verbinden. Darüber hinaus sind wir stets auf der Suche nach möglichst niedrigschwelligen Angeboten, um neben den Besuchern der Tagespflege auch das Interesse anderer Demenzkranker und ihrer Familien zu wecken. Unsere Idee war, dass ein Angebot zum gemeinsamen Spielen – auch mit Kindern, solch ein Angebot sein könnte.

DAlzG: Wie gestaltet sich die Umsetzung dieser Ideen?

Frau Levenhagen: Sehr gut! Zweimal im Monat gibt es einen Spielevormittag für jung und alt. Daran nehmen vor allem Besucher der Tagespflege sowie Kinder der ebenfalls im Haus ansässigen Kindertagesstätte teil.

Besonders beliebt sind die Spiele "Mensch ärgere Dich nicht" und Memory. Gerade das Memory-Spiel regt auch Gespräche zwischen den älteren Menschen und den Kindern an. Die Motive der Memorykarten entstammen der Jugendzeit der Älteren. So werden Erinnerungen geweckt und sie erzählen den Kindern mitunter Geschichten zu den Motiven oder aus ihrem Leben.

Und wenn die älteren, demenzkranken Personen unter sich spielen, unterstützt sie bei Bedarf eine Mitarbeiterin des MGH.

DAlzG: Wie sieht ihr Spielezimmer aus?

Frau Seifert: Wir haben uns gegen die Einrichtung eines festen Spielezimmers entschieden, sondern die Spiele im Haus aufgeteilt. Der Spielevormittag findet immer in einem Raum statt. Dort sind einige Spiele. Einige Spiele befinden sich aber auch im offenen Treff, andere im Kindergarten. Unserer Ansicht nach werden die Spiele so viel mehr genutzt. Der Zugang ist leichter und so wird auch mal ein Spiel herausgeholt unabhängig vom Spielevormittag. Man kann also sagen, dass unser MGH das Spielezimmer ist.

DAlzG: Wie haben Sie auf das Spielezimmer und die damit verbundenen Angebote aufmerksam gemacht?

Frau Seifert: Wir haben zur Eröffnung des "Spielezimmers" die örtliche Presse eingeladen. Ein guter Artikel wurde daraufhin geschrieben. Zudem wurde ehrenamtlich ein Film über das Spielangebot gedreht, den wir nun auch bei unseren Ortsgruppen nutzen, um auf das Angebot und seine Möglichkeiten aufmerksam zu machen. Zweimal im Monat erscheint der Stadtanzeiger. Dort veröffentlichen wir immer das Programm des MGH und informieren somit auch über den Spielevormittag. Darüber hinaus möchten wir unsere Seniortrainer der Region, die Projekte für und mit älteren Menschen initiieren und betreuen, verstärkt als Multiplikatoren nutzen. Frau Levenhagen betreut als Seniortrainerin den inzwischen dritten Kurs für pflegende Angehörige in unserem Haus. In diesem Rahmen wird sie auch die Spiele vorstellen und gemeinsam mit den Familien ausprobieren.

DAlzG: Welche Reaktionen gab es auf den Gewinn und das Angebot?

Frau Seifert: Andere MGH haben uns gratuliert und sich auch nach unserem Konzept und den Erfahrungen erkundigt.

DAlzG: Sind Sie auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Spielangebots gestoßen.

Frau Levenhagen: Wir würden uns wünschen, dass mehr Familien von außen, d. h. die noch keine Anbindung an das MGH oder die Tagespflege haben, das Angebot nutzen würden. Eine Demenzerkrankung ist doch noch ein großes Tabu und so fällt es vielen schwer Hilfe und Entlastung in Anspruch zu nehmen. Wenn sie dann erstmal hier im Haus waren, kommen die Familien auch wieder. Die Erkrankten fühlen sich wohl und die Angehörigen können einmal abschalten.

DAlzG: Gibt es neben dem Spielevormittag weitere Angebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen im MGH?

