Aus: Alzheimer Info 1/15

Wenn Menschen mit Migrationshintergrund von einer Demenzerkrankung betroffen sind, brauchen sie und ihre Angehörigen in besonderer Weise Rat und Unterstützung. Das Demenz-Servicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt in Gelsenkirchen informiert in vielfältiger Weise über diese Unterstützungsmöglichkeiten (siehe Leitartikel). Sportliche Betätigung und Bewegungsangebote sind insbesondere bei älteren Migrantinnen ebenso wenig bekannt wie gesundfördernde Ernährungsformen.

Sport- und Bewegungsangebote für Frauen mit Migrationshintergrund

Aufgrund meiner türkischen Herkunft habe ich versucht, Bewegungsangebote für diese Gruppe als Entlastung zu entwickeln und zu propagieren. Ausgangspunkt ist, dass sportliche Betätigung für Menschen mit Demenz, wie auch für die pflegenden Angehörigen, anerkanntermaßen positive Effekte haben und Entlastung oder Prävention bedeuten kann. Um die Zielgruppe zu erreichen, ist aber die Herangehensweise entscheidend.

Ich habe deshalb ganz behutsam angefangen, mit über 50-jährigen Migrantinnen zu turnen. Die Vorhänge wurden zugezogen und die Tür abgeschlossen – ein geschützter Raum war geschaffen! Ich kenne den kulturellen Hintergrund dieser Frauen und bin damit sehr sensibel umgegangen. In einer der ersten der von mir initiierten Gruppen gab es ein schönes Erlebnis: Eine 76-jährige Teilnehmerin kam in die Gruppe und hatte keine Turnschuhe, sondern selbstgestrickte Söckchen an. Nachdem sie zu Hause ganz begeistert von den positiven Effekten des Bewegungsangebotes berichtet hatte, schenkten ihre Söhne ihr ein Paar Turnschuhe, die sie voller Freude beim nächsten Treffen vorzeigte.

Die Resonanz der ersten Gruppenangebote war so groß, dass zwischenzeitlich 38 Übungsleiterinnen mit Migrationshintergrund durch das Projekt SPIN (Sport International) vom Landessportbund NRW ausgebildet wurden. Diese Übungsleiterinnen haben zahlreiche weitere Gruppen für Frauen mit Migrationshintergrund aufgebaut und trainieren mit ihnen. Als Demenz-Servicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte haben wir einen Leitfaden mit entsprechenden Tipps und Hinweisen in Form einer Broschüre für Fachleute erstellt.

Seit September 2014 beteiligen wir uns an dem Projekt „Sport für Menschen mit Demenz“, das vom Landessportbund NRW und dem Behinderten- und Rehabilitationssportverband NRW ausgeschrieben wurde. Als einziges der 72 bewilligten Angebote wendet sich das der AWO in Gelsenkirchen an Gruppen von Migrantinnen und Migranten.

Langfristiges Ziel ist es hierbei, über sensibilisierte und qualifizierte Übungsleiterinnen Bewegungsangebote flächendeckend anzubieten. Dafür werden in Kooperation mit dem Stadtsportbund Gelsensport weitere 16 Übungsleiterinnen mit Migrationshintergrund im Rahmen von niederschwelligen Fortbildungen zum Thema „Sensibilisierung von Übungsleiter/innen bei demenziell erkrankten Migranten“ geschult und qualifiziert.

Während sich das oben genannte Angebot an demenziell erkrankte Menschen unmittelbar richtet, werden wir zusätzlich auch den pflegenden Angehörigen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit zu sportlicher Betätigung geben. Bewegung gilt zu Recht als eine der besten Formen der Prävention und dient der Erhaltung von Fähigkeiten bei allen Beteiligten. Darüber hinaus bietet die gemeinsame Bewegung Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten sowie Abwechslung vom Alltag.

Ich hoffe, damit einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass auch gerade die erste Generation der Migranten in Ehre und möglichst gesund älter werden kann!

Serpil-Sehray Kilic
Demenz-Servicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte

Kontakt und Informationen:

Serpil-Sehray Kilic
Tel: 02 09 - 604 83 29
E-Mail: serpil.kilic@demenz-service-migration.de