Aus: Alzheimer Info 3/13

Auch wenn die Demenzerkrankung den Alltag erschwert, möchten die meisten Menschen in ihrem vertrauten Zuhause bleiben. Doch Sicherheit und Orientierung müssen weiterhin gewährleistet bleiben. In vielen Fällen ist es möglich, mit kleinen Änderungen Gefahren zu entschärfen, dennoch aber eine wohnliche Umgebung zu erhalten.

In der Norderstedter Musterwohnung der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein und des Kompetenzzentrums Demenz werden Lösungen für mehr Selbständigkeit und angepasste Hilfestellungen im Alltag anschaulich gemacht.

Ein häufiger Anlass, der zur Aufgabe der eigenen Häuslichkeit führen kann, ist das Auftreten von Harn- oder (seltener) Stuhlinkontinenz. Der Betroffene verspürt den Drang auf die Toilette gehen zu müssen, kann diese aber nicht finden und sich auch nicht zielgerichtet artikulieren. Dies kann Unruhe und Unsicherheit hervorrufen.

Zur Unterstützung der Selbstständigkeit können verschiedene individuelle Maßnahmen ausprobiert werden:

  • Gute Beleuchtung im und zum Bad: z. B. durch Nachtlichter oder bewegungsgesteuerte Lichtanlagen
  • Orientierungshilfen durch geeignete Beschilderung: z. B. Beschriftung der Badtür mit dem zuhause üblichen Wort oder einer verständlichen Abbildung
  • Einsatz von Kontrasten: z. B. farblich auffällige Badtür; bei weißer Keramik ein farbiger oder hölzerner Toilettendeckel und -sitz
  • Erhöhung der Funktionalität: z. B. durch Anpassung der Sitzhöhe der Toilette oder Anbringung von Haltegriffen
  • Kleidung, die leicht zu öffnen ist: z. B. mit speziellen Gürteln ohne Schnalle, die von der ersten bis zur letzten Hosenschlaufe reichen, den Knopfbereich aber aussparen

Kann der Betroffene nicht mehr allein und sicher zur Toilette finden, gibt es für die Nacht Alarmierungsmöglichkeiten über z. B. ein „Babyphone“ mit Geräusch- oder auch Videoübertragung oder eine Klingelmatte vor dem Bett. So werden mitwohnende Angehörige entlastet, da sie nachts nicht ständig wach bleiben müssen, um den Erkrankten zu beobachten. Verlässt er das Bett, werden sie durch die genannten Warnsysteme informiert.

Die Auswahl zeigt, dass es vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten gibt, um das Wohnen in der eigenen Häuslichkeit sicherer und behaglicher zu gestalten. Bei einem Rundgang durch die Musterwohnung in Norderstedt wird deutlich, dass nicht immer ein großer technischer oder finanzieller Aufwand nötig ist, um den gemeinsamen Alltag zu erleichtern und die Selbstbestimmung aufrecht zu erhalten.

Die Musterwohnung kann an jedem ersten Donnerstag im Monat in der Zeit von 13 bis 15 Uhr nach vorheriger telefonischer Anmeldung besucht werden. Gruppen ab fünf Personen können Besichtigungstermine individuell vereinbaren. In Kombination mit der Besichtigung kann eine Fortbildung durch das Kompetenzzentrum Demenz gebucht werden. Darüber hinaus findet flächendeckend für Schleswig-Holstein eine Qualifizierung von ehrenamtlich Engagierten zu „Wohnberatern“ statt. Die Ehrenamtlichen können dann in ihrem Umfeld das erworbene Fachwissen weitergeben und vor Ort beraten.

Cornelia Prepernau und Antje Holst
Norderstedt