Aus: Alzheimer Info 3/13

Das Befinden und Verhalten eines jeden Menschen wird durch Merkmale seiner Umgebung beeinflusst. Wo wir zuhause sind, gestalten wir unser Umfeld nach eigenen Vorstellungen so, dass wir sicher, praktisch und gemütlich wohnen und leben können. Sind diese Anforderungen erfüllt, fühlen wir uns wohl und geborgen. Im fortgeschrittenen Lebensalter, insbesondere wenn körperliche oder psychische Beschwerden auftreten, nimmt die in den eigenen vier Wänden verbrachte Zeit zu. Deswegen gewinnt die Gestaltung des Wohnraums und des nahen Wohnumfeldes an Bedeutung. Besonders Menschen mit einer demenziellen Erkrankung reagieren auf ungünstige Umweltbedingungen sehr sensibel und sind schnell überfordert. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, den Wohnraum an die veränderten Bedürfnisse anzupassen.

Neben Orientierungsproblemen kann es bei Menschen, die von einer Demenz betroffen sind, auch zu Störungen der räumlichen Wahrnehmung kommen. Hinzu kommen oft altersbedingte Veränderungen der Sehschärfe oder der Farbempfindung. Sie können dazu führen, dass undeutlich Gesehenes nicht mehr richtig erkannt und interpretiert wird.

Um die Wahrnehmung und Orientierungsfähigkeit zu stützen, gilt als allgemeine Empfehlung, dass die Umgebung einfach zu verstehen sein soll und wichtige Orte, Ausstattungsobjekte und Gegenstände leicht erkennbar und immer am gleichen Platz sein müssen. Wenn Anpassungen durchgeführt werden, sollte der Fokus darauf gerichtet sein, die Erkennbarkeit durch eine kontrastreiche Gestaltung, eine angemessene Beleuchtung und vertraute Objekte oder Bilder zu erhöhen.

Es ist auch möglich, bei Räumen oder Schränken die Übersichtlichkeit zu verbessern, indem Türen entfernt oder durch Glastüren (z. B. bei Küchenschränken) ersetzt werden. Ebenso kann es hilfreich sein, an wichtigen Türen gut gestaltete Hinweise durch Abbildungen oder Beschriftung in Sichthöhe anzubringen.

Kräftige Farben

Ältere Menschen können satte, warme und hell leuchtende Farben wie Gelb und Orange gut erkennen. Diese werden in der Regel auch als angenehm empfunden. Kalte Pastelltöne sind hingegen kaum zu unterscheiden. Deutliche farbliche Kontraste unterstützen die Erkennbarkeit von Raumbegrenzungen (Boden / Wand) und Gegenständen wie zum Beispiel Geschirr, das sich farblich von der Tischoberfläche unterscheidet oder farbige Sanitärgegenstände, die sich gut von den weißen Wandfliesen abheben.

Allerdings ist bei der Farbgestaltung darauf zu achten, dass im Fußbodenbereich keine starken Farb- und Helligkeitskontraste auftreten, da diese fehlinterpretiert werden können (z. B. als Loch im Boden). Auch auf möglicherweise verwirrende Muster in Textilien oder Fußbodenbelägen sollte verzichtet werden.

Helle Beleuchtung

Eines der wichtigsten Gestaltungsmerkmale ist eine helle und schattenarme Beleuchtung. Um gut zu sehen, ist im Alter eine deutlich höhere Beleuchtungsstärke erforderlich als in jungen Jahren. Vor allem wichtige Wege, die häufig zurückgelegt werden müssen, sollten gut ausgeleuchtet sein, auch zur Vorbeugung gegen Stürze. Unter Umständen ist der Einsatz von Bewegungsmeldern zur Lichtsteuerung sinnvoll, damit nachts der Weg zur Toilette gut ausgeleuchtet ist und der oder die Betroffene nicht erst nach einem Schalter suchen muss. Es muss auch darauf geachtet werden, dass die Wege frei von Stolperfallen wie Elektrokabel, Bettvorleger oder Schirmständer sind.

Auf einfache Bedienbarkeit achten

Oft kommen ältere Menschen mit den modernen Gebrauchsgegenständen nicht mehr zurecht. Beispiele hierfür sind komplizierte Fernbedienungen für den Fernseher oder Telefone mit kleinen Tasten. Hier muss geprüft werden, ob diese durch einfacher zu bedienende Geräte ersetzt werden können. Maßnahmen zur Wohnungsanpassung Wenn die Entscheidung getroffen wurde, Maßnahmen zur Anpassung des Wohnraums durchzuführen (eine Förderung durch die Pflegeversicherung ist möglich), dann gilt es darauf zu achten, dass nicht zu viele Veränderungen auf einmal vorgenommen werden, da dies die Person mit Demenz überfordern kann.

Es ist auch nicht jede Maßnahme bei jedem Betroffenen gleichermaßen wirksam. Wenn sich eine Veränderung bewährt, ist aufgrund des Fortschreitens der Erkrankung nicht gewährleistet, dass sie eine dauerhafte Lösung darstellt. Bei allen Maßnahmen zur Wohnungsanpassung sollte man im Auge behalten, dass die eigenen vier Wände für ältere Menschen einen Ort darstellen, der über viele Jahre vertraut geworden ist, zu dem ein hohes Maß an emotionaler Verbundenheit besteht und der Wohlbefinden und Behaglichkeit vermittelt.

Beate Radzey
Demenz Support Stuttgart gGmbH