Frau Seifert: Vor zwei bis drei Jahren haben wir uns erstmals mit dem Thema auseinandergesetzt. Damals nahmen wir auch Kontakt zur örtlichen Alzheimer-Gesellschaft auf, um uns auszutauschen und Ideen zu sammeln. Entstanden ist bis heute neben dem Spielangebot z. B. ein Erzählsalon, in dem Senioren zu einem bestimmten Thema Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Die Zuhörer sind dabei auch Kinder und Jugendliche, da wir mit der Schule vor Ort kooperieren. Zudem gestalten zwei unser ehrenamtlichen Mitarbeiter ein Betreuungsangebot für Demenzkranke in einer Einrichtung des Betreuten Wohnens hier in Torgelow. Da das MGH in einem großen Landkreis liegt, ist es notwendig auch Angebote außerhalb des Hauses zu machen. Aber auch direkt im MGH sollen demnächst eine Betreuungsgruppe und eine Angehörigengruppe aufgebaut werden.

Wir sind heute sehr froh, diesen Weg beschritten zu haben. Es ist toll, dass die Bemühungen auch durch solch einen Wettbewerb unterstützt werden. Vielen Dank dafür!

DAlzG: Wir danken Ihnen für das Gespräch. 

Das Gespräch führte Saskia Weiß (April 2012).

Alzheimer Gesellschaft Emden/Ostfriesland Selbsthilfe Demenz

Anlässlich der Zusammenarbeit des Modellhauses Norden mit der regionalen Alzheimer Gesellschaft in Emden haben wir mit deren 1. Vorsitzender Hildegard Krüger gesprochen.

DAlzG: Wie entstand der Kontakt zum Mehrgenerationenhaus (MGH) Norden?

Hildegard Krüger: Das MGH hatte sich im Rahmen der Bewerbung für das Projekt der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Gedanken über eine Kontaktaufnahme mit der Alzheimer Gesellschaft Emden/ Ostfriesland gemacht. Da eine Mitarbeiterin des MGH und ich in privatem Kontakt stehen, war die Verabredung zu einem ersten Ge-spräch im Juli sehr unkompliziert und schnell möglich.

DAlzG: Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit mit dem MGH Norden bis jetzt konkret?

Hildegard Krüger: Das MGH veranstaltet am 21.09.2010 einen Informationstag anlässlich des Welt-Alzheimertags. Diese Veranstaltung soll auch genutzt werden, um die Bevölkerung sowie die lokalen Medien auf die geplanten Aktivitäten des MGH im Bereich Demenz aufmerksam zu machen. Dabei kann das MGH auch auf unsere Unterstützung verweisen. Im Rahmen der Veranstaltung werde ich zusammen mit einer Kollegin einen Vortrag halten.

Darüber hinaus haben wir vereinbart, das MGH beim Aufbau einer Angehörigengrup-pe sowie einer Betreuungsgruppe zu unterstützen. Alle Aktiven der Alzheimer Gesellschaft Emden/ Ostfriesland sind ehrenamtlich tätig. Unsere Ressourcen sind also begrenzt. Wir werden versuchen, die Startphase der Angebote intensiv zu begleiten. Die Leitung und Verantwortung für die Angebote wird aber in Händen des MGH liegen. Um auf Wünsche der Teilnehmer eingehen zu können, sind wir jedoch gerne bereit, gelegentlich bei den Treffen vor Ort zu sein, z. B. um über spezielle Themen wie Validation o. Ä. zu berichten.

DAlzG: Warum ist es für die Alzheimer-Gesellschaft sinnvoll mit dem MGH in Norden zusammenzuarbeiten? Wie profitieren beide Seiten von dieser Vernetzung?

Hildegard Krüger: Wenn ich aufgrund der Zusammenarbeit weiß, dass im MGH gute Beratungs- und Betreuungsangebote gemacht werden, kann ich Hilfesuchende guten Gewissens dorthin verweisen. Dies bedeutet für mich persönlich  eine große Entlastung. Da die Einrichtung der Pflegestützpunkte hier erst begonnen hat, ist es momentan nämlich so, dass sich pflegende Angehörige von Demenzkranken aus ganz Ostfriesland an uns wenden. Zwar bieten auch privatwirtschaftliche Anbieter von Pflege- und Betreuungsleistungen Beratungen an, wenn die Ratsuchenden aber Wert auf Neutralität legen, wenden sie sich an die Alzheimer Gesellschaft. Diesen Bedarf im Rahmen des ehrenamtlichen Engagements unseres Vereins abzudecken, ist kaum möglich.

