Aus: Alzheimer Info 2/15

Menschen mit Demenz sind häufig in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt oder bettlägerig. Die Bewegungseinschränkung kündigt sich meistens schon über längere Zeit an. Die Muskelspannung steigt im Fortschreiten der Erkrankung an und führt dazu, dass die Betroffenen immer größere Probleme haben, sich zu bewegen. Auf Grund der hohen Muskelspannung haben sie häufig auch starke Berührungsschmerzen und jede Bewegung wird zur Qual.

Hier kann man als Ergotherapeutin Linderung schaffen. Es geht um die Förderung der Körperwahrnehmung. Sich spüren senkt die Körperspannung und dadurch kann auch Angst vor Berührung und Bewegung vermindert werden.

Die Spürinformation kann man z.B. über die Hände geben. Die Hände haben eine ganz wichtige Funktion, aber im schweren Stadium schließen sich die Hände oft. Schon allein, wenn man vorsichtig die eigene Hand in die des schwerkranken Menschen legt, selbst wenn sie etwas geschlossen ist, spürt er sich. Er fühlt sich geborgen und die Verkrampfung in den Händen kann sich lösen.

Leichte Streichbewegungen über die Knöchel an der Hand helfen, die Finger wenigstens etwas zu öffnen. Leichter Druck auf die Handoberfläche gegen die Matratze gibt ebenso eine gute Information. Man kann den Körper an den Gelenken mit Sandsäckchen berühren, da schwere Gegenstände besser gespürt werden und die Gelenke die Information über die Stellung des Körpers im Raum geben. Dadurch wird die Körperstruktur wieder besser wahrgenommen, die in diesem Stadium verloren geht. Man kann über leichten Druck der eigenen Hände mit leichter Vibration auf die Gelenke des kranken Menschen gegen Widerstand wie z. B. gegen die Matratze oder den Körper das sich Spüren verbessern.

Es geht in der letzen Lebensphase bei einer Demenzerkrankung nicht darum, große motorische Übungen durchzuführen, sondern allein durch kleine passive Veränderungen des Körpers Bewegung zu erreichen. Durch das minimale Anheben der einen Seite des Beckens und der Gegenbewegung durch einen leichten Druck über die Vorderseite des Oberschenkels, ist eine Körperveränderung zu erreichen.

Der Mensch braucht Bewegung, so klein sie auch sein mag. In der letzten Lebensphase kann der kranke Mensch sich diese Informationen nicht mehr selbst holen und deshalb muss man sie ihm von außen ermöglichen, allerdings muss man sehr vorsichtig vorgehen und den kranken Menschen in seiner Mimik gut beobachten, um ihm keine weiteren Schmerzen zu bereiten.

Gudrun Schaade
Ergotherapeutin, Hamburg