Aus: Alzheimer Info 1/19

Nora, die Enkelin von Herrn und Frau Müller, wendet sich an das Alzheimer-Telefon: „Seit einiger Zeit wird meine Oma immer vergesslicher. Zwar findet sie sich noch ganz gut im Alltag zurecht, aber in letzter Zeit klagt sie, dass sie nicht mehr wisse, wie sie ein Gericht zubereiten soll. Das scheint sie sehr zu belasten. Sie hat immer ausgesprochen gerne und gut gekocht. Wie könnte man ihr helfen, dass sie ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich erhält und meine Großeltern sich nicht nur von Fertigprodukten ernähren müssen?“

„Kochen ist tatsächlich eine ganz schön komplexe Angelegenheit! Ihre Oma merkt, dass ihr Gedächtnis nachlässt, und es fällt ihr offenbar zunehmend schwerer, gewohnte Gerichte zuzubereiten. Die Küche, ein Bereich in dem Ihre Oma bisher gekonnt und routiniert agiert hat, bereitet ihr plötzlich Schwierigkeiten. Das verunsichert und belastet sie. Es ist gut und richtig zu überlegen, wie Sie Ihre Oma unterstützen können. Wenn es ums Kochen geht, gilt es zu entscheiden, was man kochen möchte, was man dafür braucht und in welcher Reihenfolge die einzelnen Arbeitsschritte zu machen sind. Dabei den Überblick zu behalten, bereitet Menschen mit einer Demenz zunehmend Probleme. Wichtig ist, dass Ihre Oma Verständnis und Trost erfährt und möglichst nicht Verständnislosigkeit oder gar Ärger – dies würde sie nur noch mehr zur Verzweiflung bringen.

Schön wäre es, Sie könnten für Ihre Oma ein kleines Rezeptheft mit den für sie wichtigen Familienrezepten zusammenstellen; möglichst einfach geschrieben und übersichtlich gestaltet, mit einigen Fotos und Bildern. Idealerweise legen Sie das Heft gemeinsam mit Ihrer Oma an, dann ist ihre Kompetenz gefragt und sie gibt ihr Wissen an Sie weiter. Das persönliche Kochbuch kann ihr dann noch eine Weile eine Stütze in ihrem Alltag sein. Und selbst wenn Ihre Oma – aufgrund ihrer Demenz – es wirklich nicht mehr schafft, alleine zu kochen, kann dieses ganz persönliche Rezeptheft dazu dienen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Erinnerungen zu wecken.

Wenn die Krankheit weiter voranschreitet, wird es nötig sein, beim Kochen zu vereinfachen. Signalisieren Sie Ihrer Oma, dass es in Ordnung ist, wenn sie keine komplizierten Gerichte kocht. Kartoffeln und Gemüse, einfach zubereitet, schmecken auch sehr lecker und sind gesund. Behalten Sie im Blick, was Ihre Oma noch alleine kann – das sollte sie auch solange wie möglich tun. Wenn Sie jedoch merken, dass sie überfordert ist, schauen Sie, welche Unterstützung jeweils nötig ist. Zum Beispiel indem man gemeinsam kocht und ihr kleine Aufgaben gibt wie Kartoffeln schälen, Gemüse schnippeln, etwas verrühren etc. – den Überblick und die Verantwortung für die Zubereitung übernimmt aber eine gesunde Person.

Wahrscheinlich werden Ihre Großeltern irgendwann doch auf Fertigprodukte zurückgreifen müssen. Zum Glück ist die Auswahl heutzutage recht groß – wenngleich meist nicht so lecker wie selbstgekocht!“

Laura Mey
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz