Aus: Alzheimer Info 4/11

Für Patienten mit kognitiven Einschränkungen stellt ein Krankenhausaufenthalt in der Regel eine erheblich größere Belastung dar als für kognitiv Gesunde. Weil sie sich nur sehr schwer oder gar nicht auf die neue Umgebung einstellen können, werden sie durch die ungewohnten Bedingungen, beschleunigten Abläufe und fremden Personen irritiert und verlieren oftmals ihre Sicherheit und Selbstständigkeit.

Die Folgen sind oft fatal. Verwirrtheit, Unruhe, Aggressivität und Stürze treten gehäuft auf. Der Krankheitsverlauf wird nicht selten ungünstig beeinflusst, und der Klinikaufenthalt dauert länger. Dennoch ist die Möglichkeit einer Versorgung von Patienten mit der Nebendiagnose Demenz in einer eigens dafür vorgesehenen Einheit im Akutkrankenhaus nach wie vor wenig verbreitet.

Auf der Station Silvia wird versucht, ein günstiges Milieu zu schaffen und die Organisation an die Bedürfnisse der Patienten anzupassen. Das Team der Station arbeitet in Anlehnung an das schwedische SilviahemmetKonzept, das auf einem palliativen Ansatz beruht und alle Berufsgruppen einbezieht. Wesentliche Elemente sind:

  • Symptomkontrolle
  • Kommunikation und Beziehung
  • Teamarbeit
  • Angehörigenarbeit.

Die Umsetzung dieser Behandlungsgrundsätze gelingt nur durch eine konsequente und regelmäßige Schulung aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Baulich wurde auf der Station Silvia  eine wohnliche Raumgestaltung verwirklicht mit Ess-/Wohnzimmer, Gästezimmer, vier großzügig ausgestatteten Zweibettzimmern, geschützter Lage der Station sowie einem Farb- und Lichtkonzept mit Vorherrschen warmer Farben wie Rot und Gelb.

Personell sind die acht Behandlungsplätze an eine allgemeine geriatrische Station bzw. an das Behandlungsteam der Geriatrie mit einem Pflegestellenschlüssel von 1:2 angebunden, zusätzlich verfügt die Station Silvia über zwei eigene Alltagsbegleiter, die ausschließlich dort tätig sind. Auch die Wochenenden sind durch diese "Kümmerer" abgedeckt. Die Patienten auf der Station Silvia, die meist wegen einer internistisch-geriatrischen oder chirurgischen Akuterkrankung dort behandelt werden, haben einen strukturierten Tages- und Wochenplan mit gemeinsamen Mahlzeiten (angepasste Zeiten), Gruppen- und Einzeltherapien, Freizeitaktivitäten, Spaziergängen etc.

In die Station Silvia nicht aufgenommen werden Patienten mit akuten Krankheitszuständen, die eine länger als drei Tage bestehende Bettlägerigkeit erwarten lassen, mit schweren Infekten oder schwerer Demenz, da das frührehabilitative Konzept bei diesen Patienten nicht anwendbar ist. Diese Patienten werden auf den übrigen Stationen von geschultem Personal palliativ nach den Grundsätzen von Silviahemmet versorgt.

Die erweiterte wissenschaftliche Evaluation der Station Silvia läuft gegenwärtig. Es zeichnen sich eine Reihe positiver Effekte ab:

  • Deutlich weniger Unruhe und Aggressivität
  • Geringerer Einsatz von Neuroleptika
  • Verringerte Sturzrate
  • Geringe Weglauftendenz
  • Hohe Zufriedenheit der Patienten
  • Hohe Zufriedenheit der Angehörigen
  • Hohe Mitarbeiterzufriedenheit

Zusammenfassend kann zu diesem Zeitpunkt eine ausgesprochen positive Bilanz gezogen werden. Die weitere Entwicklung wird u. a. ein verbessertes Screening zur Erkennung von Patienten mit kognitiven Einschränkungen umfassen.

Dr. med. Jochen Gerd Hoffmann
Chefarzt Zentrum für Altersmedizin und Demenz, Abteilung Akutgeriatrie und Tagesklinik, Malteser Krankenhaus St. Hildegardis, Köln

Ursula Sottong
Fachstelle Demenz, Malteser Deutschland, und

Regina Schmidt-Zadel
Stellv. Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft NRW