Aus: Alzheimer Info 4/03

Das Interventionsprojekt MIDEMAS

Sind Pflegeheime überhaupt in der Lage, die Herausforderungen zu bewältigen, die eine qualitätsvolle Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz an sie heranträgt? Hier werden immer wieder Zweifel geäußert. Für die stationäre Versorgung von Menschen mit Demenz hat das Interventionsprojekt Milieutherapeutische DEmenzwohngruppen MAnnheim-Stuttgart (MIDEMAS) (Laufzeit: Mai 2000 - Juli 2003) jetzt den Nachweis angetreten, dass Einrichtungen sehr wohl in der Lage sind, dringend notwendige bauliche und konzeptionelle Veränderungen im Normalbetrieb und ohne zusätzliche Projektmittel für mehr Personal vorzunehmen.

In sechs herkömmlichen Pflegeheimen hat ein Teil des Personals trotz bestehender Arbeitsbelastungen die Einführung von milieutherapeutisch orientierten Demenz-Wohngruppen gemeistert und sich im Rahmen einer hausinternen Weiterbildung das notwendige Wissen und Know-how für eine qualitätsvolle Betreuung von Menschen mit Demenz angeeignet.

In Wohngruppen kann besser auf die Bedürfnisse der Erkrankten eingegangen werden

MIDEMAS hat unter Beweis gestellt, dass milieutherapeutisch orientierte Demenz-Wohngruppen einen Zugewinn an Lebensqualität und Wohlbefinden für Menschen mit Demenz bringen können. Möglich wird dies durch entsprechende Milieugestaltung und bauliche Anpassungen, die auch die demenzbedingten Handicaps der Bewohner abfedern, durch am häuslichen Alltag orientierte Abläufe wie etwa gemeinsame Mahlzeiten und die in einer Kleingruppe mögliche höhere Toleranz gegenüber krankheitsbedingten Verhaltensweisen.

Doch all dies genügt noch nicht, um die Lebensqualität des Einzelnen seinen besonderen Bedürfnissen entsprechend zu verbessern. Will man die Schwierigkeit überwinden, dass Menschen mit Demenz ihre Wünsche oftmals nicht eindeutig äußern können, so eröffnet eine an der Individualbiografie orientierte Betreuung gute Chancen, einen Zugang zum Einzelnen zu finden und Pflegekräften ein wertschätzendes Verhalten zu erleichtern. Hierfür bietet die überschaubare Wohngruppe wesentlich bessere Bedingungen als ein relativ unübersichtlicher großer Pflegebereich.

Überwiegend positives Fazit des Projekts

Wie das Projekt unter Federführung von Sibylle Heeg (Demenz Support Stuttgart gGmbH) zeigt, kann man in sehr kurzer Zeit (ca. neun Monate) erfolgreich funktionierende Demenz-Wohngruppen einrichten. Dies ist in allen sechs beteiligten baden-württembergischen Einrichtungen gelungen; allerdings konnte der erforderliche höhere Personaleinsatz nur auf Kosten der übrigen Heimbereiche erreicht werden.

Im Urteil des Personals und der Angehörigen hat sich die Lebensqualität der Bewohner deutlich verbessert. Zusätzlich erhärtet wird dies auch durch die von der projektbeteiligten Arbeitsgruppe des Zentralinstituts in Mannheim erhobenen Daten. Sie belegen, dass im Hinblick auf psychiatrische Symptome und bei krankheitsbedingten "Verhaltensauffälligkeiten" (wie Halluzinationen, Wahn­ und Angstzustände, Schlafstörungen, Weglauftendenzen) signifikante Verbesserungen eingetreten sind. Hervorzuheben ist außerdem, dass sich die Qualität der Pflege und Betreuung deutlich verbessert hat, was durch ein demenzspezifisches Beobachtungsverfahren, das Dementia-Care-Mapping (DCM), nachgewiesen werden konnte.

Dr. Gabriele Kreutzner
Demenz Support Stuttgart

Tel: 07 11 - 997 87 14
E-Mail: redaktion[at]demenz-support.de