Aus: Alzheimer Info 3/07

Seit November 2005 habe ich mehrmals Drittklässler der Grundschule Stuttgart-Kaltental im Unterricht aufgesucht, um ihnen von der Alzheimer-Krankheit und dem Leben der Kranken im Heim zu erzählen sowie aus einer passenden Geschichte vorzulesen.

Danach habe ich mit einer Gruppe von jeweils sechs bis acht Schülern alle zwei Wochen nachmittags eine Dreiviertelstunde in Begleitung der Klassenlehrerin und interessierter Eltern das benachbarte Gradmann-Haus, ein Zentrum für Demenzkranke, besucht. Gemeinsam haben wir demenzkranke Heimbewohner mit Musizieren, Singen, Versvortrag, Malen, Basteln sowie Zuwerfen von Luftballons und Ballspielen erfreut. Dass gerade die Unbefangenheit und Spontaneität von Kindern bei den Kranken entspannend wirkt und Freude auslöst, hat sich dabei bestätigt.

Außerdem machen die Kinder bei ihren Besuchen wichtige soziale Lernerfahrungen, betont Dipl.-Psych. Günther Schwarz von der Alzheimer Beratung in Stuttgart. Das Projekt kann deshalb als Modell für andere Grundschulen und Pflegeheime gelten. Ich bin gerne bereit, alle Interessierten bei der Planung zu unterstützen.

Das Wichtigste bei dieser Altersstufe ist die ganz behutsame Hinführung zum Thema. "Auch wenn manche gar nicht mehr reden können, auch wenn manche nur noch bewegungslos dasitzen", sage ich den Kindern, "können sie doch Freundlichkeit spüren und sich innerlich wohl fühlen."

Aber auch auf ein Erschrecken habe ich sie vorbereitet, dass es nämlich Demenzkranke gibt, die verärgert reagieren, auch wenn sie freundlich angesprochen werden. "Das dürft ihr nie persönlich nehmen, und deshalb dürft ihr auch nicht mit ihnen schimpfen", so habe ich es den Kindern verständlich gemacht und hinzugefügt: "Sie haben einfach in ihrer eigenen Welt, dem "Anderland", manchmal Angst und fühlen sich dann bedroht."

Ich wünsche allen, die auch derartige Besuche von Drittklässlern bei Demenzkranken organisieren möchten, viel Freude bei diesem generationsübergreifenden Miteinander.

Wolfgang K. Strobel
Stuttgart