Aus: Alzheimer Info 2/19

Die Sprache ist ein wesentliches Element der Kommunikation. Durch sie teilen wir uns mit und drücken unsere Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse aus. Unsere Sprachentwicklung beginnt sehr früh: Schon als Babys können wir kurz nach der Geburt die Muttersprache identifizieren und reagieren auf die verschiedenen Sprachmelodien.

Durch eine Demenzerkrankung nimmt auch die Sprachkompetenz ab. Menschen mit Demenz fehlen häufig die Worte, um ihre Bedürfnisse und Wünsche zu formulieren. Eine erst später im Leben erlernte Sprache geht verloren und die Muttersprache wird immer wichtiger. Für Menschen mit Migrationshintergrund, die lange gut Deutsch gesprochen haben, bedeutet das, dass sie wieder in ihrer Muttersprache sprechen. Bei älteren Menschen, die in einer Regionalsprache wie dem Platt zuhause sind, kommt ihr Heimatdialekt wieder zum Vorschein. Erhalten bleibt die Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen, sowie die Erinnerung an Ereignisse und Momente, die bedeutsam und identitätsstiftend waren.

Menschen mit Demenz wollen teilhaben und eingebunden sein. Doch dabei sind sie auf Unterstützung von außen angewiesen, auf das Angesprochen- und Verstanden-Werden. Die Anerkennung der jeweiligen Kultur und die Verwendung der Muttersprache erleichtern den Zugang zu den Demenzkranken.

Die Muttersprache – vertraute Worte und Klänge – gibt ihnen ein Gefühl von „zu Hause“, und sie dient häufig auch als Türöffner in schwierigen Situationen. Dies zu wissen, ist bedeutsam für den Aufbau einer (Pflege-)Beziehung.

Langsam wächst bei professionell Pflegenden das Bewusstsein über die besondere Bedeutung der Muttersprache – auch für den Erhalt des Selbst- und Identitätsgefühls. Doch die Pflege durch muttersprachliches Personal wird nicht für alle Pflegebedürftigen realisierbar sein. Umso wichtiger ist es, dass sich Pflegekräfte im Rahmen der Bezugspflege kontinuierlich darum bemühen, einige Worte in der jeweiligen Muttersprache der zu Pflegenden zu erlernen. Durch den fortschreitenden Verlust der aktiven Sprache ist es für Menschen mit Demenz besonders wichtig, in der Sprache oder mit Ritualen und Gesten angesprochen zu werden, die sie in ihrer Kindheit erlernt haben und mit denen sie vertraut sind.

Helga Schneider-Schelte
DAlzG

Weitere Informationen:
www.demenz-und-migration.de