Aus: Alzheimer Info 3/11

In der Bergischen Diakonie Aprath bei Wülfrath gibt es seit 17 Jahren ein generationsübergreifendes Musiktherapieprojekt. Hier treffen sich demenziell veränderte alte Menschen und Kinder aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie wöchentlich zum gemeinsamen Musizieren.

Warum kommen die Teilnehmer immer wieder so gerne in diese Gruppe? „Weil es mir einfach Freude bereitet, mit Kindern zu musizieren. Das habe ich früher mit meinen Kindern und Enkeln auch gemacht“, erklärt Frau W.
David freut sich, „weil ich merke, dass die alten Menschen gut finden, was ich mache.“

Die Begegnung von Großeltern- und Enkelgeneration im Rahmen dieses Musikprojektes bietet Elemente der herkömmlichen Großfamilie, wie Kinder sie kaum noch kennen und alte Menschen oftmals nicht mehr haben. Beide Generationen zeigen ein großes, ganz natürliches und spielerisches Bedürfnis, miteinander Musik zu machen und voneinander zu lernen. Junge Leute erfahren Volkslieder und Lieblingsschlager der Großelterngeneration, die erleben ihrerseits Pop- und andere Musikstile der Jugend. Jung und Alt teilen wesentliche Lebensthemen miteinander wie die Erfahrung, „krank bzw. anders zu sein“ oder „nicht mehr zu Hause, in der vertrauten Umgebung zu leben“.

Die Kinder können von der Lebenserfahrung und der Gelassenheit der alten Menschen profitieren, während sich die alten Menschen von der Lebendigkeit und Dynamik der Kinder anstecken und inspirieren lassen. Die Musik ist hierfür ein elementares Medium. Sie bildet einen Rahmen für vieles, was von den Kindern und den alten Menschen eingebracht und ausgedrückt werden will. Dabei stellt sich meist sehr schnell ein musikalisches Geben und Nehmen ein, das von einer freundlichen, zugewandten und stimmungsvollen Atmosphäre getragen wird.

Wesentlich für das Projekt ist es, die individuellen Fähigkeiten der jungen und der alten Menschen immer wieder in den Vordergrund zu stellen. So entsteht Raum für positives Selbsterleben. Erwachsene wie Kinder können in diesem Rahmen Seiten von sich zeigen und erleben, die sonst oft nicht zum Vorschein kommen.

Für dieses generationsübergreifende Musiktherapieprojekt erhielten die Musiktherapeut/innen Cornelia Hessenberg von der Bergischen Diakonie Aprath und Dr. Wolfgang Schmid vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Witten in diesem Jahr den FOPPAM Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e. V. Der mit 5.000 € dotierte Preis wurde am 11. Mai 2011 in Berlin verliehen.

Cornelia Hessenberg
Musiktherapeutin, Wülfrath