Aus: Alzheimer Info 2/11

Im Pflege-Weiterentwicklungsgesetz 2008 wurden u. a. auch neue Regelungen zur Verbesserung der Pflegequalität getroffen. Mit den Pflegenoten, die als Ergebnis einer Prüfung durch den medizinischen Dienst ermittelt werden, soll nach und nach die Qualität aller ambulanten und stationären Einrichtungen in fünf Bereichen geprüft und veröffentlich werden. Seit dem 1. Dezember 2009 sind die ersten Noten im Internet und sorgen für reichlich Diskussionsstoff.

Mit 82 Einzelkriterien in den Bereichen Pflege und medizinische Versorgung, Umgang mit demenzkranken Bewohnern, soziale Betreuung und Alltagsgestaltung, Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene sowie durch eine Befragung der Bewohner werden Pflegenoten ermittelt.

Im Bereich Umgang mit demenzkranken Bewohnern wird z. B. geprüft, ob gesicherte Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien vorhanden sind, ob mit individuellen Orientierungshilfen gearbeitet wird oder dem Bewohner geeignete Angebote gemacht werden (leider wird nicht kontrolliert, ob die gemachten Angebote auch angenommen werden und dadurch eine Teilhabe der Bewohner auch tatsächlich stattfindet). Aus den Einzelnoten aller fünf Bereiche wird dann die Durchschnittsnote gebildet.

Kritiker dieser Pflegenoten fordern eine Aussetzung des Verfahrens, das sich Krankenkassen und Verbände der Einrichtungen ausgedacht haben, weil es nicht die wirklichen Verhältnisse widerspiegele. Diese Kritik ist aus Sicht der DAlzG berechtigt, denn viele Angehörige können die tatsächlich erlebte Pflegequalität nicht mit den veröffentlichten Noten in Einklang bringen.

Die Pflegenoten können deshalb nur ein Mittel sein, um sich ein Bild über die Qualität in Einrichtungen zu verschaffen. Trotzdem hat das Verfahren dazu beigetragen, eine Diskussion über die Qualität in Pflegeheimen zu befördern. Von Anfang an war klar, dass das Verfahren nicht alle Ansprüche erfüllt. Da es von vornherein dafür keine wissenschaftliche Grundlage gab, wurde gleichzeitig ein wissenschaftliches Projekt „Entwicklung und Erprobung von Instrumenten zur Beurteilung der Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe“ auf den Weg gebracht, das vom Institut für Pflegewissenschaften Bielefeld und dem IGS-Institut Köln durchgeführt wurde.

Dieses Projekt, in dem nach wissenschaftlichen Standards Indikatoren zur Erfassung von Ergebnisqualität entwickelt und evaluiert wurden, ist inzwischen abgeschlossen und hat bei den vielen Verbänden und Einrichtungen, die in einem Beirat das Verfahren begleitet haben, eine große Zustimmung gefunden. Nun ist die Politik gefragt, im Interesse der Betroffenen, aber auch der Einrichtungen, für die zügige Umsetzung des neu entwickelten Verfahrens zu sorgen, damit künftig besser abgebildet wird, welche Qualität die Einrichtungen tatsächlich zu bieten haben.

Sabine Jansen
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., Berlin

Internet: www.pflegenoten.de