Aus: Alzheimer Info 4/13

Im Zusammenhang mit Demenzerkrankungen ist medizinische, pflegerische und soziale Beratung von großer Bedeutung. Dennoch gibt es immer wieder Familiensysteme, in denen darüber hinaus Mediation erforderlich wird.

Mediation ist ein Verfahren zur Konfliktbeilegung, das z. B. häufig vor gerichtlichen Ehescheidungen genutzt wird, um eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden. Der Mediator führt ein klärendes Gespräch gemeinsam mit allen Beteiligten, in dem er durch geeignete Fragen die Sichtweisen aller Gesprächspartner zu verstehen versucht. So kann das gegenseitige Verständnis wachsen, und der erste Schritt zu neuen Lösungswegen ist geebnet. So stimmen z. B. Geschwister die persönlichen Vorstellungen untereinander ab, so dass eine gemeinsame Vorstellung von Organisation, Verhalten und Pflichten entstehen kann. Oder es wird gemeinsam mit dem Erkrankten und den Helfern vereinbart, wie Rollen und Verantwortlichkeiten verteilt werden sollen.

Nicht nur die Erkrankung eines Familienmitglieds selbst kann zu Konflikten führen, oft brechen in dieser Situation auch schon lange bestehende Konflikte innerhalb der Familie auf. Bemühen sich mehrere Angehörige (und professionelle Helfer) um das erkrankte Familienmitglied, unterscheiden sich deren Vorstellungen regelmäßig. Unterschiedliche Werte, Überzeugungen und Erfahrungen sind Gründe hierfür. Typischerweise ist jeder Einzelne überzeugt, zu wissen, was „richtig“ ist.

Es gibt aber kein allgemeingültiges „richtig“ und „gut“ im Zusammenhang mit dem Krankheitsbild. Natürlich kann man sich auf medizinische und pflegerische Normen und Erfahrungswerte stützen, daneben sind aber auch Persönlichkeit und Wünsche des Erkrankten zu beachten, ebenso wie die Möglichkeiten der Helfer. Aus der Vielzahl unterschiedlicher Optionen muss ein Weg gefunden werden, der den Vorstellungen aller entgegenkommt. Gegen den Willen eines Beteiligten lässt sich keine dauerhafte Lösung durchsetzen. Das Besondere im Zusammenhang mit Demenz ist, dass auch „für“ jemanden entschieden werden muss.

Der Mediator ermöglicht ein Familiengespräch, bei dem die Gesprächspartner auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Er versucht zu erreichen, dass die gemeinsame Unterstützungsaufgabe nicht durch Konflikte behindert wird. In vielen Familien stören eingespielte Muster und Rollen die Suche nach einer einvernehmlichen Entscheidung. Diese Muster können in der Mediation offengelegt und gemeinsam bearbeitet werden. Dies führt häufig zu einer überraschenden Klärung.

Durch Mediation können rationale Überlegungen und emotionale Betroffenheit gleichermaßen berücksichtigt werden. Das zentrale Thema (z. B. die weitere Versorgung eines pflegebedürftigen Familienmitglieds) wird nie verlassen. Eine Mediation endet mit Vereinbarungen, verbindlichen Absprachen und der Verteilung von Aufgaben. Dabei werden die unterschiedlichen Bereitschaften, Fähigkeiten und Möglichkeiten berücksichtigt. Das Ergebnis entwickelt sich aus den unterschiedlichen Vorstellungen der Gesprächspartner.

Die Kosten für eine Stunde Mediation liegen bei 80 bis 100 Euro und werden bisher leider nur in Ausnahmefällen von den Pflegekassen übernommen.

Dr. med. Heinz Pilartz
Forum M, Institut für Medizin, Mediation und mehr…