Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend förderte ab 1. Juli 2009 bis 31. August 2012 das Projekt "Mehrgenerationenhäuser als Orte für Demenzkranke und ihre Angehörigen", dessen Ziel es war, das Angebot der Mehrgenerationenhäuser (MGH) als generationenübergreifende Begegnungsstätte auch für Demenzkranke und ihre Angehörigen nutzbar zu machen. Weiterhin wurden die Kooperationen zwischen regionalen Alzheimer Gesellschaften und Mehrgenerationenhäusern intensiviert.

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Hintergrund

Mehrgenerationenhäuser, Familienzentren oder Nachbarschaftsheime sind Orte der Begegnung und Kommunikation. Sie schaffen Raum für Gemeinschaft,  auch außerhalb der eigenen Familie.

Die Bedeutung solcher nicht-familiärer Strukturen wächst. Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Daher nimmt die Zahl der Demenzkranken stetig zu, denn der größte Risikofaktor für eine Demenzerkrankung ist ein hohes Lebensalter. Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl der Demenzkranken von derzeit 1,2 Mio. auf 2,6 Mio. im Jahr 2050 steigen wird. Auf der anderen Seite leben immer mehr  ältere Menschen und damit auch Demenzkranke allein. Sie haben keine Angehörigen oder die Angehörigen wohnen weit entfernt oder können sich aus anderen Gründen nicht ausreichend kümmern. Die Pflege und Betreuung von Demenzkranken einzig und allein innerhalb der Familien zu organisieren und zu verantworten, wird daher in Zukunft schwieriger.

MGH befinden sich im direkten Wohnumfeld der Nutzer und Nutzerinnen, ihre Angebote sind niedrigschwellig, sie sind vor Ort gut vernetzt und eingebettet. So werden sie zu einem wichtigen Bestandteil für die Unterstützung, Betreuung und Begleitung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen.

Wünsche von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen

Menschen mit Demenz haben ähnliche Wünsche, wie nicht Erkrankte. Sie wollen nicht ausgegrenzt sein, sondern möchten dazugehören und am normalen Leben teilhaben dürfen. Welche weiteren Möglichkeiten sich Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen wünschen, können Sie hier nachlesen.

Mehrgenerationenhäuser und Demenz

Schon seit langem findet im Mehrgenerationenhaus ein Seniorennachmittag statt. Dieser beginnt immer mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken, im Anschluss wird zusammen gesungen, gespielt und gelacht. Das Ehepaar Mayer kommt jede Woche und dies schon seit vielen Jahren. In letzter Zeit fällt den Mitarbeiter/innen des Hauses, aber auch den anderen Besucher/innen des Seniorennachmittags auf, dass Frau Mayer sich verändert. Nicht nur, dass sie sich nicht mehr an den Gesprächen und Spielen beteiligt, sie wartet auch nicht, bis die Kaffeetafel eröffnet ist, sondern greift sofort nach dem Kuchen. Bevor sie sich jedoch für ein Kuchenstück entscheidet, fasst sie zunächst einige davon mit den Händen an. Ihrem Mann ist das sehr peinlich. So etwas hätte seine Frau früher nie gemacht. Einige der anderen Gäste äußern offen ihr Unverständnis und ihren Unmut über dieses Verhalten. Die Besuche der Mayers werden zunehmend sporadischer, seit zwei Monaten sind sie gar nicht mehr zum Seniorennachmittag gekommen.

Welche Möglichkeiten haben Mitarbeiter/innen in einem Mehrgenerationenhaus auf solche oder ähnliche Situationen zu reagieren? Können MGH Angebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen schaffen? Welcher Ressourcen bedarf es dazu? Welche Grenzen sind einem Engagement gesetzt?

