Aus: Alzheimer Info 3/18

Die genauen Ursachen für Alzheimer und viele andere Demenzerkrankungen sind bis heute nicht geklärt. Wichtig sind deshalb Studien mit einer großen Zahl von Teilnehmerinnnen und Teilnehmern, die über einen langen Zeitraum viele verschiedene Faktoren beobachten. Die einzige Studie in dieser Detailtiefe in Deutschland ist die Rheinland-Studie, die 2016 am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn gestartet ist. Sie soll über mindestens drei Jahrzehnte laufen und in diesem Zeitraum bis zu 30.000 Menschen im Alter ab 30 Jahren in regelmäßigen Abständen untersuchen. Im Interview erklärt Studienleiterin Prof. Dr. Dr. Monique Breteler, welchen Beitrag die Studie zur Prävention von Demenz leisten will.

Alzheimer Info: Welche Art von Daten erheben Sie in der Rheinland-Studie und wie laufen die Untersuchungen ab?

Monique Breteler: Zur Zeit gibt es zwei Zentren in Bonn, in denen wir Untersuchungen durchführen. Die Teilnehmenden werden schriftlich eingeladen und können sich dann entscheiden, ob sie mitmachen möchten. Die Teilnahme ist freiwillig, aber wir hoffen, dass so viele Menschen wie möglich daran teilnehmen, da dies die Relevanz und Aussagekraft der Studie stark erhöht. Die Untersuchung dauert bis zu acht Stunden und umfasst unter anderem eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns, Aufnahmen der Netzhaut und Untersuchungen des Herz-Kreislauf-Systems. Wir nehmen Blut, untersuchen das Blutbild und viele andere Blutparameter. Daneben sammeln wir weitere Biomaterialien wie Urin, Stuhl und Haare. Wir testen außerdem die Kognition und Merkfähigkeit, die (Fein-)motorik und die Sinne. Zusätzlich befragen wie die Teilnehmenden zu Ernährung und Medikamenten. Zur Zeit läuft die erste Einladungsrunde noch und wir werten bereits die ersten 2.000 Datensätze aus.

Wie kann die Rheinland-Studie dabei helfen, die Prävention von Demenzerkrankungen zu verbessern?

Demenzerkrankungen entwickeln sich über mehrere Jahrzehnte. Lange bevor Symptome wie Gedächtnisstörungen auftreten, haben bereits körperliche Veränderungen stattgefunden. Deshalb untersuchen wir Menschen schon im Alter ab 30 Jahren. Wir wissen auch, dass Demenzerkrankungen aus einem komplexen Zusammenspiel von Ursachen entstehen. Weil wir sehr viele unterschiedliche Faktoren untersuchen, können wir hoffentlich Zusammenhänge nachweisen. Und wenn man herausfindet, welche Gruppen von Menschen besonders anfällig sind, kann man Strategien entwickeln, um einer Erkrankung vorzubeugen.

Die Forschung hat sich lange darauf konzentriert, ein Medikament gegen Alzheimer zu entwickeln. Es wäre schön, wenn es eine einzelne Wunderpille gäbe. Aber vermutlich sind die Ursachen für Alzheimer zu vielfältig. Damit ist aber auch Hoffnung verbunden, weil es bedeutet, dass man zur Prävention an verschiedenen Punkten ansetzen kann.

Welche Schwerpunkte setzen Sie bei der Analyse der Daten?

Besonders wichtig ist für uns das Thema Ernährung, Stoffwechsel und körperliche Aktivität. Es gibt hier bereits viele Hinweise auf einen Zusammenhang mit Demenzerkrankungen. Aber auch die Funktion des Immunsystems ist sehr interessant: Wir fragen uns, welchen Einfluss chronische Entzündungsprozesse im Körper auf das Gehirn haben. Wir wissen, dass das Gefäßssystem beteiligt ist, möchten aber besser verstehen wie und in welchem Maße genau. Wir vermuten auch, dass Erkrankungen der Sinnesorgane eine wichtige Rolle spielen. Es gibt eine wechselseitige Beziehung zwischen Sinnesimpulsen von außen und Störungen im Gehirn. Aber wir beschäftigen uns auch mit dem Thema Mikrobiom: Wir Menschen teilen unseren Körper mit Millionen von Bakterien, die einen großen Einfluss auf unseren Gesundheitszustand haben.

Wir werden regelmäßig von Menschen gefragt, wie sie es verhindern können, an Alzheimer zu erkranken. Was würden Sie auf diese Frage antworten?

Ich denke, dass es keine Garantie gibt. Manche Menschen leben sehr gesund und erkranken trotzdem an Alzheimer. Das bedeutet auch, dass nicht der einzelne Mensch dafür verantwortlich ist, ob er krank wird. Aber jeder hat einen Spielraum, die eigenen Chancen auf ein gesundes Älterwerden zu verbessern. Wir wissen, dass das Herz-Kreislauf-System für unser Gehirn sehr wichtig ist. Man sollte deshalb kardiovaskuläre Erkrankungen unbedingt behandeln lassen. Gut fürs Gehirn ist ein aktiver Lebensstil mit viel Bewegung und gesunder Ernährung. Auch soziale Kontakte und ausreichend Schlaf sind wichtig. All diese Dinge erhöhen die Lebensqualität und die Wahrscheinlichkeit, dass wir gesund altern. 

Wir danken für das Gespräch!

Kontakt:
Studienleitung Rheinland Studie, DZNE e.V.
Sigmund-Freud-Str. 27, 53127 Bonn
Email: kontakt[at]rheinland-studie.de
Tel: 02 28 - 433 02 900
www.rheinland-studie.de