Aus: Alzheimer Info 2/18

Die meisten Menschen mit Demenz werden lange Zeit zu Hause betreut und gepflegt. Das ist vor allem in der frühen Phase der Erkrankung eine gute Lösung. Wenn die Demenz fortschreitet, werden aber die Beaufsichtigung und Betreuung sehr viel aufwändiger. Oft kommen im Verlauf der Demenz noch andere Erkrankungen hinzu, die Pflege erfordern. Spätestens dann ziehen viele Betroffene in ein Pflegeheim um. Rund ein Drittel aller demenzkranken Menschen in Deutschland wird in Pflegeheimen versorgt (Statistisches Bundesamt 2015). Die meisten von ihnen sind im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung.

Umfragen, zum Beispiel der DAK-Pflegereport 2017, zeigen, dass Betroffene lieber zu Hause versorgt werden möchten. Dies geschieht häufig unter hoher Belastung der Angehörigen, die für ihre Pflegearbeit nicht bezahlt werden. Diese Situation wurde in den vergangenen Jahren politisch stark gefördert. „Ambulant vor stationär“ ist die pflegepolitische Maxime: Pflegebedürftige Menschen sollen so lange wie möglich ambulant zu Hause versorgt werden und – wenn überhaupt – erst spät in eine stationäre Pflegeeinrichtung ziehen. Das hat für Menschen mit Demenz aber auch Nachteile. Denn wer erst mit einer fortgeschrittenen Demenz ins Pflegeheim zieht, kann sich an die neue Lebenssituation schwerer gewöhnen. Pflegekräfte haben keine Möglichkeit, die Person ohne ihre Demenz kennen zu lernen und aus eigener Anschauung zu wissen, was ihr wichtig ist. Früher zogen auch schon relativ gesunde ältere Menschen ins „Altenheim“, einfach weil sie dort gut versorgt wurden und nicht einsam waren. Heute leben vor allem schwer pflegebedürftige Menschen in Heimen. Und der Anteil demenzkranker Menschen ist gestiegen: Rund 70 Prozent aller Heimbewohnerinnen und -bewohner haben kognitive Störungen und zeigen oft die damit einhergehenden schwierigen Verhaltensweisen. 

Unter anderem dadurch ist die Arbeitsbelastung für Pflegekräfte stark gestiegen. Hinzu kommen stetig wachsende bürokratische Anforderungen, mit denen die Qualität der Pflege gesichert werden soll. Das Paradoxe ist, dass Pflegekräfte dadurch viel weniger Zeit haben, das zu tun, was sie als Kern ihrer Arbeit verstehen: Für die Bewohner da zu sein und sie in Ruhe zu betreuen. Zusammen mit niedrigen Löhnen und fehlender gesellschaftlicher Anerkennung hat dies dazu geführt, dass zu wenig Menschen in diesem Beruf arbeiten wollen. Der aktuelle Fachkräftemangel in der Altenpflege sorgt in manchen Heimen für katastrophale Arbeitsbedingungen, Vernachlässigung und Pflegefehler. Menschen mit Demenz sind hier in besonderem Maße betroffen: Durch ihre Erkrankung sind sie darauf angewiesen, dass Pflegekräfte Zeit für sie haben. Damit es ihnen in einer stationären Einrichtung gut geht, brauchen sie eine angepasste Umgebung, aber vor allem gut geschultes Personal, viel Kontakt, Geduld und Anregung.

All dies ist seit mehr als 20 Jahren bekannt. Trotzdem wird vor allem die zeitintensive Betreuung von Menschen mit schwierigen Verhaltensweisen durch die Pflegeversicherung nicht ausreichend finanziert. Es gibt Einrichtungen, die auch unter den aktuellen widrigen Bedingungen eine hervorragende Pflege von Menschen mit Demenz leisten. Gleichzeitig gibt es zu viele Heime, die weit davon entfernt sind.

Der demografische Wandel wird dafür sorgen, dass sich diese Situation in den kommenden Jahren weiter verschärft: Es wird immer mehr ältere und pflegebedürftige Menschen geben und immer weniger junge Menschen, die bereit sind, sie zu pflegen. Unsere Gesellschaft muss dringend eine Lösung finden, die eine menschenwürdige Pflege im stationären Bereich garantiert.  

Astrid Lärm
DAlzG