Aus: Alzheimer Info 3/14

"Allianz für Menschen mit Demenz" - Erste Schritte zu einer Demenz-Strategie in Deutschland

Eine Demenz-Strategie beschreibt ein abgestimmtes Vorgehen der verschiedenen Akteure, um das Leben von Demenzkranken und ihren Angehörigen zu verbessern. Zur Korrektur von Schwachstellen und Lücken im Versorgungssystem werden klare Zuständigkeiten benannt, ein Budget zugewiesen, ein Zeitplan und Maßnahmen identifiziert und deren Ausführung beschlossen. Derartige Demenz-Strategien gibt es inzwischen in mehreren Ländern, beispielsweise in Frankreich und Großbritannien.

Im Oktober 2011 hat die Deutsche Alzheimer Gesellschaft auch für Deutschland einen nationalen Demenzplan gefordert. Dieser Aufruf fand Eingang in die Initiative „Allianz für Menschen mit Demenz“ der Bundesregierung. Leider fehlen dieser Initiative wichtige Bausteine, so dass sie nur einen ersten Schritt auf dem Weg zu einer deutschen Demenz-Strategie darstellt.

Wie ist die Allianz für Menschen mit Demenz entstanden?

Die „Allianz für Menschen mit Demenz“ ist als Teil der Demografie-Strategie der Bundesregierung entstanden, und zwar innerhalb des Handlungsfelds „Selbstbestimmtes Leben im Alter“. Die konstituierende Sitzung fand im September 2012 statt. Auf Einladung des Bundesgesundheits- und Bundesfamilienministeriums erklärten sich zwanzig Organisationen bereit, in dieser Allianz als Gestaltungspartner mitzuarbeiten. Dazu gehören Vertreterinnen und Vertreter der Betroffenen und der Angehörigen, gesellschaftlich Engagierte, forschende Einrichtungen, Pflegeverbände, Ärzteverbände, Anbieter ambulanter und stationärer Dienste, Leistungserbringer, Krankenkassen, Pflegekassen sowie Vertreter der Landesministerien für Gesundheit, Arbeit und Soziales und der kommunalen Spitzenverbände. Die Demografiestrategie fordert, dass die Betroffenen in den Prozess eingebunden werden sollen. Deshalb wurde die Deutsche Alzheimer Gesellschaft gebeten, den Ko-Vorsitz zu übernehmen.

Seit Anfang April 2014 liegt ein abgestimmtes Dokument vor, das in siebzehn Sitzungen erarbeitet wurde. Es soll Mitte September der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Das übergeordnete Ziel ist, die Lebensqualität und die gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Demenz nachhaltig zu verbessern. Das soll durch Aufklärung, verstärktes Verständnis und Sensibilität für die Erkrankung sowie durch Einflussnahme auf den Umgang mit dem Thema Demenz passieren. Man will der gesellschaftlichen Ausgrenzung entgegenwirken, den Menschen mit Demenz die Teilhabe an der Gesellschaft sichern, die vielfältigen Initi- ativen und Maßnahmen wirkungsvoll miteinander verknüpfen sowie ihre Wirksamkeit erhöhen.

Die Arbeit wurde in vier Handlungsfelder eingeteilt. Für jedes Handlungsfeld einigte man sich auf allgemeine Vereinbarungen, die von allen Allianzpartnern im Rahmen ihrer Aufgaben und Zielsetzungen ausgestaltet und unterstützt werden. Dazu kommen detaillierte Beiträge der einzelnen Partner, um in ihrem speziellen Umfeld die gemeinsamen Ziele zu verwirklichen.

Woran fehlt es bei der Allianz für Menschen mit Demenz?

Es gibt keine ministerienübergreifende Verantwortung und kein Gesamtbudget für die Durchführung dieses Plans. Die praktische Umsetzung erfolgt unter unterschiedlicher Trägerschaft und Verantwortung in den folgenden Jahren. Sie wird von der Geschäftsstelle der Allianz unterstützt. Es ist geplant, Anfang 2016 einen ersten Fortschrittsbericht vorzulegen. Bei diesem Vorgehen verpflichten sich die Gestaltungspartner, die von ihnen vorgeschlagenen Beiträge zu erfüllen. Dazu gehören auch die 500 Lokalen Allianzen als Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Dachverbände in ihren Gremien gegenüber ihren Mitgliedern durchsetzen können, um die zugesagten Maßnahmen umzusetzen.

Es ist eine große Herausforderung, die Implementierung und deren Auswirkungen zu verfolgen. Die Versorgung Demenzkranker ist nicht isoliert zu betrachten. Sie ist eingebettet in die Sozialgesetzgebung. Ohne eine Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffs, der eine Gleichstellung von somatischen und psychischen Ursachen für die Pflegebedürftigkeit gesetzlich verankert, wird es weiterhin eine unzureichende Begleitung und Pflege der Menschen mit Demenz geben.

Heike von Lützau-Hohlbein
1. Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, München