Aus: Alzheimer Info 1/19

Spätestens wenn das Gedächtnis schlechter wird, der Körper nicht mehr mitspielt und sich Krankheiten ausbreiten, geht ein Blick in Richtung Ernährung. Denn was und wie viel ein Mensch isst und trinkt, steht im Zusammenhang mit den sogenannten Zivilisationskrankheiten. Diese zu verstehen und ihnen vorzubeugen, ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen im Bereich Gesundheit.

Einiges über die Zivilisationskrankheiten ist im Detail noch unklar: Wie genau Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Ernährung beeinflusst werden oder ihnen vorgebeugt werden kann, damit beschäftigen sich die Forschergruppen und Partner der „Kompetenzcluster der Ernährungsforschung“, die seit 2015 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert werden. Mit der Förderung soll die Ernährungsforschung in Deutschland weiter strukturell gestärkt, ihre interdisziplinäre Ausrichtung und internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden.

Geforscht und entwickelt wird dabei an Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in Wirtschaftsunternehmen. Die Wissenschaftler nehmen unterschiedliche Aspekte rund um das Thema Ernährung in den Blick: Sie möchten dem Zusammenspiel zwischen Ernährung und Gesundheit auf den Grund gehen und die Kenntnisse darüber vertiefen, um die Entstehung von ernährungsmitbedingten Krankheiten im Vorfeld zu vermeiden. Zudem entwickeln sie Strategien für eine gesündere Ernährung, die im Alltag praktisch durchführbar sind. So wird beispielsweise der Umgang mit bestehenden Informationsmaterialien überprüft, zum Beispiel die Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die ebenfalls Partner der Kompetenzcluster ist. Zum anderen werden Apps entwickelt und optimiert, mit denen unter anderem der Lebensmittelverzehr im Alltag dokumentiert oder durch gesündere Alternativen ersetzt werden kann. Auch neue Produkte werden gemeinsam mit Unternehmen der Ernährungsindustrie entwickelt, damit gesundheitsförderliche Lebensmittel auf den Esstisch kommen.

Die Kompetenzcluster sind regional verankert in den Großräumen Bonn, Potsdam/Berlin, Jena/Halle/Leipzig und München. Zwischen den Wissenschaftlern findet aber ein reger Austausch über Universitäts-, Städte-, und Landesgrenzen hinweg statt. Interessant ist, dass nicht nur Ernährungswissenschaftler beteiligt sind, sondern auch Mediziner, Neuroökonomen, Psychologen, Epidemiologen, Sozialwissenschaftler, Kommunikationswissenschaftler, Didaktiker oder Informatiker, was eine interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie großangelegte Interventions- und Kohortenstudien ermöglicht. Austauschen können sich alle Beteiligten bei regelmäßigen Kongressen, Workshops oder Summer Schools.

Die Kompetenzcluster der Ernährungsforschung im Detail

Der in den Ländern Berlin und Brandenburg angesiedelte Kompetenzcluster NutriAct mit über dreißig Forschungseinrichtungen und Unternehmen untersucht Ernährungsstrategien für die Generation 50 plus, die ein gesundes und vitales Altern unterstützen. Das Risiko von Zivilisationskrankheiten erhöht sich mit zunehmendem Alter. Clustersprecher ist Prof. Dr. Tilman Grune, wissenschaftlicher Vorstand am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).

Die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Ernährung erforscht der Kompetenzcluster nutriCARD. Fast die Hälfte aller Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ernährungsmitbedingt und somit vermeidbar. An den Universitäten Halle, Jena und Leipzig erforschen deshalb rund vierzig Wissenschaftler sowie achtzig Praxispartner Mechanismen ernährungs- und altersbedingter Erkrankungen. Clustersprecher ist Prof. Dr. Stefan Lorkowski vom Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Dem Zusammenhang zwischen Ernährung und neurodegenerativen Krankheiten wie Demenz geht der Kompetenzcluster Diet-Body-Brain, kurz DietBB, auf den Grund. Ernährung und Lebensstil können die Entwicklung und den späteren Abbau kognitiver Fähigkeiten beeinflussen. Aufgabe des in Bonn angesiedelten Forschungsnetzwerks ist es, ernährungsbedingte Risikofaktoren auf Basis von epidemiologischen Studien zu identifizieren. Clustersprecherin ist Prof. Dr. Ute Nöthlings vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften mit dem Schwerpunkt Ernährungsepidemiologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Der Kompetenzcluster enable in Freising erforscht Strategien für eine gesundheitsfördernde Ernährung der Menschen in allen Lebensphasen, von der Schwangerschaft und frühen Kindheit über das Jugend- und Erwachsenen- bis hin zum Seniorenalter. In Kooperation mit rund vierzig Partnern aus Forschungseinrichtungen und Lebensmittelindustrie sollen speziell Fertiggerichte in ihrer Zusammensetzung verbessert werden. Clustersprecher ist Prof. Dr. Hans Hauner vom Institut für Ernährungsmedizin am Klinikum rechts der Isar sowie Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München.

Ariadne Thanos
Kommunikation Kompetenzcluster der Ernährungsforschung
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)
www.dge.de

Internet:
Weitere Informationen zu den aktuellen Forschungsstudien
www.diet-body-brain.de

www.enable-cluster.de

www.nutriact.de

www.nutricard.de