Mehrgenerationenhäuser verfügen über eine Vielzahl von Eigenschaften, die für ein Engagement im Bereich Demenz von großen Vorteil sein können: MGH verstehen sich als offene Häuser, offen für alle Menschen, egal wie alt sie sind oder in welcher Lebenssituation sie sich befinden. Diese Offenheit zeigt sich auch in den Angeboten, die vielfach so angelegt sind, dass möglichst jede Person, die möchte, daran teilnehmen kann. Dem widerspricht nicht, auch Angebote für spezielle Nutzergruppen anzubieten. MGH leisten vor Ort einen engagierten Beitrag zum Zusammenhalt der Generationen und verfügen bereits über Angebote und Netzwerke innerhalb der Gemeinden, die für die Unterstützung Demenzkranker nützlich sein können. MGH bieten vielfältige Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement und verstehen es, Interessierte als freiwillige Helfer/innen zu werben und langfristig zu binden. Bürger/innen werden dazu motiviert, sich zu engagieren, denn ehrenamtliche Mitarbeiter/innen werden für die ambulante soziale Betreuung und Unterstützung von Demenzkranken ebenso gebraucht wie professionelle Kräfte.

Ziel des Projektes

Ziel des Projektes war, dass sich MGH für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen öffnen und Begegnungen zwischen Betroffenen und anderen Besuchern gefördert werden. Neue Angebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen wurden aufgebaut und bestehende Angebote vernetzt. Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit sowie Beratung und Informationsvermittlung zum Thema Demenz waren weitere wichtige Schwerpunkte.

Da für all diese Angebote Mitarbeiter/innen und Partner/innen gebraucht werden, standen auch die Förderung bürgerschaftlichen Engagements sowie die Netzwerkarbeit, insbesondere der Aufbau von Kooperationen mit regionalen Alzheimer-Gesellschaften (AlzG) im Mittelpunkt.

Umsetzung

Aus 80 Interessensbekundungen wurden 10 Mehrgenerationenhäuser ausgesucht, die bereit waren, sich der neuen Herausforderung Demenz zu stellen. Bei der Auswahl wurde Wert auf eine größtmögliche Vielfalt gelegt: Es wurden Häuser ausgesucht, die sich in Klein- und Großstädten oder Dörfern befinden, die unterschiedliche Träger haben, sowie Häuser mit und ohne Erfahrung zum Thema Demenz.

Folgende 10 Mehrgenerationenhäuser wurden ausgewählt:

das Mehrgenerationenhaus Binsfeld,

das Mehrgenerationenhaus Düsseldorf,

das Mehrgenerationenhaus Geislingen,

das Mehrgenerationenhaus Kissing,

das Mehrgenerationenhaus Königs Wusterhausen

das Mehrgenerationenhaus Körner,

das Mehrgenerationenhaus Norden, 

das Mehrgenerationenhaus Oldenburg/Holstein

das Mehrgenerationenhaus Radebeul und 

das Mehrgenerationenhaus Staßfurt.

Neben der engen Betreuung der Modellhäuser hatten die Projektmitarbeiterinnen Kontakt zu mehr als 150 weiteren MGH, die umfassende Materialien und Veröffentlichungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft erhielten sowie zum Aufbau von Angeboten, zur Öffentlichkeitsarbeit und zur Vernetzung im Bereich Demenz beraten wurden.

Regelmäßig erschien ein Newsletter des Projektes zum Thema Demenz. Ein fester Bestandteil dieses Newsletters waren die "Stimmen aus den Modellhäusern" mit Interviews zu Themen, die auch für andere MGH interessant sind. Alle im Projektverlauf entstandenen Interviews haben wir online gestellt. Zu den Interviews

Ergebnisse

... der Modellhäuser

Innerhalb der einjährigen Kooperation entstanden 45 Unterstützungsangebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen, die von mehr als 700 Personen besucht wurden. Neben bekannten und hinreichend erprobten Angeboten wie Angehörigen- und Betreuungsgruppen sowie Helferinnenkreise legten die Häuser ein besonderen Schwerpunkt auf den Aufbau generationsübergreifender Angebote sowie auf Angebote, die der Sozialen Teilhabe Demenzkranker und ihrer Angehörigen dienen. Beispielhaft zu erwähnen sind hier Tanzcafés, Freizeitangebote für Menschen mit und ohne Demenz sowie die Öffnung von vorhandenen Angeboten für Erkrankte.

