Aus: Alzheimer Info 4/18

Claudia Kahl erhält ein Foto ihrer 99-jährigen Mutter direkt aufs Smartphone. Das Bild zeigt die demenzkranke Frau zufrieden beim Essen in ihrem Pflegeheim in Berlin-Steglitz. Nachdem sie eine Zeit lang wenig Appetit hatte, geht das Essen an diesem Tag wieder besser. Geschickt hat das Bild eine Pflegekraft über die Kommunikationsplattform myo. Mit Hilfe dieser App können Pflegekräfte Bilder, Videos und kurze Texte direkt auf das Smartphone eines Angehörigen schicken. Die Angehörigen können darauf antworten. Das Agaplesion Bethanien Sophienhaus in Berlin-Steglitz ist als Einrichtung an der Entwicklung der Plattform beteiligt. Eine Gruppe von Angehörigen, unter anderem Claudia Kahl, hat die App ein Jahr lang getestet.

Myo-Gründer Jasper Böckel und Felix Kuna kamen nach einem Praktikum im Pflegeheim auf die Idee für die App. Böckel erzählt: „Wir waren beeindruckt von der aufopferungsvollen, liebevollen Arbeit der Pflegekräfte. Diese Arbeit ist aber für die Angehörigen oft unsichtbar. Gleichzeitig machen sich Angehörige Sorgen, wie es den Bewohnern im Heim geht. Viele haben ein schlechtes Gewissen – vor allem wenn sie weit entfernt wohnen und nicht so oft zu Besuch kommen können.“ Dadurch komme es immer wieder zu Missverständnissen und unnötigen Konflikten. Dabei soll myo helfen.

„Ich bekomme regelmäßig mehrmals pro Woche kleine Mitteilungen und Fotos von Mutti“, sagt Claudia Kahl. Sie sieht dann, dass ihre Mutter an Aktivitäten oder Festen in der Einrichtung beteiligt ist und daran Freude hat. „Meine Mutter vergisst diese Erlebnisse oft und erzählt nicht von sich aus davon.“ Für Claudia Kahl sind die kurzen Infos eine große Bereicherung: „Ich freue mich, zu sehen, dass es meiner Mutter gut geht und bedanke mich jedes Mal dafür.“ Die App fördere dadurch ihr gutes Verhältnis zu den Pflegekräften, ersetze aber nicht den persönlichen Kontakt. Alle wichtigen Themen bespricht sie weiterhin im direkten Gespräch. Sensible rechtliche odermedizinische Informationen werden über die App nicht geteilt. Das ist vonseiten der Einrichtung so festgelegt. Bewohner bzw. Angehörige haben eine Einverständniserklärung unterschrieben.

Grundsätzlich können Einrichtungen, die myo kaufen, selbst definieren, wie sie die App einsetzen. Sie entscheiden, welche Art von Informationen von wem geteilt werden dürfen und wo die Daten gespeichert werden. Die Daten werden verschlüsselt übertragen und die Firma myo hat selbst keinen Zugriff darauf. Grundsätzlich ist auch eine Schnittstelle zur Pflegedokumentation möglich, sodass die in myo dokumentierten Betreuungsleistungen direkt in die Pflegedoku übertragen werden. Bisher nutzen vier Pflegeheime die neue App.

„Einrichtungen haben ein großes Interesse daran, auch administrative Informationen über die App zu teilen“, sagt Jasper Böckel. Vor allem aber soll myo die Verbindung zwischen Angehörigen und Pflegekräften stärken. Der Name ist abgeleitet von Myosotis, dem lateinischen Namen für Vergissmeinnicht.

Astrid Lärm
DAlzG

Internet:
www.myo.de