Aus: Alzheimer Info 2/05

Zur Geschichte der Farbtherapie

Die Farbtherapie ist eine alte Behandlungsmethode, die schon im alten Ägypten und in China angewandt wurde. Nach ihrer Wiederentdeckung in der Moderne setzen heute auch Schulmediziner Farben ein: Blau beispielsweise zur Verengung der Blutgefäße, Rot zur Durchblutungsförderung.

Als wegweisend für die moderne Farbtherapie wird der Engländer Theo Gimbel beschrieben, der z.B. die beruhigende Wirkung der Farbe Blau auf große Menschenmengen feststellte und mit farbig gestrichenen Räumen experimentierte.

Anwendung in unserer Einrichtung

Unser Haus ist eine Einrichtung, die sich auf die Pflege, Betreuung und Förderung demenziell erkrankter Menschen im mittleren bis schweren Stadium der Demenz spezialisiert hat. Im vollstationären Bereich pflegen, betreuen und fördern wir 67 Bewohnerinnen und Bewohner. Hinzu kommen ein Kurzzeitpflegeplatz, sieben Tages- und drei Nachtpflegeplätze. Wir arbeiten mit einer besonderen Dementenbetreuung, die sich am gerontopsychiatrischen Case Management und dem personenzentrierten Ansatz nach Tom Kitwood orientiert. Gepflegt wird in Form der Bereichs-/ Bezugspflege. Die Kommunikation mit den Bewohnerinnen und Bewohnern orientiert sich an der Validation nach Naomi Feil und der integrativen Validation nach Richards. Die Soziale Betreuung setzt z.B. Aroma- und Farbtherapie, Snoezelen und Biographiearbeit ein.

Unser Ziel bei der Farbtherapie ist es, einige Symptome der Demenz oder der Begleiterkrankungen zu lindern. Dadurch können z.B. Schmerzen und Fixierungen vermieden und das allgemeine Wohlbefinden gesteigert werden. Insbesondere wenden wir die Farbtherapie an bei Schlafstörungen, Depressionen, Schmerzen, Hauterkrankungen, Ängsten, Appetitlosigkeit, Erschöpfungszuständen u.v.m.

Rahmenbedingungen

Im Rahmen der Farbtherapie wird der Bewohner zweimal wöchentlich jeweils 5 und 20 Minuten mit farbigem Licht angestrahlt, das entsprechend seiner Erkrankung ausgewählt wird. Der Abstand zur Lampe beträgt dabei 40 - 60 cm. Der Ablauf wird anhand von Beobachtungsbögen dokumentiert. Die Farbbestrahlung findet für den Einzelnen immer dienstags und freitags jeweils ungefähr zur gleichen Zeit statt, und zwar im vertrauten Umfeld des Bewohnerzimmers. Es gibt keinerlei Ablenkungen wie Musik, Vorlesen oder Düfte. Mit Hilfe eines Türschildes werden Störungen vermieden.

Evaluation

Sicherlich ist es auch aufgrund des Krankheitsbildes schwierig, einen direkten Nachweis für die Wirksamkeit der Farbtherapie zu führen. Nicht jeder Bewohner und jede Indikation sprechen gleichermaßen auf die Farben an. Dennoch beobachten wir, dass es allen Bewohnern nach der Behandlung wesentlich besser geht und sie sich augenscheinlich wohler fühlen als vorher. Bei einigen Bewohnern sind wir von der Wirksamkeit völlig überzeugt.

Wichtig sind die Regelmäßigkeit der Anwendung, die genaue Beobachtung und das Dokumentieren von Veränderungen. Ein Versuch mit der Farbtherapie lohnt sich unseren Erfahrungen nach allemal.

Dieter Käufer
Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt, Wolfratshausen