Aus: Alzheimer Info 1/14

Das Klinikum Gütersloh ist ein Schwerpunktkrankenhaus, das jährlich etwa 19.000 Patienten stationär und 34.000 ambulant versorgt. Davon sind im Durchschnitt etwa 16,6 Prozent 80 Jahre oder älter (das entspricht für das Jahr 2012 mehr als 3.200 Patienten). Im Jahr 2011 wurden etwa 500 Patienten im Klinikum mit einer Demenz diagnostiziert. Dazu kommen viele Patienten mit einer noch verdeckten demenziellen Erkrankung (oft im Anfangsstadium). Obwohl das Klinikum keine geriatrische Abteilung führt, ist das Thema des Umgangs mit Patienten mit Demenz daher in nahezu allen Disziplinen hoch präsent und brisant.

Mit einem Lächeln und einer Karte mit Rosenmotiv betritt Dietlind Viebrock das Patientenzimmer. Sie ist ehrenamtliche Patientenbegleiterin im Klinikum Gütersloh. Am Krankenbett angekommen, spricht sie laut und deutlich die an Demenz erkrankte Frau an. Schnell kommen sie ins Gespräch: Die mitgebrachte Karte erleichtert den Einstieg. Das Klinikum Gütersloh rief im März 2013 gemeinsam mit der Bürgerstiftung Gütersloh erfolgreich das Projekt „Demenz-Coach“ ins Leben, um diesen Patienten während des stationären Aufenthalts eine besondere Fürsorge zu bieten.

Es gibt viele neue Eindrücke für Dietlind Viebrock, die genauso wie Edith Fuchs zu den ersten ehrenamtlichen Patientenbegleitern gehört. Seit einigen Wochen sind sie regelmäßig auf Station unterwegs und besuchen an Demenz erkrankte Menschen. „Wir möchten die Angehörigen und das Pflegepersonal entlasten und unterstützen“, sagt Dietlind Viebrock. Einmal wöchentlich ist die 55-Jährige im Klinikum Gütersloh aktiv.

Den Anstoß für die ehrenamtlichen Patientenbegleiter gab das Engagement von Katja Plock, Gesundheits- und Krankenpflegerin am Klinikum Gütersloh. „Ich habe in der Familie selbst Demenz erlebt“, erzählt sie über ihre Motivation. Um gezielter auf betroffene Patienten eingehen zu können, hat Katja Plock an der Zentralen Akademie für Berufe im Gesundheitswesen (ZAB) eine Weiterbildung zum Demenz-Coach absolviert. Diese neuartige Ausbildung umfasst über 200 Ausbildungsstunden sowie eine praxisrelevante Hausarbeit. Damit hat die 42-Jährige die Voraussetzung geschaffen, Ehrenamtliche auszubilden.

Schon im ersten Jahr etablierte sich am Klinikum Gütersloh ein Team aus Ehrenamtlichen, das sich mit Freude und Engagement einsetzt. Vorab erhielt jeder Demenzbegleiter eine fundierte und ausführliche Einarbeitung, die sich mit der Demenz als Krankheitsbild, vor allem aber mit dem Umgang mit diesen Patienten befasst. Für das Projekt werden einfühlsame Menschen gesucht, die mit den betroffenen Patienten sprechen, ihnen zuhören und eine Weile für sie da sind. Auch Biografiearbeit oder die Begleitung zu Untersuchungen können Teil des Ehrenamtes sein.

Eine hausinterne Abfrage auf den verschiedenen Stationen signalisierte Katja Plock im Vorfeld, dass der Bedarf da ist. Nach ein paar Wochen zeigt sich bereits der Erfolg: „Die Pflegekräfte merken, dass die Patienten nach dem Besuch der Ehrenamtlichen aufgeweckter sind.“ Dank der guten Ergebnisse wird das Projekt fortgeführt.

Katja Plock
Demenzcoach, Gütersloh