Aus: Alzheimer Info 4/17

Warum müssen Menschen schlafen? Diese Frage kann die Wissenschaft bis heute nicht eindeutig beantworten. Klar ist nur: Ohne Schlaf können wir nicht leben. Schlaf und Gedächtnis sind auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden. Während wir schlafen, werden in unserem Gehirn Informationen sortiert, ins Langzeitgedächtnis überführt oder gelöscht. Wer dauerhaft schlecht schläft, hat unter anderem eine geringere geistige Leistungsfähigkeit.

Der Schlafbedarf ist individuell unterschiedlich und sehr stark genetisch bedingt. Das gilt sowohl für die Uhrzeit, zu der wir gern schlafen gehen, als auch für die Dauer des Schlafes. Menschen können sich in einem gewissen Maße anpassen und zum Beispiel früh aufstehen, kürzer schlafen oder nachts arbeiten. Es ist aber wahrscheinlich nicht gesund, über einen längeren Zeitraum gegen die eigene innere Uhr zu leben.

Der Schlaf-Wach-Rhythmus wird über Hormone und sogenannte Transmittersubstanzen im Gehirn gesteuert. Das wichtigste Hormon ist Melatonin, das müde macht und erst bei Dunkelheit ausgeschüttet wird. Eine weitere wichtige Substanz ist Adenosin, das durch körperliche Aktivität entsteht. Deshalb spielen Licht und Dunkelheit bzw. Bewegung im Umgang mit Schlafstörungen eine wichtige Rolle.

Schlaf im Alter

Ältere Menschen schlafen kürzer, weniger tief und wachen häufiger auf. Der gesamte Schlaf-Wach-Rhythmus kann sich mit dem Alter verändern. Das liegt auch daran, dass ältere Menschen weniger stark auf äußere Zeitgeber wie Licht und Dunkelheit reagieren. Schlafstörungen gehören für viele Menschen zum Älterwerden dazu. Zwischen Demenz und Schlaf besteht ein enger und wechselseitiger Zusammenhang: Schlechter Schlaf begünstigt das Auftreten von Demenz, und Demenz führt zu schlechtem Schlaf.

Schlafstörungen erhöhen das Risiko für eine Demenz

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Schlafstörungen bei gesunden Erwachsenen mit einem erhöhten Risiko für Demenz verbunden sind. Eine häufige Form der Schlafstörung ist die Schlaf-Apnoe, meist eine Folgevon Übergewicht oder Veränderungen im Nasenrachenraum. Bei diesem Syndrom verschließt sich im Schlaf immer wieder kurzzeitig die obere Luftröhre und es entsteht ein Gefühl des Erstickens. Dadurch ist der Nachtschlaf weniger tief und erholsam. Atemstörungen während der Nacht sind mit einem 2- bis 6-fach erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und Demenz verbunden.

Schlafstörungen und Alzheimer-Demenz

Man kann davon ausgehen, dass Schlafstörungen eng mit der Ablagerung von Beta-Amyloid im Gehirn zusammenhängen. Diese Ablagerungen sind eine der Ursachen für die Alzheimer-Krankheit. Man weiß beispielsweise, dass Schlafentzug eine erhöhte Erregbarkeit von Nervenzellen hervorruft, die mit einer vermehrten Ablagerung von Beta-Amyloid einhergeht. Aber vor allem scheint der Schlaf für das Drainage-System im Gehirn wichtig zu sein. Durch dieses Drainage-System werden schädliche Stoffwechselprodukte entsorgt, die bei neurodegenerativen Krankheiten entstehen (z.B. Beta-Amyloid). Besonders aktiv ist das Drainage-System, wenn wir schlafen und schlechter Schlaf hemmt das System.

Demenz führt zu Schlafstörungen

Schlafstörungen begünstigen also offenbar Demenz. Gleichzeitig leiden Menschen mit Demenz sehr häufig unter Schlafstörungen, die über das hinausgehen, was im Alter üblich ist. Schlaf-Apnoe wird zum Beispiel bei bis zu 80 Prozent der Demenzkranken beobachtet, die Häufigkeit nimmt mit dem Schweregrad der Demenz zu. Typisch ist außerdem ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus, häufiges Einnicken tagsüber sowie Unruhe und Verhaltensstörungen gegen Abend (das sogenannte „Sundowning“).

Besonders für pflegende Angehörige sind diese Aspekte der Demenz oft eine große Belastung. Sie prägen den Tagesablauf und stören die Nachtruhe. Das führt dazu, dass Angehörige selbst schlechter schlafen, weniger leistungsfähig und zufrieden sind. Es gibt aber Möglichkeiten, einen gesunden Schlaf zu fördern, von denen die wichtigsten in diesem Heft angesprochen werden. Diese Möglichkeiten zu nutzen, lohnt sich für alle Beteiligten.

Astrid Lärm
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., Berlin
Prof. Dr. Alexander Kurz
Klinikum rechts der Isar, München