Aus: Alzheimer Info 2/15

Die meisten Menschen möchten zu Hause alt werden und sterben. Im Kreise ihrer Familie – ohne ins Pflegeheim oder ins Krankenhaus zu müssen. Tatsächlich sterben aber nur rund ein Viertel der Menschen in Deutschland zu Hause. Besonders wenn eine Demenz vorliegt, ist eine Pflege zu Hause bis zum Schluss nur selten möglich. Die Geschichte von Lisa Schmidt ist also eine Ausnahme, die nur durch den großen Einsatz ihrer Familie und einer örtlichen Tagespflegeeinrichtung möglich war.

Lisa Schmidt lebt in einem kleinen Dorf zwischen Bremen und Hamburg. Sie ist 82 Jahre alt und hat seit rund zehn Jahren eine Alzheimer-Demenz. Die Betreuung übernimmt zum großen Teil ihre Tochter Brigitte Schlobohm und deren Familie, die mit Lisa zusammen in einem Haus leben.

Betreuung zu Hause

In den ersten fünf Jahren der Demenz war die Betreuung zu Hause kein Problem. „Mein Mann Ulrich war als Rentner tagsüber zu Hause“, erzählt Brigitte Schlobohm. „So konnten wir alles was nötig war unter uns organisieren. Die Nachbarn wussten Bescheid und haben nach meiner Mutter geschaut, wenn sie unterwegs war.“

Nach etwa fünf Jahren war die Demenz so weit fortgeschritten, dass die Pflege zu Hause für Ulrich Schlobohm zu viel wurde. „Ich konnte und wollte nicht aufhören zu arbeiten“, meint Brigitte Schlobohm. „Zum Glück eröffnete Heike Schwabe zu diesem Zeitpunkt ihre Tagespflege. Meine Mutter gehörte zu den ersten Gästen und war vom ersten Tag an dabei.“

Entlastung durch Tagespflege

Lisa Schmidt ging fünf Tage die Woche von 8 bis 16 Uhr in die „Landpartie Tagespflege“ im 5 Kilometer entfernten Fintel. Davor und danach kümmerte sich die Familie um sie, die Wohnung wurde angepasst, die Dusche umgebaut und später ein Pflegebett angeschafft. „Wir hatten nie das Gefühl, dass sie in der Tagespflege fremd war“, sagt ihre Tochter, „sie hat sich immer gefreut, dort zu sein.“

Die Landpartie Tagespflege ist auf die Betreuung von Menschen mit Demenz eingestellt: „Wir beziehen sie ein und bieten ihnen einen strukturierten Tag mit passenden Angeboten“, sagt die Inhaberin, Heike Schwabe. Zu Beginn ihrer Erkrankung konnte Lisa Schmidt noch an vielen der Aktivitäten teilnehmen. Doch je weiter ihre Demenz voranschritt, desto mehr Ruhe brauchte sie. Sie sprach immer weniger, schlief immer mehr und bekam schließlich ihr eigenes Bett in einem ruhigen Raum. Das Team der Tagespflege versorgte sie dort.

„Meine Mutter war eigentlich schon lange kein Fall mehr für die Tagespflege“, meint Brigitte Schlobohm. Die Pflege dort war nur möglich, weil die Betreuung schon so lange bestand und die Zusammenarbeit zwischen ihr und der Tagespflege so gut war. Aber mit dieser Situation ist auch ein professionelles Dilemma verbunden: „Als Pflegefachkraft muss ich mich immer fragen, ob die Situation tatsächlich im Sinne des demenzkranken Menschen ist“, meint Heike Schwabe, „im Fall von Lisa mussten wir zum Beispiel immer abwägen, ob die acht schönen Stunden, die sie bei uns hatte, die anstrengenden Transporte rechtfertigen.“

Letzte Lebensphase in der Familie

Anfang März verschluckte sich Lisa Schmidt beim Abendessen schwer. Am nächsten Morgen konnte sie nicht mehr aufstehen. „Da wusste ich, dass es mit der Tagespflege vorbei ist“, sagt ihre Tochter. Seitdem ist Lisa Schmidt zu Hause. Ein ambulanter Dienst kommt um 10 Uhr, die Tochter kehrt um 13 Uhr von der Arbeit heim. Mit dem Essen ist es schwierig geworden und die Familie stellt sich auf den Abschied ein. Ihre Mutter in ein Pflegeheim zu geben, kommt für Brigitte Schlobohm aber nicht in Frage. „Meine Mutter war immer für uns da“, sagt sie, „ich möchte ihr das zurückgeben, was sie uns gegeben hat.“

Astrid Lärm
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz, Berlin