Aus: Alzheimer Info 2/18

Eine Anruferin wendet sich mit folgender Frage an das Alzheimer-Telefon: Meine Mutter hat eine Demenz. Nach einem Krankenhausaufenthalt kann sie nicht mehr allein wohnen. Deshalb bin ich auf der Suche nach einem guten Pflegeheim. Das ist sehr schwierig und ich frage mich: Woran erkenne ich ein gutes Heim?

„Einen guten Heimplatz zu finden ist keine einfache Aufgabe – vor allem wenn es schnell gehen muss. Es gibt zu wenig gute Heime für Menschen mit Demenz, das ist die traurige Realität. Aber es gibt natürlich Qualitätskriterien für die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz – und auch Einrichtungen, die sie erfüllen.

Heime, die sich mit dem Thema Demenz auseinandergesetzt haben und eine gute Versorgung von Betroffenen bieten, formulieren das in ihrem Konzept.  Das Konzept sollte Angehörigen zur Verfügung gestellt werden. Aussagen dazu findet man meistens bereits auf der Internetseite des Pflegeheims. Es gibt eine Reihe von Pflegekonzepten, die sich bei der Versorgung von Menschen mit Demenz bewährt haben. Dazu gehören Integrative Validation, Milieutherapie, Kinästhetik und Basale Stimulation. Wenn Einrichtungen angeben, nach diesen Konzepten zu arbeiten, ist das ein Anzeichen für gute Qualität.

Die Struktur einer Einrichtung spielt eine wichtige Rolle: Menschen mit Demenz sind besonders in kleineren Wohngruppen mit bis zu zwölf Bewohnerinnen und Bewohnern gut aufgehoben. Ein weiteres Qualitätskriterium ist ein sogenanntes Bezugspflegesystem.  Das bedeutet, dass für Ihre Mutter eine einzelne Pflegekraft (Bezugspflegekraft) in besonderem Maße zuständig ist. Sie hat die Belange Ihrer Mutter und deren Wohlbefinden im Blick. Regelmäßige Fallbesprechungen sind ebenfalls ein Merkmal guter Pflege. Die Qualität wird außerdem besser sein, wenn einige der Pflegekräfte eine gerontopsychiatrische Zusatzausbildung haben. Sie sind dann für die Versorgung von demenzkranken Menschen besonders geschult.

Viele Pflegeheime werben mit einem großen Angebot von Aktivitäten für ihre Bewohner. Achten Sie darauf, ob diese Angebote für Ihre Mutter tatsächlich geeignet sind. Gut ist es, wenn ein Pflegeheim regelmäßige Musiktherapie und Ergotherapie anbietet. Sie erhöhen das Wohlbefinden und können dazu beitragen, dass Fähigkeiten länger erhalten bleiben.

Für Menschen mit Demenz ist es besonders wichtig, dass ihre persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse beachtet werden und ihre biografischen Erfahrungen im Alltag Platz haben. So sollte es in einem guten Heim möglich sein, die gewohnte Tagesstruktur Ihrer Mutter aufrecht zu erhalten, ihr Zimmer individuell zu gestalten und wichtige Gewohnheiten und Rituale zu pflegen.

Wie ein Heim mit Unruhe oder schwierigen Verhaltensweisen umgeht, ist ein weiterer wichtiger Punkt. Eine gute Einrichtung wird sich bemühen, diese Verhaltensweisen zu akzeptieren und den Einsatz von beruhigenden Medikamenten oder Fixierungen zu vermeiden.

Für die meisten Menschen ist das Pflegeheim das letzte Zuhause in ihrem Leben. Ein Heim sollte deshalb ein Konzept für die Sterbebegleitung seiner Bewohner haben und die letzte Lebensphase bewusst gestalten. Auch hier sind Mitarbeitende mit einer Zusatzausbildung wichtig – in diesem Fall mit einer Ausbildung in palliativer Pflege.

Nicht alle diese Kriterien müssen für Ihre Mutter wichtig sein. Aber Sie können sie alle im Gespräch mit der Heimleitung zum Thema machen. An deren Reaktion werden Sie merken, ob Sie damit etwas ansprechen, das in der Einrichtung selbstverständlich ist – oder nicht. Fragen Sie danach, welche Leistungen die Pflegeversicherung übernimmt und welche Ihre Mutter selbst bezahlen muss. Das sollte die Heimleitung offen mit Ihnen besprechen.

Bei einem Besuch der Einrichtung können Sie sich einen eigenen Eindruck verschaffen. Besonders wichtig ist die Atmosphäre im Haus. Sie sollte lebendig und gleichzeitig gelassen sein. Ein gutes Heim zeichnet sich dadurch aus, dass die Bewohner möglichst wenig im Bett liegen, dass sie Zeit in den Gemeinschaftsräumen verbringen und dort auch von Pflegekräften betreut werden. Das können Sie gut erkennen, wenn Sie am späten Vormittag oder nachmittags zwischen vier und fünf Uhr zu Besuch kommen.

Letztlich ist am wichtigsten, dass das Heim gut zu Ihrer Mutter und ihrer individuellen Situation passt. Auch nach dem Einzug können noch Dinge ausgehandelt und angepasst werden. Wenn die Zeit drängt, müssen Sie vielleicht einen Kompromiss machen. Und wenn sich das Heim als unpassend herausstellt, können Sie immer noch mit mehr Ruhe eine Alternative finden.“

Ellen Nickel
Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz

 

 

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