Insofern ist es immer gut, auf eine kompetente Beratungsstelle verweisen zu können. So verkürzen und vereinfachen sich mitunter für die Betroffenen die Fahrtwege, vor allem aber kennt das MGH die vorhandenen Angebote in Norden und Umgebung sehr viel besser, als mir das möglich ist. Denn für ganz Ostfriesland einen Überblick über die Pflege- und Betreuungsangebote zu behalten, ist kaum zu leisten.

Das MGH wiederum kann uns jederzeit als Ansprechpartner nutzen und von unseren Erfahrungen profitieren.

Aufgrund der Zusammenarbeit mit dem MGH Norden ist inzwischen übrigens auch der Pflegestützpunkt in Aurich, der dem Gesundheitsamt angegliedert ist, auf uns aufmerksam geworden und an einer Zusammenarbeit interessiert.

DAlzG: Im Rahmen des Projektes kann die Deutsche Alzheimer Gesellschaft beide Seiten unterstützen ? sowohl beratend, als auch in kleinem Umfang finanziell. Halten Sie es für realistisch, dass die Zusammenarbeit mit dem MGH auch nach dem Projekt aufrecht erhalten werden kann?

Hildegard Krüger: Im Prinzip ja, die Voraussetzungen dafür sind gut. Wie in vielen Bereichen sind aber auch hier der Erfolg und vor allem die Kontinuität der Angebote sehr an Personen und deren Engagement gebunden. Ich hatte bis jetzt vor allem mit Frau Eifert und Frau Heyken aus dem MGH Kontakt, die beide nicht nur Interesse, sondern auch soziale Kompetenz und Fachwissen mitbringen.

Wenn man überhaupt von einer Gefährdung des weiteren Engagements sprechen kann, dann nur deshalb, weil das MGH sehr viele thematische Bereiche abdeckt, die verantwortlichen Mitarbeiter viele verschiedene Aufgaben haben. Hier muss man eventuell aufpassen, dass das Thema Demenz langfristig präsent bleibt.

DAlzG: Vielen Dank!

Das Interview führte Saskia Weiß (August, 2010).

Hintergrundinformationen zur Alzheimer Gesellschaft Emden/ Ostfriesland:

Die Alzheimer Gesellschaft Emden/ Ostfriesland e.V. entwickelte sich aus einer seit dem Jahr 2001 bestehenden Angehörigengruppe. Vor zwei Jahren schließlich wurde der gemeinnützige, unabhängige Verein gegründet. Neben Beratungen für betroffenen Familien bietet der Verein Angehörigengruppen, eine Betreuungsgruppe, einen Helferkreis sowie regelmäßige Schulungen und Informationsveranstaltungen für Ehrenamtliche, Angehörige und professionell Tätige an. All diese Aktivitäten werden ehrenamtlich geleistet.
Inzwischen zählt der Verein mehr als 30 Mitglieder und konnte 22 Männer und Frauen als ehrenamtliche Mitarbeiter u. a. für die häusliche Betreuung von Demenzkranken zur Entlastung der Angehörigen gewinnen.

Alzheimer Gesellschaft Thüringen e.V.

Die Alzheimer Gesellschaft Thüringen ist als Landesverband der Deutschen Alzheimer Gesellschaft flächendeckend Ansprechpartner für Demenzkranke, Angehörige, Interessierte und Institutionen im Bundesland Thüringen. Durch diese Aufgabe hat Frau Seidler, Mitarbeiterin des Landesverbandes, auch Kontakt zu mehreren Mehrgenerationenhäusern. Sie führt dort beispielsweise Schulungen für Angehörige durch oder berät die Häuser zum Auf- und Ausbau von niedrigschwelligen Angeboten und zu Finanzierungs­möglichkeiten.

Wir haben sie speziell zu ihrer Beratung bezüglich der Anerkennung als niedrigschwelliges Angebot nach § 45b SGB XI befragt.

