Aus: Alzheimer Info 3/10

Mit Humor und Demenz werden oftmals nur unsensible, herabwürdigende Witze über Vergesslichkeit und Fehlhandlungen der erkrankten Menschen verbunden. Doch das Lachen und der wertschätzende Humor gehören heute neben der Bewegung und der Musik zu den wichtigsten therapeutischen Mitteln einer guten Betreuung Demenzkranker. Das echte Lächeln und Lachen erzeugt Gefühle der Geborgenheit und stärkt zwischenmenschliche Beziehungen. Zudem mindert Lachen Stress, Depression und Ängste. Ebenso stärkt es das Immunsystem und das Selbstwertgefühl.

Wir sind alle von Zeit zu Zeit komisch, zum Vergnügen unserer Umgebung. Im Lachen sind wir alle gleich. Diese Momente der Gemeinsamkeit sind Augenblicke, in denen wir die Freiheit, die Befreiung suchen. Und in jedem Lachen, das wir auslösen, liegt die Hoffnung auf Verstehen und Verstandenwerden. Wenn man trotz aller Belastungen und Enttäuschungen bei der Betreuung auch komische Situationen erkennen und gemeinsam mit (und nicht über) den Betroffenen lachen kann, entlastet es beide Seiten. Sofort finden sich viele weitere Anlässe zum herzlichen Miteinander-Lachen.

Therapeutische Clowns (Klinik-Clowns) sind wichtige Unterstützer der Betroffenen, der Angehörigen und der professionellen Betreuer, sowohl im Krankenhaus als auch in Heimen. Clowns schaffen durch ihren „anderen“ Blick kostbare Momente der Überraschung inmitten des oftmals eingefahrenen Alltags. Sie zeigen Gefühle und wecken sie im Gegenüber. Dazu gehört auch das Weinen, das Sichverstandenfühlen im Traurigsein.

Der Clown verkörpert eine andere Sicht der Dinge. Er durchbricht anerkannte Regeln und Normen, indem er sie mit einem Lachen ad absurdum führt. Er ist das heitere Kind, das sich immer wieder über das Alltägliche wundern kann. Er lebt im Heute. Und in diesem völlig unbekannten Heute ist für ihn alles neu und gilt, mit unbändiger Lebensfreude entdeckt und bestaunt zu werden. Und gerade das bringt ihn in eine gute Verbindung mit demenziell erkrankten Menschen.

Der Clown nimmt sein Gegenüber so wie es ist, bei ihm darf man unlogisch sein. Der Clown weckt Ressourcen. Ihn interessiert nicht, was jemand nicht kann, sondern was möglich ist. Es geht darum zu erahnen, wo die Menschen ihre Ressourcen haben. Ein Clown darf anders sein. Er hat sich von der Vernunft verabschiedet und holt Demenzkranke da ab, wo sie sind. Manchmal ist es z. B. eine typische Bewegung der Erkrankten, auf die er dann eingeht.

Auch spiegelt der Clown gerne auf liebe- und respektvolle Weise, was er sieht und erlebt und schafft es so, dass auch andere von ihm lernen können oder mit ihm in Kontakt treten können, wenn sie es wollen. Und wenn er auch das eine oder andere Mal stolpert und scheinbar scheitert, so gibt er doch niemals auf. Er findet immer eine Lösung, und sei sie noch so grotesk und absurd – und genau das macht anderen Mut. Gegen Sorge und Ungewissheit setzen Clowns die Gewissheit des Lachens.

Dr. med. Petra Klapps
Fachärztin für Neurologie, Psychotherapeutin, Kommunikationstrainerin, Pantomime und Clown, Krankengymnastin

 

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