Aus: Alzheimer Info 1/14

Das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) in Berlin ist ein Krankenhaus der Regelversorgung mit über 620 Betten und Behandlungsplätzen in neun Fachabteilungen und drei Psychiatrischen bzw. Psychosomatischen Tageskliniken. Fast 800 Mitarbeiter versorgen vor allem Patienten aus dem Osten Berlins

Ausgangslage

Bis 2030 wird der Anteil der Patienten in chirurgischen Abteilungen, die 70 Jahre oder älter sind, voraussichtlich auf mehr als 70 % steigen. Demenz und Delir (akuter Verwirrtheitszustand, d. R.) als sogenannte „altersassoziierte Erkrankungen“ bestimmen häufig in viel höherem Maß den Behandlungs-
und Betreuungsaufwand als die Grunderkrankung selbst. Auf diese Herausforderungen sind bisher weder Ärzte noch Mitarbeiter des Pflegedienstes gut vorbereitet.

Studie über Demenz und Delir in der Chirurgie

Im Mai 2013 wurde ein pflegerisches Konzept mit dem Titel „Demenz – Delirpflege“ im KEH auf den Weg gebracht, das auf den Ergebnissen unserer postoperativen Delirstudie basiert, die 2011 und 2012 in der Chirurgie des Krankenhauses durchgeführt wurde. In diesem Zusammenhang wurden Ansätze von speziellen Betreuungskonzepten sowohl für demenziell erkrankte Menschen als auch für Menschen, die an Verwirrtheit aufgrund von Delirzuständen leiden, eingeführt. Es geht darum, die Behandlung an den jeweiligen Bedürfnissen zu orientieren. Die Abläufe sollen so gestaltet werden, dass sie bei den Patienten keine Angst auslösen.

Nachhaltige Therapiewirkung im Alltag

Bei fortschreitenden demenziellen Erkrankungen müssen psychosoziale Interventionen dauerhaft eingesetzt werden. Es gibt Hinweise dafür, dass Faktoren des Lebensstils (Ernährung, anregende Umgebung, Bewegung, geeignete Aktivitäten und Erlebnisse) den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können. Im Rahmen psychosozialer Interventionen erscheint es daher wichtig, individuelle, optimal an die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Kranken angepasste, „Alltagsentwürfe“ mit den Betroffenen zu planen. Diesen Ansatz verfolgt das Konzept der Selbsterhaltungstherapie (SET), das sowohl eine solche Anpassung der Alltagsgestaltung vorsieht als auch die betreuenden Angehörigen in die Behandlung integriert. Zur SET liegen Erfahrungen aus der Versorgungspraxis im Bereich der neurologischen Rehabilitation und Ergebnisse von mehreren Evaluationsstudien vor.

Des Weiteren wollen wir die Arbeit mit der Alzheimer Angehörigen Initiative (AAI) in Berlin intensivieren. Wir planen gemeinsame Schulungen für Angehörige, eine Angehörigengruppe und die Einbeziehung der AAI auf den somatischen Stationen, um die psychosoziale Betreuung der demenziell erkrankten Menschen wesentlich individueller gestalten zu können.

Eckehard Schlauß / Dr. Barbara Romero
Berlin