DAlzG: Wenn wir von einer Anerkennung nach § 45b SGB XI sprechen, was ist damit eigentlich gemeint?

Frau Seidler: Menschen mit Demenz können zweckgebundene Leistungen in Höhe von 100 bzw. 200 EUR monatlich abrufen, nachdem sie vom Medizinischen Dienst der Pflegekassen als ?Person mit eingeschränkter Alltagskompetenz? eingestuft wurden. Eine Möglichkeit, wie dieses Geld in Anspruch genommen werden kann, sind die sogenannten niedrigschwelligen Betreuungsleistungen. Hier werden die Betroffenen stundenweise durch geschulte ehrenamtliche Helfer betreut. Um diese Hilfen anbieten zu können, muss ein Anbieter anerkannt sein.

DAlzG: Welche Vorteile bringt eine Anerkennung nach § 45b SGBXI

Frau Seidler: Einen finanziellen Vorteil für den Anbieter bringt es in aller Regel nicht, aber es ist ein „Türöffner“. Menschen mit Demenz können früh die notwendige Unterstützung neben Ergotherapie und Medikamenten bekommen und Angehörige erfahren Entlastung, was die häusliche Pflege auf Dauer stabilisieren kann. Außerdem ist das Thema Demenz ein Thema, an welchem bald keiner mehr vorbei kommt. Die Menschen werden immer älter und damit steigt auch das Risiko für Demenzerkrankungen. Dazu kommt, dass viele junge Menschen ihre Heimat verlassen und so das Risiko von Einsamkeit für Ältere entsteht. Durch ein solches Angebot kann ein Mehrgenerationenhaus auch die Gruppe der Äälteren mit einer solchen Erkrankung einbinden und die jüngeren Generationen für dieses Thema sensibilisieren.

DAlzG: Was braucht es zur Anerkennung bzw. wie lässt man sich anerkennen?

Frau Seidler: Die Anerkennung als niedrigschwelliges Betreuungsangebot erfolgt über das Land und die Pflegekassen, d.h. der Anbieter stellt einen Antrag zusammen mit einem Konzept und erhält die Anerkennung über das Land. Möchte ein ambulanter Pflegedienst diese Leistungen mit seinen Angestellten erbringen, erfolgt die Anerkennung ausschließlich über die Pflegekasse. Ein Mehrgenerationenhaus beispielsweise möchte mit ehrenamtlichen Helfern ein solches Projekt aufbauen: Dann sollte es ein Konzept erstellen, welches mindestens folgende Fragen beantwortet:

  • Wer steckt hinter dem Angebot? - Vorstellung des MGH
     
  • Wer soll unterstützt werden? - Ausgangslage in der Region, welche Zielgruppe
     
  • In welchem Zeitraum soll die Unterstützung erfolgen? - auf Dauer ausgelegt, stundenweise in der eigenen Häuslichkeit, stundenweise in Kleingruppen oder werktags von früh bis Nachmittag
     
  • Wer soll die Betreuung leisten und von wem werden die Helfer angeleitet? - Auswahl der Helfer, anleitende Fachkraft (hier sind in den jeweiligen Ländern in den Verordnungen oft Berufsgruppen genannt), welche Schulungen erhalten die Helfer, wie verläuft der Erfahrungsaustausch
      
  • Was passiert bei einem solchen Angebot? - hier sollte eine Betreuung kurz umrissen werden

DAlzG: Gibt es Tipps bzw. Hinweise, die für MGH bei der Antragstellung wichtig sind?

Frau Seidler: Wichtig ist, dass man ein solches Angebot nicht ?nebenbei? anbietet. Es sollte Hand und Fuß haben, das heißt, die koordinierende Fachkraft sollte über das Krankheitsbild und seine Auswirkungen Bescheid wissen. Sie sollte als feste Ansprechpartnerin für Helfer und Angehörige erreichbar und befähigt sein. Das kann auch manchmal längere Gespräche bedeuten. Oft haben Angehörige von Menschen mit Demenz einen enormen Gesprächsbedarf, so dass parallel eine Selbsthilfegruppe einmal monatlich angeboten werden könnte. Um eine solche Gruppe aufzubauen, bietet sich die Schulungsreihe ?Hilfe beim Helfen? für Angehörige von Menschen mit Demenz an. Diese Schulungsreihe wird beispielsweise von den Alzheimer Gesellschaften angeboten.

