Aus: Alzheimer Info 3/12

Ein deutsch-französischer Austausch

Gemeinsam mit dem Partner in den Urlaub zu fahren – das ist ein häufig geäußerter Wunsch unserer Gruppe „Demenz mitten im Leben“ für jüngere Erkrankte (bis ca. 65 J.) im frühen Stadium. Da sich die meisten Urlaubsangebote an Angehörige mit Partnern im fortgeschrittenen Stadium richten, wurde gemeinsam mit der Gruppe ein eigenes Angebot entwickelt.

Seit drei Jahren besteht regelmäßiger Kontakt zu den Fachkräften des Alzheimer-Vereins in Le Pontet bei Avignon in Südfrankreich (France Alzheimer Vaucluse), die ebenfalls jüngere Menschen in einer frühen Phase der Demenz betreuen. So entstand die Idee, die beteiligten Menschen zusammen zu bringen. Das Projekt „rencontre sans frontières – Begegnung ohne Grenzen“ war geboren.

Nach gut einem Jahr Vorbreitungszeit konnte die Reise im Mai 2012 realisiert werden. Beteiligt waren sieben Betroffene mit ihren Partnern sowie drei Begleitpersonen der Alzheimer Gesellschaft München, die per Flugzeug in die Provence aufbrachen.

Durch die gute Vorbereitung und das abwechselungsreiche Programm der französischen Kolleg/innen verging die Woche wie im Fluge. Zu Beginn wurden wir vom deutschen Konsulat in Marseille empfangen. Besichtigungen und gemeinsames Kochen gehörten ebenso zum Programm wie der Besuch der Geschäftsstelle der Franc Alzheimer Vaucluse und der zugehörigen Tagesstätte. Gemütliche Abende in deutsch-französischer Runde mit Musik und Spaß dienten der Entspannung und Erholung.

Ein ganz besonderes Erlebnis war der Ausflug mit zwei speziell ausgebildeten Therapie-Eseln, die abwechselnd von Betroffenen am Zügel geführt wurden. Esel ordnen sich nicht unter, sondern kooperieren. Daher war die Kommunikation mit den Tieren durch Berührung und Zügelführung sehr wichtig. Die Betroffenen fanden ihr Schritttempo mit dem Esel. „Ich bin glücklich!“, sagte ein Betroffener.

Für Angehörige war es möglich, Stärken und Fähigkeiten ihrer Partner neu zu entdecken. Auch die Kontakte und langen Gespräch mit anderen gaben Kraft und Mut. Alle genossen den vertrauensvollen Umgang, jeder konnte seine Fähigkeiten zeigen und nutzen. Für alle Beteiligten war die Fahrt in jeder Hinsicht eine Bereicherung und ein positives Erlebnis.

Auch der fachliche Austausch zwischen den beiden Alzheimer-Gesellschaften war ein großer Erfolg. Die unterschiedlichen Voraussetzungen, unter denen Projekte realisiert werden können, haben auf beiden Seiten neue Impulse gesetzt.

Dank der Sprachkenntnisse der Projektleitung sowie einiger Helfer und Teilnehmer gab es kaum Verständigungsschwierigkeiten. Die Finanzierung der Reise wurde vor allem durch Mittel aus der Glücksspirale, die Spende eines Rotary Clubs und Eigenbeteiligung der Teilnehmer getragen.

Die Reise wäre aber ohne das überwältigende ehrenamtliche Engagement der französischen Kollegen, Helfer und vieler Sponsoren nicht möglich gewesen. Der Gegenbesuch im nächsten Jahr ist schon in Vorbereitung.

Tobias Bartschinski
Alzheimer Gesellschaft München