Aus: Alzheimer Info 2/19

Die Alzheimer Gesellschaft München wurde 1986 als erste lokale Alzheimer Gesellschaft in Deutschland gegründet. In den letzten 33 Jahren gehörte neben der grundständigen Beratung von Menschen mit Demenz, Angehörigen und Fachkräften der Ausbau von Angeboten zur Unterstützung im Alltag zum Schwerpunkt unserer Arbeit. Uns war es schon immer ein wichtiges Anliegen, Menschen mit Demenz aktiv an unserer Arbeit zu beteiligen. Seit 2007 entwickeln Angehörige und Betroffene im frühen Stadium der Erkrankung gemeinsam mit Fachkräften ein spezielles Angebot mit dem Ziel, trotz der Erkrankung den eigenen Interessen weiterhin nachzugehen, Fähigkeiten zu erhalten, neue Anregungen zu geben, Spaß zu haben und am alltäglichen Leben teilzunehmen. Das Angebot wurde 2018 stark ausgebaut. Aktuell bieten wir regelmäßige Aktiviäten an drei Tagen in der Woche an. Dazu gehören kreative Angebote wie Kunst und Bewegung, Kochen und Musik, aber auch aktive Tätigkeiten wie Radfahren, Schwimmen und Wanderungen.

Im Rahmen dieser Angebote sprachen wir das Thema „Kommunikation“ mit den Teilnehmenden an und möchten die Kommentare der Betroffenen in diesem Heft teilen.

Was ist für Sie Kommunikation?

  • „Normale Gespräche gehören zur Kommunikation, dazu gehört die Alltagskommunikation. Zum Beispiel an der Kasse. Dort kann es zu Problemen und Missverständnissen kommen.“
  • „Ich bin in verschiedenen Gremien, dort geht es um komplexe Gespräche. Auch der Bereich der Mobilität gehört für mich zur Kommunikation, beispielsweise im Straßenverkehr mit anderen Verkehrsteilnehmern.“
  • „Wenn ich mit jemandem in Kontakt treten kann oder wenn jemand auf mich zukommt.“
  • „Am Telefon kann man mich anrufen und ich kann Kontakt zu meiner Familie haben. Alleine rufe ich nicht mehr an.“
  • „Ich sammle Informationen zu Themen, die mich interessieren. Dazu gehören für mich die technischen Hilfen. Im Internet kann ich vieles suchen und mir gezielt Informationen holen. Auch der Fernseher und Medien allgemein sind für mich eine Informationsquelle.“

Sehen Sie aufgrund der Demenzerkrankung Probleme in Bezug auf Kommunikation?

  • „In der Kommunikation gibt es immer wieder Probleme, da gibt es Befindlichkeiten, auf die man achten muss. Problematisch ist es auch, wenn jemand weiß, dass ich die Erkrankung habe. Auffälligkeiten, die ich habe, werden gleich auf die Krankheit geschoben, obwohl diese auch so da wären. ‚Du kannst das nicht, weil du krank bist!‘, ist ein Satz, den ich kenne.“
  • „Meine Frau denkt, sie muss für mich leiten und lenken, weil sie es so gelesen oder gelernt hat. Mir werden Dinge abgesprochen, die ich noch gut alleine machen kann – aber ich bin ja krank.“
  • „Wenn mich jemand neu kennenlernt, lernt er mich als Mensch kennen, erst im zweiten Schritt erzähle ich über meine Erkrankung. Jemand, der mich kurz kennenlernt, würde nicht auf die Idee kommen, dass ich Alzheimer habe. Die Person ist dann eher erstaunt, wenn ich darüber berichte. Hier sind dann weniger Vorurteile, weil er mich erst anders kennengelernt hat.“
  • „Ich möchte etwas sagen … schon wieder Worte weg … das macht mich sehr traurig.“

Hat sich aufgrund der Erkrankung etwas verändert?

  • „Ich hatte schon immer wenige Kontakte, da hat sich nichts geändert, dafür fahre ich viel mit dem Fahrrad.“
  • „Ich gehe bald wieder hin zu meiner Osteopathie, auch da kamen die Fragen, ob sich was verändert hat. Ich habe kein anderes Gefühl als vorher.“
  • „Das habe ich schon immer mal wieder, dass ich Wörter nicht finde. Ich werde dann eben stumm und ziehe mich zurück.“
  • „Ich habe immer gesagt, was ich denke. Das tu ich immer noch, spreche aber nicht mehr so viel wie früher.“
  • „Ich telefoniere weniger als früher. Menschen, mit denen ich oft gesprochen habe, sind nur noch selten da. Die Umgebung zieht sich zurück. Am besten, ich sage es vielen nicht. Ich habe den Fehler gemacht und es gibt nun keinen Kontakt mehr.“
  • „Ich habe unseren besten Freunden erzählt, dass ich an Demenz erkrankt bin und habe sie zu uns eingeladen. Alles schön vorbereitet mit Kaffee und Kuchen. Sie haben dann nur über sich geredet! Die Demenz hat sie nicht interessiert. Ich war dann so sauer und habe sie weggeschickt.“
  • „Ich möchte nicht so viel über meine Krankheit sprechen, ziehe mich eher zurück und bin nicht so kontaktfreudig. Zu den aktiven Treffen komme ich gerne. Die tun mir und meinem Mann gut. Das sind unsere sozialen Treffpunkte.“
  • „Durch die Erkrankung bin ich weniger selbstständig. Zum Beispiel beim Einkaufen und Kochen. Früher habe ich alles gemacht. Nun macht es mein Mann und ich helfe und bin dabei. Wenn mir mehr abgenommen wird, habe ich auch weniger Kontakte. Mein Mann hat das Geld und kümmert sich. Ich muss nicht mehr viel tun. Früher habe ich viel gelesen, dass fällt mir schwer, aber ich gehe mit dem Hund spazieren.“
  • Ein Angehöriger beteiligt sich am Gespräch und sagt: „Ich habe mich aufgrund der Krankheit meiner Frau stark verändert. Nicht nur gegenüber meiner Frau, sondern auch allgemein bin ich viel sensibler geworden. Ich habe mich auf die Situation eingelassen und habe für mich Geduld gelernt, die ich früher nicht so hatte.“

Haben Sie einen Wunsch an die Leser des Alzheimer Info?

  • „Man soll mit mir offen und klar reden. Wenn sich Dinge verändern, wünsche ich mir mehr Verständnis und Geduld.“
  • „Eine Beratung ist sehr wichtig und viele weiterführende Informationen, um damit umgehen zu können. Unsere Austauschgruppe ist sehr hilfreich, ich treffe neue Leute, kann mich gut unterhalten und Spaß haben.“
  • „Ich will so lange es geht mit dabeibleiben, auch wenn das Sprechen nicht geht wie ich will.“

Die Fragen stellte
Tobias Bartschinski
Alzheimer Gesellschaft München e.V.