DAlzG: Wie lange dauert in der Regel der Prozess zur Anerkennung als niedrigschwelliges Angebot in Thüringen?

Frau Seidler: In Thüringen besteht derzeit noch das Problem, dass die Landesverordnung nur vorläufig in Kraft ist. Die Anerkennung dauert im Schnitt etwa ein bis zwei Monate. Dazu kommt die Zeit, die man benötigt, um das Konzept zu erstellen und geeignete ehrenamtliche Helfer zu finden und diese zu schulen. Das heißt von der Idee bis zur ersten Betreuung können bis zu fünf Monate vergehen, wobei dies sehr schwankt und abhängig vom Anbieter ist. 

DAlzG: Vielen Dank für die Informationen.

Das Interview führte Christa Waschke (April, 2011).

Frau Weritz-Hanf (BMFSFJ)

Im letzten Interview fragten wir Frau Weritz-Hanf über die Idee und den Erfolg des Projektes und weitere Planungen für die Zukunft zum Thema Demenz. Frau Weritz-Hanf ist Leiterin des Referates Gesundheit im Alter, Hilfen bei Demenz, Conterganstiftung für behinderte Menschen des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

DAlzG: Wieso hat das BMFSFJ  das Projekt "Mehrgenerationenhäuser als Orte für Demenzkranke und ihre Angehörigen? gefördert? Was haben Sie sich davon versprochen?

Frau Weritz-Hanf: Mehrgenerationenhäuser sind Orte generationenübergreifender Begegnung. Dort treffen junge Familien, Kinder und alte Menschen zusammen, um Alltagsleben gemeinsam zu gestalten und sich gegenseitig behilflich zu sein. Deshalb sind Mehrgenerationenhäuser geeignete Orte, um Wissen und Verständnis für Menschen mit Demenz breit zu fördern.

Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen tut soziales Miteinander gut, und in der lebendigen  Gemeinschaft können Fehlvorstellungen durch persönliche Erfahrungen korrigiert werden, ergeben sich Anknüpfungspunkte, wo Begleitung und Unterstützung individuell hilfreich sein können.

DAlzG: Sind Ihre Erwartungen an das Projekt erfüllt worden?

Frau Weritz-Hanf: Die Resonanz auf das Projekt hat uns überrascht. Der Andrang und der Erfolg von interessierten Mehrgenerationenhäusern, die zu Orten für Demenzkranke und ihre Angehörigen werden wollten, beweist, dass es richtig ist, im konkreten Lebensumfeld anzusetzen, um mehr Teilhabe und Lebensqualität  zu erreichen. Und die Bereitschaft, sich ehrenamtlich für Demenz zu engagieren, macht zuversichtlich, dass wir es schaffen können, Demenz ihren Schrecken zu nehmen.

DAlzG: Wie gefällt Ihnen die entstandene Broschüre "Miteinander - Füreinander"?

Frau Weritz-Hanf: Die Broschüre »Miteinander-Füreinander« halte ich für sehr gelungen. Das betrifft Inhalt wie Gestaltung. Es macht Spaß, darin zu blättern! Ich glaube, dass sie eine gute Hilfestellung für alle ist, die es den Projekthäusern nachmachen wollen. An dieser Stelle möchte ich der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und nicht zuletzt allen beteiligten Mehrgenerationenhäusern herzlich danken für die investierte Mühe: Es hat sich gelohnt!

DAlzG: Wie geht es im Ministerium weiter mit der Unterstützung für Demenzkranke und ihre Angehörigen?

Frau Weritz-Hanf: Leider sind Projektförderungen immer zeitlich begrenzt. Doch Ergebnisse und Erkenntnisse aus Projekten geben uns im Ministerium wichtige Hinweise für die weitere politische Arbeit.

Das Gespräch führte Sabine Jansen (August 2012).