Aus: Alzheimer Info 1/09

Beeinträchtigungen von Sprachverständnis und Sprechen, von Lesen und Schreiben gehören zu den möglichen Störungen der Hirnleistungen bei einer Demenz. Sprachstörungen können die Verständigung zwischen dem Kranken und seiner Umwelt empfindlich stören. Leider beschäftigen sich erst wenige Sprachforscher und Sprachtherapeuten gezielt mit diesem Problembereich, der für die Betroffen meist ganz erhebliche Auswirkungen hat. Sprachstörungen sind Leitsymptome von zwei Unterformen aus der Demenzgruppe frontotemporale Lobärdegenerationen (FTLD).

Bei der progredienten nicht-flüssigen Aphasie (PNFA) kommt es, anfangs relativ isoliert, zu einer langsam, aber stetig zunehmenden Erschwernis der Sprachproduktion, unter anderem mit Lautentstellungen und Telegrammstil. Neuere Untersuchungen zeigen, dass bei PNFA meist Nervengewebe in den vorderen Sprachregionen des Gehirns, den unteren Windungen des linken Stirnlappens, betroffen ist und dass der fortschreitende Untergang von Nervenzellen mit krankhafter Einlagerung des Eiweißkörpers Tau-Protein zusammenhängt.

Die so genannte semantische Demenz (SD) führt bei den Erkrankten zu einem langsam zunehmenden Verlust des Wissens darüber, was Worte bedeuten und bezeichnen. Hier spielt sich der Krankheitsprozess vornehmlich an der vorderen Spitze des linken Schläfenlappens ab. Bei der feingeweblichen Untersuchung findet man die Einlagerung des Proteins TDP-43 in Nervenzellen, die offensichtlich dadurch geschädigt werden, in der Folge untergehen und so einen Schwund an Gehirnsubstanz bedingen, der in bildgebenden Verfahren erkennbar wird.

Als dritte Form der neurodegenerativ bedingten Sprachstörungen wurde in den letzten Jahren die logopenische Aphasie herausgearbeitet. Sprachäußerungen sind langsam und von langen Pausen unterbrochen. Grammatik und Aussprache sind meist erhalten, aber das Sprachverständnis ist B beeinträchtigt, insbesondere auch das Nachsprechen ganzer Sätze. Betroffen sind vor allem die seitlichen Teile des Scheitel- und Schläfenlappens und man findet Alzheimer-typische Gewebsveränderungen.

Für alle drei Formen von "Sprachdemenz" gibt es bis jetzt keine gesicherten Behandlungsverfahren. Medikamentös wird man die Behandlung mit einem Cholinesterase-Hemmer versuchen. Logopädie ist sinnvoll, sollte sich aber auf allgemeine Kommunikationsstrategien und das Arrangement des Betroffenen und seiner Angehörigen mit der sprachlichen Behinderung konzentrieren. Ein schulisches Üben von Sprachaufgaben sollte man vermeiden. An der Ludwig-Maximilians-Universität München beschäftigt sich eine Forschungsgruppe mit Sprachstörungen bei Demenz und erhält seit 2008 eine Förderung aus Finanzmitteln der Exzellenz-Initiative (Projekt "Aufbau und Abbau von sprachlichen Musterbildungen"). Mitarbeiterin der Münchner Gruppe ist auch Frau Dr. Christina Knels, deren Dissertation zum Thema "Klinische Linguistik der primär progredienten Aphasie" durch ein Promotionsstipendium der Deutschen Alzheimer Stiftung gefördert worden war.

Prof. Dr. Adrian Danek
Arbeitsgruppe Kognitive Neurologie, Neurologische Klinik, Ludwig-Maximilians-Universität