Aus: Alzheimer Info 4/11

Dieses Projekt der Alzheimer-Gesellschaft Berlin wird in Kooperation mit Berliner Gedächtnissprechstunden durchgeführt. Es wird aus Mitteln der Pflegeversicherung und der Senatsverwaltung für Gesundheit finanziert. Die fünf Gruppen in verschiedenen Bezirken werden von der Sozialpädagogin Birgit Henkel und der Psychologin Katharina Bernecker koordiniert, die das Projekt im Gespräch erläuterten.

Frau Henkel, Frau Bernecker, an wen richten sich die „Psychosozialen Treffpunkte“?

An Menschen, bei denen eine fortschreitende Demenzerkrankung im frühen Stadium diagnostiziert wurde. Zumeist erfahren sie in einer der Gedächtnissprechstunden, mit denen wir kooperieren, von unserem Angebot, manchmal auch in einer Beratungsstelle. Bisher gibt es fünf Gruppen, eine sechste ist im Entstehen. Die Gruppen haben sechs bis acht Teilnehmer, die sich einmal wöchentlich für vier Stunden treffen. Die meisten sind im Alter zwischen 65 und 75 Jahren.

Gibt es eine professionelle Leitung?

Die Treffpunkte werden in der Regel von zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern begleitet, die meist eine Ausbildung im sozial/therapeutischen Bereich haben. Außerdem werden sie von uns durch Schulungen und Hospitationen gründlich vorbereitet. Des Weiteren halten wir engen Kontakt zu den Mitarbeiterinnen. Jeden Monat gibt es ein Treffen aller ehrenamtlichen Begleiter.

Was geschieht bei den Treffen der Gruppen?

Alles, was gut tut und was man gerne machen möchte. Die Treffen beginnen mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken, wobei ungezwungen über Ereignisse und Stimmungen der letzten Woche gesprochen werden kann. Danach wird meist zu einer gemeinsamen Unternehmung aufgebrochen. Das kann ein Spaziergang im Grünen sein, ein Besuch im Café oder im Museum oder die Führung durch einen Fernsehsender. Die meisten haben Orientierungsstörungen und fühlen sich in der Gruppe sicherer. Bei schlechtem Wetter kann es ein Kinobesuch sein, oder man entschließt sich, drinnen zu bleiben, zu plaudern, Karten zu spielen oder etwas zu backen.

Über welche Themen wird gesprochen?

Das ist unterschiedlich. In einer Gruppe wird gerne über Politik und Ereignisse, über die die Medien berichten, gesprochen, in einer anderen sind es Alltagsbegebenheiten. Eine Gruppe, die für die Forschung an mehreren Interviews teilgenommen hat, spricht ausführlicher über Krankheit und seelische Belastungen. Wichtig sind auch bestärkende Gespräche am Rande: Jemand sagt: „Ich vergesse so viel“ – worauf ein anderer Teilnehmer entgegnet: „Mir geht es genau so“. Verständnis, Solidarität und Humor tun allen gut.

Wer bestimmt, was getan wird?

Das besprechen und bestimmen die Teilnehmer selbst. Sie wollen etwas unternehmen, und meist wollen sie rausgehen. Diese Selbstbestimmung und der Wunsch aktiv zu sein ist ein besonderes Merkmal dieses Gruppenangebots.

Aus welchen Gründen scheiden Teilnehmerinnen aus?

Wenn körperliche Erkrankungen und Immobilität den Bewegungsradius zu stark einschränken. Oder wenn der stützende Partner verstirbt. Alleinlebende schaffen es oft nicht mehr zu kommen, wenn die Erkrankung weiter fortschreitet und gleichzeitig die nötige Unterstützung fehlt. Die meisten leben mit Angehörigen zusammen, für die wir einmal im Monat eine Gesprächsgruppe anbieten.

Insgesamt gesehen: Was bringt die Teilnahme an den Gruppen der „Psychosozialen Treffpunkte“?

Geistige und körperliche Anregungen durch Gespräche und Unternehmungen mit der Gruppe. Das hält beweglich, erhält Fähigkeiten und wirkt der Neigung zu Rückzug und Depressivität entgegen.

Das Interview führte
Hans-Jürgen Freter
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., Berlin

Kontakt:
Katharina Bernecker, Birgit Henkel
Alzheimer-Gesellschaft Berlin e. V.
Tel: 030 - 25 79 66 97
E-Mail: info[at]alzheimer-berlin.de

Literaturhinweis:
Alzheimer-Gesellschaft Berlin e. V.:
„Unterwegs in Berlin“. Erfahrungen aus Gruppen mit Frühbetroffenen
Heft Nr. 39 der „Mitteilungen“, Juli 2011, Schutzgebühr 2 €