Aus: Alzheimer Info 4/11

In Wiesbaden lud das Forum Demenz zusammen mit den Dr.Horst-Schmidt-Kliniken zu der Fortbildungsveranstaltung "Menschen mit Demenz im Krankenhaus" ein. Ziel der Fachtagung war es, neue Erkenntnisse aus medizinischer und pflegerischer Sichtweise zum Thema Demenz im Krankenhaus einem interdisziplinären Fachpublikum vorzustellen.

Großes Interesse der 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden die medizinischen Vorträge der Klinikleiter: Prof. Dr. Gerhard Hamann sprach zu "Differentialdiagnose der Demenzerkrankungen" und Prof. Dr. Dieter F. Braus zu "Neues zu therapeutischen Optionen der Demenz". Das Projekt "Der alte Mensch im OP" der St. Franziskus-Hospital GmbH, Münster, stellte Dr. Simone Gurlit vor. Hier werden Demenzkranke rund um die Operation von zusätzlichem Fachpersonal betreut. Maria Mahlberg berichtete von dem Projekt Gerontopsychiatrischer Konsiliarund Liaisondienst der Bezirkskliniken Schwaben, Kaufbeuren.

Daneben präsentierten die vier Akutkrankenhäuser der Stadt Wiesbaden ihre regionalen Modelle im Umgang mit demenziell Erkrankten.

Als erstes stellte Stefan Boy das Konzept der Dr. Horst-Schmidt-Klinik zur pflegerischen Versorgung vor: fünf zusätzliche Stellen wurden geschaffen und entsprechendes Personal für das "Demenzteam" ausgebildet. Das Demenzteam kann von den Ärzten und der Pflege angefordert werden. Ein Mitarbeiter bleibt bei dem Patienten, begleitet ihn zu den einzelnen Untersuchungen und betreut ihn auch weiterhin auf der Station.

Dr. Klaus Weil vom Otto Fricke Krankenhaus erklärte das Konzept "Geriatrie Spezial". Besonderheit hierbei ist die architektonische Gestaltung mit separatem, ruhigem geschütztem Stationsbereich, der vom Restkrankenhaus abgegrenzt ist, und die Ausstattung mit Orientierungshilfen und einem "weichen" Sicherungssystem (optische Barrieren, akustische Sensoren). Hierbei wurden für die Patienten sowohl Rückzugsmöglichkeiten als auch Gemeinschaftsräume berücksichtigt. Diese Wohnmöglichkeiten führen zur Reduktion von Verhaltensstörungen und zu einer verbesserten Lebensqualität. Zusätzlich gibt es einen Demenz-Therapiegarten.

Dr. Tim Grabow, Vitos Klinik im Rheingau, KPP Eichberg, stellte die im Rheingau spezifische Situation der Bevölkerung vor: genereller Rückgang mit steigendem Anteil der über 60Jährigen (von 25% auf 45%) Das ist für die Zukunft eine besondere Herausforderung und die 20 Behandlungsplätze mit Überwachungszimmer im beschützenden Rahmen werden voraussichtlich künftig nicht mehr ausreichen.

Ein weiteres regionales Konzept stellte Dr. Wolfgang Knauf von der Asklepios Paulinen Klinik vor: die mobile geriatrische Rehabilitation. Hiermit ist es möglich, Menschen, die zu Hause leben und an Demenz erkrankt sind, bedarfsgerechte Therapien wie Physio-, Ergo- und Logotherapie zukommen zu lassen. Da alte Menschen häufig an mehreren Krankheiten leiden, können so alle medizinisch bedeutsamen Faktoren berücksichtigt werden. Leider stimmen die Krankenkassen der Finanzierung dieser Hilfen im häuslichen Bereich oft nur zögerlich oder gar nicht zu.

Im Schlussvortrag: "Die Schnittstelle Stationäre Pflege - Krankenhaus: Anforderungen aus der Sicht des Bewohners mit Demenz" griff Peter Kiel, Einrichtungsleiter EVIM Gemeinnützige Altenhilfe GmbH, wichtige ethische Fragen auf. Die Entscheidung für einen Aufenthalt im Krankenhaus muss mit dem Bewohner, Bezugsperson, Pflege, Ärzten abgestimmt werden. Zu bedenken ist, dass der Aufenthalt im Krankenhaus zu nicht vorhersehbaren Veränderungen im Zustand Demenzkranker führen kann. Bis zu 70% der über 70Jährigen erleben im Krankenhaus ein Delir. Deshalb sollte auf Narkosen und Benzodiazepine verzichtet werden, die die Unruhe postoperativ verstärken können. Eine frühzeitige, schnellstmögliche Rückkehr in die vertraute Umgebung mit anschließender ambulanter Rehabilitation ist anzustreben.

Monika Kaus
Alzheimer Gesellschaft Wiesbaden