Aus: Alzheimer Info 2/05

Erste Veränderungen im Verhalten meiner Mutter stellten wir kurz nach dem Tod meines Vaters im Sommer 2001 fest. Als dann schließlich die Diagnose der Demenzerkrankung gestellt wurde, begann für unsere Familie der bei allen Betroffenen bekannte Leidensweg:

Der Zustand meiner Mutter verschlimmerte sich rapide. Sie wohnte noch zu Hause, und wir konnten nur mit sehr viel Organisation ihr Leben regeln. Oft waren wir am Ende unserer physischen und psychischen Kräfte.

Als wir von der geplanten Einrichtung einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke durch Michael Ernst, den Leiter des Pflege & Aktiv Zentrums integritas, erfuhren, waren wir erleichtert.

Meine Mutter konnte am 1.12.2004 in die äußerst liebevoll gestaltete und gemütliche Wohnung ziehen. Ihr Zimmer wurde mit Möbeln eingerichtet, die sie von daheim mitbrachte, und mit ihren ganz persönlichen Bildern und lieb gewonnenen Gegenständen dekoriert. Auch die anderen fünf Zimmer waren bald belegt und es entwickelte sich schnell eine sehr nette, harmonische Gemeinschaft, ein echtes Zuhause für die Bewohner.

Um Einfluss auf das Geschehen in der Wohngemeinschaft zu nehmen und etwaige Bedenken aus dem Weg zu räumen, gründeten die Angehörigen der WG wenig später den Verein IG Leben und Wohnen mit Demenz e.V. Sein Motto lautet:
"Ich bin nicht für den großen Weg, die Dinge zu tun. Worauf es ankommt, ist der Einzelne."

Der Verein versteht sich als Kontrollorgan der Wohngemeinschaft mit dem Ziel, die Interessen der Bewohner in der 1. Mettmanner WG für Demenzkranke gegenüber Vermietern, Pflegediensten, Behörden usw. wahrzunehmen. Er organisiert die Wohngemeinschaft selbst, indem er Pflegedienst, Essen auf Rädern, Fußpflege etc. beauftragt und sowohl die Abläufe als auch die Tagesstruktur der WG vorgibt.

Etwa alle sechs Wochen findet ein Gespräch am "Runden Tisch" mit dem Verein und Michael Ernst von integritas statt, um die Wohngemeinschaft weiter zu optimieren oder z. B. Feiern, Ausflüge etc. zu planen.

Alle Bewohner der WG haben sich in den Monaten seit dem Einzug sehr positiv entwickelt. Meine Mutter z. B., die fast verstummt war, spricht wieder mehr. Das gut ausgebildete und sehr engagierte Personal geht liebevoll auf jeden Einzelnen mit seinen Stärken und Schwächen ein.

Mein Fazit nach einigen Monaten, in denen ich die Wohngemeinschaft aufs Engste miterlebt habe, kann nur positiv ausfallen: Ein gut etablierter, sich stark einbringender Pflegedienst auf der einen Seite und ein kontrollierender Verein, die in einem demokratischen Miteinander zusammenwirken, sind offensichtlich die optimale Lösung für eine funktionierende und zufrieden stellende Wohngemeinschaft.

Schließen möchte ich mit den Worten einer Bewohnerin der WG, die sich mit einer anderen Bewohnerin auf der Couch unterhielt. Sie erzählte, wie glücklich sie hier sei und beendete ihren Bericht mit dem Satz: "Hier gehe ich nie wieder weg!" Aufgrund der gemachten Erfahrungen möchte der Verein später bei Bedarf weitere Wohngemeinschaften in der Region initiieren.

Roswitha Klähn
Mettmann

Kontakt:

Roswitha Klähn
Verein IG Leben und Wohnen mit Demenz e.V.
Rotelsberg 10
40822 Mettmann