Aus: Alzheimer Info 1/15

Viele Demenzkranke und ihre Angehörigen möchten die pflegerische Versorgung zu Hause möglichst rund um die Uhr sichergestellt haben. Dafür wählen Familien häufig eine Betreuungskraft aus einem osteuropäischen Land. Meist handelt es sich bei diesen Arrangements um irreguläre Beschäftigungsverhältnisse, die über Bekannte und Verwandte zustande kommen.

In den letzten Jahren haben vereinzelt Einrichtungen von Wohlfahrtsorganisationen begonnen, Modelle für die reguläre Vermittlung und Beschäftigung von Betreuungskräften aus verschiedenen osteuropäischen Ländern in Pflegehaushalten zu entwickeln. Beispiele sind das Modell der Caritas „Caritas24 – zuhause gut betreut“ und das Projekt „Fair Care“ der Diakonie Württemberg. Hierfür arbeiten sie mit Wohlfahrtsorganisationen in unterschiedlichen osteuropäischen Ländern zusammen.

Insgesamt stellt das Beschäftigungsmodell der Wohlfahrtsorganisationen den Versuch dar, für die bislang irreguläre Arbeit von Migrant/innen in Pflegehaushalten eine legale Lösung zu entwickeln. Ihre Arbeitsverhältnisse sollen auf einem Arbeitsvertrag basieren und eine rechtliche Anerkennung erhalten.

Arbeitsvertragliche Besonderheit in diesem Modell ist, dass die Pflegehaushalte als Arbeitgeber auftreten und die Betreuungskräfte als Arbeitnehmer/innen beschäftigen. Die Höhe des Verdienstes orientiert sich am Tarif für Arbeitnehmer/innen in Privathaushalten, der je nach Bundesland zwischen ca. 1.400 € und 1.700 € monatlich liegt.

Für die Pflegehaushalte kommen zusätzlich Kosten für die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Beiträge zur Unfallversicherung und Pauschalen für die Begleitung und administrative Unterstützung durch die Wohlfahrtseinrichtung hinzu. Von diesen Kosten werden zum Teil Pauschalen für Unterkunft und Verpflegung abgezogen. Für die Betreuungskräfte gelten vertraglich grundlegende Arbeitsrechte, wie z. B. eine wöchentliche Maximalarbeitszeit von 38,5 bis 40 Arbeitsstunden.

Für ihren Einsatz im Privathaushalt werden die Betreuungskräfte im Herkunftsland in einem Kurs vorbereitet. Zu der Schulung gehört die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten in der Alltagshilfe, im Umgang mit Demenzkranken sowie von grundlegenden Deutschkenntnissen. Die Betreuungskräfte übernehmen dann in Deutschland im Privathaushalt außer hauswirtschaftlichen und betreuerischen Tätigkeiten auch grundpflegerische Aufgaben, etwa die hygienische Versorgung, die Unterstützung beim Essen, die Mobilisierung etc.

Das Beschäftigungsmodell ist an eine Sozialstation der Wohlfahrtsorganisationen angegliedert. Mitarbeiter/innen mit muttersprachlichen Kenntnissen koordinieren und begleiten das Beschäftigungsverhältnis. Die Koordinator/innen unterstützen beide Seiten, die Migrant/innen und die Angehörigen dabei, Formalitäten und Verwaltungsaufgaben zu erledigen.

Auch dieses Modell steht vor typischen Herausforderungen der Beschäftigung von Betreuungskräften in Privathaushalten. Dies betrifft insbesondere die Arbeitszeiten. In den Modellen wird darauf geachtet, dass die Betreuungskräfte mehrere Stunden am Tag zur freien Verfügung haben und einen Tag in der Woche frei bekommen. Vielen Familien ist jedoch nicht bewusst, dass sie in den meisten Fällen die rechtlich anerkannten und vertraglich festgelegten Arbeitszeiten überschreiten, wenn sie einen Einsatz rund um die Uhr erwarten.

Es gibt zwar ein großes Interesse auf Seiten der Pflegehaushalte, jedoch kommt es häufig nicht zu einer Vermittlung. Vielen Angehörigen ist die legale Beschäftigung nach diesem Modell nicht nur zu teuer, sondern auch durch ihre Rolle als Arbeitgeber bürokratisch zu aufwendig. Dies hat dazu geführt, dass bisher nur wenige Betreuungskräfte vermittelt wurden und solche Angebote noch nicht in allen Regionen ausgebaut wurden.

Dr. Johanna Krawietz
Soziologin, Universität Hildesheim