Aus: Alzheimer Info 3/19

Pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz kommen häufig erst dann zu uns, wenn sie so stark belastet sind, dass sie nicht mehr weiterwissen. Andere kommen, wenn sie gerade die Diagnose bekommen haben und sich fragen, wie es nun weitergeht. Oft schildern die Angehörigen, dass sie einen sehr starken Druck von außen spüren und sehr erschöpft sind. Sie fühlen sich überfordert, schlafen schlecht und sind es leid, für alles alleine die Verantwortung zu tragen. Dennoch fühlen sie sich zum Weitermachen verpflichtet und können es sich nur schwer vorstellen, beispielsweise stationäre Pflege in Anspruch zu nehmen.

Während eines allgemeinen Beratungsgesprächs versuchen wir, die aktuelle Situation zu erfassen und dann gemeinsam Entlastungsmöglichkeiten oder Unterstützungsangebote auszumachen. Wir können weitervermitteln oder Schulungen und ehrenamtliche Betreuung organisieren. Im ersten Beratungsgespräch sowie unseren Schulungen (Demenz Partner-Kurs und Schulungsreihe „Hilfe beim Helfen“) können viele offene Fragen geklärt werden, zum Beispiel zum Krankheitsverlauf oder zur Pflegeversicherung.

Für viele Angehörige ist es sehr entlastend zu erfahren, dass das Verhalten der Erkrankten nicht böswillig gemeint ist, um sie persönlich zu ärgern oder zu verletzen. Beim Austausch in den Seminaren oder in der Selbsthilfegruppe erleben sie, dass sie mit der Situation nicht allein sind, sondern dass es anderen ähnlich geht. Es tut ihnen gut, sich mitzuteilen und bei den Zuhörern Verständnis zu finden. Denn gerade Letzteres fehlt häufig bei den Menschen im alltäglichen Umfeld.

In der Vergangenheit haben wir festgestellt, dass die genannten Angebote nicht ausreichen, um den Unterstützungsbedarf der Angehörigen abzudecken, der sich aus den ständigen Veränderungen und immer neuen Verlusten durch die Krankheit ergibt. Im Mai dieses Jahres konnten wir einen weiteren Baustein der Begleitung in unser Angebot aufnehmen: Unsere psychosoziale Beratungsstelle ermöglicht eine kontinuierliche und den Prozess begleitende Beratung und richtet sich ganz individuell nach den Bedürfnissen der jeweiligen Person. Themen für die Beratung sind zum Beispiel eine Reduktion der psychischen Belastung, die Verbesserung von Bewältigungsstrategien oder Stressmanagement. Ziel ist es, pflegende Angehörige auf ihrem persönlichen Weg so zu unterstützen, dass sie möglichst lange und gesund für ihren Menschen mit Demenz da sein können. Finanziert wird diese Beratungsstelle durch eine zweijährige Förderung der Alzheimer Gesellschaft Niedersachen mit Mitteln aus der Aktion „Hand in Hand für Norddeutschland“. Wir freuen uns, dass das Angebot in Anspruch genommen wird und wir viele positive Rückmeldungen erhalten.

Natalie Vandreier
Alzheimer Gesellschaft Hildesheim e.V.