Aus: Alzheimer Info 3/15

Eine Demenz- Wohngemeinschaft aufzubauen erfordert viel Zeit, Fachwissen und Kapital. Für HäusleBauer ist diese Aufgabe eine Nummer zu groß. Gewerbliche Investoren winken ab und auch die Wohlfahrtsverbände halten sich zurück. Warum? Oft heißt es: Das Volumen ist zu gering und der Aufwand zu hoch. Auch wenn WGs für Demenzkranke als Ergänzung zu herkömmlichen Versorgungsformen propagiert werden, die Umsetzung in Bayern ist mühsam.

Deshalb sind wir einen anderen Weg gegangen. Wir haben Menschen gesucht, die für die Errichtung von Demenz-WGs ihr Spargeld nicht einer Bank, sondern einer Genossenschaft geben, die damit baut. Wir haben die MARO-Genossenschaft eG 2012 mit fünf Mitgliedern gegründet, die sich jeweils mit einer Einlage von 1.500 Euro beteiligen. Freiwillige zusätzliche Einlagen werden verzinst. Die Einlagen bilden das erforderliche Eigenkapital für den Kauf eines Grundstücks und den Bau der Wohnungen. So kann durch die Bündelung von kleinen Einlagen das für einen Neubau erforderliche Eigenkapital aufgebracht werden. Die Idee wurde regional gut angenommen.

Die MARO-Genossenschaft ist nach nicht einmal drei Jahren auf 250 Mitglieder mit gezeichneten Anteilen von 2,1 Millionen Euro angewachsen. Inzwischen wird das erste Projekt in Weilheim mit zwei Demenz-WGs mit 9 bzw. 10 Mietern errichtet. Der Einzug kann ab März 2016 erfolgen. Die Hälfte der WG-Plätze ist bereits vermietet. Trotz nicht ganz einfacher Startverhältnisse sind schon drei weitere oberbayerische Demenz-WGs in Planung.

Die Genossenschaft ist zwar ähnlich aufgebaut wie ein Verein, hat aber eine sehr genau geregelte Struktur, die eher einer Handels- oder Aktiengesellschaft entspricht. Die strengeren Auflagen, z.B. die Zugehörigkeit zu einem Genossenschaftsverband mit regelmäßigen Pflichtprüfungen von Wirtschaftsprüfern, kommen dem Schutz der Anleger zugute. Schwierigkeiten ergaben sich für uns bei der Finanzierung, da die Kreditgeber einer neugegründeten Genossenschaft, die vom Standard-Wohnungsbau abweichende Ziele verfolgt, skeptisch gegenüber standen und realistische Kreditbedingungen nur nach intensiver und sorgfältiger Vorbereitung zu beschaffen waren.

Dagegen stehen deutliche Vorteile. Jedes Mitglied einer Genossenschaft ist Teilhaber und Mit-Unternehmer, kann an Entscheidungen mitwirken und hat in den Versammlungen unabhängig von der Höhe der Einlage ein Stimmrecht. So können betroffene und an der Idee orientierte Menschen gemeinsam die Grundlagen für die Wohnversorgung von Demenzkranken gestalten und müssen nicht Vorstellungen akzeptieren, die nur von Wirtschaftsinteressen geprägt sind. Diese Idee hat auch das bayerische Ministerium überzeugt und dazu bewogen, drei Jahre lang die Entwicklung des ersten von der Genossenschaft getragenen Projektes mit jährlich etwa 50.000 Euro zu fördern.

Natürlich ist der Aufwand, der mit der Gründung einer Genossenschaft als WG-Träger verbunden ist, recht hoch, besonders, wenn damit nur ein einzelnes WG-Projekt verbunden ist. Wenn wir aber die Schaffung von Wohnraum für Demenzkranke nicht ausschließlich interessierten Pflegeanbietern, großen Wohlfahrtsverbänden oder kapitalstarken Unternehmen überlassen wollen, bietet sich die Genossenschaft als Alternative an.

Guntram Windels
Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel-Werdenfels e. V., Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzender MARO eG
www.maro-genossenschaft.de