Aus: Alzheimer Info 1/15

Anfragen nach einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung bekommt die Alzheimer Gesellschaft Ingolstadt sehr häufig. Pflegende Angehörige suchen nach einer Unterstützung und Entlastung im häuslichen Bereich.

Die Betreuung von Demenzkranken ist sehr anspruchsvoll und es ist für die Angehörigen wichtig, eine kontinuierliche Unterstützung zu erhalten. Zur Entlastung der Angehörigen kommen Frauen aus Polen, Rumänien, Tschechien, Bulgarien oder anderen südosteuropäischen Ländern. Häufig wissen sie wenig über Demenzerkrankungen und haben unzureichende deutsche Sprachkenntnissen.

Die sprachliche Barriere sowie das fehlende Wissen in Bezug auf den Umgang mit Demenzkranken führen häufig zu Belastungssituationen bei allen Beteiligten. Die Folge ist eine hohe Fluktuation von Haushaltshilfen, die wiederum mit erhöhtem Stress auf Seiten der Patienten verbunden ist, weil sie sich ständig an neue Personen gewöhnen müssen. Im Beratungskontext wird die Alzheimer Gesellschaft Ingolstadt mit derartigen Problemlagen sehr häufig konfrontiert.

Schulungskurs für polnische Haushälterinnen

Aus diesem Grund wurde 2010/2011 ein Schulungskurs für polnische Haushälterinnen in polnischer Sprache konzipiert und durchgeführt. Die Schulung wurde an vier Samstagen angeboten und umfasste insgesamt 24 Stunden. Eine Sitzung bestand aus sechs Unterrichtseinheiten. Insgesamt nahmen nur sieben Frauen an dem Kurs teil. Als Lerninhalte wurden vermittelt: Grundlagenwissen über Demenzerkrankungen, Kommunikation und Umgang mit Betroffenen sowie ressourcenorientierte Beschäftigung.

Die Gründe für die geringe Teilnahme sind unterschiedlich. Viele Haushaltshilfen haben ihren Einsatzort in ländlicher Umgebung, sie besitzen oft kein Auto und keinen Führerschein. Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht immer gegeben, das führt zur eingeschränkten Mobilität und verhindert die Teilnahme. Ein weiteres Problem bezieht sich auf die zeitlichen Ressourcen. Es kommt oft vor, dass die Haushaltshilfen alleine schwerstpflegebedürftige Demenzkranke betreuen und keine Vertretung haben. Die Folge ist, dass sie an keiner Weiterbildungsmaßnahme teilnehmen können.

Am Ende des Schulungskurses wurde eine Evaluation durchgeführt. Die Ergebnisse lieferten folgende Erkenntnisse: Die polnischen Haushälterinnen hätten die Schulung gern vor Beginn des Arbeitsverhältnisses absolviert. Sie waren der Meinung, dass mit dem neu erworbenen Wissen viele Probleme im Vorfeld vermieden werden könnten, z. B. hätten sie viel mehr Verständnis für bestimmte Situationen gezeigt.

Fortbildung ist wichtig

Die Vermittlungsagenturen bieten kaum Fortbildungsmaßnahmen für die osteuropäischen Haushaltshilfen zum Thema Demenz an. Eine Zukunftsvision ist jedoch, fachliches Wissen über Internetgestütztes Lernen zu vermitteln. Aus der wissenschaftlichen Studie von Prof. Dr. Barbara Städtler-Mach am Institut für Gerontologie und Ethik in Nürnberg mit dem Titel „Der Einsatz osteuropäischer Haushaltshilfen in Haushalten pflegebedürftiger Personen“ ist bekannt, dass eine Großzahl der Haushaltshilfen über einen Laptop am Arbeitsort verfügt. Über das Internet (Skype) kommunizieren sie täglich mit ihren Familien. Somit sind die technischen Voraussetzungen gegeben, um ein vernetztes Lernen zu ermöglichen.

Durch das vernetzte Lernen kann das notwendige Wissen vermittelt und damit die Betreuungsqualität verbessert werden. Das Lernen kann flexibel gestaltet werden und ist ortsungebunden. In der Muttersprache sind die Lerninhalte einfacher zu verstehen. Zudem zeigen die Frauen ein offenes Interesse und Bereitschaft zum Lernen.

Die Haushaltshilfen aus dem Osten sind heute nicht mehr wegzudenken. Aus diesem Grund sind Fortbildungsmaßnahmen für diese Zielgruppe unentbehrlich. Demenzkranke Menschen brauchen professionelle Haushälterinnen, und diese benötigen fachliches Wissen. Somit müssen eine gute fachliche Vorbereitung vor dem Einsatz, eine regelmäßige Teilnahme an Supervision sowie ein aktiver Austausch mit anderen Haushälterinnen gewährleistet sein.

Angehörige und Haushaltshilfen brauchen Beratung

Zur Vermittlung von osteuropäischen Haushaltshilfen gibt es eine Vielzahl von Agenturen, so dass die meisten Angehörigen rasch den Überblick verlieren. Bei der Suche wissen sie oft nicht, welche Agentur sie wählen sollen, wo sie diese finden können, worauf sie achten müssen und welche Kosten auf sie zukommen. Die Erfahrungen zeigen, dass die Angehörigen eine Anlaufstelle brauchen, bei der sie sich neutral und unverbindlich informieren können. Die Agenturen ihrerseits benötigen Richtlinien für die Auswahl der geeigneten Haushaltshilfen, die für Angehörige einsehbar sind.

Vor dem ersten Einsatz ist es empfehlenswert, dass die Angehörigen zusammen mit ihrer Haushaltshilfe eine Beratung durch Fachberater/innen in Anspruch nehmen. Im Beratungskontext können im Vorfeld Rahmenbedingungen und Erwartungen geklärt werden. Diese besondere Beratungsform (in polnischer Sprache) leistet die Alzheimer Gesellschaft Ingolstadt seit Jahren mit großem Erfolg.

Ewa Meier 
Alzheimer Gesellschaft Ingolstadt e.V.