Aus: Alzheimer Info 4/18

Das Projekt I-CARE forschte zu den Möglichkeiten individueller Aktivierung von Menschen mit Demenz unter Zuhilfenahme technischer Unterstützung. Auf einem tragbaren Tablet-PC wurden zum Beispiel individuelle Fotografien zur Biografie-Arbeit, Musikvideos zum Mitsingen und Ratespiele zu verschiedenen Interessensgebieten angeboten. Dabei nutzten die Projektteilnehmenden entweder zu zweit oder in Aktivierungsgruppen das I-CARE-Programm, welches neben der körperlich-geistigen Anregung auch die gesellschaftliche Teilhabe stärken sollte. I-CARE wurde zudem in einem Quartiersprojekt eingesetzt, um Potentiale nachbarschaftlicher Selbsthilfe zu aktivieren und die Sorgende Gemeinschaft zu stärken.

Die AWO Karlsruhe gemeinnützige GmbH koordinierte in dem, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten, Verbundprojekt I-CARE (Projektlaufzeit: 1. November 2015 bis 31. Oktober 2018) sechs weitere interdisziplinäre Projektpartner. Diese sind Anasoft Technology AG, das Institut für Gerontologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, sowie die Media4Care GmbH und die Topsystem Systemhaus GmbH, außerdem das Cognitive Systems Lab der Universität Bremen und die Videmo Intelligente Videoanalyse GmbH & Co. KG, die in enger Kooperation das Forschungsprojekt realisieren. Die bedarfsgerechte Begleitung und ausführliche Schulung durch die Projektverantwortlichen, sowie die besonders einfach bedienbare Benutzeroberfläche mit dem persönlich zugeschnittenen Empfehlungssystem des Programms sollten auch erkrankten Personen die Freude bei der Auseinandersetzung mit der neuen Technologie ermöglichen. Unter wissenschaftlicher Begleitung konnten die Einschätzungen und Wünsche aller Akteure direkt in die Entwicklung eingebunden werden. Nach drei Jahren dieser anwenderorientierten Weiterentwicklung des Tablet-Programms, der eingesetzten Materialien und der Informations-, wie auch Schulungskonzepte, werden nun erste Erkenntnisse veröffentlicht.

Ein zentraler Effekt der Nutzung des I-CARE-Programms war, dass Gelegenheiten zur Kommunikation auf Augenhöhe gefördert wurden und der (nicht immer verbale) Dialog durch Themenvorschläge des Tablets erleichtert werden konnte. Beobachtet wurde, dass die demenzerkrankten Teilnehmenden während der Sitzungen kommunikativer und aktiver wurden und ihre sozialen Kompetenzen gerade in den Aktivierungsgruppen besser zu Tage traten. Nach ersten Schulungen wurde das Tablet mit Unterstützung durch eine Begleitperson selbstständig genutzt, auch unabhängig von den Sitzungen, die Projektmitarbeitende begleiteten.

Auswirkungen der Aktivierung wurden zum Teil auch außerhalb der Nutzungszeit des Tablets beschrieben. So freuten sich die Teilnehmenden auf die regelmäßige Beschäftigung mit dem Aktivierungsprogramm und die damit verbundene Unterstützung bei der Kommunikation mit ihren Angehörigen. Zudem erinnerten sich einige betroffenen Personen an Eindrücke vergangener Aktivierungssitzungen. Den Begleitpersonen gelang durch die gemeinsame Beschäftigung mit I-CARE eine realistischere Einschätzung vorhandener Defizite, aber auch Potentiale der erkrankten Person.

Der I-CARE-Aktivierungskatalog wurde stetig weiterentwickelt. Dabei bewährte sich ein Angebot, welches sowohl alltägliche Themengebiete (z. B. Tiere, Jahreszeiten etc.), als auch lebensweltlich Bekanntes (z. B. Musik der 80er, zeithistorische Themen, Redewendungen etc.) sowie persönlich relevante Themen (z. B. zum Wohnort, eigene Hochzeit, Familienfotos etc.) aufbereitet. Eine individuell zugeschnittene Mischung aus Materialien zur Biografie- und Erinnerungsarbeit (z. B. Bilder, Videos, vorgetragene Texte) und interaktiven Aktivierungsinhalten (z.B. Sprachrätsel, Memory) wurde besonders gut angenommen. Dank der I-CARE Studienteilnehmenden wurden wertvolle Beobachtungen und Daten erhoben, mit denen die Aktivierung von Menschen mit Demenz in Zukunft besser untersucht und verstanden werden kann.

„Wir sind überzeugt, dass die Nutzung technischer Unterstützung zur Versorgung von Menschen mit Demenz große Potenziale birgt. Durch die Mitwirkung am Projekt I-CARE erhielten wir die Möglichkeit, diese Technologien nach den Wünschen der Anwender mitzugestalten“, sagt Clarissa Simon, Prokuristin der AWO Karlsruhe und I-CARE-Projektleitung. Die vielfältigen, positiven Rückmeldungen zum I-CARE-Programm stützten den Entschluss, die Nutzung des mit Hilfe unserer Projektteilnehmenden ausgearbeiteten Prototyps im Laufe der nächsten Monate auch für weitere Interessierte zu öffnen. Damit werden Menschen mit Demenz und geschulte Begleitpersonen aus dem Kreis der Angehörigen, ehrenamtlich Tätigen oder professionellen Betreuungskräfte das Aktivierungsprogramm auch zukünftig nutzen können.

Autorenschaft:
Jana Lohse, Somajeh Noheh-Khan
(AWO Karlsruhe gGmbH)
Dr. Felix Putze
(Cognitive Systems Lab der Uni Bremen)
Dr. Anamaria Depner
(Institut für Gerontologie der Uni Heidelberg)

Kontakt:
Jana Lohse
Tel: 0721 - 831 40 94
E-Mail: j.lohse[at]awo-karlsruhe.de

Internet:
www.awo-karlsruhe.de
www.projekt-i-care.de