Neben diesen regelmäßigen Angeboten organisierte jedes Modellhaus zwei öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen. Die Bandbreite der Veranstaltungen in den Häusern war groß, angefangen bei einem Erfahrungsaustausch für pflegende Angehörige, über Vorträge, Expertentelefone und Fachtage bis hin zu Fotoausstellungen. Meist wurde der Welt-Alzheimertag am 21.09. zum Anlass genommen, über das Thema Demenz zu informieren. Die Veranstaltungen waren allesamt ein großer Erfolg. Insgesamt verzeichneten die Häuser eine Teilnehmerzahl von mehr als 1100 Personen. Zu den häufigsten Besuchern dieser Veranstaltungen gehörten Angehörige von Menschen mit Demenz sowie Fachkräfte des Sozial- und Gesundheitswesen.

... des Projektes

Die gewonnenen Erkenntnisse des Projekts wurden in der Broschüre "Miteinander - Füreinander. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in der Gemeinschaft" zusammengefasst.

Diese Handreichung zeigt auf, wie Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in Mehrgenerationenhäusern am gemeinschaftlichen Leben teilnehmen können. Vier Kapitel widmen sich intensiv verschiedenen Entlastungs- und Betreuungsangebote, beschreiben deren Aufgaben und Ziele und geben Hinweise zum Aufbau derselben. In jedem dieser Kapitel finden Sie Erfahrungsberichte oder Interviews mit Mehrgenerationenhäusern sowie Checklisten für den Aufbau. Das fünfte Kapitel "Ohne Moos nichts los" zeigt verschiedene Finanzierungswege. Welche Vorteile ein Netzwerk Demenz bietet, wie man sich zu einem solchen Netzwerk zusammenschließt und wer mögliche Netzwerkpartner sein könnten, kann im Kapitel "Netzwerk Demenz - gemeinsam mehr bewegen" erfahren werden. Des Weiteren sind auch Informationen zum Krankheitsbild  sowie diverse Literaturhinweise und Kontaktadressen in der Broschüre "Miteinander – Füreinander. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in der Gemeinschaft" (10 €) zu finden. Zum Online-Shop

Zur Broschüre gehört eine DVD mit drei Filmen über verschiedene Angebote in den MGH. Der erste Film zeigt das Tanzcafé in Königs Wusterhausen. Der zweite Film zeigt das Sommerfest 2012 in Radebeul und der dritte Film handelt von einem Strandtag in Norden.

Tanzcafé Königs Wusterhausen

Sommerfest in Radebeul

Begegnung in Norden

Beispiele aus der Handreichung "Miteinander - Füreinander"

1. Betreuungsgruppe  

2. Generationenübergreifendes Angebot

3. Tanzcafé

Bestellhinweise

Die Handreichung "Miteinander - Füreinander. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in der Gemeinschaft" können Sie als Ansichtsexemplar im PDF-Format herunterladen (6,5 MB).
Broschüre "Miteinander - Füreinander"

 

 

Oder Sie bestellen sie inklusive DVD mit den Filmen gegen eine Schutzgebühr von 10,00 €. Zur Bestellseite

 

 

Kontakt

Wir freuen uns über Hinweise, Anregungen und Ideen zum Thema "Mehrgenerationenhäuser als Orte für Demenzkranke und ihre Angehörigen".

Sie erreichen uns unter der Rufnummer 030 / 2 59 37 95-0 in der Geschäftsstelle der Deutschen Alzheimer Gesellschaft oder per E-Mail unter info[at]deutsche-alzheimer.de.  

Das Projekt "Mehrgenerationenhäuser als Orte für Demenzkranke und ihre Angehörigen" wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.